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US-SteuerreformWie Anleger am Kapitalrückfluss in die USA verdienen

Eine Senkung der Steuer auf Unternehmensgewinne, wie sie der designierte US-Präsident Donald Trump plant, wird die US-Wirtschaft ankurbeln. Aktionäre sollten davon profitieren.Gene Epstein 11.12.2016 - 12:00 Uhr

US-Steuern: Wenn Unternehmen zurückkommen.

Foto: Getty Images, Montage, Marcel Stahn

Wenn es der designierte Präsident Donald Trump und der Kongress mit der Ankurbelung der US-Wirtschaft ernst meinen, sollten sie – wie von Trump angekündigt – die Steuern auf Unternehmensgewinne kräftig senken.

US-Unternehmen würden im globalen Wettbewerb dann besser bestehen können. Und sie würden nicht mehr so viel Zeit und Energie in Steuervermeidungstaktiken stecken. Vor allem aber würden sie Billionen Dollar an gehorteten Gewinnen aus dem Ausland zurück in die USA holen.

All das scheint Trump klar zu sein. Im Wahlkampf trat er mit der Aussage an, die Steuer auf Unternehmensgewinne von 35 Prozent auf 15 Prozent senken zu wollen.

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Das wäre zu viel des Guten. Die Steuereinnahmen würden einbrechen, die Staatsverschuldung zulegen. Ein Satz von 22 Prozent könnte ein guter Kompromiss sein, bei dem genau so viel mehr versteuert würde, dass trotz des niedrigeren Steuersatzes für den Staat am Ende gleich viel herausspringt.

Die Idee, dass niedrigere Steuersätze dem Staat wenigstens gleich hohe Einnahmen bringen, geht auf den Ökonomen Arthur Laffer zurück. Laffers „dynamische“ Analyse von 1978 bezieht alle Verhaltensänderungen durch eine Steuersenkung ein. Unternehmen haben einen Anreiz, mehr Gewinn zu erzielen, wenn sie mehr davon behalten dürfen. Und sie müssen weniger Aufwand betreiben, Steuern geringzuhalten.

Es geht um viel Geld. So viel, dass US-Unternehmen bislang äußerst kreativ nach Steuerschlupflöchern suchen. Etwa mit einer mittlerweile eingeschränkten Praxis, die sich „Inversion“ nennt. Dabei wird ein international tätiger US-Konzern von einem Unternehmen gekauft, das seinen Sitz in einem Niedrigsteuerland wie Irland (12,5 Prozent Steuerquote) oder Kanada (26,7 Prozent) hat. Die in den USA erwirtschafteten Gewinne werden weiter nach US-Regeln besteuert, aber für die ausländischen Profite gilt der niedrigere Satz.

"Das Schwarzbuch. Die öffentliche Verschwendung 2017/18" wird vom Bund der Steuerzahler Deutschland herausgegeben.

Foto: dpa

Bayerns Landtagsabgeordnete klagten über fehlenden Durchblick - durch die Fenster ihres Landtags im Münchner Maximilianeum. Das 2014 und 2015 eingebaute "Goetheglas" war zwar historisch stilecht, aber den Abgeordneten nicht durchsichtig genug. Also wurde es wieder ausgebaut und durch modernes Glas ersetzt. Wie teuer der erste Fenstereinbau war, wollte der Landtagspräsident dem Bund der Steuerzahler nicht sagen.

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Die Stadt Hameln - bekannt durch die Legende vom Rattenfänger - hat die schutzwürdigen Bäume in ihren Ortschaften von einem Gutachter erfassen lassen und verkalkulierte sich dabei extrem. Statt 8500 Euro kostet das Gutachten jetzt unfassbare 130.000 Euro. Der Aufwand, aus rund 16.000 Bäumen die schützenswerten zu bestimmen, wurde völlig unterschätzt.

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Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise ab Sommer 2015 musste auch das Land Schleswig-Holstein kurzfristig zusätzliche Kapazitäten für die Erstaufnahme von zugewiesenen Migranten schaffen. Dazu hat man unter anderem rund 4200 Wohncontainer für 49 Millionen Euro und Einrichtungsgegenstände für mehr als 13,6 Millionen Euro angeschafft. Jetzt werden nur noch 340 Wohncontainer genutzt. 44 Container wurden bis Ende Juni 2017 verkauft – zu rund 25 Prozent des Einkaufspreises – und 900 Stück kostenlos an gemeinnützige Einrichtungen abgegeben. Auch für die Einrichtungsgegenstände fanden sich bislang kaum Käufer, ganze 150.000 Euro konnten eingenommen werden. Den Vorschlag des Bundes der Steuerzahler, die möglicherweise überhöhten Einkaufspreise durch die staatlichen Preisprüfer abklopfen und gegebenenfalls herabsetzen zu lassen, haben bislang weder das Land noch die Kommunen in Schleswig-Holstein aufgegriffen.

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Die vier Bundestags-Fraktionen (der alten Legislatur) erhalten für dieses Jahr insgesamt 88,1 Millionen Euro. Bis heute wurde die Frage, ob die Fraktionen einen solch hohen Bedarf an Steuermitteln wirklich benötigen, nicht beantwortet. Denn nachvollziehbare Bedarfs-Analysen zum notwendigen Umfang der Fraktionsfinanzierung gibt es nicht. Vielmehr entscheiden die Fraktionen im Rahmen der jährlichen Haushaltsberatungen über die Höhe ihrer Zuschüsse weitgehend selbst – basierend auf einem gesetzlich geregelten Erhöhungsautomatismus.

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Die Stadt Frankfurt am Main wollte eigentlich schon 2010 höhere Einnahmen mit der Nutzung von öffentlichen Werbeflächen durch Werbepartner erzielen. Die Kündigung der alten Verträge war aber nach Ansicht der Werbepartner nicht gültig. Die Stadt ließ sich das gefallen, ohne dagegen vorzugehen. Indem sie ab 2018 neue Verträge zu verbesserten Konditionen abschloss, akzeptierte sie die bisherigen ungünstigen Verträge. Ein Einnahmeausfall im zweistelligen Millionenbereich ist die Folge.

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Zu einer gewaltigen Kostensteigerung kam es bei der Sanierung des Ehrenbürg-Gymnasiums in Forchheim. Aus einer zunächst geplanten lediglich energetischen Sanierung des Schulgebäudes wurde schließlich eine Komplettsanierung – mit entsprechenden Kostensteigerungen. Auch führten Mängel in Ausschreibung und Projektabwicklung zu mehrfachen Wechseln im Architekten- und Planungsteam. All dies zog weitere Mehrkosten nach sich, sodass man schließlich bei Gesamtkosten von rund 14,7 Millionen Euro angelangt ist. Ursprünglich waren 5,38 Millionen vorgesehen.

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Die Erweiterung der Gebäude des Deutschen Bundestages wird wegen eines Schadens an der Bodenplatte des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses deutlich teurer als geplant. Über den gesamten Zeitraum belaufen sich die Kosten hierfür auf 13,6 Millionen Euro. Statt wie geplant 2014 verzögert sich die Fertigstellung bis weit in die 19. Legislaturperiode, wodurch zusätzliche Kosten von 47 Millionen Euro für Ersatzbüros entstehen.

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Eine 8,4 Millionen Euro teure Umgehungsstraße soll das ostfriesische Bensersiel an der Nordseeküste vom Durchgangsverkehr entlasten. Das konnte sie aber nur kurz, denn seit Monaten ist sie gesperrt. Die 2,1 Kilometer lange Strecke führt nämlich mitten durch ein europäisches Vogelschutzgebiet und ist deshalb für illegal erklärt worden. Möglicherweise muss die Straße auf Kosten der Steuerzahler wieder beseitigt werden.

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Schwarzbuch der Steuerzahler 2016

370.000 Euro hat das gekostet, was auf den ersten Blick eine Drohne zu sein scheint, die über dem hannoverschen Platz Kröpcke schwebt. Es ist aber eine Lichtinstallation, die der Bund der Steuerzahler als unangemessen einstuft. Es ist einer von zehn Fällen der Länder Niedersachsen und Bremen, die das Schwarzbuch 2016 aufführte. Die Luxusleuchten sind zwar mit eigener Heizung und Ultraschallanlage gegen Taubenkot ausgestattet, fallen aber in der Dunkelheit kaum auf.

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Ein Mülleimer vom Typ "Toluca", aufgenommen in der Fußgängerzone in Leverkusen. Der Bund der Steuerzahler kritisierte 2016 die Anschaffungskosten in Höhe von 1258 Euro pro Tonne.

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Kleines Häuschen, große Kosten. Der Bund der Steuerzahler bemängelte 2016 den ersten Pachtvertrag dieses Toilettenhäuschens in Ahrensburg. Die realen Kosten für die Stadt lagen laut des Bundes der Steuerzahler bei rund 30 Euro pro Nutzung.

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Rund 137.000 Euro hätten den Steuerzahlern laut Schwarzbuch 2016 erspart bleiben können, wenn bei diesem Brückenneubau in Schwerins Innenstadt jemand festgestellt hätte, dass sich die Gleise auf unterschiedlichen Fahrbahnen befinden und nicht auf der Brücke treffen. Hat aber niemand. Das musste passieren, als es zu spät war.

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Auf einer der berühmtesten Straßen der Welt, der 5th Avenue in New York, besitzt die Bundesregierung einen hochwertigen Bürokomplex. Und nutzt ihn nicht. 80.000 Euro Kosten entstehen dem Staat dadurch jährlich, monierte der Bund der Steuerzahler im Schwarzbuch 2016. Vormals war hier das Goethe-Institut untergebracht, doch Mängel im Brandschutz, so das Schwarzbuch wären die Ursache, dass es seit 2009 leer steht. Ans Verkaufen denkt wohl auch keiner, nicht mal ein Wertgutachten sei erstellt worden, klagen die Steuerschützer.

Foto: REUTERS

Yachten und Motorboote sind teuer - Hafenanlagen steigen in den Baukosten. Gleich dreimal so hoch wie ursprünglich geplant sind die Kosten für das Areal in Teltow in Brandenburg, bemängelte der Bund der Steuerzahler 2016.

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Die Sanierung der Oper in Köln hat sich stark verzögert, dadurch wird es deutlich teurer. Der Bund der Steuerzahler bemängelte allein in Nordrhein-Westfalen mehr als 20 Fälle von Kostensteigerungen.

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Vier gewinnt! Nein - sie verlieren. Sowohl die JVA Aichach, das Freilichtmuseum Glentleiten, das Staatstheater am Münchner Gärtnerplatz und das Chemikum der Universität Erlangen-Nürnberg kritisierte der Landesverband Bayern vom Bund der Steuerzahler in seinem "Schwarzbuch 2016" wegen Kostensteigerungen bei Baumaßnahmen.

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Diese Schulbushaltestelle in Ratzeburg in Schleswig-Holstein konnte wegen zu geringer Straßenbreite nicht genutzt werden, wie das Schwarzbuch 2016 monierte.

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Eine Reise ins Nichts? Nicht ganz, denn sie endet auf der gegenüberliegenden Seite. Der vollautomatische betriebene Bahnübergang an der Bahnstrecke im Kamenzer Ortsteil Gelenau in Sachsen kostete 714.000 Euro, wie das Schwarzbuch 2016 monierte.

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Im April 2016 hat der Bundesrechnungshof Mängel bei der Vergabe von Rüstungsaufträgen durch die Bundeswehr kritisiert. 2012 habe sie 60 Millionen Euro für 30 Lenkflugkörper bezahlt, ohne vorher die Einsatzfähigkeit des Waffensystems für die Korvetten der Marine (im Bild) ausreichend zu prüfen. Ein Jahr später seien zwei Flugkörper bei der Einsatzprüfung ins Meer gestürzt. Eine Wiederholung des Tests habe mehrere Millionen Euro gekostet und ergeben, dass die Lenkflugkörper nur gegen Ziele auf See, aber nicht gegen Ziele an Land eingesetzt werden könnten.

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Oder US-Unternehmen eröffnen Töchter in Niedrigsteuerzonen und belassen die Gewinne dort. Eine Taktik, die dazu geführt hat, dass US-Unternehmen rund zwei Billionen Dollar außerhalb des Landes bunkern, die bei Rückführung den hohen US-Steuern unterliegen würden.

Dann gibt es das trickreiche Thema Verrechnungspreise. Zum Beispiel kann ein US-Unternehmen Material von einer Tochter in Irland beziehen, wo die Steuer wesentlich niedriger ist. Dabei werden nun – innerhalb gewisser Grenzen – überhöhte Preise für die eingekauften Güter verrechnet, was den Gewinn des US-Unternehmens drückt, jenen im steuergünstigen Ausland hingegen steigen lässt. Die Verrechnungspreise für Käufe und Verkäufe zwischen Unternehmen des Konzerns werden also, je nach Transaktionsrichtung, zu hoch oder zu niedrig angesetzt. Durch eine Steuersenkung würden all diese Manöver an Attraktivität verlieren. Und weil dadurch ein Anreiz entsteht, mehr in die Wirtschaft im Inland zu investieren, würden die Gewinne und damit letztlich das Steueraufkommen steigen.

Steuern

Deutschlands dreisteste Steueroase

von Konrad Fischer

Die in Washington ansässige Tax Foundation, ein unabhängiges Forschungsinstitut, erwartet geringere Staatseinnahmen durch Trumps Steuersenkungsplan. Denn damit würden kurzfristig „mehr Investitionen gefördert, was zu höheren Investitionsabschreibungen führen und damit die besteuerbaren Unternehmensgewinne reduzieren“ würde. Bei einer Betrachtung über einen Zeitraum von zehn Jahren jedoch – den die Tax Foundation selbst untersucht – zeigt sich, dass die zusätzlichen Investitionen mehr Gewinne und damit eine Erhöhung der besteuerbaren Einnahmen zur Folge hätten. Und selbst auf kürzere Sicht dürfte das Steueraufkommen durch indirekte Effekte steigen. Etwa wenn Aktionäre mehr Dividenden und Kursgewinne einstreichen und diese Einnahmen versteuern müssen. Oder wenn Angestellte dann mehr verdienen. Alles zusammengerechnet, könnte die Steuersenkung die Staatseinnahmen daher steigen lassen. Zunächst aber wäre vor allem die Ankurbelung der Wirtschaft fühlbar. Die meisten Handelspartner der USA setzen daher schon auf niedrige Steuersätze.

Siemens-Chef Joe Kaeser

"Gebt ihm eine Chance", sagte der Manager am Donnerstag auf "CNBC" zur Wahl Donald Trumps. "Wir müssen schauen, was wir zusammen machen können. Lasst es uns positiv angehen." Der Siemens-Chef gratulierte Trump zum Wahlsieg und erhofft sich aufgrund der von Trump in Aussicht gestellten Erneuerung der US-Infrastruktur neue Aufträge. "Die USA sind unser größter Einzelmarkt", betonte Kaeser auf "Bloomberg TV". "Wir bieten gerne unsere Zusammenarbeit und unsere Stärke an."

Foto: AP

Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz

"Dieser Wahlausgang bestätigt, wie groß der Anteil der Amerikaner ist, der sich enttäuscht vom Establishment abgewendet hat. Die Riesenherausforderung für Trump besteht nun darin, die auseinanderstrebenden gesellschaftlichen Strömungen wieder zusammenzuführen", sagt Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz.

"Wir werden ein längere Phase der Unsicherheit erleben, bis sich das Regierungsprogramm Trumps kristallisiert. Ich rechne mit einer eher expansiven, stimulierenden Fiskalpolitik, aber auch mit der Neigung zu einer protektionistischen Handelspolitik mit weitreichend negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Der Präsident wird wohl TTIP einstellen. Doch steht zu hoffen, dass irgendwann ein neuer Anlauf zur stärkeren Marktintegration zwischen der EU und den USA erfolgt.

Trumps dringendste Aufgabe ist es, den amerikanischen Traum vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten wieder zu beleben. Helfen würden dabei die Modernisierung der Infrastruktur, Verringerung des klaffenden Wohlstandsgefälles plus Maßnahmen des sozialen Ausgleichs und deutlich gerechtere Bildungschancen für alle Amerikaner. Dann könnte es ihm auch gelingen, die Gräben, die dieser beispiellos laute und rohe Wahlkampf aufgeworfen hat, wieder zuzuschütten. Und es wäre der richtige Ansatz, um die Enttäuschten und Zurückgelassenen in die gesellschaftliche Mitte zurückzuholen und mit ihrem Land und seinen tragenden Ideen zu versöhnen. Außenpolitisch ist Trump noch ein unbeschriebenes Blatt. Das schafft zusätzliche Unsicherheit."

Foto: REUTERS

Olaf Berlien, Vorstandsvorsitzender von Osram

"Ich glaube, dass die meisten Leute nicht damit gerechnet haben." Die Prognosen hätten das Ergebnis nicht abgebildet, so Berlien. Er betont: "Trump ist demokratisch gewählt." Es gelte jetzt den Blick nach vorne zu richten und darüber nachzudenken, wie das Land geeint werden kann.

Die Folgen für Osram selbst seien gering, sagt der Vorstandsvorsitzende. "Auf unser Geschäft hat es keine Auswirkungen, denn wir fertigen in den USA für die USA."

Foto: dpa

Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender von Bayer

„Nach einem intensiven Wahlkampf warten auf den neuen US-Präsidenten wichtige Herausforderungen. Zum Beispiel kommt es jetzt darauf an, die Partnerschaft zwischen den USA und der EU weiter zu stärken. Gerade der Ausbau unserer Handelsbeziehungen ist für den Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks von entscheidender Bedeutung", sagt Baumann, der gerade mitten in der Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto steckt. Die Übernahme ist die größte in der Geschichte der deutschen Wirtschaft.

Bayer will mit der Übernahme von Monsanto ein zweites Standbein zu seinem Pharmageschäft aufbauen, mit dem Bayer ebenfalls sehr stark in den USA ist. "Ein weiterer Schwerpunkt sollte sein, das Gesundheitssystem in den USA so weiterzuentwickeln, dass mehr Patienten Zugang zu neuen und innovativen Therapien erhalten", so Baumann.

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Peter Terium, Vorstandsvorsitzender von Innogy

"Ich bin ein großer Freund von Wettbewerb und fairem Wettkampf – aber diesen US-Wahlkampf empfand ich persönlich als sehr hart und stellenweise auch als unerträglich. Jetzt herrscht Klarheit. Wir Europäer brauchen ein starkes Amerika an unserer Seite, denn die globalen Probleme lösen wir nicht allein", sagt Terium über den Wahlkampf. Doch er hofft weiter auf eine Energiewende in den USA: "Was die Energiewelt betrifft, glaube ich nicht, dass der Ausgang der US-Wahl große Auswirkungen etwa auf die Entwicklung hin zu erneuerbaren Energien hat. Das UN-Abkommen von Paris verpflichtet ja jede US-Regierung zum Klimaschutz. Und eine Revolution geht nie vom König aus. Die zahlreichen Initiativen für erneuerbare Energien oder auch Elektromobilität, die es in den USA auf regionaler und lokaler Ebene gibt, lassen sich nicht einfach so von Washington aus stoppen. Und im Silicon Valley ist es der Business Community ohnehin weitgehend egal, wer an der Ostküste im Weißen Haus regiert."

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Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA)

„Was die Wahl von Trump für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in den USA konkret bedeutet, ist noch nicht vollständig erkennbar. Als Präsident der größten Volkswirtschaft trägt er große Verantwortung für sein Land, aber auch für die Weltkonjunktur und die internationalen Beziehungen. Es ist zu hoffen, dass viele seiner Ankündigungen dem Wahlkampf geschuldet waren und dass sein Regierungshandeln selbst durch einen moderateren Kurs geprägt sein wird", sagt Matthias Wissmann, oberster Interessensvertreter der deutschen Autobranche.

Er hofft, dass Trump von seiner ablehnenden Position gegen TTIP abrückt: "Mehr Protektionismus oder zusätzliche Handelsbarrieren würden den Vereinigten Staaten ebenso schaden wie ihren Handelspartnern. Deswegen ist TTIP von besonderer Bedeutung. So hoffen wir, dass es auch mit Donald Trump weitere Impulse für die TTIP-Verhandlungen gibt."

Eines zeige die Wahl in den USA ganz deutlich, so Wissmann: "Der Wettbewerb der großen Industrienationen wird härter, das Ringen um industrielle Produktionsstandorte nimmt zu. Es steht zu befürchten, dass die USA unter ihrem neuen Präsidenten ebenso wie China vor allem auf ihre eigene Wirtschaft schauen – zu Lasten internationaler Beziehungen und Handelsströme."

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Dieter Zetsche, Vorstandschef Daimler

"Nach den Brexit-Prognosen und dem Ausgang der Wahl in Großbritannien war ich gewarnt vor Prognosen. Das Ergebnis in USA habe ich so aber nicht erwartet. Ich versuche mich offen zu halten. Dass jetzt aber eine gehörige Portion Skepsis da ist, ist klar."

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Harald Krüger, Vorstandschef BMW

"Es ist viel zu früh, das zu bewerten. Aber klar ist: Wir brauchen einen offenen Welthandel. Wir leben von offenen Märkten."

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Matthias Müller, Vorstandschef Volkswagen

"Wir sind in einer spezifischen Situation. Ich hoffe, dass sich das Wahlergebnis nicht noch nachteilig auf VW auswirkt. Wir verhandeln seit Monaten mit den US-Behörden (über den Dieselskandal, Anm. d. Red.) und wollen das alsbald zu einem gedeihlichen Ende bringen. Wir warten nun gespannt, wie die Behörden Anfang des Jahres neu besetzt werden."

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Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG

„Ich bin zuversichtlich, dass der zukünftige Präsident der USA die wirtschaftliche Partnerschaft mit Deutschland und der ganzen Welt fortführen wird. Die Vergangenheit hat klar gezeigt, dass insbesondere die amerikanische Wirtschaft, wie auch Gesellschaft, vom freien und globalen Handel profitierte", sagt Karl-Heinz Streibich.

Die Software AG ist Deutschlands zweitgrößter IT-Konzern nach SAP. Das Unternehmen erwirtschaftet rund 31 Prozent des Jahresumsatzes in US-Dollar.

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Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post DHL

„Unser Unternehmen ist in den USA auf Wachstumskurs und wir möchten diese Entwicklung auch nach der US-Wahl fortsetzen. Unser Ziel ist es, globalen Handel weiter voranzutreiben und wir sind überzeugt, dass die USA dabei auch zukünftig eine konstruktive Rolle spielen werden. Unser Hauptfokus liegt darauf, unseren Kunden auch in Zukunft den qualitativ hochwertigen Service zu bieten, der weltweit zum Markenzeichen von DHL geworden ist.“

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Lutz Goebel, Präsident des Verbandes der Familienunternehmer

"Ein Black Tuesday für den Welthandel."

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Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie

Grillo hat den neuen US-Präsidenten Donald Trump davor gewarnt, die amerikanische Wirtschaft abzuschotten. „Die Vereinigten Staaten müssen weiter auf offene Märkte setzen. Alles andere wäre Gift für die US-Wirtschaft“, sagte Grillo. Die USA seien einer der wichtigsten Partner Europas, um den weltweiten Handel zu gestalten. Die deutsche Wirtschaft werde weiter für ein faires Handelsabkommen TTIP mit guten Regeln für Europa und die USA werben. Trump hatte TTIP im Wahlkampf als „größte Gefahr“ für US-Unternehmen kritisiert.

Foto: dpa

Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA)

„Mit großer Sorge blickt die Maschinenbauindustrie daher auf das Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten. Der künftige US-Präsident Donald Trump hat im Wahlkampf eine Kehrtwende in der amerikanischen Handelspolitik angekündigt und will Zölle und andere Handelshemmnisse wieder aufbauen. Zwar rechnet der VDMA derzeit noch nicht mit einer Anhebung der Einfuhrzölle auf deutsche Maschinenbauprodukte. Aber die protektionistischen Vorschläge von Donald Trump würden sich direkt auf das Investitionsklima in den USA auswirken und damit auch auf die Maschinenimporte aus Deutschland", sagt Brodtmann.

„Natürlich respektieren wir dieses demokratische Wahlergebnis. Donald Trump würde aber, falls er seine angekündigten Maßnahmen als Präsident tatsächlich umsetzt, vor allem seinem eigenen Land schaden. Falls die größte Wirtschaftsmacht der Welt einen protektionistischen Kurs fährt, wird das rund um den Globus zu spüren sein. Wir können nur hoffen, dass er seinen Worten keine entsprechenden Taten folgen lässt."

Foto: WirtschaftsWoche

Jörg Schneider, Finanzvorstand des Rückversicherers Munich RE

"Die USA sind nicht nur die größte Volkswirtschaft, sondern auch der wichtigstes Versicherungsmarkt der Welt. Und zwar nicht nur gemessen am Umsatz, sondern auch seiner Innovationskraft", sagt Jörg Schneider, Finanzvorstand der Munich RE. "Wir hoffen, dass es jetzt schnell Klarheit über die wirtschaftspolitische Ausrichtung gibt. Für Munich Re ist die globale Diversifikation ein wesentliches Unternehmensmerkmal. Protektionismus schadet jeder wirtschaftlichen Entwicklung, deshalb hoffen wir auf ein Bekenntnis der USA zum freien Handel. Was die Kapitalmärkte angeht, sehen wir im Moment erhebliche Volatilitäten. In jüngster Zeit – nach dem Brexit-Votum – hat sich aber auch gezeigt, dass die Märkte sich wieder schnell beruhigten. Das bleibt abzuwarten."

Foto: dpa

Steven Holland, Vorstandsvorsitzender Brenntag

Der weltgrößte Chemie-Händler Brenntag sieht nach Trumps Wahlsieg auch Chancen. Es sei mit einem wirtschaftsfreundlicheren Umfeld zu rechnen. "Wenn er sein Versprechen einlöst und für Wirtschaftswachstum sorgt, wird das wie jeder makro-ökonomische Aufschwung zum Vorteil von Brenntag sein", sagte Steven Holland, Vorstandsvorsitzender von Brenntag.

Gerade in seinem wichtigen Markt USA hat das Unternehmen derzeit mit einer schwachen Nachfrage aus der Industrie zu kämpfen. Durch den Ölpreisverfall halten sich Kunden in der Öl- und Gasbranche der USA seit Längerem zurück.

Foto: dpa

In den vergangenen 35 Jahren haben andere Länder bei den Spitzensteuersätzen auf Unternehmensgewinne wesentlich stärkere Einschnitte gemacht als die USA. Bei praktisch jedem Vergleich zwischen der Steuerlast in den USA (einschließlich lokaler Abgaben) und der Unternehmensbesteuerung im Rest der Welt zeigt sich, dass die Belastung in Amerika höher ist.

So beträgt der Spitzensteuersatz in den USA 35 Prozent – dazu kommen weitere vier Prozentpunkte auf lokaler Ebene. Das ist zum Beispiel mehr als der vergleichbare Satz in Deutschland oder Japan.

Gegner einer Senkung der Körperschaftsteuer weisen auf die vielen Schlupflöcher hin, die mit kreativer Buchhaltung schon heute genutzt werden. Eine Studie kam jedoch zum Schluss, dass die USA selbst bei Berücksichtigung dieser Schlupflöcher noch immer die zweithöchste effektive Steuerquote weltweit aufweisen.

Der Ökonom Gregory Mankiw von der Harvard University vertritt den Standpunkt, dass Steuersenkungen nicht den Unternehmen selbst nützen, denn sie seien letzten Endes gar nicht wirklich Steuerzahler. Stellt sich die Frage, wen die Hauptlast der Unternehmensbesteuerung trifft. Vielfach wird angenommen, das seien vor allem die Eigentümer wie Aktionäre, aber auch Anleiheinvestoren und selbst die Kunden würden einen Beitrag leisten.

Arbeitnehmer profitieren

Chris Edwards und Daniel J. Mitchell vom libertären Thinktank Cato Institute argumentieren plausibel, dass die Steuerzahler in der heutigen Welt vor allem die Arbeitskräfte sind: „In der globalisierten Wirtschaft wird die Last der Unternehmensbesteuerung hauptsächlich in Form niedrigerer Löhne von den Arbeitskräften getragen. Wenn amerikanische und ausländische Halbleiterhersteller und Pharmafirmen wegen der höheren Steuern keine Fabriken in den USA bauen, leiden die amerikanischen Arbeitnehmer darunter.“

Doch ganz entziehen kann sich niemand. Irgendwo muss jedes Unternehmen Steuern zahlen. Wenn die Körperschaftsteuern in vielen Ländern über die Jahre gesenkt wurden, dann sollte man annehmen – sofern man nicht an den „Laffer-Effekt“ glaubt –, dass die entsprechenden Steuereinnahmen gesunken sind; insbesondere da die Unternehmen tendenziell in Niedrigsteuerländer ausweichen.

Doch eine statistische Analyse zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Tatsächlich deuten die Ergebnisse eher daraufhin, dass eine niedrigere Körperschaftsteuer einen Zuwachs und keinen Rückgang des Steueraufkommens gebracht hat. Eine Steuersenkung könnte somit nicht nur aufkommensneutral sein, sondern die Einnahmen steigen lassen. Das würde gut zu Laffers Analyse passen.

Für die zwei Billionen Dollar von US-Firmen im Ausland geparkte Gewinne wäre ein „Amnestiesteuersatz“ von zehn Prozent angemessen, um eine Rückführung zu erreichen. Die Unternehmen haben ja bereits dort Steuern entrichtet, wo sie die Profite gemacht haben, sodass ein Nachlass gerechtfertigt ist. Zehn Prozent wären daher ein guter Kompromiss. Nun müssen den Worten nur noch Taten folgen.

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