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Affäre um Donald Trump Jr.Wie der Trump-Sohn seinen Vater in Bedrängnis bringt

Donald Trump Jr. gerät zunehmend ins Visier der Ermittlungen zu den Kontakten zwischen Russland und dem Trump-Umfeld während der Wahl 2016. Was steckt hinter dem Treffen mit einer russischen Anwältin?Katja Joho 11.07.2017 - 12:00 Uhr

Donald Trump Jr. (rechts) könnte seinen Vater, US-Präsident Donald Trump (links), wegen Russland-Kontakten möglicherweise Probleme bereiten.

Foto: REUTERS

In den USA wollen Senatoren beider Parteien im Geheimdienstausschuss Donald Trump Jr. zu dessen Treffen mit einer russischen Anwältin während des Wahlkampfs befragen. Dieses Gespräch könnte für die Ermittlungen zu den Russlandkontakten der heutigen US-Regierung relevant sein. Die wichtigen Fragen und Antworten im Überblick:

Das ist Donald Trump Jr.
Donald Trump Jr. studierte an der Wharton School of Finance der University of Pennsylvania und schloss diese mit dem Bachelor of Science in Finanzen und Immobilien ab.
Donald Trump Jr. ist der älteste Sohn von Donald Trump und dessen Ex-Frau Ivana Trump. Seit November 2005 ist er mit Vanessa Trump (geborene Haydon) verheiratet. Gemeinsam haben sie fünf Kinder.
In den Präsidentschaftswahlkampf war Trumps ältester Sohn stark involviert. Auch bei der Amtseinführung wurde deutlich, dass er seinem Vater nahe steht – bei der Vereidigung war er seinem Vater ganz nahe.
Nach seinem Universitäts-Abschluss jobbte er als Barkeeper, bevor er in das Trump-Familienunternehmen einstieg und dort in verschiedenen Tochterunternehmen in unterschiedlichsten Positionen arbeitete. So war er unter anderem für die Finanzierung und den Bau des Trump International Hotel & Tower in Chicago verantwortlich.Anders als seine Schwester Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner wechselte Trump Jr. nicht ins Weiße Haus, um dort für seinen Vater zu arbeiten. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Eric hat der die Geschäfte seines Vaters und damit die Leitung des Familienunternehmens "The Trump Organization" übernommen.

Um was geht es bei der ganzen "Affäre" eigentlich?

Donald Trump Jr. traf im Wahlkampf eine russische Anwältin, um kompromittierendes Material über Hillary Clinton zu bekommen. Die "New York Times" berichtet, Trump Jr. habe vor der Begegnung eine E-Mail des Publizisten Rob Goldstone erhalten. Darin habe dieser angedeutet, dass die von der Anwältin in Aussicht gestellten kompromittierenden Informationen über die Trump-Rivalin Clinton von der russischen Regierung stammten und diese Trump im Wahlkampf unterstützen wolle.

Bei dem Gespräch im Juni waren auch der Schwiegersohn des Präsidenten, Jared Kushner, und der damalige Vorsitzende der Wahlkampagne, Paul Manafort, anwesend. Sein Vater habe nichts davon gewusst, sagte Trump Jr. Es sei aber nichts Wichtiges dabei herausgekommen, erklärte er. Die Äußerungen der Anwältin seien vage und mehrdeutig gewesen, sie hätten keinen Sinn ergeben, so Trump Jr. weiter. Einzelheiten oder weitergehende Informationen seien ihm nicht angeboten worden. „Es wurde schnell deutlich, dass sie keine wichtige Information hatte.“ Zuvor hatte er das Treffen mit der Russin zwar bestätigt, aber erklärt, es hatte nichts mit dem Wahlkampf zu tun.

Der 45. Präsident der USA heißt Donald Trump, die First Lady Melania. Für den Wahlsieger spielte seine Familie eine wichtige Rolle im Wahlkampf – und tut es auch während der Präsidentschaft noch. Denn Donald Trump misstraut den meisten politischen Beratern. Nur seine engsten Angehörigen dürfen ihm die Meinung sagen und Ratschläge geben.

Foto: REUTERS

Ivanka Trump

Trumps Tochter Ivanka zeichnete im Wahlkampf ihres Vaters das Bild eines titanischen Menschen mit unglaublichen Fähigkeiten für die USA. Das Verhältnis zwischen Vater und Tochter soll so stark sein, dass sich US-Medien zeitweise ernsthaft mit der Möglichkeit beschäftigten, dass Trump seine Tochter zu seiner Stellvertreterin ernennen könnte. Die 34-Jährige zielte vor allem auf weibliche Wähler ab. Sie hat Wirtschaft studiert und führt gemeinsam mit Donald und Eric das operative Geschäft bei der Trump Organization. Ivanka Trump ist die Tochter von Trumps Ex-Frau Ivana.

Foto: AP

Donald Trump Jr

„Es ist mir eine Ehre, heute Abend in der Lage zu sein, Donald Trump über die nötige Hürde der Delegiertenstimmen zu verhelfen.“ Das sagte Donald Trump Jr. in Cleveland bei der Bekanntgabe der Delegiertenstimmen aus Trumps Heimatstaat New York. Diese verhalfen dem Präsidentschaftskandidaten formal zur Mehrheit in den Vorwahlen. „Glückwunsch, Dad. Wir lieben dich!“, rief er.

Donald Trump Jr. ist der älteste Sohn des Kandidaten und Vizepräsident der Trump Organisation. Studiert hat er genauso wie seine Halbschwester Tiffany in Philadelphia. Trump Jr. ist seit 2005 mit Vanessa Haydon verheiratet und hat fünf Kinder. „In unternehmerischen und politischen Fragen können wir das Denken unseres Vaters natürlich beeinflussen, auch wenn er am Ende immer selbst entscheidet“, sagt Donald Trump Jr. „Ivanka, Eric und ich können ehrlich mit ihm sein.“

Foto: AP

Tiffany Trump

Trumps jüngste Tochter Tiffany empfahl ihren Vater in ihrer Parteitagsrede als „natürlichen Mutmacher.“ Er habe sie dazu motiviert, ihr Bestes zu geben, sagte die 22-Jährige. Vor den Delegierten legte sie während der Vorwahlen zudem Zeugnis über den Charakter ihres Vaters ab...

Foto: REUTERS

Tiffany Trump

Es sei Trumps Art, nie zurückzuweichen oder sich von Angst blockieren zu lassen, sagte Tiffany. Ihr Vater würde nie jemandem raten, Ansprüche herunterzuschrauben oder einen Traum aufzugeben.

Die 22-Jährige ging aus der Ehe mit der Schauspielerin Marla Maples hervor, mit der Donald Trump von 1993 bis 1999 verheiratet war. Tiffany Trump hat in diesem Jahr ihren Abschluss an der Universität von Pennsylvania gemacht. Ihr gehören drei Trump-Gebäude.

Foto: REUTERS

Eric Trump

Auch Eric Trump warb öffentlich für seinen Vater. Er ist der Sohn von Ivana Trump, der ersten Ehefrau des Milliardärs.

Foto: AP

Seine Ehefrau Lara Yunaska stand ihm bei jeder Wahlkampfveranstaltung seines Vaters zur Seite. Eric ist der Sohn von Ivana Trump, Trumps erster Ehefrau. Im Jahr 2012 wurde Eric vom „Forbes“-Magazin zu einem der Top 30-Immobiliengurus gekürt. Er leitet gemeinsam mit seinen Geschwistern das Trump Imperium und ist Gründer.

Foto: REUTERS

Melania Trump

Nicht nur seine Kinder stärkten Trump in seinem Wahlkampf den Rücken. Zu Beginn des Parteitags hielt Trumps Ehefrau Melania eine Rede. Dabei konzentrierte sie sich auf die Charaktereigenschaften ihres Mannes. „Er kann hart sein, wenn er will, aber er ist auch nett und fair und fürsorglich“, sagte das ehemalige Topmodel. „Diese Güte wird nicht immer bemerkt, aber jeder kann sie sehen. Das ist einer der Gründe, warum ich mich überhaupt in ihn verliebt habe.“

Foto: AP

Barron Trump

Donald und Melania Trump haben einen gemeinsamen Sohn: Barron. Er dürfte sein jüngster Unterstützer in der Familie sein. Er wohnt mit seinen Eltern gemeinsam im Weißen Haus.

Foto: AP

Die Trump-Kinder versuchten im Wahlkampf, ihren schroffen und provokant auftretenden Vater weich zu zeichnen und den Rechtspopulisten so auch für moderatere Wähler akzeptabel erscheinen zu lassen.

Foto: REUTERS

Donald Trump und Mike Pence

Dass Trump sich für Mike Pence (r) als Vize entschied, soll auch mit seinen Kindern zu tun haben. Der strammkonservative Gouverneur von Indiana soll den rechten Parteiflügel auf Linie bringen. Trump nahm den Rat allerdings nur widerwillig an. Pence gilt als Mann der leisen Töne – auch wenn er strikte Positionen vertritt.

Foto: AP

Der einzige Nicht-Trump, der einen guten Draht zu Trump hat, scheint sein Schwiegersohn Jared Kushner zu sein. Der 35-Jährige stammt aus einer einflussreichen jüdischen Familie aus New York und berät den Clan-Chef vor allem in außenpolitischen Themen.

Foto: REUTERS

Nachdem Trump viele Juden mit der Aussage verunsichert hatte, er wolle im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern „neutral bleiben“, schrieb Kushner Trump eine pro-israelische Rede, mit der der Kandidat versuchte, die Zweifel an seinem Bekenntnis zu Amerikas wichtigsten Verbündeten im Nahen Osten auszuräumen.

Foto: AP

Wer ist die russische Anwältin?

Die russische Anwältin, mit der Donald Trump Jr. sich während des Wahlkampfs traf, heißt Natalia Veselnitskaja. Nach Informationen der „New York Times“ und „Washington Post“ zählen zu Veselnitskajas Klienten Einzelpersonen und Unternehmen mit Verbindungen zum Kreml. In den vergangenen Jahren sei sie vor allem durch ihren Kampf gegen US-Sanktionen bekannt geworden, die wegen Menschenrechtsverletzungen gegen Russland verhängt wurden, berichtete die „New York Times“. Kremlchef Wladimir Putin war über diese Strafmaßnahmen so zornig, dass er Adoptionen russischer Kinder aus den USA unterbunden hatte.

Der Kreml erklärte am Montag allerdings, man kenne die Anwältin nicht.

Trump Jr. zufolge ging die Anwältin bei dem Treffen zügig zum Thema der amerikanisch-russischen Adoptionen über. Es sei ihm klar geworden, dass die angeblichen Informationen zu Clinton nur ein Köder gewesen seien, um ihn zu dem Treffen zu bewegen. In einer ersten Reaktion hatte der Präsidenten-Sohn erklärt, bei der Begegnung sei hauptsächlich über das Adoptionsprogramm gesprochen worden.

Velsenitskaja sagte der „New York Times“, dass nichts im Zusammenhang mit dem Präsidentschaftswahlkampf diskutiert worden sei.

Görlachs Gedanken

Donald Trump setzt Amerika aufs Spiel

Warum könnte das Gespräch strafrechtlich relevant werden?

Mehrere Kongressausschüsse sowie ein Sonderermittler gehen dem Verdacht nach, Russland könne die US-Wahl zugunsten von Trump beeinflusst haben. Die Regierung in Moskau weist die Vorwürfe bislang zurück.
Trumps Sohn bestätigte zwar das Treffen, erklärte aber, sein Vater habe davon nicht gewusst. Auch der US-Präsident hat in der Vergangenheit – wie auch wieder in diesem Fall - deutlich gemacht, es habe keine Absprachen gegeben.

Sollten aber entsprechende Gespräche der engsten Vertrauten des US-Präsidenten stattgefunden haben, wie eben das seines Sohnes Donald Trump Jr. mit der russischen Anwältin, verschärft dies zumindest die Indizienlage – zu Ungunsten Präsident Trumps. Zudem bringt das Gespräch Trump Jr. in Bedrängnis. Denn die Informationen über Hillary Clinton wären wohl Spionage-Material – und somit illegal beschafft und strafrechtlich relevant.

Was ist die Position von Donald Trump Jr.?

In den Präsidentschaftswahlkampf war Trumps ältester Sohn stark involviert. Auch bei der Amtseinführung wurde deutlich, dass er seinem Vater nahe steht – bei der Vereidigung war er seinem Vater ganz nahe. Anders als Trump-Schwiegersohn Kushner arbeitet Trump Jr. allerdings nicht für die US-Regierung. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Eric hat der die Geschäfte seines Vaters übernommen. Da er nicht Teil der Regierung ist, ist er zu einer Aussage über seine Russland-Kontakte nicht verpflichtet, wie hingegen beispielsweise Ivankas Ehemann Kushner.

Warum könnte das Gespräch für Trump gefährlich werden?

Die „New York Times“ sprach vom ersten öffentlichen Hinweis darauf, dass zumindest einige Mitglieder von Trumps Wahlkampfteam bereit gewesen seien, Hilfe von Russland anzunehmen. US-Geheimdienste beschuldigen Moskau, sich mit Hackerangriffen in den Wahlkampf eingemischt zu haben, um Trump zu helfen und Clinton zu schaden. Ein Sonderermittler und mehrere Kongressausschüsse untersuchen, ob es dabei eine Zusammenarbeit mit Trumps Wahlkampflager gegeben hat. Mehrere Männer, die während des Wahlkampfes oder auch darüber hinaus zum Umfeld des Republikaners gehörten, stehen deswegen im Fokus.

Der stellvertretende Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, Mark Warner, sagte, er wolle von Trump Jr. hören, was dieser über das Treffen zu sagen habe. Auch die republikanische Senatorin Susan Collins erklärte, dass der 39-Jährige sich den Fragen des Geheimdienstausschusses stellen solle. Collins ist ebenfalls Mitglied des Gremiums. Trump Jr. schrieb auf Twitter, er sei bereit, dem Komitee Informationen zu geben – und sichert sich juristisch ab: Der Anwalt Alan Futerfas sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er sei von Trump Jr. in dem Fall mandatiert worden.

Mit Material von AP, Reuters und dpa

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