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Clinton vs. TrumpDer Krieg der Worte

Amerika im rhetorischen Ausnahmezustand. Die beiden Kandidaten haben sich gegenseitig beschimpft und verunglimpft. In den Echokammern der sozialen Medien verschwimmt die Grenze zwischen Wirklichkeit und Wahn.Christopher Schwarz, Dieter Schnaas und Elena Erdmann 08.11.2016 - 17:44 Uhr

„Das ist nicht das richtige Naturell, um Commander-in-Chief zu sein. Ein Mann, der von einem Tweet provoziert wird, sollte nicht in der Nähe der nuklearen Codes sein.“

Clinton beim ersten TV-Duell am 27. September 

Foto: REUTERS

„Schlechter Auftritt der betrügerischen Hillary! Liest ärmlich vom Teleprompter ab! Sie sieht nicht mal präsidiabel aus!“

Trumps Reaktion auf Clintons Warnung, ihm das US-Waffenarsenal anzuvertrauen

Foto: AP

„Ich sage Ihnen eins: Hillary Clinton muss ins Gefängnis. Ehrlich, Leute - sie ist sowas von schuldig.“

Trump im Juni mit Blick auf die E-Mail-Affäre um seine Rivalin 

Foto: AP

„Ich befürchte, dass die Wahl manipuliert wird.“

Trump am 1. August in Columbus über die Präsidentschaftswahl

Foto: REUTERS

„Der IS verehrt Präsident Obama. Er ist der Gründer des IS. (...) Und ich würde sagen, die Co-Gründerin ist die korrupte Hillary Clinton.“

Trump am 10. August in Sunrise

Foto: AP

„Hillary Clinton will Amerikas Angela Merkel werden, und ihr wisst, was für eine Katastrophe diese massive Einwanderung für Deutschland und die Menschen Deutschlands ist. Die Kriminalität ist auf ein Niveau gestiegen, das niemand geglaubt hat, je zu sehen.“

Trump am 15. August in einer außenpolitischen Rede in Youngstown/ Ohio

Foto: AP

„Donald, ich weiß, du lebst in deiner eigenen Realität.“

Clinton beim ersten TV-Duell am 27. September

Foto: AP

„Ich werde eine große Mauer bauen - und niemand baut Mauern besser als ich, glauben Sie mir. Und ich baue sie sehr kostengünstig. Ich werde eine große Mauer an unserer Südgrenze bauen, und ich werde Mexiko für diese Mauer zahlen lassen.“

Donald Trump bei der Verkündung seiner Kandidatur am 16. Juni 2015

Foto: REUTERS

„Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger, und einige, nehme ich an, sind auch nette Leute.“

Trump im Juli 2015 über mexikanische Einwanderer

Foto: AP

„Niemand hat mehr Respekt für Frauen als ich.“

Trump in der zweiten TV-Debatte am 10. Oktober über den Vorwurf, frauenfeindlich zu sein

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„Das war ein „Umkleideraumgespräch“. Ich bin nicht stolz darauf. Ich entschuldige mich bei meiner Familie, ich entschuldige mich beim amerikanischen Volk.“

Trump in der zweiten TV-Debatte am 10. Oktober über ein Video von 2005 mit vulgären Äußerungen über Frauen

Foto: dpa

„Weil du dann im Gefängnis wärst.“

Trump in der zweiten TV-Debatte am 10. Oktober über die Aussage seiner Konkurrentin, es sei gut, dass Trump nicht für Gesetze zuständig sei

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„Russland hat entschieden, wen es als Präsidenten der USA sehen will - und das bin nicht ich.“

Clinton in der zweiten TV-Debatte am 10. Oktober über Russlands angeblichen Wunschkandidaten Trump

Foto: REUTERS

„Ich werde die Ergebnisse dieser großen und historischen Präsidentschaftswahl völlig akzeptieren - wenn ich gewinne.“

Trump am 20. Oktober in Delaware

Foto: REUTERS

Das Phänomen ist aus Hirnforschung und Werbepsychologie bekannt: Man muss nur oft und laut genug ein Wort, einen Satz wiederholen, damit er sich festsetzt und einbrennt in den Köpfen des Publikums. Damit er heimisch wird in den neuronalen Schaltkreisen. Schwarze sind faul zum Beispiel und Mexikaner Vergewaltiger. Amerika ist heruntergekommen und Washington korrupt. Bernie Sanders spinnt und Hillary Clinton lügt. Lauter Sätze des republikanischen Präsidentschaftskandidaten, die dem Publikum in Serie eingehämmert werden, in Interviews, Reden und Tweets.

Mehr als 200 Mal hat Donald Trump seine Konkurrentin auf dem Kurznachrichtendienst Twitter geschmäht: „Crooked Hillary“, „betrügerische Hillary“. Das Wort ist zum rhetorischen Fallbeil geworden im Wahlkampf der Republikaner, zu einem Gladiatorenurteil, das keine Argumente und Gründe braucht – zum Vehikel eines Hasses, der sich seine eigene, binäre Wirklichkeit schafft.

Hillary, so versichert der New Yorker Immobilientycoon in Tausenden von Tweets, sei nicht nur „sehr dumm“, sondern auch eine „pathologische Lügnerin“, eine „Heuchlerin“ und „Betrügerin“ – „crooked Hillary“. Das hässliche Epitheton soll sich der Antipodin wie ein Stigma aufprägen, nicht durch den Nachweis ihrer Unglaubwürdigkeit, sondern durch schiere Wiederholung. Eine simple, aber wirkungsvolle Manipulation, die wie ein unbewusster, gegen jeden Einwand immunisierter Sprachreiz funktioniert und berechenbare Reflexe auslöst. Jedenfalls bei den Trump-Anhängern, die sich Clinton gar nicht mehr anders denken können als „crooked“. Und siehe da, sie skandieren: „Sperrt sie ein!“ und „Tötet sie!“.

Das Wahlrecht und Wahlsystem der USA
Alle US-Bürger ab dem 18. Lebensjahr, die ihren Wohnsitz in einem der 50 Bundesstaaten oder in der Hauptstadt Washington haben, sind wahlberechtigt. Das sind etwa 219 Millionen Menschen. Wählen dürfen aber auch im Ausland lebende US-Bürger wie beispielsweise Soldaten oder Diplomaten.
Bewohner von Außengebieten, wie etwa Puerto Rico, dürfen nicht wählen. Auch illegale Einwanderer sowie Personen, denen aufgrund von Straftaten das Wahlrecht aberkannt wurde, sind nicht wahlberechtigt.
Wer wählen will, muss sich in Eigenverantwortung registrieren lassen. Die Termine und Regeln dafür unterscheiden sich von Bundesstaat zu Bundesstaat. Die bestehenden Hürden für eine Registrierung sind ein Grund für die relativ geringe Wahlbeteiligung in den USA.
Die Wahlbeteiligung in den USA ist im internationalen Vergleich schwach. Bei der Abstimmung zwischen Barack Obama und Mitt Romney im Jahr 2012 lag sie bei 54,87 Prozent.In Deutschland machten bei der Bundestagswahl 2013 rund 71,5 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Recht Gebrauch. Bei der französischen Präsidentenwahl 2012 gaben 80,35 Prozent des Wahlvolks ihre Stimme ab. In Belgien, wo Wahlpflicht herrscht, waren es 2014 sogar 89,68 Prozent. Die Wahlbeteiligung bei der britischen Unterhauswahl 2015 lag dagegen bei 66,1 Prozent. In Osteuropa ist die Neigung, sich an Wahlen zu beteiligen, noch deutlich niedriger. In Litauen etwa betrug die Quote bei der diesjährigen Parlamentswahl im ersten Wahlgang 50,55 Prozent, im zweiten nur noch 38 Prozent.
In den USA wählen bis auf zwei Ausnahmen alle Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht. In 48 Staaten gilt das „Winner-takes-all“-Prinzip - der Gewinner bekommt alles. Das bedeutet, wer eine einfache Mehrheit in einem Staat gewinnt, vereint alle Wahlmänner des betreffenden Staates auf sich - egal, ob der Vorsprung nun riesig oder nur hauchdünn ist. Es ist vergleichbar mit der Erststimme bei der Bundestagswahl, mit der die Wahlkreiskandidaten gewählt werden. Eine Zweitstimme wie in Deutschland gibt es in den USA nicht.
Das „Winner-takes-all“-Prinzip ist umstritten. Kritiker bemängeln, Stimmen gingen verloren, weil in jenen Staaten, die immer nur für Demokraten oder Republikaner stimmen, Wähler gar nicht erst zur Abstimmung gehen. In Staaten wie Kalifornien oder New York, die traditionell mit großer Mehrheit demokratisch wählen, findet deshalb kaum Wahlkampf statt, genauso wenig wie in traditionell republikanischen Staaten wie Oklahoma oder Kansas.In den Staaten Maine und Nebraska, die vier beziehungsweise fünf Wahlmänner stellen, gilt das „Winner-takes-all“-Prinzip in abgeänderter Form. Dort werden nur zwei Wahlmänner oder -frauen nach diesem Prinzip verteilt. Die anderen Stimmen werden proportional zum Wahlergebnis vergeben.

Sogar für Viertklässler verständlich

Trumps Wut-Vokabeln zielen auf die Ausschaltung der Vernunft. Er will starke Emotionen wecken, die die Realität außer Kraft setzen. Er will von politischen Fakten nichts wissen, damit Stimmungen zum politischen Faktor werden. Zu den unschlagbaren Vorteilen von Trumps aggressiver Schlagwort-Rhetorik gehört ihre Eingängigkeit, seine Lust an der hohlen Phrase. Amerikanische Linguisten haben festgestellt, dass Trumps Sprache, sein bei öffentlichen Auftritten herausgeschleudertes Stakkato kurzer, einfacher Sätze, bei weniger Gebildeten besser ankommt als bei College-Absolventen. Mehr noch: Sie wird sogar von Viertklässlern verstanden.

Die Konkurrenten sind Trump zwar auf den Fersen, vor allem die aus der eigenen Partei. So kommunizierte der Chirurg Ben Carson, einer von Trumps republikanischen Widersachern im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur, bereits auf Sechstklässler-Niveau. Doch tiefer als Trump reicht keiner herunter. Um Hillary Clinton zu verstehen, muss man schon Achtklässler sein. Und für die Botschaften des zornigen Antikapitalisten Bernie Sanders sind Amerikaner erst ab 16 empfänglich. Und selbst das ist nichts im Vergleich zum amerikanischen Gründervater George Washington, der sich mit seiner „Farewell Address“ von 1796 auf schwindelerregendem Hochschulniveau bewegte.

Hillary Clinton (ca. 1,65 Meter) an der Seite von Basketball-Superstar Lebron James (2,03 Meter) bei einem Auftritt am Sonntag in Cleveland, Ohio.

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Wenige Stunden zuvor: Clinton besucht eine Kirche im Bundesstaat Pennsylvania.

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Donald Trump bei einem Stopp in Minneapolis, Minnesota, am Sonntag.

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Am Samstag moderierte Melania Trump ihren Ehemann bei einer Veranstaltung in Wilmington, North Carolina, an. Danach gab es Küsschen.

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In Berwyn, Pennsylvania, hatte Melania Trump vergangene Woche eine Rede gehalten – recht hölzern vom Teleprompter abgelesen. Sie sprach sich für einen besseren Umgangston in sozialen Netzwerken aus. Es war ihr zweiter bedeutender Auftritt im Wahlkampf ihres Mannes.

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Am Samstag gab der Popstar ein Konzert und präsentierte einen Mantel: „Ich unterstütze Madam President.“

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Der Song „Roar“ der 32-Jährigen wird regelmäßig auf Clinton-Wahlkampfveranstaltungen gespielt.

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Schrecksekunde am Samstag in Reno, Nevada. Im Laufschritt führen Sicherheitsbeamte Donald Trump (Mitte) von der Bühne ...

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... ein Zuschauer hatte „Waffe“ gerufen, doch es fand sich keine Waffe. Ein Mann, der durchsucht wurde, hatte ein Plakat „Republikaner gegen Trump“ hochgehalten. Trump erschien wenig später und scheinbar unbeeindruckt wieder auf der Bühne und setzte seine Rede fort.

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Ein sechs Monate altes Baby hebt Donald Trump bei einem Auftritt Tampa, Florida, hoch.

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Hart gesotten, aber mit pinkfarbener Handy-Hülle: Ein Zuhörer bei einer Trump-Veranstaltung in Tampa, Florida, am Samstag.

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Anhänger Trumps bei einem Auftritt in Denver, Colorado – ebenfalls am Samstag.

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Clinton in Pembroke Pines, Florida, am Samstag.

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Eine weinende Frau auf einer Clinton-Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania.

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Hillary Clinton sprach am Freitagabend in Cleveland – auf einem Wahlkampfkonzert des Rappers Jay Z.

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Nicht nur Jay Z, auch dessen Ehefrau Beyoncé (l.) kam auf die Bühne, um für Clinton zu werben.

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Clinton vor einem Auftritt in Detroit, Michigan.

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Obama ist derzeit mehrfach täglich für Hillary Clinton im Einsatz, hier kommt er in Charlotte, North Carolina, an.

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Im Vorwahlkampf war Bernie Sanders unterlegen, jetzt wirbt er für Hillary Clinton im Wahlkampf. Hier in Colorado am Samstag.

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Donald Trump Jr.: Als Wahlkämpfer für den Vater im Einsatz, hier bei einem Auftritt in Arizona.

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Selbstbewusst hat Trump zur „Siegesfeier“ am 8. November nach New York geladen. Techniker installieren vor dem Veranstaltungsort zusätzliche Sicherheitskameras.

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Mehrfach am Tag steigt Donald Trump in sein Flugzeug, um zu weiteren Auftritten zu reisen.

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Zuletzt sind sich die Maschinen vor wenigen Tagen in Raleigh, North Carolina, auf dem selben Flughafen begegnet. Dieses Bild zeigt ein Zusammentreffen in Las Vegas, Nevada, am 18. Oktober. Sowohl North Carolina als auch Nevada zählen zu den umkämpften Staaten, sodass beide Kandidaten dort häufiger aufgetreten sind.

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Ein Indiz für den Verfall der politischen Rhetorik? Im Zeitalter der Massendemokratie wirkt Politik nur, wenn sie in klarer, verständlicher Sprache vorgebracht wird. Darin setzt Donald Trump empirisch belegbare Maßstäbe: Keiner brauchte weniger Zeichen, weniger Silben pro Wort in seiner Antrittsrede als Kandidat, schreibt der „Boston Globe“. Keiner sprach kürzere Sätze. Keiner benutzte so häufig Imponier-Wörter wie „gewaltig“, „schrecklich“ oder „großartig“. Und natürlich fertigte auch keiner seine politischen Gegner bisher brutaler ab als Donald Trump, zum Beispiel auf Twitter (@realDonaldTrump). Der Republikaner Jeb Bush? „Low-energy“, „lahm“. Der „sogenannte“ Präsident Barack Obama? „Failed“, „gescheitert“. Der Kurznachrichtendienst ist wie geschaffen für den Rüpel-Stil: „140 Zeichen – mehr bedarf es für Donald Trump nicht, um ein weiteres Mal die Welt zu erklären“, so der Politikwissenschaftler Torben Lütjen, „um die Empörungsschraube noch eine Windung weiterzudrehen.“

Clintons wirtschaftspolitische Pläne
Clinton will in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit das umfassendste Investitionsprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg in Infrastruktur, Industrie, Forschung und Entwicklung, Klimaschutz und Mittelstandförderung anstoßen. Sie will über fünf Jahre aus staatlichen und privaten Quellen 275 Milliarden Dollar mobilisieren, um die Verkehrs- und Netz-Infrastruktur zu verbessern. Damit und mit anderen Mitteln will sie über zehn Millionen neue Jobs schaffen. Die Industrie soll stärker werden. Gelingen soll das mit einer Partnerschaft von Wirtschaft, Arbeitnehmern, der Regierung und Verwaltungen sowie der Wissenschaft. Firmen sollen sich verpflichten, Jobs und Investitionen statt in Übersee in den USA zu halten. Dafür sollen sie finanzielle Vorteile genießen. Besonders gefördert werden sollen strukturschwache Regionen. Die Position der Arbeitnehmer und ihrer Gewerkschaften will Clinton stärken. Der Mindestlohn soll von 7,25 Dollar je Stunde auf zwölf, zuletzt war gar von 15 Dollar die Rede, erhöht werden.
Clinton verspricht ein gerechteres und einfacheres Steuersystem. Multi-Millionäre und Milliardäre sollen einen Steueraufschlag zahlen, Arbeitnehmerhaushalte und Familien entlastet werden. Steuerschlupflöcher für Firmen und Privatpersonen will Clinton schließen. Unternehmen, die ihre Gewinne in Steueroasen transferieren, sollen eine Extra-Steuer zahlen. Investitionen von Unternehmen in den USA selbst will sie begünstigen und dabei kleine Firmen besonders entlasten. Gleiches gilt für Familien, die Sonderlasten tragen, weil sie beispielsweise ältere und erkrankte Familienangehörige pflegen.
Die US-Finanzindustrie will Clinton enger an die Leine legen. Wall-Street-Riesen sollen einen Extra-Zuschlag zahlen, der sich nach ihrer Größe und ihrem Risikogewicht für die Branche richtet. Bestehende Möglichkeiten für Großbanken, Kundengelder in Hochrisikofeldern zu investieren, will sie beschneiden. Top-Banker sollen bei Verlusten ihrer Institute mit Bonus-Einbußen rechnen. Der Hochfrequenzhandel soll besteuert werden. Riesige und undurchschaubare Finanzriesen sollen stärker kontrolliert und im Zweifel aufgespalten werden. Clinton will Finanzmanager auch stärker in Mithaftung nehmen, wenn in ihren Instituten gegen geltendes Recht verstoßen wird.
Clinton verspricht, schärfer gegen Länder wie China vorzugehen, wenn diese internationale Freihandelsregeln verletzen und damit amerikanischen Arbeitsplätzen schaden. Sie will Nein sagen zu Handelsabkommen, wie der Trans-Pazifischen Partnerschaft (TPP), die nicht den US-Standards genügen, etwa mit Blick auf die Bezahlung von Arbeitnehmern. Das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will sie neu verhandeln. Zum US-EU-Freihandelsabkommen TTIP, das derzeit verhandelt wird, äußerte sie sich in jüngster Zeit zwar nicht direkt, doch war sie schon früher auch dazu auf Distanz gegangen und will in Freihandelsabkommen generell die amerikanischen Interessen besser zum Tragen kommen lassen. „Amerika fürchtet den Wettbewerb nicht“, gibt sie sich insgesamt kämpferisch.
In Umwelt- und Energiepolitik will Clinton Zeichen setzen. Sie will Amerika zur weltweiten „Supermacht“ des 21. Jahrhunderts in Sachen saubere Energie machen.
Clinton will Schluss damit machen damit, dass sich US-Bürger wegen einer College- oder Universitätsausbildung hoch verschulden. Sie will für eine bessere Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie und gleiche Bezahlung von Männern und Frauen sorgen. Bei Krankheit und im Alter soll es mehr soziale Sicherheit geben.

Doch seine Kontrahentin hat nachgezogen, zumindest quantitativ. Seit April 2015, als sie ihre Kandidatur bekannt gab, ist Clinton auf Twitter aktiv und hat etwa 9000 Tweets gepostet. Seit Februar 2016 führt sie sogar vor Donald Trump mit 500 Tweets pro Monat, dank eines Teams von Twitter-Spezialisten. Clinton hat ihre Zielgruppen fest im Visier: Familien, Frauen, Homosexuelle und Migranten, weshalb sie ihre Tweets zum Beispiel auch ins Spanische übersetzen lässt. Sie tritt leiser, sachlicher, seriöser, aber auch langweiliger auf als Donald Trump, der in den sozialen Netzwerken deutlich mehr Fans mobilisiert. Im Durchschnitt werden Trumps Tweets etwa doppelt so oft mit „gefällt mir“ markiert (Clinton 4635, Trump 9959) und ein Drittel häufiger geteilt (Clinton 2118, Trump 3724), nicht zuletzt, weil sie den Eindruck erwecken, Trump verfasse die Tweets selbst. Wenn Trump „Ich“ sagt, sagt Clinton „Wir“. Wenn Trump behauptet, belehrt Clinton: „Wir müssen“, „wir sollen“, „wir können“.

„Hillary Clinton will Amerikas Angela Merkel werden, und ihr wisst, was für eine Katastrophe diese massive Einwanderung für Deutschland und die Menschen Deutschlands ist“, sagte Trump Mitte August in einer außenpolitischen Rede in Youngstown (Ohio). „Die Kriminalität ist auf ein Niveau gestiegen, das niemand geglaubt hat, je zu sehen.“ Die USA hätten genug Probleme, ohne sich durch die ungezügelte Aufnahme syrischer Flüchtlinge weitere aufzubürden.

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„Jämmerlich unvorbereitet“, um die USA als Präsident führen zu können, ist Donald Trump nach Aussagen von US-Präsident Barack Obama. Auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus forderte Obama die Republikaner am Dienstag auf, Trump nicht mehr zu unterstützen. Dabei gehe es um mehr als unterschiedliche Ansichten politischer Natur, sagte Obama. Trotz des wachsenden Unmuts gegenüber Trump hat bisher kein Republikaner ihm seine Unterstützung entzogen. Obama sagte, republikanische Politiker hätten wiederholt feststellen müssen, dass Äußerungen Trumps inakzeptabel seien. „Warum unterstützen Sie ihn dann noch?“, fragte Obama.

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„Belgien ist eine wunderschöne Stadt und ein herrlicher Ort - großartige Gebäude“, sagte Donald Trump in einer Rede und zeigte, wie es um seine geographischen Kenntnissen bestellt ist. „Ich war mal dort, vor vielen, vielen Jahren. Vor ein paar Monaten habe ich dann ein Statement abgegeben, nach dem Motto, Belgien ist ein elendes Loch. Dafür wurde ich dann schwer kritisiert, man hat gesagt, was für eine böse Sache - und dann hatten sie in Belgien dieses massive Problem.“

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US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat die Washington Post von künftigen Wahlkampfauftritten ausgeschlossen: Auf Facebook bezeichnete er das Blatt als "unehrlich und verlogen". Die Washington Post hatte erst kürzlich kritisch über den Milliardär berichtet. In den Augen von Trump sei die Berichterstattung "unglaublich fehlerhaft", deshalb habe er der Zeitung die Akkreditierung für seine Wahlkampfveranstaltungen entzogen.

Der umstrittene republikanische Präsidentschaftsbewerber Trump ist ein Quereinsteiger und hat noch nie ein politisches Amt bekleidet. Im Wahlkampf macht er immer wieder mit skurrilen Aussprüchen auf sich aufmerksam.

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Donald Trump hat Hillary Clinton als „verlogene, unehrliche Hillary“ bezeichnet. Sie habe seine Ansichten zur Außenpolitik bewusst falsch interpretiert und sie sich ausgedacht. Clinton hatte Trump zuvor die charakterliche Eignung für das höchste Staatsamt abgesprochen. Darauf antwortete Trump: „Mein Temperament ist so viel robuster, so viel besser als ihres.“ Clinton hatte gesagt, Trump zu wählen, wäre ein „historischer Fehler“. Trump werde Amerika in Krieg und Wirtschaftskrise führen.

Trump kritisierte auch Clintons umstrittene E-Mail-Praxis in ihrer Zeit als Außenministerin. „Hillary Clinton muss ins Gefängnis gehen“, sagte er. Clinton hatte als Chefdiplomatin von 2009 bis 2013 ihren E-Mail-Verkehr über einen privaten Server abgewickelt, statt über den des Außenministeriums.

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Am 21. März sagte er der „Washington Post“: „Die Nato kostet uns ein Vermögen, und ja, wir beschützen Europa mit der Nato, aber wir zahlen viel Geld.“ In einem Interview des Senders CNN stellte er später klar, dass die USA das Militärbündnis seiner Meinung nach nicht verlassen sollten, aber weniger dafür zahlen müssten. „Warum kümmert sich Deutschland mit der Nato nicht um die Ukraine? Warum machen andere Länder nichts, die in der Nachbarschaft der Ukraine liegen? Warum sind immer wir diejenigen, die führen, möglicherweise den dritten Weltkrieg mit Russland", fügte Trump hinzu.

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Trumps Knaller nach dem Sieg in den Vorwahlen von Nevada: „Wir haben bei den Evangelikalen gewonnen. Wir haben bei den Jungen gewonnen, wir haben bei den Alten gewonnen. Wir haben bei den gut Gebildeten gewonnen, wir haben bei den schlecht Gebildeten gewonnen. Ich liebe die schlecht Gebildeten.“

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„Wenn Mexiko seine Leute schickt, dann schickt es uns nicht seine Besten. … Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger. Und einige, vermute ich, sind gute Leute.“ Aus Trumps Rede vom 16. Juni 2015, in der er seine Kandidatur ankündigte.

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Mit seinem republikanischen Parteifreund, Senator John McCain, legte sich Trump persönlich an. McCain war in nordvietnamesischer Kriegsgefangenschaft. Trump meinte dazu: „Er ist kein Held. Er ist ein Kriegsheld, weil er gefangen genommen wurde. Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen wurden.“

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In einer Fernsehdebatte am 6. August 2015 wurde Trump auf vorangegangene Aussagen angesprochen, die man als sexistisch interpretieren könnte. Einen Tag darauf sagte Trump über die Moderatorin Megyn Kelly: „Man konnte sehen, dass Blut aus ihren Augen kam. Blut kam aus ihrer… wo auch immer.“

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An Selbstbewusstsein mangelt es Trump wahrlich nicht. „Es ist sehr schwierig, mich wegen meines Aussehens zu kritisieren. Weil ich so gut aussehe“, sagte er in Reaktion auf jenen denkwürdigen Auftritt mit Megyn Kelly.

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Seine mittlerweile aus dem Rennen geschiedene Konkurrentin Carly Fiorina hält Trump dagegen für nicht sehr schön: „Schauen Sie dieses Gesicht an! Würde irgendjemand dieses Gesicht wählen? Können Sie es sich als das Gesicht des nächsten Präsidenten vorstellen?“

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An der Treue seiner Anhänger hat Trump offenbar nicht den geringsten Zweifel. „Ich könnte mitten auf der 5th Avenue stehen und jemanden erschießen, ohne einen einzigen Wähler zu verlieren“, sagte er bei einem Auftritt am 24. Januar 2016 in Sioux Center, Iowa.

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Trump fordert eine “totale und komplette Abschließung” der USA gegen alle Muslime. Alle Muslime, die in die USA kommen wollen, sollten bleiben, wo sie sind, “bis die Vertreter unseres Landes erfahren, was zur Hölle, los ist”, sagte er bei einer Rede auf dem Flugzeugträger Yorktown.  

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Über seine jungen Jahre sagte Trump: „Mein Leben war ein ‚Nein‘ und ich habe mich durchgekämpft. Es war nicht einfach für mich … Mein Vater gab mir nur ein kleines Darlehen von einer Million Dollar.“ Das Mitleid der meisten Menschen wird sich in Grenzen halten.

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Auch in Erziehungsfragen hat Trump eindeutige Prioritäten klargemacht: „Seinen Kindern nichts über Geld beizubringen, ist wie wenn man sich nicht darum kümmert, dass sie essen.“

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Ein Lieblingsthema seiner unzähligen Karikaturisten ist Trumps eigenwillige Frisur. Aber auch das bringt ihn nicht aus dem inneren Gleichgewicht. „Wie jeder weiß, nur die Hasser und Verlierer wollen es nicht zugeben, trage ich keine Perücke. Mein Haar ist vielleicht nicht perfekt, aber es ist mein eigenes.“

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Zum Klimawandel hat Trump eine einfache Ansicht: „Das Konzept der weltweiten Erwärmung wurde von den Chinesen und für die Chinesen erfunden, um die US-Industrie weniger wettbewerbsfähig zu machen.“

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Das Recht der Amerikaner auf Schusswaffen verteidigt Trump mit Hilfe der Terroranschläge von Paris: „Wenn die so gewaltsam erschossenen Leute in Paris Waffen getragen hätten, hätten sie zumindest eine Chance gehabt zu kämpfen.“ 

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Nicht ganz so einfach verständlich sind manche anderen wirtschaftspolitischen Aussagen Trumps. Zum Beispiel diese: „Freihandel ist schrecklich. Freihandel kann wunderbar sein, wenn man pfiffige Leute hat. Aber wir haben dumme Leute.“

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Auf die Frage, was ihn denn vor anderen Kandidaten auszeichne, erklärte Trump: „Ich glaube der einzige Unterschied zwischen mir und den anderen Kandidaten ist, dass ich ehrlicher bin und schönere Frauen habe.“

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Immerhin: Nachdem Donald Trump sie als Marionette der Wall Street angeprangert hatte (mit dem fett gedruckten Wort „Liar“ unter ihrem Porträt), ging Clinton zum Gegenangriff über und verwendete Zitate des Herausforderers, um sie gegen ihn zu wenden: „Trump just criticized me for preparing or this debate. You know what else I prepared for? Being president.“

Clintons Problem: Wenn sie auf Wahlveranstaltungen über Klimawandel und Mindestlohn spricht, über erneuerbare Energien und die gleiche Bezahlung für Frauen, dann hört man die gelernte Politikerin, die ehemalige Senatorin und Außenministerin, die ihre Akten gelesen hat und sich auch auf die Details der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall versteht. Aber man erkennt auch die misstrauische, von Skandalen immer wieder eingeholte Karrierefrau, die sich hinter vorgefertigten Sprachbausteinen versteckt. Die Herzen des Publikums erreicht sie so nicht. Ihr Bemühen um Authentizität wirkt einstudiert, jede Pointe berechnet. Eine Politikerin ohne Eigenschaften? Eher ein weiblicher „Zelig“, der sich in einer Art Sprachmimikry den Publikumserwartungen anpasst, aus opportunistischer Angst, nur ja nicht bei irgendwelchen Gruppen anzuecken.

Trumps wirtschaftspolitische Pläne
Trump will für mehr Wachstum in der US-Wirtschaft sorgen. „Bessere Jobs und höhere Löhne“, lautet eines seiner Kernziele. Der Immobilien-Unternehmer will die Staatsschuldenlast der USA von fast 19 Billionen Dollar abbauen. Er bezeichnet die Schuldenlast als unfair gegenüber der jungen Generation und verspricht: „Wir werden Euch nicht damit alleine lassen“. Defiziten im Staatshaushalt will er ein Ende bereiten.
Trump hat umfangreiche Steuersenkungen sowohl für die Konzerne als auch für Familien und Normalverdiener angekündigt. Er spricht von der größten „Steuer-Revolution“ seit der Reform von Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren. Wer weniger als 25.000 Dollar im Jahr verdient, soll dank eines Freibetrages künftig gar keine Einkommensteuer mehr zahlen. Den Höchstsatz in der Einkommensteuer will er von momentan 39,6 Prozent auf 33 Prozent kappen. Ursprünglich hatte er eine Absenkung auf 25 Prozent in Aussicht gestellt. Die steuerliche Belastung für Unternehmen will Trump auf 15 Prozent von bislang 35 Prozent vermindern. Das soll US-Firmen im internationalen Wettbewerb stärken. Firmen, die profitable Aktivitäten aus dem Ausland nach Amerika zurückholen, sollen darauf eine Steuerermäßigung erhalten. Die Erbschaftsteuer will der Republikaner ganz abschaffen. Eltern sollen in größerem Umfang Kinderbetreuungs-Ausgaben steuerlich absetzen können.
Trump verspricht, der „größte Job-produzierende Präsident“ der USA zu werden, „den Gott jemals geschaffen hat“. Bereits als Unternehmer habe er Zehntausende neue Stellen geschaffen.
Um amerikanische Arbeitsplätze zu sichern, will Trump die Zölle auf im Ausland hergestellte Produkte anheben und die US-Wirtschaft insgesamt stärker gegen Konkurrenz aus dem Ausland schützen. China, aber auch Mexiko, Japan, Vietnam und Indien wirft Trump beispielsweise vor, die Amerikaner „auszubeuten“, indem sie ihre Währungen zum Schaden von US-Exporten abwerten und manipulieren.
Das angestrebte transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) lehnt Trump ab. Für ihn schadet ein freierer Zugang der Europäer zum US-Markt – vor allem zum staatlichen Beschaffungsmarkt – den amerikanischen Firmen. Das geltende Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will er neu verhandeln, die TPP-Handelsvereinbarung mit asiatischen Staaten aufkündigen. Trump setzt generell anstatt auf multilaterale Handelsabkommen, etwa im Rahmen der Welthandelsorganisation, auf bilaterale Vereinbarungen mit einzelnen Staaten und Wirtschaftsräumen.
Die Handelsbeziehungen zu China, der nach den USA zweitgrößten Wirtschaftsmacht weltweit, will Trump grundlegend überarbeiten. Er wirft der Volksrepublik vor, ihre Währung künstlich zu drücken, um im Handel Vorteile zu erlangen. Er will das Land daher in Verhandlungen zwingen, damit Schluss zu machen. Auch „illegale“ Exportsubventionen soll die Volksrepublik nicht mehr zahlen dürfen. Verstöße gegen internationale Standards in China sollen der Vergangenheit angehören. Mit all diesen Maßnahmen hofft er, Millionen von Arbeitsplätzen in der US-Industrie zurückzugewinnen.
In der Energie- und Klimapolitik hat Trump eine Kehrtwende angekündigt. Er will die USA von den ehrgeizigen Klimaschutzvereinbarungen von Paris abkoppeln, die Umwelt- und Emissionsvorschriften lockern und eine Rückbesinnung auf fossile Energieträger einläuten: „Wir werden die Kohle retten.“ Die umstrittene Fracking-Energiegewinnung sieht Trump positiv.
Trump verspricht der Wirtschaft eine umfassende Vereinfachung bei den staatlichen Vorschriften. Er werde ein Moratorium für jede weitere Regulierung durch die Behörden verhängen, kündigte er an. Trump will Milliarden in die Hand nehmen, um Straßen, Brücken, Flughäfen und Häfen zu bauen und zu modernisieren. Finanzieren will er das unter anderem dadurch, dass die US-Verbündeten einen größeren Teil an den Kosten für Sicherheit und Verteidigung in der Welt übernehmen sollen.

Clinton tritt als Kandidatin des liberalen Establishments auf, als Repräsentantin der politischen Klasse. Trump hingegen inszeniert sich als Antipolitiker („Politiker widern mich an“, „inkompetente Typen, die uns in den Abgrund führen“), er gibt den Polterer und Hau-Drauf, der „keine Zeit“ hat für politische Korrektheit, den Provokateur, der ausbricht aus den Konventionen des politischen Diskurses – und der gerade deshalb so erfolgreich ist: Seine Anhänger halten ihm den permanenten Regelbruch als unbekümmertes Drauflosreden, als tabufreie Ehrlichkeit zugute. Endlich mal einer, der Klartext spricht, der sagt, was er denkt ... Endlich mal einer, der sich die selbst ernannten Eliten vorknöpft, das Medien- und Mainstream-Kartell, den Washington-Wall-Street-Komplex.

Hillary Clinton (zweite von links, Aufnahme aus dem Jahr 1969) wird am 26. Oktober 1947 als erstes von drei Kindern von Dorothy und Hugh E. Rodham, mittelständischer Textilunternehmer, geboren. Von 1961 bis 1965 ist sie Schülerin der Maine Township East High und Maine South High in Park Ridge, Illinois. Von 1965 bis 1969: Studium der Politikwissenschaften mit Nebenfach Psychologie am Wellesley College.

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Hillary Clinton (rechts im Bild, Aufnahme aus dem Jahr 1992 mit ihren Eltern Dorothy und Hugh).

Erste politische Schritte macht sie 1964 als Wahlhelferin des konservativen Republikaners Barry Goldwater. 1969 bis 1973: Studium der Rechtswissenschaften an der Yale Law School in New Haven; Engagement für Kinder- und Familienrecht. 1970 engagiert sie sich als Wahlkampfhelferin für die Senatskampagne des Demokraten Jospeh Duffey

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1973 bis 1974 war Clinton Juristin für den "Children's Defense Fund" sowie den Justizausschuss des Repräsentantenhauses während des Watergate-Skandals um Präsident Nixon. Im Bild zu sehen ist die Gründerin der Non-Profit-Organisation, Marian Wright Edelman (Mitte).

Zwischen 1974 und 1978 ging sie einer Lehrtätigkeit an der University of Arkansas School of Law nach.

1975 heiratete sie Bill Clinton, seinerzeit ebenfalls Dozent an der University of Arkansas School of Law, unter Beibehaltung ihres Mädchennamens Rodham.

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Von 1977 bis 1992 war Hillary Clinton Anwältin und Partnerin der Kanzlei Rose in Little Rock, Arkansas. Von 1979 bis 1981 dauerte die erste Amtszeit von Ehemann Bill als Gouverneur von Arkansas

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1980 wurde Tochter Chelsea geboren, zwei Jahre später entschied Hillary Clinton sich doch zur Annahme des Nachnamens Clinton.

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1993 bis 2001 war sie First Lady der USA während der Präsidentschaft von Ehemann Bill. Sie arbeitete an der Reform des US-Gesundheitssystems mit.

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2008 erlitt Hillary Clinton eine Niederlage gegen Barack Obama bei den Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. 2009 bis 2013 war sie die US-Außenministerin während der ersten Amtszeit Obamas (im Bild mit Li Keqiang 2012).

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2016 wird Hillary Clinton Präsidentschaftskandidatin der Demokraten. Sie tritt gegen ihren republikanischen Konkurrenten Donald Trump an.

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Die gute alte Zeit beschwören

Oft ist hingewiesen worden auf die ruchlose Verkäufermentalität des Kandidaten, auf sein prahlerisches Egomarketing. Doch in seinen Reden spricht nicht nur der Entertainer und Superkapitalist, der Wahlkampagnen als Fortsetzung des Showgeschäfts mit anderen Mitteln versteht. Hinter Trumps Politikverachtung steckt politische Methode: Er will der „schweigenden Mehrheit“ eine Sprache geben, denen, die sich ausgegrenzt, missachtet, abgehängt fühlen vom „System“. Trump bedient gezielt die Wut der weißen Arbeiter auf „die da oben“, er schürt das Ressentiment der verängstigten amerikanischen Mittelklasse, die nicht mehr glaubt, dass es ihren Kindern einmal besser gehen wird. Sein Wahlslogan „Make America great again“ knüpft genau hier an: Er beschwört die „gute alte Zeit“ des amerikanischen Traums – und bewirtschaftet zugleich die Angst vor dem sozialen Abstieg, vor dem Niedergang Amerikas. Das Muster dabei ist immer gleich und erinnert an Spannungsbögen in Marvel-Comics: Die Welt steht am Abgrund, und es dräut ein Armageddon (etwa die „Migrantenflut“), doch dann kommt ein rettender Superheld (das Hochziehen von Super-Zäunen), und alles wird wieder so gut wie ehedem (Migranten und Muslime müssen gefälligst draußen bleiben). Trumps Reden sind entsprechend gespickt mit nostalgischen Vokabeln wie „back“ und „again“.

1946
Geboren am 14. Juni als viertes von fünf Kindern von Mary und Frederick C. Trump (links): Donald Trump ist der Sohn deutscher Einwanderer und erfolgreicher Immobilienunternehmer.

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1959-1964
Schüler der New York Military Academy.

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1964-1966
Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fordham University in New York.

1966-1968
Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Wharton Business School in Philadelphia (im Bild).

Foto: WirtschaftsWoche

1968
Eintritt ins Familienunternehmen "Elizabeth Trump & Son", Bauträger und Immobilien.

1971
Übernahme des Unternehmens vom Vater.

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ab 1974
Investitionen in Hotels, Casinos und Luxus-Apartment-Gebäude; Rechte an Miss-Wahlen, mehrere Biografien, eigene Möbel- und Modemarken.

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1977
Hochzeit mit dem Model Ivana Marie Zelnickova und Geburt von Sohn Donald Jr. (im Bild).

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1981
Geburt von Tochter Ivanka.

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1983
Eröffnung des "Trump Tower" an der New Yorker 5th Avenue.

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1991
Erste Insolvenz, danach zunächst erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.

1992
Zweite Insolvenz, erneute Umstrukturierung des Unternehmens und Scheidung von Ehefrau Ivana.

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1984
Geburt von Eric, dem zweiten Sohn.

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1993
Hochzeit mit Schauspielerin Marla Maples und Geburt von Tiffany, der zweiten Tochter (im Bild).

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1995
Börsengang von "Trump Hotels & Casino Resorts Inc."

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1999
Scheidung von Marla, der zweiten Ehefrau.

1999-2000
Erfolgloser Versuch einer Präsidentschaftskandidatur in der von Ross Perot gegründeten Reform Party.

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2004-2015
Eigene TV-Reality-Show "The Celebrity Apprentice".

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2004
Dritte Insolvenz, wieder erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.

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2005
Hochzeit mit dem Model Melania Knauss.

Foto: REUTERS

2006
Geburt von Sohn Barron William, dem fünften Kind.

Foto: REUTERS

2009
Vierte Insolvenz, erneut erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.

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2016
Trump siegt in der Präsidentschaftswahl und wird der 45. US-Präsident.

Alles rund um die Wahl finden Sie hier

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Dass der Milliardär als Anwalt der besorgten „White Working Class“ auftreten kann, verdankt er allerdings der Vorarbeit durch die Republikanische Partei, die seit Jahrzehnten einen absurden Kulturkampf gegen das liberale Establishment betreibt. Mit einer verschärften, spalterischen Rhetorik der Angst (vor Reichtumsneid und Sozialismus, Gottlosigkeit und Egalitarismus) sollen die weißen Wähler an die Wahlurnen getrieben werden. So wird Obama von ultrakonservativen Nachrichtensendern wie Fox News zum heimlichen Muslim und Hillary Clinton zur liberalen Teufelin dämonisiert: Beide gelten der religiösen Rechten als Vorboten der Apokalypse. Ein Drittel der potenziellen Trump-Wähler, so das Ergebnis einer Umfrage, ist allen Ernstes davon überzeugt, dass die demokratische Kandidatin mit Luzifer im Bunde sei. Ein Propagandaeffekt, der tief verwurzelt ist in der Psyche der konservativen Wählerschaft.

Die Tea Party machte aus dem religiösen Wahn politische Methode: Ihre Galionsfigur Sarah Palin, die Frau aus dem Volke, agitierte gegen die korrupte Zentrale Washington als Hort des Bösen, als Feind des „eigentlichen“, guten Amerika. Die Wahlkampagnen der Grand Old Party mutierten zu regelrechten Kreuzzügen. Eine fundamentalistische Wende, nach der sich Republikaner und Demokraten nicht mehr viel zu sagen hatten. Das Land war in zwei Glaubensgemeinschaften gespalten. Eine Wagenburgmentalität breitete sich in beiden Lagern aus. Amerika war, wie der Politikwissenschaftler Torben Lütjen sagt, „in liberale und konservative Echokammern zerfallen, in denen völlig unterschiedliche Realitäten produziert wurden: schalldichte Räume, in die von außen nichts hineindringt, während die Stimmen im Innern sich um ein Vielfaches verstärken“. Vor allem der Konservativismus wurde „undurchdringlich für andere Wahrheiten“. Gewiss, in Wahlkämpfen werden allenthalben Halbwahrheiten gehandelt. Für Amerikas Konservative jedoch, so Lütjen, „gibt es keine Autorität mehr, die sie zumindest über die nachweisbaren Fehlinformationen aufklären könnte“. Sie pflegen einen Antiintellektualismus, der sich „bis hin zur dreisten Wirklichkeitsverneinung gesteigert hat“.

Der Bannerträger der Post-Truth-Ära

Kein Wunder, dass Donald Trump so ungeniert lügt. Er ist der ungekrönte König der Post-Truth-Ära. Darin ähnelt er nicht zufällig Potentaten wie dem von ihm geschätzten Putin. Trump immunisiert sich gegen die Wahrheit, er erfindet sich den politischen Gegner, um ihn zu erledigen. Seine Schmähungen sind bösartige Don Quijoterien: Er imaginiert monströse Windmühlen, um lustvoll gegen sie ankämpfen zu können, etwa wenn er die Gesundheitsreform als „Socialism“ brandmarkt oder Hillary Clinton als „korrupteste Person“ schmäht, „die je für das Amt des Präsidenten kandidiert hat“. Mithilfe der sozialen Medien ist es ihm gelungen, eine politische Parallelwelt zu schaffen, in der die Wirklichkeit sich in subjektiven Sichtweisen auflöst – oder durch Softwareroboter ersetzt wird: Sogenannte Bots speisen inzwischen automatisch Botschaften ins Netz ein, etwa um Onlineumfragen zu manipulieren. Nach dem ersten Fernsehduell, das für die meisten Medienbeobachter an Clinton ging, „korrigierten“ Pro-Trump-Tweets das Ergebnis im Sinne des Kandidaten. Aus Sicht der Roboter hatte er gewonnen.

„Donald“, sagte Hillary Clinton bei einer Fernsehdebatte, „ich weiß, Sie leben in Ihrer eigenen Welt.“ Doch was, wenn diese Welt die Wirklichkeit kapert? Wenn Hass und Lügen und digitale Dienste unser Wirklichkeitsbild formen? Ein Viertel von Trumps elf Millionen Followern sind Bots. Sie füttern die Phrasenmaschine Twitter, in deren Echokammern nicht nur die Grenzen von Wahrheit und Lüge, sondern auch von Mensch und Maschine verschwimmen.

Gleichviel: Was zählt im Wahlkampf, ist das, was für Wirklichkeit gehalten wird: ihre Inszenierung. Souverän ist, wer sich die Welt erfindet. Mag sein, dass Donald Trump die Wahl am 8. November verliert. Den Kampf um Aufmerksamkeit hat er haushoch gewonnen.

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