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Donald Trump So steht es um den „großartigsten Golfplatz der Welt“

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Woher stammt das Geld?

Ein wesentlicher Aspekt des kontroversen Projekts liegt dabei bis heute im Dunkeln: Woher stammt das Geld, das Trump so verlustbringend angelegt hat? Der Erwerb des Menie-Anwesens markierte dabei nur den Beginn eines regelrechten Kaufrauschs, zu dem Trump 2006 angesetzt hat. Und der wirft zahlreiche Fragen auf.

Die Washington Post kam in einer aufwendigen Recherche zu dem Schluss, dass Trump zwischen 2006 und 2015, dem Jahr, in dem er seine Präsidentschaftskampagne gestartet hat, für mehr als 400 Millionen Dollar Immobilien erworben hat. Das Ungewöhnliche: Er hat dabei wohl jedes Mal in bar bezahlt.

Das sei aus einer ganzen Reihe von Gründen ungewöhnlich, schreibt die Washington Post weiter: Trump habe in der Vergangenheit immer gerne damit geprahlt, dass er seine Geschäfte mit geliehenem Geld gemacht habe und habe seine Deals in aller Regel mit Krediten finanziert. 2006 habe er plötzlich ohne erkennbaren Grund begonnen, Hunderte Millionen Dollar in Cash auszugeben. Dabei seien solche Bargeld-Transaktionen in der Immobilienbranche eher unüblich, schreibt die Washington Post weiter. Der Bankencrash 2008 habe den Immobiliensektor insgesamt schwer getroffen, ein Konkurs im Jahr danach das Trump-Firmenimperium zusätzlich belastet. Dennoch habe Trump auch danach weiter Zugang zu weitaus mehr Geld gehabt, als zu erwarten gewesen wäre.

Scottish Natural Heritage, die Behörde, die für den Erhalt von Schottlands Naturerbe verantwortlich ist, kommt in internen Dokumenten zu dem Schluss, dass Trumps Golfanlage das fragile Dünensystem „teilweise zerstört“ hat. Quelle: imago images

Eine möglichen Hinweis darauf, woher das Geld stammte, bekam laut eigenen Angaben der Sport-Journalist und Autor James Dodson. Er habe Trumps Sohn Eric bei einem gemeinsamen Golfspiel 2014 gefragt, woher das viele Geld stamme, das die Firma seines Vaters in Golfplätze investiere, sagte Dodson 2017. Eric Trump habe darauf geantwortet: „Wir bekommen alle Mittel, die wir brauchen, aus Russland.“ Es gebe in Russland „ein paar Typen, die Golf wirklich, wirklich lieben, und die sind an unseren Programmen interessiert. Wir gehen die ganze Zeit dorthin.“ Eric Trump bestritt danach, die Aussage getätigt zu haben.

Das Magazin New Yorker beschreibt in einer Geschichte aus dem vergangenen Jahr die engen Kontakte in die ehemaligen Sowjetrepubliken, die Trumps Firma unterhält. Bei Geschäften in Kanada, Panama, der Dominikanischen Republik, Aserbaidschan und Georgien habe Trump mit Geschäftsleuten aus der früheren Sowjetunion zusammengearbeitet. All diese Geschäftsabschlüsse seien über Limited Liability Companies abgewickelt worden (LLC, Unternehmen mit beschränkter Haftung). Und die seien besonders anfällig für Geldwäsche-Operationen.

„Obwohl wir nicht sagen können, dass Trump selbst wissentlich an Geldwäsche beteiligt war“, schreibt der New Yorker, „wissen wir mit Sicherheit, dass ein Großteil seines Geschäfts in den letzten zehn Jahren in den für Geldwäsche bekanntesten Branchen erfolgt ist, an Orten, die der Geldwäsche am förderlichsten sind, und dass er mit Menschen zu tun hatte, die die wichtigsten Merkmale von Geldwäschern haben.“

Ging es Trump letzten Endes nur darum, Häuser auf geschütztem Land bauen und mit großem Profit verkaufen zu dürfen? Quelle: dpa

Ging es nur um das Land?

Die Journalistin Suzanne Kelly verfolgt die Entwicklungen um Trumps Golfplatz in Aberdeenshire seit Jahren. Ihre Erkenntnisse hat sie in einem kürzlich veröffentlichen Buch zusammengefasst. Kelly glaubt, dass Trump den Golfplatz in erster Linie gebaut habe, um ihn „als Abschreibungsmöglichkeit“ zu nutzen, also um Gewinne, die er anderswo erwirtschaftet, „wegzurechnen“. Darüber hinaus werde Trump unter Umständen bald die Genehmigung erhalten, die er braucht, um „auf eigentlich geschütztem Land billige Häuser zu bauen.“

Könnte es sein, dass das von Anfang an Trumps eigentliches Ziel war? Die überschwänglichen Ankündigungen, das Versprechen, in einer wirtschaftlich angeschlagenen Region Tausende von Jobs zu schaffen: Ging es Trump letzten Endes nur darum, Häuser auf geschütztem Land bauen und mit großem Profit verkaufen zu dürfen?

Einige von Trumps Aussagen erwecken den Eindruck, dass genau das der Fall ist. Auf seine Verluste machenden Golfplätze in Schottland und Irland angesprochen, sagte Trump in einem Interview mit der Washington Post, dass es sich bei den Projekten nicht um „Golf-Investitionen“ handele. Es seien „Bebauung-Deals“. Über das Menie-Anwesen sagte er: „Ich habe das zu einen sehr geringen Preis gekauft, denn man konnte (mit dem Land) nichts machen. (..) Theoretisch durfte man über die Dünen nicht einmal gehen, ganz zu Schweigen davon, einen Golfplatz zu bauen.“ Nun sei er aber in der Lage, dort „Tausende von Häusern“ zu bauen, fügte Trump hinzu. Und das werde er eines Tages auch tun.

David und Moira Milne sind derzeit vor allem froh darüber, dass sie Trump nur noch in den Nachrichten sehen. Seit dem Beginn seiner Präsidentschaftskandidatur 2015 sei es um den Golfplatz ruhiger geworden. Die beiden genießen die Ruhe.

Wie es weitergehen werde, hänge jetzt davon ab, ob Trump die Bewilligung für den Bau von 550 Häusern erhalten werde, sagt David Milne. „Wenn das durchgeht, dann könnte es wieder Ärger geben. Wenn der Aberdeenshire Council den Antrag ablehnt – und das müsste er eigentlich tun – wird sich Trump wohl zurückziehen.“ Dann würde man wohl eines Tages erfahren, dass der Golfplatz einen neuen Besitzer hat. Seine mexikanische Flagge könnte David Milne dann wieder abhängen.

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