Eierknappheit: USA bitten Europa um Hilfe – warum Eier in den Staaten zum Luxus werden
Rationierungen, Diebstähle und Schuldzuweisungen. Was für die Franzosen das Brot und für die Deutschen die Butter ist, ist für die Amerikaner offenbar das Ei: Drastisch gestiegene Eierpreise erhitzen in den USA die Gemüter.
Im Februar kostete ein Dutzend Eier im landesweiten Durchschnitt rund sechs US-Dollar. Das zeigen die Daten der US-Statistikbehörde Bureau of Labor Statistics. Gegenüber Februar 2024 ist das ein Plus von rund 97 Prozent. Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums liegen die Preise für zwölf Eier in manchen Regionen im März bereits bei sieben bis neun US-Dollar.
„Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Bäcker und Läden mit Frühstücksangebot, sondern auch auf die Restaurants, die auf Eier angewiesen sind“, sagte Elizabeth Renter vom Finanzberater NerdWallet.
Im US-Bundesstaat Pennsylvania hat die Entwicklung bereits erste kriminelle Blüten getrieben: 100.000 Eier im Wert von 40.000 Dollar wurden aus einem Lieferwagen gestohlen, die Ermittler tappen bei der Suche nach den Tätern noch im Dunkeln.
Ein Virus, schon wieder
Aber warum sind ausgerechnet Eier so stark von der Inflation betroffen? Der Grund ist so einfach wie problematisch. Durch den Ausbruch der Vogelgrippe im Jahr 2022 mussten immer wieder Hühner notgeschlachtet werden. Nach Angaben des Bauernverbandes United Egg Producers waren insgesamt mehr als 100 Millionen Legehennen betroffen.
Der Engpass in der Produktion hat sich bis in die Lebensmittelgeschäfte fortgesetzt: Unternehmen wie Trader Joe's und Costco Wholesale sehen sich gezwungen, den Einkauf auf ein, zwei oder drei Kartons pro Kunde zu beschränken.
Europa soll in der Eierkrise helfen
In der Politik ist die Eierkrise längst angekommen. Zuletzt hatte US-Präsident immer wieder neue Zölle erhoben – und damit einen Handelskonflikt angezettelt. Doch aufgrund der anhaltenden Eierknappheit bitten die USA nun Länder in Europa um höhere Eier-Exporte.
Bei den dänischen und schwedischen Branchenverbänden sind laut Medienberichten entsprechende Anträge eingegangen. Dabei ist das Verhältnis Dänemarks zu den USA, aufgrund von Trumps Plänen, Grönland zu kaufen, angespannt.
Ob die USA auch an mehr Eiern aus Deutschland interessiert sind, war zunächst unklar. Nach Angaben des Bundesverbands Ei werden bereits kleine Mengen über den Spotmarkt auch in die USA exportiert. Das Volumen sei sehr gering, hieß es nach früheren Angaben. Denn auch in der Bundesrepublik gibt es keine Eier im Überfluss.
Auch in den USA ein politisches Thema
Trump hatte im Wahlkampf immer wieder den damaligen US-Präsidenten Joe Biden für die hohe Inflation verantwortlich gemacht und versprochen, mit ihm als Präsident werde alles billiger – und zwar sofort.
Jetzt witzeln politische Gegner innerhalb und außerhalb seiner Partei: „Die Begnadigung von Kriminellen, die am 6. Januar Polizeibeamte verletzt haben, ist eine massive Missachtung der Strafverfolgung. Und wie wird dadurch der Preis für Eier gesenkt?“, schrieb etwa der demokratische Abgeordnete Ted Lieu auf X. Auch das von republikanischen Trump-Gegnern gegründete „Lincoln Project“ spottete: „Spüren Sie schon die sinkenden Preise bei Eiern?“
Für den Ausbruch der Vogelgrippe ist der Republikaner natürlich nicht verantwortlich, aber für seine Gegner sind die anhaltend hohen Preise für ein beliebtes Alltagsprodukt ein gefundenes Fressen. Ob Trumps Regierung das Thema Eierpreise noch einmal gesondert aufgreifen wird, ist derzeit offen.
Die Vogelgrippe H5N1 ist derzeit bei Wildvögeln auf der ganzen Welt verbreitet. In den USA führte das Virus zu Ausbrüchen in Geflügel- und Milchbetrieben. Anfang Januar teilte die Gesundheitsbehörde des Bundesstaats Louisiana mit, dass in den USA erstmals ein Mensch nach einer Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus gestorben sei. Der Patient hatte demnach sowohl mit Vögeln in seinem Garten als auch mit Wildvögeln Kontakt gehabt.
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Mit Material der Nachrichtenagentur dpa