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Görlachs Gedanken
Donald Trump und Queen Elizabeth Quelle: REUTERS

Europa wird zum Spielball zwischen USA und China

Die USA befürworten den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Was nichts anderes heißt, als dass Washington auf die EU nichts mehr gibt.

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Es waren, wieder einmal, sieben sehr gefährliche Tage für Europa. Eingequetscht zwischen den beiden unberechenbaren Giganten China und USA musste die Alte Welt erneut erleben, dass sei zu einem Spielball geworden ist. Da ist zum einen der Besuch von US-Präsident Donald Trump in Großbritannien, der seine Schatten vorweg warf in Gestalt der Äußerungen des Nationalen Sicherheitsberaters John Bolton: Großbritannien, sagte dieser, sei eine Weltmacht, die USA würden ein besonderes Wirtschaftsabkommen mit dem Weltreich schließen. Die USA befürworteten den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Was nichts anderes heißt, als dass Washington auf die EU nichts mehr gibt.

Die Machthabenden in Washington verdingen sich also weiterhin in Ränkespiele, die wir Europäer aus den Zeiten unserer verheerenden dynastischen Kriege kennen: divide et impere, teile und herrsche. Was nichts anderes heißt, als dem anderen etwas zu sagen, was er hören will, ihm also etwas weiszumachen, was eigentlich nur dem eigenen Interesse dient. England ist kein Weltreich mehr und indem Bolton spricht wie er spricht, sagt er das, was sie im Lager von Nigel Farage, dem Hardliner, hören wollen.

Auf der Insel wird bald gewählt und da möchte die Regierung Trump die Spalter unterstützen. Aber am Morgen nach der Wahl wird man sich wohlmöglich nicht mehr erinnern – Nigel Farage kennt das ja – und dann sind die Engländer auf sich alleine gestellt, schwach, und können jederzeit von Herrn Trump hin und her geschubst werden. In diesem Sinne sollte das Vereinigte Königreich so rasch als möglich seinen Verbleib in der EU ankündigen, denn wer solche Freunde wie Donald Trump hat, der braucht gewiss keine Feinde mehr.

Solange Donald Trump im Weißen Haus sitzt, wird er alles daran setzen, die Europäer zu spalten. Die US-amerikanische Einmischung ist, anders, als es der russischen nachgesagt wird, offen und für jedermann sichtbar. Sie ist real und daher gefährlich, auch wenn wir im Abendland noch so sehr die Augen reiben und das alles für einen Traum halten. Wir brauchen dringend Antworten auf die Fragen, die sich aus dieser Situation ergeben.

Auf der anderen Seite der Welt, im Reich der Mitte, wird dieser Tage eines besonderen Ereignisses nicht gedacht: es ist dreißig Jahr her, dass die „kommunistische“ Führung gewaltsam die Proteste auf dem Tiananmen, dem Platz des Himmlischen Friedens, niederschlagen ließ. Das Gedächtnis an diese Schandtat wird unterdrückt. Es sind die „drei Ts“, die man als Ausländer in der Volksrepublik nicht ansprechen soll: Tibet, Taiwan und eben Tiananmen. Diese drei Ts stehen für den expansionistischen Machtwillen Pekings. Eigentlich müsste es ergänzt werden um ein HK für Hong Kong.

Der autonome Teil Chinas muss seit Jahren mit ansehen, wie Peking die Rechte seiner Bewohner beschneidet. Nun gibt es in dem einstmals britischen (ja, Großbritannien war einmal eine Weltmacht) Flecken eine Unabhängigkeitsbewegung, die niemand anderer zu verantworten hat als der chinesische Führer Xi Jinping selbst. Nicht nur in Hong Kong, auch auf Taiwan, sondern von Indien bis Japan bereitet man sich darauf vor, dass China mit seiner Variante von divide et impere die Region auf- und die Machtkonstellationen neu mischt. Welche Rolle möchte ein Europa, das auf den Menschenrechten fußt, den Menschen im Fernen Osten, viele davon, wie der Inselstaat Taiwan, unsere Verbündeten, spielen, welche Unterstützung anbieten?

Die Welt, wie wir sie kannten, ist aus den Angeln, den Europäern ist der wichtigste Verbündete verloren gegangen und ein neuer ist nicht in Sicht. Im Osten erwächst mit China ein Riesenreich, das zu einem großen Nordkorea werden könnte – die Machthaber in Peking sind dabei, Online-Archive bis in die Anfangstage der Volksrepublik zurück zu manipulieren und die Geschichte so in ihrem Sinne umzuschreiben. Das echte Internet kann ohnehin nur mit VPN angesteuert werden. Auch das ist mittlerweile offiziell verboten, wird aber – noch – nicht systematisch verfolgt. Aus China wird so ein gigantisches Nordkorea. In Xinjiang, in der Provinz in der Xi bereits mehr als eine Million Menschen in Konzentrationslager sperren ließ, kann man besichtigen, dass es dem Ideologen in Peking ernst ist mit der Totalen Herrschaft. Und im Westen sitzt eine Figur im Weißen Haus, der Machthaber wie eben diesen Xi besonders verehrt.
Was ist unsere Antwort, was ist die Antwort Europas darauf?

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