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Kritik an Fed „Trump wird keinen Erfolg haben“

Donald Trumps Kritik an der Fed wird keinen Erfolg haben Quelle: dpa

Donald Trump hat sich gegen höhere Zinsen der US-Notenbank ausgesprochen. Sein Versuch, Einfluss auf die Zinspolitik zu nehmen, wird jedoch scheitern, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank.

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Herr Schmieding, nach Erdogan in der Türkei versucht jetzt auch Trump in den USA, Druck auf die Zinspolitik der Notenbank auszuüben. Ist Trump der neue Erdogan?
Der große Unterschied zwischen den USA und der Türkei ist, dass die USA funktionierende Institutionen haben. Zu ihnen gehört auch die Federal Reserve, die eine unabhängige Zentralbank ist.

Also wird die Federal Reserve nicht auf Trumps Ermahnungen reagieren.
Das Schlimmste, was die Notenbanker machen könnten, wäre, sich zu Trumps Einlassungen zu äußern und sich auf Diskussionen über die Geldpolitik einzulassen.

Warum?
Zentralbanken sollten sich aus politischen Diskussionen heraushalten. Nichts zu sagen, ist auch ein Statement: Damit dokumentieren Zentralbanker, dass sie unabhängig sind und sich nicht von der Politik beeinflussen lassen.

Aber hat Trump nicht Recht? Höhere Zinsen würden noch mehr Kapital nach Amerika locken und so die Schwellenländer in die Krise treiben?
Bisher ist die Krise in der Türkei nicht so ausgeprägt, dass wir von einer allgemeinen Schwellenländerkrise sprechen können. Sollte sich der wirtschaftliche Ausblick nachhaltig ändern, hätte das natürlich auch für die USA Konsequenzen. Da der Dollarwechselkurs wegen der Fremdwährungsschulden der Schwellenländer große Bedeutung für diese hat, könnte eine ausgeprägte Schwellenländerkrise die Fed dazu veranlassen, inne zu halten. So weit sind wir aber noch nicht.

Werden die Zinsen durch Trumps Mahnadressen an die Fed weniger stark steigen?
Nein. Trump wird mit seinen Worten keinen Erfolg haben. Er könnte allenfalls indirekte Wirkungen erzeugen.

Was meinen Sie damit?
Sollte Trump durch weitere Tweets mit dazu beitragen, dass sich die Krise der Türkei auf andere Schwellenländer ausweitet, könnte die Fed gezwungen sein, den potenziellen Schaden für die Weltwirtschaft bei ihren zinspolitischen Entscheidungen mit zu berücksichtigen.

Volkswirte zu Trumps Angriff gegen die Federal Reserve

Wie unabhängig ist die Federal Reserve wirklich?
Meines Erachtens nach sehr unabhängig. Sie hat eine Berichtspflicht gegenüber dem Kongress – dem kommt sie nach. Sie muss auf zwei Dinge achten: Arbeitsmarkt und Preisstabilität. Dadurch hat sie einen Ermessensspielraum, der etwas größer ist als der anderer Zentralbanken. Natürlich wird das Personal der Fed politisch bestimmt. Aber wir erleben gerade, dass der von Trump eingesetzte Jerome Powell an der Spitze der Fed nicht nach Trumps Pfeife tanzt. Wer immer die Entscheidungsträger in der Fed ernennt, er kann sich nicht darauf verlassen, dass sie anschließend auch auf ihn hören. Sobald die Notenbanker im Amt sind, sind sie wirklich unabhängig.

Das Zeitalter unabhängiger Notenbanken neigt sich also noch nicht dem Ende zu?
Nein, vorbei sind aber die Zeiten, in denen Notenbanken sich ausschließlich auf den Inflationsausblick konzentriert und dabei andere Aspekte kaum beachtet haben. Notenbanken müssen auch auf Wechselkurse, Kreditwachstum und Finanzstabilität achten.

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