Russland: Nawalnys Frau kann dessen Tod nicht bestätigen – und droht Putin
Julia Nawalnaja, Ehefrau von Alexej Nawalny, reagiert während ihrer Rede auf der Sicherheitskonferenz.
Foto: dpaAls Julija Nawalnaja auf die Bühne der Münchner Sicherheitskonferenz tritt, erntet sie minutenlangen stehenden Applaus. Der Kampf mit den Tränen steht der Ehefrau des offenbar frisch verstorbenen russischen Oppositionsführers Alexei Nawalny ins Gesicht geschrieben. Nur wenige Stunden sind vergangen, seitdem der Tod ihres Mannes über die Nachrichtenticker der Welt flimmerte. Ihr Auftritt auf der Hauptbühne scheint spontan gewählt worden zu sein. Es dauert einige Minuten, bis eine Übersetzerin die Worte Nawalnajas erklärt. Sie halte Putin persönlich verantwortlich für den Tod Ihres Mannes, sollte sich dieser bestätigen, sagt sie mit fester Stimme. Die Tat werde nicht ohne Konsequenzen bleiben.
Putin und seine Unterstützer dürften nicht straflos davon kommen, für das, „was sie unserem Land, meiner Familie und meinem Mann angetan haben“. Sie ist sich sicher, dass der Tag, an dem sie zur Verantwortung gezogen würden, bald kommen werde. „Ich möchte die internationale Gemeinschaft und alle Leute in diesem Saal dazu aufrufen, dass sie sich vereinigen und das Böse bekämpfen,“ sagt Nawalnaja.
Von der Schuld Putins gehen hier in München alle aus. Auf den Fluren des Bayerischen Hofs spekulieren die internationalen Gäste über eine gezielte Aktion aus Anlass der Konferenz. „Ich kann mir gut vorstellen, dass Putin das genau auf die Sicherheitskonferenz hin geplant hat“, sagt der ukrainische Politiker Vitali Klitschko der WirtschaftsWoche. Für ihn kommt das nicht überraschend. „Man konnte dieses Ereignis leider lange kommen sehen“, erklärt er. Auch der Generalsekretär der Nato, Jens Stoltenberg, spricht mitten in der Menge von „ernsthaften Fragen“, die Russland nun beantworten müsse, auch wenn er sich betont nicht an den Spekulationen beteiligen möchte.
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Julija Nawalnaja kann auf der Bühne in München nicht einmal den Tod ihres Mannes bestätigen. Sie habe noch keine eigene Bestätigung erhalten. „Ich weiß nicht, ob wir den schrecklichen Nachrichten glauben sollen, die wir ausschließlich aus staatlichen russischen Quellen erhalten“, sagt sie. „Wir können Putin und Putins Regierung nicht glauben“, fügt sie hinzu. „Sie lügen immer.“
Auch Nawalnys Unterstützer warten noch auf eine direkte Bestätigung des Todes des 47-Jährigen, die über die allgemeine Mitteilung des Strafvollzugs hinausgeht, und warnen vor russischer Staatspropaganda. Sollte die Nachricht vom Tod Nawalnys wahr sein, dann „starb Nawalny“ nicht einfach, sondern Putin „tötete Nawalny, und nur so“, sagt Leonid Wolkow, einer der engsten Mitarbeiter Nawalnys. „Sie logen, sie lügen und sie werden lügen“, teilte der Oppositionelle am Freitag in seinem Telegram-Kanal mit. Es geben keinen Anlass, der Staatspropaganda zu glauben.
Die Mutter des inhaftierten Kremlgegners hingegen möchte noch keine Beileidsbekundungen hören. Sie habe ihren Sohn erst am vergangenen Montag im Straflager besucht. „Er war lebendig, gesund und lebenslustig.“
Mit Agentur-Material
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