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Trotz SanktionenIn Hongkong zeigt Mordaschow, wie viel Freiheit Russlands Oligarchen noch genießen

Nachdem die Megajacht des sanktionierten Oligarchen Alexej Mordaschow den Hafen in Hongkong verlassen hat, warnen die USA: China gefährde die Stadt als Finanzzentrum. Doch China bleibt taub beim Thema Sanktionen. 10.10.2022 - 15:49 Uhr

Die Megajacht des russischen Oligarchen Mordaschow ankerte mehrere Tage im Hafen von Hongkong.

Foto: imago images, Getty Images

Knapp 142 Meter lang ist die Megajacht „Nord“. Neben zwei Hubschrauberlandeplätzen und einem Swimmingpool verfügt sie über 20 Kabinen – und fährt unter russischer Flagge. Diese Megajacht hatte bis vor Kurzem mehrere Tage in Hongkong gelegen, bevor sie den Hafen der chinesischen Sonderverwaltungszone nun wieder verließ. Was nach einem vollkommen ungewöhnlichen Vorgang klingt, sorgt derzeit für einen internationalen politischen Disput. Denn diese Megajacht gehört dem russischen Tycoon Alexej Mordaschow und ist vom Westen sanktioniert. Die Jacht im Wert von mehr als 500 Millionen Dollar war zuvor aus dem russischen Wladiwostok gekommen und in Hongkong erstmals seit Beginn des Ukraine-Krieges außerhalb russischen Hoheitsgebiets angelandet.

Mordaschow wurde im Februar von der EU, den USA und Großbritannien mit Sanktionen belegt. Vor europäischen Gerichten geht er dagegen vor. In Hongkong scheint der russische Unternehmer seine Jacht aber in Sicherheit zu wissen. Offenbar zu Recht: Ein Sprecher der Marinebehörde in Hongkong wurde von der Zeitung „South China Morning Post“ mit den Worten zitiert, Hongkong sei nicht daran gebunden, von anderen Ländern verhängte einseitige Sanktionen umzusetzen. Hongkongs Marineministerium erklärte, dass es zwar die Sanktionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen durchsetze, aber keinen „einseitigen Sanktionen anderer Gerichtsbarkeiten“ folge.

Zum Unmut der Vereinigten Staaten. Nachdem die Megajacht im Hafen von Hongkong ankerte, warnten die USA Hongkong, dass die Unterstützung sanktionierter Personen den Status Hongkongs als Finanzzentrum gefährden könnte. „Die mögliche Nutzung Hongkongs als Zufluchtsort durch Personen, die Sanktionen aus verschiedenen Ländern umgehen, stellt die Transparenz des Geschäftsumfelds weiter in Frage“, wird ein Sprecher des US-Außenministeriums in einer Erklärung zitiert. Der Ruf Hongkongs als Finanzzentrum hänge von der Einhaltung internationaler Gesetze und Standards ab, fügte der Sprecher hinzu.

Reisekonzern unter Druck

Großaktionär Mordaschow wird für Tui zum Risiko

von Rüdiger Kiani-Kreß

Westliche Experten befürchten, dass russische Unternehmer vermehrt versuchen könnten, die von den USA und ihren Verbündeten verhängten Sanktionen zu umgehen, indem sie ihr Vermögen nach Hongkong verlagern. China weigert sich weiterhin, Russlands Krieg in der Ukraine zu verurteilen. Noch am Vorabend der Invasion hatte Präsident Xi Jinping im Februar seine „grenzenlose“ Freundschaft mit Putin erklärt.

In den USA ziehen Wirtschaftsbosse bereits ihre Konsequenzen aus dem Verhalten Chinas, auch in der Sonderwirtschaftszone: „US-Unternehmen betrachten Hongkongs Geschäftsumfeld zunehmend mit Vorsicht“, sagte der US-Sprecher in der Erklärung vom Samstag und fügte hinzu, dass Chinas Bestreben, die politische Autonomie der Stadt zu verwässern, diese Bedenken noch verstärkt habe. „Wir ermutigen alle Gerichtsbarkeiten nachdrücklich, Maßnahmen im Rahmen ihrer nationalen Behörden zu ergreifen, um die Umsetzung von Sanktionen zu unterstützen.“

Tui-Großaktionär Alexej Mordaschow ist wohl in Deutschland einer der bekanntesten Namen auf der neusten Sanktionsliste der EU. Mordaschow ist Haupteigentümer des Stahlkonzerns Severstal und mit gut einem Drittel der Anteile der größte Einzelaktionär des deutschen Reisekonzerns Tui. Bei dem Unternehmen aus Hannover sitzt er auch im Aufsichtsrat. „Ich kann nicht verstehen, wie diese Sanktionen gegen mich zu der Beilegung des schrecklichen Konflikts in der Ukraine beitragen sollen“, erklärte der Oligarch in der Nacht zum Dienstag schriftlich. „Ich engagiere mich seit sehr langer Zeit für die Entwicklung der wirtschaftlichen, kulturellen und humanitären Zusammenarbeit zwischen vielen europäischen Ländern.“ Aufgrund der EU-Sanktionen darf Mordaschow nicht mehr auf sein Aktienpaket zugreifen. So solle verhindert werden, dass Mordaschow Erlöse oder Gewinne aus seinem TUI-Investment erzielen könne, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Hauptaktionär scheide deshalb mit sofortiger Wirkung aus dem Aufsichtsrat aus. Auf das Unternehmen habe das keine Auswirkungen.

Foto: dpa

Auch der Multimilliardär Michael Fridman liest seinen Namen auf der Sanktionsliste. Der 57-Jährige ist Eigentümer der Alfa Group, zu der unter anderem die AlfaBank, eines der größten privaten Geldinstitute Russlands, gehört. Außerdem ist Alfa im Mobilfunk und an Supermärkten beteiligt. Die EU bezeichnete Fridman als einen „führenden russischen Finanzier und Förderer von Putins innerem Kreis“. Fridman wies die Vorwürfe zurück. Es sei unwahr, dass er „enge Beziehungen“ zur Regierung Präsident Putins gepflegt habe. Später forderte der in der Ukraine geborene Fridman, der Krieg müsse aufhören. Er erklärte zudem seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat des Mobilfunkunternehmens Veon. Mit einem Anteil von knapp 48 Prozent ist er größter Aktionär des in Amsterdam börsennotierten Unternehmens, das auch Netzbetreiber in Russland und der Ukraine ist.

Foto: Imago

Ebenfalls gegen die Sanktionen will Fridmans Geschäftspartner Petr Aven vorgehen. Die EU nennt Aven „einen der engsten Oligarchen von Wladimir Putin“. Sowohl Fridman als auch Aven wollen die Maßnahmen wie das Einfrieren von Vermögenswerten oder das Einreiseverbot in die Europäische Union anfechten. Die Vorwürfe seien „fadenscheinig und unbegründet“, ließen die Geschäftsleute am Dienstag mitteilen. Dagegen wollen sie „energisch und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln“ vorgehen. Die Milliardäre bezeichneten es auch als nicht richtig, dass sie „inoffizielle Abgesandte der russischen Regierung“ seien. „Dies sind böswillige und vorsätzliche Unwahrheiten – schlicht und einfach das Produkt historischer Fantasien und Verschwörungstheorien, die von Privatpersonen mit ihren eigenen Absichten erdacht wurden.“

Foto: Imago

Nikolai Tokarew ist Chef des Öl-Pipelinebetreibers Transneft. Anfang 2021 warf Kreml-Kritiker Alexej Nawalny Tokarew vor, indirekt Putins „Prunk-Palast“ an der Schwarzmeerküste nahe Gelendschik mitfinanziert zu haben. Die Gelder sollen aus Scheinverträgen stammen, in die mehrere Staatsunternehmen, darunter Transneft, verwickelt gewesen seien, so die Vorwürfe.

Foto: REUTERS

Igor Setschin ist unter anderem als Vertrauter von Altkanzler Gerhard Schröder bekannt. Setschin ist Chef des staatlichen Ölkonzerns Rosneft, bei dem Schröder im Aufsichtsrat sitzt.

Foto: dpa

Der 68-jährige Multimilliardär und Medienmogul Alisher Usmanov war einst Großaktionär beim FC Arsenal London. Er leitet die Holding USM, deren Geschäftsmodell auf Metallen, Bergbau und Telekommunikation basiert. Usmanow nannte die Sanktionen „unfair“ und sprach von „falschen und diffamierenden Anschuldigungen“, gegen die er juristisch vorgehen will.

Foto: Imago

US- und europäische Behörden haben bereits mehr als ein Dutzend Jachten russischer Oligarchen beschlagnahmt um zu verhindern, dass sie in Häfen verlegt werden, in denen die Sanktionen nicht umgesetzt werden. Manche Jachten legten seither in türkischen Häfen an. Die Türkei unterhält weiterhin Beziehungen zu Russland.

Lesen Sie auch: Die irre Jagd auf die Jachten der Oligarchen

Alexej Mordaschow war vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine einer der Hauptaktionäre des Reisekonzerns Tui. Aufgrund der EU-Sanktionen konnte Mordaschow nicht mehr auf sein Aktienpaket zugreifen. So sollte verhindert werden, dass Mordaschow Erlöse oder Gewinne aus seinem Tui-Investment erzielen könne. Mordaschow hatte kurz vor Inkrafttreten der Sanktionen, die ihm den Zugriff auf seine Vermögenswerte und damit auf den Tui-Anteil entzogen, sein Aktienpaket verschoben. Kurz nach dem sanktionsbedingten Rückzug gab Tui bekannt, dass Mordaschows Ehefrau Marina Mordaschowa als Großaktionärin eingestiegen war.

Mordaschow ist zudem Hauptaktionär und Vorsitzender von Sewerstal, dem größten russischen Stahl- und Bergbauunternehmen. Sein Vermögen wird auf mehr als 18 Milliarden Dollar geschätzt. Neben Alexej Mordaschow wurden auch die Oligarchen Michael Fidman, Alisher Usmanov und Petr Aven sanktioniert.

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jl, bbg, AP
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