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Visastreit zwischen USA und Türkei Türkische Lira und Börse erheblich unter Druck

Der politische Streit zwischen den USA und der Türkei, der die Aussetzung der gegenseitigen Visa-Erteilung zur Folge hatte, hat die türkische Börse und Währung zum Wochenauftakt erheblich belastet.

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Anleger warfen in hohem Bogen die türkische Lira aus ihren Depots Quelle: REUTERS

Nach der Festnahme eines US-Konsulatsangestellten in der Türkei haben beide Länder die gegenseitige Visa-Erteilung ausgesetzt. Es sei nötig, neu zu bewerten, wie sich die Türkei der Sicherheit der US-Vertretungen und ihrer Mitarbeiter verpflichtet fühle, erklärte die US-Botschaft am Sonntag in Ankara. Wenig später kündigte die türkischen Vertretung in Washington den gleichen Schritt an.

Die türkischen Behörden hatten den Mitarbeiter des US-Konsulats in Istanbul festgenommen. Ihm wurde vorgeworfen, Verbindungen zu dem in den USA lebenden türkischen Geistlichen Fethullah Gülen zu haben. In ihm sieht die Türkei den Drahtzieher des Putschversuchs im vergangenen Jahr. Der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge soll es sich bei dem Festgenommenen um einen türkischen Staatsbürger handeln.

Für die türkische Währung Lira und die Börse in Istanbul ist der politische Streit eine erhebliche Belastung. Die Börse gab am Vormittag um zeitweise 4,7 Prozent nach und landete auf einem 16-Wochen-Tief von 99.210 Punkten. Zudem warfen Anleger in hohem Bogen die türkische Lira aus ihren Depots. "Die Situation scheint wirklich sehr ernst zu sein", sagte Anlagestratege Timothy Ash vom Vermögensverwalter Blue Bay.

Der Dollar verteuerte sich um mehr als vier Prozent auf ein Sechseinhalb-Monats-Hoch von 3,77 Lira. Zeitweise mussten für einen Euro 4,52 Lira gezahlt werden und damit so viel wie noch nie. "Wenn der Lira-Verfall weitergeht, könnte sich die türkische Zentralbank gezwungen sehen zu intervenieren und die Zinsen zu erhöhen", sagte Ash. Unter den größten Verlierern an der türkischen Börse waren die Titel der Fluggesellschaft Turkish Airlines mit einem Kursabschlag von bis zu elf Prozent. Pegasus Airlines verloren 9,5 Prozent.

Die scharfe Reaktion der Finanzmärkte begründeten Analysten auch damit, dass die Märkte von der politischen Eskalation überrascht worden seien. Beobachter erinnerten zudem daran, dass die türkische Lira ohnehin eine anfällige Währung sei. Die Türkei ist auf einen stetigen Zustrom ausländischen Kapitals angewiesen, um ihr Defizit im Außenhandel zu finanzieren. Zudem leidet die Attraktivität der Lira unter der hohen Inflation in der Türkei von rund elf Prozent.

Die amerikanisch-türkischen Beziehungen haben sich wegen der US-Unterstützung für die kurdische YPG-Miliz im Kampf gegen den IS in Syrien verschlechtert. Die Regierung in Ankara betrachtet die YPG als Ableger der verbotenen PKK, die seit Jahrzehnten im Südosten der Türkei einen Aufstand anführt.

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