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ZollkonfliktDanke, Mr. President: Das sind Trumps Ostereier für Deutschland

Währungen, Anleihen, Aktien, Öl, Talente: Wie Industrie und Anleger von der Politik des US-Präsidenten profitieren könnten – und wo das schon passiert. Ein Kommentar.Hauke Reimer 19.04.2025 - 14:00 Uhr
Donald Trump mit Sohn Barron und Gattin Melania zu Ostern 2017. Foto: REUTERS

Genug gezittert und gejammert. Eskalierende, trivial berechnete und wieder zurückgedrehte Zölle, Börsencrash, steigendes Risiko einer US-Rezession: haken wir ab. Suchen wir das Positive.

Nicht in der Sicherheitspolitik, da sehe ich wenig, außer dass Europa aus seinem Verteidigungstiefschlaf aufgewacht zu sein scheint, vielen die Augenlider aber schon wieder schwer werden.

Aber in der Ökonomie. Hier sind fünf Gründe für Optimismus. Wie deutsche Unternehmen und Anleger von Trump profitieren.

Währungen: Yuan-Abwertung hilft der Industrie

Ja, Trump schwächt den Dollar, der starke Euro schadet der deutschen Wirtschaft im internationalen Geschäft. Nehmen wir aber an, Trump schafft es, dass China die Abwertung seines Yuan stoppt. Bisher verschafft die künstlich unten gehaltene chinesische Währung Chinas Industrie auf den Weltmärkten einen enormen Preisvorteil.

Die liberale Lehrbuch-Mechanik (Güter eines Landes weltweit gefragt, Nachfrage nach dessen Währung nimmt zu, Währung wertet auf, Güter teurer, Güter weniger gefragt) haben Chinas Staatskapitalisten wegmanipuliert, was Amerikas Deindustrialisierung und in der Folge den Aufstieg Donald Trumps beschleunigt hat.

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Falls Trump das wirklich umdreht: Wer profitiert von einer Yuan-Freigabe und Abwertung?

Amerika bestimmt nicht. Dessen industrielle Basis ist zerstört. Das liegt nicht nur an der Exportstärke der Europäer und Asiaten, sondern auch an der Dominanz des Shareholder Value in den USA. „Massenproduktion ist kapitalintensiv, zyklisch und wettbewerbsintensiv. Und diese Kombination bringt Aktionären auf lange Sicht keine hohen Renditen“, konstatiert mein Lieblings-Börsenblogger.

Da reicht es nicht, Fabriken hinzustellen. Die als Gabe für Trump in Texas gebaute Fabrik für Louis Vuitton-Handtaschen gehört zu den schlechtesten Standorten von Louis Vuitton: keine qualifizierten Arbeiter, Ausschuss wird LKW-weise zur Verbrennung abtransportiert. Soll Trump seine Industrie also ruhig heimholen – viel Glück damit!

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Deutschland aber besitzt diese industrielle Basis – noch. Und könnte sie ausbauen, auch wenn sich aus 4500 Zeilen Koalitionsvertrag nur mit größter Mühe der Wille dazu herauslesen lässt. Produkte deutscher Mittelständler sind zum Teil so speziell und einzigartig, dass Kunden sie kaufen müssen, notfalls auch mit Zollaufschlag. Und eine von Trump erzwungene Abwertung der chinesischen Währung würde allen helfen, die den Atem der chinesischen Konkurrenz spüren.

Anleihen: Deutschland als neuer sicherer Hafen

Fondsmanager Bert Flossbach sagt, nur der Bondmarkt könne Trump stoppen. Wohl wahr. Als die Kurse der US-Staatsanleihen abstürzten und damit die Renditen nach oben schossen, knickte der Präsident bei seinen Zöllen ein. Noch höhere Zinszahlungen würden den Haushalt der völlig überschuldeten USA sprengen.

Doch der Schaden ist angerichtet. Investoren weltweit stoßen US-Staatsanleihen ab. Als alternativer sicherer Hafen bieten sich Bundesanleihen an. Mehr Nachfrage nach denen lässt deren Kurse steigen und die Renditen fallen. Niedrigere Renditen aber bedeuten weniger Zinszahlungen für den Bund – was dem Finanzminister in spe (Lars Klingbeil oder wem auch immer) angesichts der maßlosen Neuverschuldung höchst willkommen sein dürfte. Und deutsche Hauskäufer profitieren ebenfalls.

Aktien: Europa vorn, wie lange noch?

Die Börsenstory läuft: raus aus den USA, rein nach Europa. Der Dax hängt den S&P 500 zeitweise ab, lange nicht gesehen und schön für die mit Heimat-Bias investierenden deutschen Anleger.

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Neben der Skepsis über die US-Konjunktur drückt die Furcht vor Kollateralschäden: Auch Unternehmen, die in den USA produzieren, müssen Vorprodukte importieren und Zölle zahlen. Mangelndes Vertrauen in die Politik kann gerade dem Geschäft der Cloud-Giganten schaden.

Bevor Wladimir Putin die Ukraine überfiel, verlagerte Kiew Einwohnerdaten und Grundbücher auf die Server von Amazon und Co. Ob die Ukrainer das heute noch tun würden? Das Risiko, dass die arg geschmeidigen Chefs der Internetgiganten Datenwünschen von US-Behörden nachkommen, nimmt zu. Womöglich könnten die hoffnungslos abgeschlagenen deutschen und europäischen Alternativen doch noch profitieren.

Ölpreis: Gut fürs Wachstum

Öl ist billiger geworden, weil in der Logik der Märkte eine von Trump in die Rezession gedrückte Welt weniger Öl braucht. Das erfreut nicht nur Autofahrer, sondern belastet auch den kriegführenden Ölexporteur Russland. Und entlastet die Wirtschaft. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet 0,1 bis 0,3 Prozentpunkte mehr Wachstum 2025 und 2026. Beschämend wenig, aber besser als nichts.

Menschen: Seid umschlungen, Talente!

Trumps Streichungen treffen an den US-Unis nicht nur Antisemiten und Gender Gaga, sondern auch Spitzenforschung in technischen Fächern. Dass Top-Wissenschaftler deshalb in Scharen nach Europa fliehen, ist Wunschdenken, aber ein bisschen was dürfte schon gehen. Mehr würden kommen, wenn Deutschland ein paar Milliarden Mütterrente und Elterngeld an seine Unis umlenken würde.

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