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„Ausländer raus“-GegröleSylter Skandalvideo: Ermittlungen gegen drei Verdächtige

Auf Sylt singen Partygäste rassistische Parolen – und das hat nun Folgen. Die Flensburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine Frau und zwei Männer. 29.05.2024 - 16:55 Uhr Quelle: dpa

Zwei Frauen sitzen auf der Terrasse des Club Pony in Kampen (Sylt). Hier hatten Party-Gäste zu Pfingsten rassistische Lieder gegrölt.

Foto: Lea Sarah Albert/dpa

Nach dem rassistischen Gegröle mehrerer Party-Gäste auf Sylt ermittelt die Flensburger Staatsanwaltschaft gegen eine Frau und zwei Männer. Das bestätigte ein Sprecher der Behörde. Zuvor hatte das „Hamburger Abendblatt“ berichtet.

Genauere Angaben zu den Personen machte der Sprecher nicht. Es werde wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt, gegen einen der Männer außerdem wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. In einem anderen Fall werde gegen einen Mann ermittelt im Zusammenhang mit einer Attacke gegen eine Frau in Kampen, die zuvor rassistisch beleidigt worden sein soll.

In einem Video, das vergangene Woche viral gegangen war und zu Pfingsten entstanden sein soll, ist zu sehen und zu hören, wie junge Menschen zur Melodie des mehr als 20 Jahre alten Party-Hits „L'amour toujours“ von Gigi D'Agostino rassistische Parolen grölen. Scheinbar ungeniert und ausgelassen singen sie „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus!“ Ein Mann macht eine Geste, die an den Hitlergruß denken lässt. Die Szenen entstanden in der bekannten Bar Pony im Inselort Kampen auf Sylt.

Der Vorfall hatte bundesweit Empörung ausgelöst. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte am Wochenende, menschenfeindliche Ideologie sei inzwischen ganz offensichtlich „Teil der Popkultur“. Und sie sei in Milieus salonfähig, denen klar sein müsse, dass Ausländer maßgeblich zum Wohlstand beitrügen.

Sylter Rassismus-Video: Influencerin feuert Mitarbeiterin

Für einige Beteiligte hatte das Gegröle ein schnelles Nachspiel: Die Werbeagentur-Gruppe Serviceplan Group erklärte, sie habe einen beteiligten Mitarbeiter fristlos entlassen.

Sylt-Video

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Auch die Hamburger Influencerin Milena Karl entließ nach eigenen Angaben eine Mitarbeiterin, die dabei war. „Ich bin selbst Migrantin und als werdende Mutter steht alles, was in diesem Video zu sehen ist, für eine Gesellschaft, in der ich mein Kind nicht großziehen möchte.“

Die Betreiber des Lokals Pony schrieben auf Instagram: „Hätte unser Personal zu irgendeinem Zeitpunkt ein solches Verhalten mitbekommen, hätten wir sofort reagiert. Wir hätten umgehend die Polizei verständigt und Strafanzeige gestellt. Das haben wir mittlerweile tun können.“ Bei der Party waren mehrere Hundert Gäste.

DJ Gigi D'Agostino, dessen Song verhunzt wurde, stellte klar, dass sich dieser ausschließlich um Liebe drehe. „In meinem Lied „L'amour toujours“ geht es um ein wunderbares, großes und intensives Gefühl, das die Menschen verbindet“, teilte D'Agostino mit. Zentral sei zudem die Freude über die Schönheit des Zusammenseins.

Doch Sylt ist kein Einzelfall. Schon in den vergangenen Monaten gab es immer wieder Vorfälle, bei denen zu dem Lied Nazi-Parolen gerufen wurden – etwa in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. In der Oberpfalz ermittelte die Polizei nach einem möglichen Vorfall bei einem Faschingszug im Februar.

In Erlangen skandierten – wie auf Sylt – zwei Männer auf der Bergkirchweih rassistische Parolen zum Lied „L'amour toujours“. Wie die Polizei am Samstag mitteilte, bekamen die Verdächtigen im Alter von 21 und 26 Jahren am Freitagabend ein Betretungsverbot – der Staatsschutz leitete Ermittlungen ein.

Merz: „Mit Alkoholkonsum nicht mehr zu erklären“

Wirtschaftsminister Robert Habeck nannte die Video-Szenen verstörend und absolut inakzeptabel. Den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte er, Deutschland habe es geschafft, zu einer starken Demokratie zu werden, die auf Respekt und Pluralität gebaut sei. „Das zu schützen ist unsere Aufgabe.“ Der CDU-Bundesvorsitzende Friedrich Merz fragte: „Was geht eigentlich in den Köpfen dieser Leute vor, das ist doch auch mit Alkoholkonsum nicht mehr zu erklären.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte sich mit Blick auf die rassistischen Gesänge besorgt über die Verrohung der politischen Umgangsformen. Weiter sagte er beim Demokratiefest in Bonn, offensichtlich seien es nicht nur „die Randständigen, Abgehängten“, die sich radikalisieren. „Sondern das ist eine Radikalisierung, die mindestens in Teilen in der Mitte der Gesellschaft auch stattfindet.“ Am Freitag hatte schon Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Parolen als „ekelig“ und „nicht akzeptabel“ bezeichnet.

Auch aus Sicht der Expertin Pia Lamberty zeigt das Sylt-Video eine Normalisierung rechtsextremer Inhalte in der Gesellschaft. „Ohne dass es irgendeine Form von Widerspruch gibt, werden die sozialen Normen einfach gebrochen“, sagte die Co-Geschäftsführerin des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), das Radikalisierungstendenzen und Verschwörungserzählungen im Netz untersucht.

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dpa
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