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  4. Christoph Ploß über hohe Preise für Urlaub: „Fliegen muss günstiger werden"

CDU-Politiker„Wir reden hier nicht über eine kleine unbedeutende Nische“

Urlaub wird teurer. Muss das so bleiben? Christoph Ploß, Tourismuskoordinator der Bundesregierung, wirbt für Entlastungen – und bricht ein Tabu.Benedikt Becker 27.07.2025 - 16:41 Uhr
Der CDU-Abgeordnete Christoph Ploß ist neuer Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft und Tourismus. Foto: Julian Weber/dpa

Herr Ploß, wohin fahren Sie in diesem Sommer in Urlaub?
Nach Zakynthos, eine wunderschöne griechische Insel im Ionischen Meer.

Also kein Urlaub in Deutschland.
Nach dem harten Winterwahlkampf war ich dieses Jahr schon für einige Tage in Travemünde. Überhaupt mache ich gern in Deutschland Urlaub. Als Tourismuskoordinator weiß ich aber, dass auch der sogenannte „Outgoing“-Tourismus ebenfalls sehr wichtig für die deutsche Tourismuswirtschaft ist.

Warum?
Auch mit Urlaubsreisen nach Asien, Amerika oder Afrika verdienen deutsche Unternehmen Geld – von den kleinen Reisebüros bis hin zu den großen Touristikveranstaltern. Außerdem bin ich überzeugt: Wir werden viele Probleme in der Welt nur lösen können, wenn wir über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Deshalb lohnt es sich, auch ins Ausland zu fahren und andere Kulturen kennenzulernen.

Zur Person
Christoph Ploß ist Vorsitzender der CDU-Landesgruppe Hamburg und sitzt seit 2017 im Bundestag. Unter der aktuellen Regierung ist er zudem Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft und Tourismus.

Im Sinne der Völkerverständigung müsste man Ihnen nach den vergangenen Wochen eigentlich Ferien in Bayern empfehlen.
Da war ich gerade. Wir hatten einen sehr zielführenden Austausch unter den Tourismuspolitikern von CDU und CSU.

Tatsächlich? Aus bayerischer Sicht haben sie doch ein Tabu gebrochen. Sie haben kürzlich gefordert, dass die Bundesländer bei den Ferienzeiten rotieren. Also dass auch die Bayern mal im Juni in Urlaub fahren sollen und nicht erst im September. Das fand Markus Söder gar nicht lustig. Er sagt, es sei im „Biorhythmus der Bayern drin“, jedes Jahr spät in die Ferien zu starten.
Wenn jedes Bundesland nur auf sich schaut, wird es schwer, zu einem gemeinsamen Kompromiss zu kommen. Das wäre schade. Für den Tourismus in Deutschland wäre es am besten, wenn die Länder rotierten und der Ferienzeitraum gestreckt würde.

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Das müssen Sie erklären.
Wir könnten so verhindern, dass Flughäfen, Bahnhöfe und Autobahnen zur Hauptsaison völlig überlastet sind. Wenn alle zur gleichen Zeit verreisen wollen, gibt es Dauerstaus und überfüllte Flughäfen. Hinzu kommt, dass viele Tourismusbetriebe nicht ausreichend Kapazitäten für die Hochsaison haben. Da gibt es häufig mehr Anfragen, als Betten zur Verfügung stehen. Wenn die Feriensaison gestreckt wird, erhöhen sich die Steuereinnahmen, Arbeitsplätze werden gesichert oder sogar neue geschaffen. Darüber hinaus ist die Rotation unter den Bundesländern auch eine Frage der Fairness. Ich kann den Vorstoß aus Nordrhein-Westfalen daher gut verstehen.

Weil dann nicht jedes Jahr dieselben Reisenden die hohen Preise der Hochsaison im Juli und August zahlen müssen.
Genau. Wer Anfang Juni oder im September in den Urlaub fährt, zahlt in der Regel weniger für den Urlaub.

Ist Urlaub für die breite Masse der Deutschen noch bezahlbar?
Wir stellen fest, dass Urlaub immer teurer wird. Dass es sich immer mehr Familien kaum noch leisten können, eine Woche wegzufahren. Das hat unterschiedliche Gründe. Einige davon sind hausgemacht. In Deutschland sind Steuern und Gebühren und damit die Preise für die Urlauber in vielen Bereichen zu hoch. Nehmen wir als Beispiel den Luftverkehr, der für den Tourismus sehr wichtig ist. Die Ampelkoalition hatte die Luftverkehrssteuer erhöht. Auch die Gebühren an vielen Flughäfen sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Das hat Folgen.

Welche?
Die zu hohen Steuern und Gebühren führen dazu, dass in Deutschland Flugverbindungen gestrichen werden. Airlines wie Eurowings oder Ryanair setzen ihre Flugzeuge lieber auf profitableren Strecken ein – etwa zwischen Stockholm und Mallorca statt zwischen Düsseldorf und Mallorca. Das schwächt den Tourismusstandort Deutschland und macht Reisen teurer. Fliegen muss günstiger werden, der Luftfahrtstandort Deutschland muss gestärkt werden.

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Die Preise steigen aber ja nicht nur am Flughafen.
Ein anderes Problem ist der Fach- und Arbeitskräftemangel. Viele Hotels und Reiseanbieter haben große Probleme, qualifizierte Leute zu finden. Gute Mitarbeiter sind heißbegehrt. Dementsprechend sind die Löhne in diesem Bereich stark gestiegen. Das sorgt auch dafür, dass Urlaub teurer wird.

Viele Deutsche hoffen, dass man die geplante Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie auch auf der Speisekarte sieht. Vertreter des Gaststättenverbands haben jedoch schon ausgeschlossen, dass das Schnitzel günstiger wird.
In einer sozialen Marktwirtschaft entscheiden nicht Politiker über die Preise. Die Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie ist richtig. Sie muss kommen. Und ich erwarte, dass die Bundesländer im Bundesrat hier mitziehen. Das ist so gemeinsam vereinbart. Vor allem auf dem Land, wo wir viel Tourismus haben, kämpfen kleine Gaststätten, Hotels und Kneipen ums Überleben. Die Mehrwertsteuersenkung soll die Betriebe, die mit dem Rücken zur Wand stehen, entlasten.

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Die alte Bundesregierung wollte eine neue Tourismusstrategie formulieren. Sie kam dann nicht mehr dazu. Wann sind Sie so weit?
Vermutlich im ersten Halbjahr 2026. Wir wollen die neue nationale Tourismusstrategie anders aufziehen als früher. In der Vergangenheit hat sich die Nationale Tourismusstrategie auf konkrete Initiativen konzentriert. Wir brauchen aus meiner Sicht ein Leitbild: Wo soll sich der Tourismus hin entwickeln? Was ist für die Branche generell wichtig? Wie stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandorts Deutschlands?

Braucht man dafür tatsächlich extra eine eigene Strategie?
Der Tourismus trägt mehr als vier Prozent zur Wertschöpfung in Deutschland bei. Das haben viele gar nicht vor Augen. Wir reden hier nicht über eine kleine, unbedeutende Nische, sondern über eine Branche mit hoher Relevanz für unsere Volkswirtschaft. Deshalb ist für mich auch klar, was wir mit höchster Priorität angehen müssen: die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandorts Deutschland zu stärken. Dabei gibt es viele Themen, die relevant sind und verbessert werden können: etwa die schon erwähnten hohen Gebühren an Flughäfen oder die zu hohe Luftverkehrsteuer. Auch die Visavergabe für Touristen dauert aktuell viel zu lange. Viele kleine Tourismusbetriebe leiden zudem unter überflüssigen Dokumentationspflichten, die wir deswegen abschaffen werden. Außerdem wollen wir als Bundesregierung die Arbeitszeiten flexibilisieren – gerade im Hotel- und Gastgewerbe ist das wichtig. Eine wöchentliche Höchstarbeitszeit statt starrer täglicher Vorgaben würde vielen Betrieben helfen. Damit all das gelingt, brauchen wir ein gutes Teamwork in der Bundesregierung.

Wir reden hier nicht über eine kleine, unbedeutende Nische, sondern über eine Branche mit hoher Relevanz für unsere Volkswirtschaft
Christoph Ploß
Tourismuskoordinator der Bundesregierung

Weil für diese Dinge unterschiedliche Ministerien zuständig sind?
Ja. Deswegen steht in meiner Aufgabenbezeichnung: Koordinator der Bundesregierung. Wenn wir über flexiblere Arbeitszeiten reden, benötigen wir einen guten Draht zum Arbeits- und Sozialministerium. Wenn wir über mehr Investitionen in Infrastruktur sprechen, kommt es auf das Verkehrsministerium an. Wenn wir die Luftverkehrssteuer senken wollen, muss das Finanzministerium zustimmen. Einfachere Visa-Verfahren bringt das Auswärtige Amt federführend auf den Weg. Im Bundeswirtschaftsministerium setzt sich Katherina Reiche mit Nachdruck für den Bürokratieabbau ein. Dort ist auch meine Stelle angesiedelt. Mein Team und ich erarbeiten daher eine Strategie, die alle Ministerien mittragen. Auch Entlastungen für die Tourismusbranche werde ich dabei auf die Agenda setzen.

Woran denken Sie?
Mein Ziel ist es, dass wir die Entgelte im deutschen Reisesicherungsfonds noch in diesem Jahr senken. Der Fonds wurde mal geschaffen, um Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, entschädigen zu können, wenn Tourismusunternehmen in die Insolvenz rutschen. Die Firmen zahlen je nach ihrer Größe eine gewisse Summe in den Fonds ein. Inzwischen ist der Fonds gut gefüllt und sehr krisenfest. Deshalb werden wir in der Lage sein, die Tourismusbranche an dieser Stelle zu entlasten und die Abgaben zu senken.

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