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Dieter Zetsche beim Grünen-Parteitag Fahrrad-Freunde testen einen Benziner

Daimler-Chef Dieter Zetsche spricht beim Bundeskongress der Ökopartei: Der Konzernchef schmeichelt und kritisiert – und zeigt dabei eine Prise Humor. Applaus gibt's nicht von allen.

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Daimler-Chef Dieter Zetsche bekam auf dem Grünen-Parteitag nicht von allen Applaus. Quelle: dpa

Zu Beginn applaudierten manche, es gab Buh-Rufe und Schilder gegen Daimler-Chef Dieter Zetsche. Bevor der Chef des Automobilkonzerns zu seiner Rede anhob, lobte der Schnurrbartträger Protestierende in der Parteitagshalle der Grünen in Münster humorvoll: Die künstlichen Bärte, die sich manche angeheftet hatten, würden ihnen stehen. Und: „Danke für den engagierten Einstieg, das macht mir Spaß!“

Zetsche, für viele ein Feindbild, trat in Jeans und Sneakers auf, mit mittelblauem Sakko, aber ohne Krawatte. Parteichef Cem Özdemir, ähnlich gekleidet, hatte ihn eingeladen, um über die „Energiewende im Verkehrssektor“ zu sprechen. Der Vorstandschef entschied sich, zwischen Komplimenten und Kritik an Positionen der Ökopartei abzuwechseln. Öfter wurde er zunächst von Klatschen oder Rufen unterbrochen. „Skeptiker müssen damit leben, dass die Autoindustrie der mit Abstand wichtigste Industriezweig im Land ist“, gab er sich machtbewusst. Zugleich lobte er das Klimaabkommen von Paris und gab als zentrales Ziel seiner Branche das emissionsfreie Auto aus. „Unsere Branche hat längst verstanden, dass das größte Risiko wäre, am Status Quo festzuhalten.“

Politiker dürften allerdings nicht den Verbrennungsmotor unattraktiver machen, es müsse darum gehen, dass Elektro-Autos attraktiver würden, sagte Zetsche. Nur dann würden genug Leute sie kaufen. Auch E-Autos seien aber aus seiner Sicht nicht ohne Makel: Bestandteile der Batterien seien problematisch für die Umwelt, das gelte auch für Fahrzeug-Strom, der aus Kohlekraftwerken stamme.

Alle Seiten müssten innovativ sein und endlich Feindbilder aufgeben, meinte Zetsche. Sowohl das Klischee der Autobranche als Ansammlung von „PS-Fetischisten“ sei überholt als auch das Feindbild der anderen Seite, Umweltschützer seien „freudlose Anti-Auto-Ökos“.

Der Auto-Mann konnte in Münster nicht alle Widersprüche auflösen. Schließlich ist auch Daimler beim Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen betroffen. Und von Verboten für Verbrennungsmotoren, wie sie Grüne favorisieren, hält er nichts.

Doch auch die Grünen sind eine Partei mit Widersprüchen. Sie kritisieren Automobilhersteller heftig, nehmen aber deren Parteispenden an. Sie laden außerdem den Daimler-Chef nach Münster ein. Doch wollten die Delegierten dort erst abstimmen, ob sie ihn reinlassen. Die Mehrheit wollte das.

Vor Zetsche durfte in Münster noch Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sprechen. Die Lobbyorganisation hatten Autokonzernen Betrug an den Abgaswerten nachgewiesen. Resch warf der Branche „kriminelle Energie und vorsätzlichen Betrug“ vor. Und: „Ich fordere Daimler auf, alle Fahrzeuge so nachzurüsten, dass sie der Rechtslage entsprechen.“

Parteichef Cem Özdemir, der wegen seiner Einladung harsche Kritik aus den eigenen Reihen bekommen hatte, freute sich über seinen Coup. Zetsche sei nicht zu den anderen Parteien, sondern zu ihnen gekommen. „Hier wird die Zukunft diskutiert.“ Dann aber gab Özdemir seiner mäkelnden Truppe noch Saures mit: „Mit Angst verändert man die Republik nicht. Mit Angst da brauchst du Windeln.“ Stattdessen sei eine andere Haltung gefragt, rief der Realo: „Wir brauchen Rückgrat und das haben wir wohl.“ Vom linken Flügel gab es keinen Applaus.

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