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Hochwasserkatastrophe Auf die Flut folgt jetzt das lange Warten

Rheinland-Pfalz, Mayschoß:  Zahlreiche Häuser in dem Ort wurden komplett zerstört oder stark beschädigt.  Quelle: dpa

Bund und Länder haben heute die ersten Soforthilfen für die Opfer der Unwetterkatastrophe beschlossen. Den Millionen werden noch Milliarden für den nötigen Wiederaufbau folgen. Und die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen: Es braucht nicht nur viel Geld, sondern Geduld.

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Noch sind die Betroffenen in den Überschwemmungsgebieten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern mit Aufräumen und Trauern beschäftigt, einige auch mit beidem zugleich. Und selbst wenn die Pegel schon wieder sinken, Keller leer gepumpt, Straßen geräumt und Angehörige bald beigesetzt sein werden – der Alltag wird trotzdem nicht so einfach wiederkehren. Für manche nie, für viele erst in Monaten, vielleicht Jahren.

Geld, das machen alle Politiker in diesen Tagen deutlich, wird es geben. Viel Geld, um wenigstens die materiellen Schäden zu beseitigen. Häuser müssen saniert, teilweise abgerissen und neu aufgebaut werden. Firmen sind zerstört, Läden, berufliche Existenzen. Straßen, Bahnschienen, Brücken, Uferwege, Gas-, Strom- und Wasserleitungen müssen instandgesetzt werden. Vielen Familien ist ihr ganzes Hab und Gut davongeschwommen.

Die Bundeskanzlerin, die Ministerpräsidenten, der Bundesfinanz- und der Innenminister: Sie alle ließen bei ihren Besuchen in den Katastrophengebieten keinen Zweifel an ihrem Willen, einen finanziellen „nationalen Kraftakt“ zu stemmen (so etwa Olaf Scholz). Das Bundeskabinett hat heute in Berlin die ersten Entscheidungen dazu getroffen. Eine Summe von 400 Millionen Euro, gemeinsam getragen von Bund und Ländern, ist zunächst vorgesehen.



Diese Soforthilfen sollen die drängendste Not lindern. Es sei ihr Ziel, „dass das Geld schnell zu den Menschen kommt“, sagte die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bereits am Dienstag bei einem Besuch in Bad Münstereifel. „Ich hoffe, dass das eine Sache von Tagen ist.“

Doch auf die betroffenen Regionen und ihre Einwohner wartet ein Wiederaufbau, der Jahre in Anspruch nehmen und nach allen bisher getroffenen, vorläufigen Schätzungen Milliarden kosten wird. Allein die Deutsche Bahn taxiert die Schäden an ihrer Infrastruktur auf rund 1,3 Milliarden Euro. Womöglich ist es am Ende ohnehin weniger eine Frage des mobilisierbaren Geldes als der Geduld. Das legt jedenfalls ein Blick in die Vergangenheit nahe.

Als im Sommer 2013 das Elbhochwasser verheerende Schäden anrichtete, legten Bund und Länder das Sondervermögen „Aufbauhilfe“ in Höhe von acht Milliarden Euro auf. Auf Anfrage der WirtschaftsWoche erklärte das Bundesfinanzministerium, dass von dieser Summe mittlerweile 6,8 Milliarden Euro ausgegeben wurden. Im Umkehrschluss heißt das aber: Noch immer sind 1,2 Milliarden Euro verfügbar, und das acht Jahre nach der Katastrophe. Sie liegen nicht brach, sondern werden nach Auskunft des Ministeriums „voraussichtlich noch für die Beseitigung von Schäden aus dem Jahr 2013 benötigt“.



Die Soforthilfe von 2021 soll bereits im Juli fließen. In den kommenden Wochen und Monaten werden dann weitere Programme und Fonds folgen. Nicht auszuschließen also, dass noch am Ende dieses Jahrzehnts Menschen in Bad Münstereifel oder Ahrweiler daraus Geld beziehen werden.

Mehr zum Thema: Die Wahlkämpfer Söder, Scholz und Laschet versprechen Hilfen auf Kosten der Steuerzahler. Doch wer soll künftig für die Risiken von Naturkatastrophen einstehen?

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