HTGF Opportunity Fonds: Bundesregierung überträgt 660 Millionen Euro in neuen Start-up-Fonds
Finanzminister Christian Lindner und Wirtschaftsminister Robert Habeck haben gemeinsam einen Fonds für Start-ups aufgesetzt.
Foto: dpaWirtschaftsminister Robert Habeck hat am Dienstagabend mit einer Ankündigung überrascht: Die Bundesregierung verlagert 660 Millionen Euro in einen neuen Start-up-Fonds. Dafür erntete der Politiker auf dem Investorentag des High-Tech Gründerfonds (HTGF) Beifall von Gründern und Investoren.
Der HTGF investiert seit 2005 staatliche Mittel in junge Start-ups. Der erste Fonds bestand fast ausschließlich aus Geldern des Wirtschaftsministeriums und der KfW. Im Laufe der Zeit wurde der Anteil öffentlicher Mittel sukzessive verringert. Der vierte Topf wurde nur noch zu 66 Prozent aus staatlichen Geldern gespeist, der Rest kam aus der Industrie und Wirtschaft. Ist die Laufzeit der Fonds vorbei, fließen die Renditen zurück in den Etat des Wirtschaftsministeriums. Fonds Nummer eins verzeichnete laut „Gründerszene“ zuletzt einen Gewinn von 95 Millionen Euro, rein rechnerisch eine Rendite von 35 Prozent.
Der neue, von Habeck angekündigte Fonds wird komplett von der Regierung finanziert – allerdings aus bestehendem Vermögen. Ein Teil stammt aus dem Zukunftsfonds, den das Wirtschafts- und Finanzministerium 2021 aufgelegt haben. Demnach sind bis 2030 zehn Milliarden Euro für die Finanzierung der Gründerszene eingeplant. Das Kapital stammt aus EU-Programmen, der KfW und dem Bundeshaushalt. Die 660 Millionen Euro des HTGF-Fonds werden außerdem aus dem ERP-Sondervermögen getilgt, also den Kreditzusagen des Europäisches Wiederaufbauprogramms.
Der Fokus des „HTGF Opportunity Fonds“ liegt auf Start-ups in der Wachstumsphase. Das heißt, Tech-Firmen, die bereits einige Jahre am Markt sind und mit ihrem Geschäftsmodell relevante Umsätze erzielen. Das Team zählt häufig mehrere Hundert Angestellte und der nächste Schritt wäre eine großangelegte Expansion ins Ausland oder eine Weiterentwicklung des Produkts. Für diese Phase reichen keine einstelligen Millionenbeträge, die Finanzierungsrunden bewegen sich häufig im oberen zweistelligen oder gar dreistelligen Millionenbereich.
Kaum Geld für Start-ups in der Spätphase
Für diese Phase gibt es in Deutschland kaum Wagniskapitalgeber, Start-ups holen sich das nötige Geld daher häufig aus dem Ausland. So kaufen sich vermögende Investoren aus den USA, dem Nahen Osten oder Asien in spätphasige Tech-Unternehmen ein und verdienen an deren Erfolg. Ein Problem, das seit vielen Jahren in der deutschen Start-up-Szene bekannt und diskutiert wird.
Der neue HTGF-Fonds ist daher ein starkes Signal für die deutsche Wirtschaft. „Aus dem sehr erfolgreichen HTGF-Portfolio und deutschen Start-up-Ökosystem müssen und werden mehr internationale Champions entstehen“, sagt Chef Alex von Frankenberg.
Der Geldgeber stellt eigenen Angaben zufolge bis zu 30 Millionen, in Ausnahmefällen auch 50 Millionen Euro pro Unternehmen bereit. Das Vehikel des Wirtschafts- und Finanzministeriums darf aber nie allein investieren, sondern muss immer private Kapitalgeber an der Seite haben. Dafür legt der HTGF einen zweiten Fonds auf, bei dem Unternehmen ihr Vermögen platzieren. Ziel ist es, dass beide Töpfe insgesamt mehr als eine Milliarde Euro schwer sind.
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