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Milliarden-Zusatzkosten erwartetWird das Deutschlandticket bald schon teurer?

Bund und Länder streiten über die Finanzierung des Deutschlandtickets. Nun gibt es erstmals konkrete Zahlen zur Finanzierungslücke – und auch dazu, wie teuer die Fahrkarte werden könnte. 19.09.2023 - 14:58 Uhr Quelle: dpa

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) warnt vor einem Aus des Deutschlandtickets.

Foto: dpa

Für 49 Euro im Nah- und Regionalverkehr durch Deutschland fahren – das könnte bald schon vorbei sein. Denn die Finanzierung des Deutschlandtickets wird nach einer Prognose der Verkehrsbranche im kommenden Jahr für Bund und Länder deutlich teurer. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) prognostiziert für 2024 einen Bedarf von über einer Milliarde Euro mehr auf insgesamt 4,09 Milliarden. Das geht aus einem VDV-Papier für eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern hervor, das der dpa vorliegt. Als potenzielle Maßnahmen, um den höheren Zuschussbedarf zu verringern, nennt der Verband eine Erhöhung des Ticketpreises und eine Ausweitung der Nutzerzahlen.

Der VDV warnt in dem Papier vor einem Aus des Tickets. Ohne eine „ausreichend dotierte haushalterische Vorsorge oder eine Nachschusspflicht“ wäre es den Unternehmen nicht möglich, das Ticket weiter auszugeben und anzuerkennen.

Die Zahlen dürften den Finanzstreit zwischen Bund und Ländern befeuern. Seit dem 1. Mai kann die Fahrkarte für 49 Euro im Monat verwendet werden – als digital buchbares, monatlich kündbares Abonnement in ganz Deutschland. Die damit verbundenen Verluste der Branche tragen Bund und Länder je zur Hälfte. Vom Bund kommen von 2023 bis 2025 jeweils 1,5 Milliarden Euro. Die Länder bringen ebenso viel auf.

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Auch mögliche Mehrkosten über die drei Milliarden Euro hinaus sollen im ersten Jahr zur Hälfte geteilt werden. Diese „Nachschusspflicht“ aber ist von 2024 an offen – darum geht es im Streit zwischen Bund und Ländern. Bundesverkehrsminister Volker Wissing lehnt eine höhere Kostenbeteiligung des Bundes ab und verweist auf die Zuständigkeit der Länder für den Regionalverkehr.

Laut VDV-Papier befinden sich die Verkaufszahlen für das Ticket bei allen Verbünden und Unternehmen im „Hochlauf“. Der Verband geht für ein volles Jahr nach Einführung – also Ende April 2024 – von rund 13 Millionen regelmäßigen Nutzern aus. Die Option zur monatlichen Kündbarkeit werde intensiver als erwartet genutzt. Das schafft bei den Verkehrsunternehmen mehr Planungsunsicherheit. Insgesamt führe die Preissenkung im öffentlichen Personennahverkehr durch das Deutschlandticket bundesweit zu „spürbaren Mindereinnahmen“.

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) hat am Dienstag vor einer Preiserhöhung gewarnt. Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz erklärte in Düsseldorf: „Die Menschen im Land brauchen Verlässlichkeit. Wir haben mit dem Deutschlandticket ein einfaches, preiswertes und viel genutztes Tarifsystem etabliert. Der Einführungspreis von 49 Euro muss auch im nächsten Jahr bleiben.“

Krischer forderte den Bund auf, sich „zeitnah“ zur Fortführung des Deutschlandtickets in den nächsten Jahren zu bekennen und seiner „Nachschusspflicht“ nachzukommen.

Kostet das Ticket künftig 59 Euro?

Der Prognose zufolge ergibt sich für 2023 angesichts des verkürzten Geltungszeitraums von Mai bis Dezember ein Zuschussbedarf von rund 2,3 Milliarden Euro – das zugesagte Geld von Bund und Ländern reicht also aus. Vom Zuschussbedarf von 4,09 Milliarden im kommenden Jahr sind drei Milliarden von Bund und Ländern fest zugesagt. Als Kerntreiber für den höheren Bedarf nennt der VDV die zunehmende Zahl der Fahrgäste, die von anderen Tickets umsteigen. Das führt aber dazu, dass die Einnahmen aus bisherigen Abos und dem Verkauf von Einzelfahrscheinen oder Monatskarten sinken. Das kann durch die Einnahmen aus dem Deutschlandticket nicht ausgeglichen werden.

Der VDV schätzt im vorliegenden Szenario eine Preiserhöhung des Deutschlandtickets auf 59 Euro im Monat ab. Es ergäben sich zwar geringere Verkaufszahlen, aber höhere Einnahmen. Je nach Startzeitpunkt der Preiserhöhung würde sich der Zuschussbedarf von Bund und Ländern verringern - allerdings sei das Ausmaß einer negativen Kundenreaktion auf eine Preiserhöhung nicht gesichert abzuschätzen.

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dpa
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