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Nord StreamDie perfide Propaganda von Gazprom-Gerd

Exkanzler Schröder empfiehlt den Deutschen, fehlendes Gas aus der fertigen Nord Stream 2 Leitung zu nehmen, wenn die Pipeline 1 wegen „technischer Probleme“ nicht genug hergebe. Hat Schröder vergessen, warum die Verbindung gekappt wurde? Ein Kommentar.KOMMENTAR von Daniel Goffart 03.08.2022 - 14:43 Uhr

Exkanzler Gerhard Schröder empfiehlt die Nutzung der Ostseepipeline Nord Stream 2 in der Gaskrise.

Foto: REUTERS

Es ist schon bizarr: Bundeskanzler Olaf Scholz reist extra nach Mülheim, um zu demonstrieren, dass die dort im Siemens-Werk zwischengelagerte Pipeline-Turbine längst fertig ist für den Versand nach Russland. Die Behauptung von Gazprom, es fehle immer noch an den notwendigen Genehmigungen und Transportpapieren, wird damit vor aller Öffentlichkeit als das entlarvt, was sie von Anfang an war: Eine reine Schutzbehauptung, um den aus politischen Gründen gedrosselten Zufluss von Erdgas nach Deutschland irgendwie rechtfertigen zu können. „Die Turbine ist da und kann geliefert werden“, sagt Scholz denn auch in aller Klarheit, „dem Weitertransport steht nichts entgegen“.

Doch trotz der eindeutigen Kanzler-Worte beim Siemens-Werk in Mülheim ist sich „Parteifreund“ und Amtsvorgänger Gerhard Schröder nicht zu schade, die Propaganda von Gazprom gegen die Aussage von Scholz zu stellen und dem Siemens-Konzern schwere Vorwürfe zu machen. Das Unternehmen habe die Turbine nach der Wartung in Kanada nach Mülheim gebracht, meinte Schröder lapidar. „Warum sie dort ist und nicht in Russland, verstehe ich nicht“.
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Das Schlimme ist: Schröder versteht das alles sehr wohl, aber als Putin-Freund hat sich der Exkanzler inzwischen so sehr zwischen den Fronten verirrt, dass er nicht mehr unterscheiden mag zwischen Freund und Feind, zwischen Wahrheit und Lüge. Man mag seine Äußerungen inzwischen auch nicht mehr mit Altersstarrsinn oder irgendwie getrübter Wahrnehmung erklären oder gar entschuldigen. Fast ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn entblödet sich Schröder noch nicht einmal, den Deutschen einen perfiden Rat zu geben. Sie sollten doch bitte schön, wenn das Gas aus Nord Stream 1 nur noch spärlich fließe, auf die Pipeline 2 zurückgreifen. Diese Leitung liege schließlich fertig gebaut auf dem Boden der Ostsee.

Es verschlägt einem den Atem: Eine bessere Falle könnte sich auch Putins Propagandatruppe nicht ausdenken. Bevor ihr friert, liebe Deutschen, dreht doch einfach den zweiten Hahn in Mecklenburg-Vorpommern auf – dann fließt das Gas wieder und wärmt eure Stuben und Werkshallen. Mit solchen dreisten Vorschlägen macht sich Schröder endgültig zum Werkzeug des Kriegsverbrechers Putin. Tiefer kann man als ehemals anerkannter und respektierter Kanzler nicht mehr sinken.

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