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RechtsradikalismusFrüherer AfD-Sprecher Lüth behauptet nicht rechtsradikal zu sein

Christian Lüth bestätigt, dass er in einer Bar davon gesprochen habe, Migranten „zu vergasen“. Rechtsradikal sei er trotzdem nicht, behauptet er jetzt. 02.10.2020 - 00:39 Uhr

Er habe einen Großteil seines Lebens im Ausland verbracht und sei mit vielen verschiedenen Kulturen in Berührung gekommen, sagt Lüth.

Foto: dpa

Nach seiner Entlassung hat der frühere Pressesprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Christian Lüth, eingeräumt, in einem Gespräch mit einer Frau in einer Bar „unentschuldbare“ Äußerungen über Migranten gemacht zu haben. Gleichzeitig beteuerte er in einer am Donnerstag verfassten persönlichen Erklärung, die der Deutschen Presse-Agentur und dem „Spiegel“ vorlag, er sei nicht rechtsradikal. Schließlich habe er einen Großteil seines Lebens im Ausland verbracht und sei mit vielen verschiedenen Kulturen in Berührung gekommen.

Lüth erklärte, er habe sich am 23. Februar dieses Jahres mit der Frau getroffen, „um ein Gespräch privaten Charakters über die AfD zu führen“. Das Gespräch sei offensichtlich heimlich aufgezeichnet worden. „In diesem Gespräch fielen abscheuliche und nicht entschuldbare Äußerungen, die von einer aufgeheizten, ironischen und übersteigerten Wortwahl geprägt waren“, schreibt Lüth weiter.

Der TV-Sender ProSieben hatte am vergangenen Montag einen Dokumentarfilm über die rechte Szene ausgestrahlt, in dem ein namentlich nicht genannter AfD-Funktionär mit den Worten zitiert wird: „Die AfD ist wichtig; und das ist halt schizophren, das haben wir mit Gauland lange besprochen: je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD.“ Auf den Zuzug von Migranten angesprochen wird dem Mann, dessen Gesicht nicht zu erkennen ist, außerdem folgender Satz zugeschrieben: „Wir können die nachher immer noch alle erschießen, das ist überhaupt kein Thema, oder vergasen, oder wie du willst, mir egal.“

AfD-Fraktionschef Alexander Gauland hat dies als „völlig inakzeptabel“ bezeichnet. Am Dienstag entschied der Fraktionsvorstand, Lüth fristlos zu entlassen.

Der geschasste Ex-Pressesprecher erklärte nun, wer ihn näher kenne, wisse, „dass diese Äußerungen nicht meiner Gesinnung entsprechen und schon gar nicht der AfD“. Er sei in Lateinamerika aufgewachsen, habe länger in Kairo gelebt, habe einen liberalen Hintergrund und sei darüber hinaus der Überzeugung, „dass jedes Land, auch Deutschland, Migration braucht – nur eben kontrolliert und über sichere Grenzen“. Daher weise er „die Anschuldigungen gegen mich, ich sei rechtsradikal oder -extrem, fremden- oder migrantenfeindlich aufs Schärfste zurück“.

Lüth ist ehemaliges Mitglied der FDP. Die AfD stellte ihn zuerst als Pressesprecher der Bundespartei ein. Nach dem Einzug der AfD in den Bundestag 2017 wählte ihn die Fraktion zu ihrem Sprecher. Im vergangenen April war er zunächst von seinem Job freigestellt worden, nachdem er sich in einer Unterhaltung mit einer jungen Konservativen selbst als „Faschist“ bezeichnet hatte. Später hieß es, er könne womöglich in anderer Funktion für die Fraktion arbeiten. Bevor dies konkret wurde, wurde der Film ausgestrahlt und die Entlassung ausgesprochen.

Der Entlassene versicherte nun, Fraktion- und Parteivorstand der AfD hätten von dem Inhalt seines Gespräches in der Bar bis zur Berichterstattung keine Kenntnis gehabt. Der AfD-Fraktion war am Donnerstag im Bundestag von Abgeordneten verschiedener Parteien auf Lüths Äußerungen angesprochen worden. Sebastian Hartmann (SPD) fragte die AfD-Abgeordneten: „Schämen Sie sich nicht?“

dpa
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