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Robert Habeck „Es darf kein Placebo-Siegel geben“

Ferkel stehen in einem nach der

Immer mehr Verbraucher achten beim Fleisch-Kauf darauf, dass es von artgerecht gehaltenen Tieren stammt. Grünen-Chef Robert Habeck kritisiert das geplante freiwillige Tierwohllabel: „Unsere Sorge ist, dass damit kein wirksamer Hebel geschaffen wird“.

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Käufer von Schnitzel und Wurst müssen aus Sicht von Grünen-Chef Robert Habeck tief in die Tasche greifen, wenn das Fleisch besten Tierschutzstandards entspricht. Grundsätzlich bestimme der Markt den Preis, sagte Habeck in einem am Samstag veröffentlichten Reuters-Interview.

"Bei der höchsten Haltungsstufe für die Tiere müsste es etwa den drei- bis vierfachen Platz geben", sagte er*. Bei tiergerechter Haltung gehe es etwa um Außenauslauf und Beschäftigungsmöglichkeiten. "Das ist natürlich nicht umsonst."

Im Lebensmittelhandel spielt Fleisch von Tieren, die artgerechter gehalten werden, eine immer größere Rolle. Verschiedene Produzenten etwa von Hühnerfleisch oder einige Lebensmittelketten zeichnen die Produkte mit Hinweisen aus. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat ein staatliches Tierwohllabel angekündigt, das drei Stufen umfassen und freiwillig sein soll.

"Wir wollen eine verbindliche Haltungskennzeichnung. Julia Klöckner will ein freiwilliges Label", sagte Habeck. "Unsere Sorge ist, dass damit kein wirksamer Hebel geschaffen wird, die Tierhaltung umzustellen und die Landwirte zudem für eine bessere Haltung fair zu entlohnen." Allerdings will der Grünen-Chef Klöckners Vorstellungen nicht vorschnell eine Abfuhr erteilen: "Wir werden schauen, wie es genau ausgestaltet wird und dann entscheiden." Es dürfe kein "Placebo-Siegel" geben.

"Wir wollen Verbindlichkeit für alle tierischen Produkte", erklärte Habeck. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass Tierschutz Luxus sei. Die höchste Stufe eines Siegels solle der ökologischen Landwirtschaft entsprechen. Zudem müssten EU-Milliarden, mit denen der Agrarbereich subventioniert werde, umgeschichtet werden.

Aus Habecks Sicht werden grundsätzlich zu viele tierische Produkte konsumiert. "Der Sonntagsbraten ist zum Jedentagsbraten geworden. Lebensmittel sind buchstäblich kaum noch etwas wert." Die Einführung eines fleischlosen Tages in der Woche, den einige Grüne zeitweise gefordert hatten, lehnt er ab: "Worüber wir gerade sprechen, ist das Gegenteil vom Veggie-Day." Es gehe um einen klaren staatlichen Rahmen, nicht um Erziehung zur Verhaltensänderung. "Wir reden über eine bessere Politik, nicht bessere Menschen."

Habeck, der Ende August sein Amt als Agrarminister in Schleswig-Holstein abgeben wird, ist selbst Vegetarier. "Ich habe mir das Fleischessen im Amt des Landwirtschaftsministers abgewöhnt." Trotz seines Philosophiestudiums habe er keine Antwort auf die einfache Frage gefunden: "Warum essen wir eigentlich Tiere?" Zwar gebe es auf die Frage Antworten. "Aber für mich waren keine wirklich guten mehr darunter, wenn man sich klar macht, dass man es mit sensiblen, intelligenten Lebewesen zu tun hat."

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*Anm. d. Red.: Habeck hat das Zitat korrigiert. Gemeint war nicht der Preis, sondern der Platz für die Tiere.

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