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Wie viel der Test kostet, wer aufgeben muss So viel sollen Coronatests jetzt kosten

Unangenehme Situation: Corona-Test sind ab jetzt kostenpflichtig. Quelle: Getty Images

Seit Montag müssen die meisten für den Coronatest zahlen. Obwohl jedes Testzentrum den Preis selbst festlegt, zeichnet sich ein Preiskorridor ab. Für manche Anbieter ist er zu niedrig. Andere haben ihre Nische gefunden.

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Es ist Tag D+1, ein verregneter Dienstagmorgen und der Beginn des zweiten Tages, an dem die Deutschen selbst für ihren Coronatest zahlen müssen. Vor einem Testzentrum in Düsseldorf, einem jener weißen Zelte, die seit dem Frühjahr überall aus dem Boden gestampft wurden, stehen die Menschen trotz des Regens Schlange. Hinter ihnen hängt ein großes Werbeplakat für Schnelltests, auf dem das Wort „kostenlos“ mit Edding übermalt wurde. Zehn Euro kostet hier nun ein Coronatest. Die Menschen scheint es nicht zu stören, auch gestern schon sei der Andrang mindestens so hoch gewesen wie zu Gratis-Zeiten, berichtet eine Mitarbeiterin.

Es ist eine Zeitenwende in der Pandemiebekämpfung, ein erneuter Versuch der Politik, den schmalen Grat zwischen persönlicher Freiheit und kollektiver Gesundheit zu treffen. Eine Impfpflicht fordert heute kein ernstzunehmender deutscher Politiker mehr. Dennoch sollen die Menschen mehr oder minder sanft zum Impfen gestoßen werden: Wer geimpft ist, braucht schließlich keinen Test. Hinzu kommt, dass es all den Impfwilligen zunehmend schwer zu vermitteln ist, dass sie die Tests der Impfverweigerer qua Steuern mit bezahlen sollen.

Ohnehin sank die Nachfrage nach Schnelltests schon in den vergangenen Monaten immer weiter. Das bestätigt auch die Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände, deren Mitglieder zu den größten Anbietern von Schnelltests zählen. Boten im Frühjahr, zum Höhepunkt der Test-Nachfrage, noch 6000 Apotheken Coronatests an, so waren es Anfang Oktober noch 4400. Es ist wahrscheinlich, dass die Zahl weiter sinkt, wenn der Bund die Kosten für die Tests nicht mehr übernimmt..

Wie viel kosten die neuen Tests? Für Verbraucher ist die Situation unübersichtlich

Bislang bekamen Testanbieter vom Staat Geld für jeden sogenannten Bürgertest, den sie durchführten. Zuletzt waren das bei Schnelltests 11,50 Euro pro Test. Die Teststation im weißen Zelt in Düsseldorf macht also im Vergleich zu vorher Verlust mit ihren zehn Euro.

Eine Apotheke, nur ein paar hundert Meter weiter. Auch hier steht weiter ein weißer Testpavillon vor dem Eingang, doch anders als bei der Konkurrenz wartet hier kein Kunde. Das mag am moderat höheren Preis liegen: Die Apotheke verlangt 13 Euro pro Test.



Selbst damit steht sie im bundesweiten Vergleich noch günstig da. Für Verbraucher ist die Situation leider unübersichtlich. Es gibt keine Datenbank, die die Anbieter und Preise deutschlandweit im Überblick zeigen würde, ja noch nicht einmal einen Überblick für jede Stadt. Es gibt nur einzelne Anbieter, die ihre Preise auf Nachfrage offenlegen. Das immerhin bietet aber eine erste Orientierung.

So geht der Apothekerverband Nordrhein nach einer Kurzumfrage seiner Mitglieder davon aus, dass die Apotheken im Schnitt etwa 20 Euro pro Test nehmen. Der Anbieter Covimedical, der unter dem Namen 15minutentest.de über 90 Testzentren in Deutschland betreibt, fordert seit Montag 14,90 Euro pro Schnelltest. Auch viele andere Anbieter wollen um die 15 Euro pro Test verlangen.

Für bestimmte Gruppen bleiben die Tests auch weiterhin kostenlos, so etwa für Kinder unter 12 Jahren, für Kontaktpersonen von Corona-Erkrankten oder für Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. Auch bei Quarantäne oder Verdacht auf eine Coronainfektion muss nichts für den Test gezahlt werden. In diesen Fällen sollen die zu Testenden aber ohnehin nicht einfach eine Teststation betreten, sondern den Weg über ihren Arzt wählen.

Für diese Gruppen übernimmt der Bund weiterhin die 11,50 Euro pro Test. Sollte die Nachfrage bei den Selbstzahlern jedoch weiter sinken, reichen die Einnahmen bei vielen Testzentren künftig nicht mehr, um kostendeckend zu arbeiten. Covimedical etwa geht davon aus, dass die Nachfrage nach Schnelltests um etwa ein Viertel einbrechen wird. Das sei noch verkraftbar, sagt Geschäftsführer Christoph Neumeier.

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Dass er den Nachfrageeinbruch so entspannt hinnehmen kann, liegt daran, dass seine Testzentren sich frühzeitig breiter aufgestellt haben. Schon vor dem 11. Oktober bestritten sie den Großteil ihrer Einnahmen über die wesentlich lukrativeren PCR-Tests, die schon vorher kostenpflichtig waren und beispielsweise für viele Urlaubsziele vorausgesetzt werden. Zudem setzt Covimedical vermehrt auf eine direkte Kooperation mit Firmen. Die müssen Arbeitnehmern, die ins Büro kommen, zweimal die Woche einen Test anbieten. Für die nötige Infrastruktur beauftragen sie Firmen wie die von Neumeier. Ein lohnender Deal.

Während die meisten Testzentren nur zu einem Zweck aus dem Boden gestampft wurden und nun um ihr Überleben kämpfen müssen, haben viele Apotheken das Geschäft mit den Tests eher nebenbei laufen lassen. Als die Nachfrage sank, begannen sie, sich zurückzuziehen, und das schon vor dem 11. Oktober.



Auch die Apotheker aus Düsseldorf denken ans Aufhören. Bis Samstag bieten sie noch Schnelltests an, eine Woche Schonfrist, um zu sehen, ob die Nachfrage wieder ansteigt. Wenn nicht, bauen sie den Pavillon wieder ab und konzentrieren sich auf ihr Kerngeschäft.

Mehr zum Thema: Ohne Impfung wird es teurer? Richtig so! Ein Kommentar.

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