Die Geburt der EU Papst mahnt Europa zu Solidarität und Zusammenhalt

Vor 60 Jahren unterzeichneten sechs Nationen die Römischen Verträge, quasi die Geburtsurkunde der Europäischen Union. Am 25. März jährt sich die Unterzeichnung.

Konrad Adenauer bei der Unterzeichnung der Römischen Verträge am 25.03.1957 im Konservatoren-Palast auf dem Kapitol in Rom. Quelle: dpa

Zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge hat Papst Franziskus die Europäische Union eindringlich zu Solidarität und Zusammenhalt aufgerufen. Bei einer Audienz für die Staats- und Regierungschefs der EU im Vatikan sagte der Papst, Solidarität sei das wirksamste Heilmittel gegen die modernen Formen des Populismus, dürfe aber nicht nur aus Worten bestehen. „Die Solidarität ist nicht nur ein guter Vorsatz. Sie ist gekennzeichnet durch konkrete Taten und Handlungen“, betonte er. Populistische Strömungen seien dagegen „Blüten des Egoismus“.

Bei der Audienz waren neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den 26 anderen „Chefs“ auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und weitere EU-Spitzen dabei. Die britische Premierministerin Theresa May nimmt nach der Brexit-Entscheidung ihres Landes an den Jubiläumsfeiern nicht teil.

Zitate zur Unterzeichnung der Römischen Verträge

Es begann im sagenhaften Prunk des Saals der Horatier und Curiatier im Konservatorenpalast in Rom - und führte in den Brüsseler Beton. Die Herren im dunklen Anzug, die am 25. März 1957 auf dem Kapitolshügel die Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Gemeinschaften zeichneten, hätten sich wohl kaum träumen lassen, was daraus in 60 Jahren wurde: ein Gebilde mit 28 Staaten und einer halben Milliarde Menschen, mit 44 000 Bediensteten und Zehntausenden Regeln, mit hochfliegenden Ambitionen auf Frieden, Freiheit und Wohlstand - und kleinteiligen Zuständigkeiten von der Glühbirne bis zum Buntstift.

Insgesamt sechs Staaten - Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg - unterzeichneten 1957 die „Römischen Verträge“. Der Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Vertrag für die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) traten am 1. Januar 1958 in Kraft. Vorläufer der neuen Zusammenschlüsse war die 1951 gegründete „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ (Montanunion), die die beiden rüstungsrelevanten Wirtschaftsbranchen gemeinsam kontrollierte.

Ziel des EWG-Vertrags war es, innerhalb von zwölf Jahren einen gemeinsamen Markt zu verwirklichen sowie die Wirtschaftspolitik schrittweise anzunähern. Die Mitgliedstaaten vereinbarten den Aufbau einer Zollunion mit einem gemeinsamen Außenzoll, den Abbau interner Handelshindernisse sowie den freien Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital. Der Euratom-Vertrag legte gemeinsame Regeln für die zivile Nutzung der Atomenergie fest. Aus der EWG wurde später die EG und dann die EU.

Am 25. März jährt sich die Unterzeichnung der Römischen Verträge zum 60. Mal. Die Sicherheitskräfte in Rom sind vor dem Treffen der 27 EU-Staats- und Regierungschefs in höchster Alarmbereitschaft. Zu vier Demonstrationszügen und mehreren Kundgebungen von EU-Gegnern und -Befürwortern werden am Samstag bis zu 30.000 Menschen erwartet. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich gewaltbereite Mitglieder des sogenannten Schwarzen Blocks aus dem In- und Ausland darunter mischten, hieß es am Freitag bei der Polizei in Rom. Nach dem Anschlag von London wurde das Konzept noch einmal überarbeitet.

Krisen, die die EU überlebt hat

Im Zentrum der Stadt sind am Samstag Lieferwagen verboten. Laut italienischen Medien sollen 5000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein. Auch auf dem Tiber fuhr die Polizei bereits am Freitag Patrouille. Zu genauen Zahlen der Einsatzkräfte wollten sich Polizei und Innenministerium nicht äußern. Innenminister Marco Minniti kündigte eine harte Linie gegen Gewalttäter an. „Wir sind in einer Demokratie. Das Grundprinzip ist die Meinungsfreiheit, mit einer Grenze: der Gewalt“, sagte er der Zeitung „Il Messaggero“.

Das Zentrum von Rom um den Veranstaltungsort am Kapitolshügel wurde zur Sicherheitszone erklärt. Autos und Fußgänger dürfen am Samstag nicht in die Sperrzone. Für Unmut bei vielen Römern sorgte, dass die Demonstrationszüge dicht beieinander liegen. Geschäftsleute äußerten die Sorge vor Vandalismus.

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