WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Euro-Krise So bringen Sie Ihr Geld in Sicherheit

Seite 5/5

Lebensversicherungen abschließen oder kündigen?

Auf welche Argumente Kunden hereinfallen
Nur eine Minderheit der Altersvorsorge-Berater ist auch neutral und unabhängig. Ausschließlich die so genannten „Versicherungsberater“ beraten ihre Kunden individuell und in deren Interesse. Um ihre Neutralität und Unabhängigkeit zu gewährleisten, beziehen sie keine Provisionen von Versicherungen, sondern beraten Kunden auf Honorarbasis. Meistens wird dabei eine Stundensatzvergütung vereinbart. Deutschlandweit gibt es nur rund 200 Versicherungsberater. Die knapp 45.000 Versicherungsmakler sind zwar nicht vertraglich an eine oder mehrere Gesellschaften gebunden und können grundsätzlich frei zwischen den Versicherern und deren Tarifen wählen. Insoweit sind sie zwar unabhängig bei der Auswahl ihrer Angebote, erhalten aber Provisionen bei Vertragsabschluss von den Versicherern. Versicherungsvermittler sind Handelsvertreter, die von einem oder mehreren Versicherungsunternehmen beauftragt sind, deren Versicherungen zu vermitteln. Sie erhalten Provision, wenn der Kunde einen Vertrag abschließt. Mehr als 210.000 Vermittler gibt es in Deutschland.
Zahlreiche Zeitschriften, Institute, Anlegerbriefe und auch Internetseiten vergeben Siegel für angeblich empfehlenswerte Versicherer. In der Regel bilden solche Tests aber nicht den individuellen Fall ab. Welcher Versicherer und welcher Tarif für die Bedürfnisse des Kunden taugen, lässt sich nur für den Einzelfall ermitteln. Auch einige Vergleichsportale im Internet genießen einen schlechten Ruf, da manche Betreiber als Makler fungieren und von den Provisionen der Gesellschaften leben. Zudem ist eine Auswahl anhand von Bedingungskriterien oft nur höchst eingeschränkt oder dar nicht möglich.
Aktuell liegt der Garantiezins auf 1,75 Prozent. Das ist ein Rekordtief. Zum Vergleich: Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 lag der Satz noch bei vier Prozent. Trotzdem sollten Kunden gut überlegen, ob sie tatsächlich eine Police brauchen und keinesfalls den erstbesten Tarif wählen. Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Real liegt der Garantiezins ab dem nächsten Jahr je nach Kostenquote der Versicherer laut Bund der Versicherten zwischen etwas unter Null Prozent und 1,0 Prozent, wenn die Lebensversicherer ihre derzeitige Kostenstruktur so beibehalten. Damit dürfte die garantierte Summe in Zukunft sehr oft unterhalb der Inflationsrate liegen. Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge.  Was letztlich übrig bleibt hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. Wegen der niedrigen Garantieverzinsung müssen Versicherte daher auf die Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen. Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Da kann es je nach Gesellschaft große Unterschiede geben. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung. Die Renditen variieren je nach Laufzeit, unter dem Strich können Kunden durchschnittlich mit vier Prozent per Anno rechnen, zum Teil werden allerdings wohl nur etwa drei Prozent herauskommen. Noch wichtiger als der Blick auf die Zinsen ist die Konstanz des Sparers. Nur wenn der Versicherte bis zum Ende einzahlt, kann eine Lebenpolice sinnvoll sein. Wer das für sich nicht sicher garantieren kann, sollte nicht abschließen.
Vor allem die Kosten für Versicherer mit starkem Vermittlernetzwerk sind enorm. Bei vertriebsstarken Gesellschaften können sie bei der Vermittlung von privaten Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht etwa 12 bis 15 Prozent der Beiträge betragen. Die teuersten Gesellschaften verlangen sogar bis zu rund 22 Prozent. Bei Direktversicherern gehen gut sieben bis acht Prozent der Beiträge dafür drauf. Bei der Vermittlung von Kapitallebensversicherungen fallen die Kosten dagegen weit höher aus. Sie liegen laut BdV bei vertriebsstarken Versicherungsunternehmen bei etwa 20 bis 25 Prozent, zum Teil betragen sie sogar bis zu 30 Prozent. Die Kosten bei Direktversicherern hingegen betragen 16 bis 17 Prozent. "Die Höhe der Kosten ist ein wichtiger Faktor für die Höhe der Rendite“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Entsprechende Vergleiche von Analysehäusern wie etwa von Morgen & Morgen geben Auskunft über die Sätze. „Überdurchschnittlich teure Gesellschaften sollten Versicherte konsequent meiden“ sagt Rudnik.
Vor allem für kinderreiche Familien lohnt der Abschluss zumeist wegen der Zulagen, für Gutverdienende dagegen oftmals aufgrund der Steuervorteile. Trotzdem ist ein übereilter Abschluss nicht zu empfehlen. Über die Jahre kann ein schlechter Tarif mehr kosten als ein Jahr Förderung ausmacht. Und: Die persönliche Risikoneigung muss berücksichtigt werden, damit es bei Rentenbeginn keine negative Überraschung gibt. Aufgrund der hohen Kosten von Versicherungsangeboten ist dabei meistens ein Riester-Fonds- oder Banksparplan empfehlenswerter als eine Riester-Rentenversicherung, die nur gelegentlich bei günstigen Anbietern für Sparer bis etwa 40 Jahre in Frage kommen kann. Riester-Fondspolicen scheiden dagegen fast immer aus. Wichtig: Viele Personen erhalten keine unmittelbare Förderung, darunter Selbstständige, die freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung oder einer berufsständischen Versorgungseinrichtung versichert sind, Sozialhilfeempfänger und geringfügig Beschäftigte, die den Arbeitgeberbeitrag zur Rentenversicherung nicht durch eigene Beiträge aufstocken. Allerdings können auch nicht Förderberechtigte zumindest die Zulage bekommen, wenn ihr Ehepartner unmittelbar förderberechtigt ist und sie selber einen eigenen Riester-Vertrag abschließen.
Die Lebensversicherer sind gut durch die Krise gekommen. Trotzdem gibt es Risiken, wenn die Finanzkrise eskaliert und wichtige Staaten oder Banken Pleite gehen. Vergangenes Jahr hatten die deutschen Versicherer laut Standard & Poor`s rund 89 Prozent ihrer Investments in Bonds, Krediten und Bankeinlagen. Bei einem weltweiten Crash der Banken, Staaten und Finanzmärkte dürften weder Staatsgarantien noch die brancheneigene Rettungsorganisation Protektor  ausreichen, alle Gesellschaften und Einlagen zu retten. In einem solchen Fall wären aber auch alternative Anlagen betroffen.
Das Gesetz war bislang eindeutig: Seit den dreißiger Jahren ist eine Weitergabe der Provision an den Kunden untersagt. Laut Konkretisierung im  Versicherungsaufsichtsgesetz (§144a Absatz 1 Nr. 3 und Absatz 2VAG). sei ein Verstoß eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu hunderttausend Euro geahndet werden können. Ob das Gesetz weiterhin Bestand hat, wird sich aber noch klären. Ein aktuelles Urteil erlaubt Versicherungsvertretern, mittels Rabatt einen Teil ihrer Provision weiterzureichen (Verwaltungsgericht Frankfurt/Main Az. 9 K 105/11.F). Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Die Finanzaufsicht Bafin kann dagegen noch Rechtsmittel einlegen. In der Praxis geben Vermittler mit dem Hinweis auf Vertrauen und Verschwiegenheit immer wieder einen Teil ihrer Provision zurück – und riskieren damit eine Strafe.

Soll ich noch eine neue Lebensversicherung abschließen?

Den Euro-Crashtest bestehen Lebensversicherer nicht. Kehrten Euro-Staaten zu nationalen Währungen zurück, hätten Versicherer Währungsrisiken. Anlagen, die heute auf Euro lauten, würden morgen auf Lire oder Peseten umgestellt. Die D-Mark könnte um bis zu 40 Prozent auf- und Anlagen im Ausland entsprechend abwerten. 

Die Rechnung ginge so: Lebensversicherer haben gut 38 Prozent der 743 Milliarden Euro, die die Branche anlegt, im Ausland investiert. Macht 282 Milliarden. Werten ausländische Währungen nach einem Crash um 40 Prozent ab, müssen Versicherer rund 113 Milliarden Euro abschreiben. 

Obwohl Allianz-Chef Michael Diekmann an den Euro glaubt, legt er Kundengelder wieder national an: Französische Bonds für Franzosen, italienische für Italiener. "Kapitalanlagen und künftige Verpflichtungen sollen regional übereinstimmen", sagt er. Nur wer so anlegt, vermeidet nach dem Euro-Crash Wechselkursrisiken. 

Die Düsseldorfer Ergo simuliert in Modellrechnungen, wie sich Zinsen und Börsen im Crash entwickeln könnten. Ergebnis: Deutsche Anleihen gleichen Verluste aus Auslandsanlagen anfangs aus, da deutsche Papiere als Fluchtburg gelten. "Ergo könnte ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone aushalten, wenn das jeweilige Finanzsystem überlebt und etwa spanische Banken in Peseten nicht pleitegehen", sagt Daniel von Borries, der bei Ergo für die Kapitalanlage von 112 Milliarden Euro verantwortlich ist. 

Eine gute Nachricht wäre der Crash dennoch nicht. Versicherer halten Anleihen, bis sie fällig werden, am Ende gibt es 100 Prozent zurück, egal, wie hoch das Papier mal notierte. Weil die Hälfte der Anlagen in Bankpapieren steckt, potenzierten deren Probleme Verluste. Konsequenz: Die Finanzaufsicht BaFin könnte die Garantiezinsen kippen und Auszahlungen kürzen. Garantiert werden bei neuen Verträgen ohnehin nur 1,75 Prozent - auf den Sparanteil, den der Versicherer nach Kosten anlegt. Solange es keinen klaren Kurs für die Lösung der Schuldenkrise gibt, sollten Anleger von Neuanlagen Abstand nehmen. (Annina Reimann)

WirtschaftsWoche Online Euro Spezial

Soll ich meine alte Lebensversicherung kündigen, weil die immer weniger Zins bringt ?

Wer panikartig kündigt, hat schon verloren. Der beste Zeitpunkt für den Abschluss einer Lebenspolice lag zwischen Sommer 1994 und 2000. Da gab es vier Prozent Zinsen im Jahr, garantiert. Wer vor 2005 in eine Lebensversicherung investierte, nimmt ab einer Laufzeit von zwölf Jahren die Erträge immer noch steuerfrei mit. Wer später einstieg, muss die Hälfte mit dem persönlichen Satz versteuern. Auch sind bei alten Policen die Vermittler-Provisionen längst bezahlt. Entspannt zurücklehnen können sich Versicherte dennoch nicht: Die versprochenen Zinsen zu erzielen wird immer schwerer. 

Die Finanzaufsicht BaFin meint, dass Lebensversicherer den Garantiezins trotz niedriger Zinsen noch 15 Jahre zahlen können. Reich wird man so nicht. Da Alternativen fehlen, sollten Kunden Policen mit alten Vorteilen nicht kündigen.  Eher ist es ratsam, gerade bei in absehbarer Zeit fällig werdenden Policen Beiträge zu senken oder den Vertrag beitragsfrei zu stellen. (Annina Reimann)

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%