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Porträt Wie sich George Soros als Euro-Retter inszeniert

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Abfuhr im Kanzleramt

Auf diese Typen hören die Investoren
Aktienhändler an der Wall Street Quelle: dpa
EZB-Präsident Mario Draghi Quelle: dpa
Der besorgte SpekulantName: George Soros Zur Person: Machte sich einen Namen als gnadenloser Spekulant. Sein größter Coup: 1992 wettete er gegen das britische Pfund und zwang damit die Bank of England in die Knie. Das Pfund flog aus dem Europäischen Währungssystem. Heute fällt der gebürtigen Ungar am liebsten mit gut gemeinten Ratschlägen zur Euro-Rettung auf - fast im Wochentakt hagelt es neue Vorschläge. Besonders angetan ist er von der deutschen Kanzlerin: "Ich bewundere Kanzlerin Merkel für ihre Führungsstärke. Aber leider führt sie Europa in die falsche Richtung." Marktmacht: 6 Unterhaltungswert: 8 Trefferquote: Seine große Zeit ist vorbei Quelle: Reuters
Die LichtgestaltName: Warren Buffett Zur Person: Muss man zu ihm noch etwas sagen? Es gibt keinen größeren noch lebenden Investor. Die Finanzkrise hat ihm nichts anhaben können. Im Gegenteil. Als keiner mit den Schmuddelkindern spielen wollte, kaufte er sich bei Goldman Sachs ein. Die Goldmänner gewährten ihm zu Ehren besonders günstige Konditionen. Der Mann aus Omaha gewinnt immer. Marktmacht: 10 Unterhaltungswert: 10 Trefferquote: 10 Quelle: dapd
Die tragische KanzlerinName: Angela Merkel Zur Person: Bewundert und gefürchtet zugleich. In griechischen Medien in Nazi-Uniform abgebildet. Tragische Figur. Muss öffentlich erklären, dass es keine gemeinsame Haftung für den Euro geben wird, und weiß, dass es doch so kommen wird. Marktmacht: 4 Unterhaltungswert: 6, eine gewisse (unfreiwillige) Komik muss man ihr schon zugestehen Trefferquote: Schwer zu sagen. Wenn es die Zeiten erfordern, ändert sich ihre Meinung. Quelle: Reuters
Helikopter BenName: Ben Bernanke Zur Person: Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) und damit der wichtigste Währungshüter der Welt. Draghis großer Bruder gewissermaßen. Niemand hat mehr Einfluss. Niemand. Nicht mal Dirk Müller. Aber dazu später mehr. Marktmacht: 10 + 10 Unterhaltungswert: 5 (ausbaufähig!) Trefferquote: Gott möge machen, dass er richtig liegt mit seiner Geldpolitik Quelle: dapd
Alan Greenspan Quelle: dpa

Im Kanzleramt allerdings holte sich der Milliardär eine Abfuhr. Mehrfach bemühte sich Soros, Angela Merkel seine Aufwartung machen zu dürfen. Doch die Regierungschefin lehnte ab. Allzu eng wollte sie sich mit dem undurchsichtigen Fürsten des großen Geldes nicht einlassen.

Immerhin durfte Soros zweimal in der Wirtschaftsabteilung des Kanzleramts vorsprechen. Zwar breitete er da im Frühsommer 2012 seine (inzwischen längst falsifizierte) Theorie vom kurz bevorstehenden Untergang des Euro („nur noch drei Monate“) aus, fand aber wenig Zustimmung. Ebenso wenig Soros’ Reformvorschläge. Die „fanden wir nicht in jeder Hinsicht gut“, so das Resümee der Fachbeamten. „Und seine Prophezeiungen sind ja auch nicht eingetreten.“ Unklar blieb den Gastgebern, was Soros eigentlich wollte: sich wichtig machen, für sein neues Buch werben, gar Entscheidungen anregen oder beeinflussen, die ihm einen Spekulationsgewinn einbrächten? „Man weiß ja nicht, wo er Geld im Markt hat“, lautet achselzuckend die Auskunft.

Ein besinnliches Euro-Krisen-Potpourri
Ein-Euro-Münze Quelle: dapd
Europaflagge und Griechenland-Flagge Quelle: dapd
Haushaltsausschuss Quelle: dpa
UBS-Logo Quelle: dapd
Silvio Berlusconi Quelle: dpa
Arbeitsamt in Spanien Quelle: dpa
London Quelle: dpa

Gezähmter Hai?

Ob Soros auch finanziell profitiert, wenn er die Euro-Rettung propagiert? Er selbst will nicht mit der WirtschaftsWoche reden, seine Weggefährten sind sich uneins.

Es sei für ihn nicht vorstellbar, dass Soros in der Euro-Krise die Finger von Devisen lassen könnte, sagt einer. „George hat geradezu animalische Instinkte für Währungen und Wechselkurse. Diese Geschäfte haben ihn reich gemacht. Ihn muss die Krise anlocken wie ein Tropfen Blut im Wasser den Hai.“

Allerdings weiß nicht einmal die US-Wertpapieraufsicht SEC über Soros’ Investments im Detail Bescheid. Als 2011 verschärfte Regulierungsvorschriften in Kraft traten, zahlte Soros Fund Management alle Fremdanleger aus. So entging der Fonds der Offenlegung und verwaltet jetzt „nur“ noch das eigene Familienvermögen. Das ist mit geschätzten 25 Milliarden Dollar zwar ausgesprochen stattlich, aber zu gering, um die Kurse ähnlich treiben zu können wie bei seiner Wette gegen die Bank of England.

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Für einen Fuchs wie Soros jedoch bietet jede Situation ihre Möglichkeiten. Ob überhaupt und wie Soros in Sachen Euro investiert sein könnte? „Das werden Sie höchstens erfahren, wenn er es Ihnen selbst erzählt“, sagt ein Ex-Mitarbeiter.

Doch George Soros redet nicht. Was er macht, bleibt im Dunkeln. Sicher ist jedoch, dass auch Soros’ Engagement für den Euro der Selbstbereicherung dient. Mindestens der intellektuellen.

Nachtrag 18.02.2013, 18.32 Uhr: Heute hat sich Prof. Peter Bofinger telefonisch bei uns gemeldet. Er hatte die Anfrage an ihn nicht beantworten können, da er auf Reisen war. Er teilte mit, dass er vom Institute for New Economic Thinking (Inet) für einen Vortrag auf einer Konferenz ein Honorar in Höhe von 1200 Dollar erhalten hat. Prof. Bofinger legt Wert darauf, dass er darüber hinaus keine weiteren Honorare von George Soros oder dessen Stiftungen bekommen hat. Zudem teilte er mit, dass er oder sein Institut keinerlei Forschungsgelder von Soros oder dessen Stiftungen erhalten haben.

Nachtrag 4. März, 13 Uhr: Thomas Ferguson, Director of Research Programs, am Institute for New Economic Thinking, hat uns einen Leserbrief geschickt, den wir in leicht verkürzter Form hier wiedergeben:

(...) Der Artikel ist (...) selbst hoch spekulativ. Ein besonders eindringliches Beispiel betrifft die Ausführungen zu dem Panel an der Columbia Universität. Es ist richtig, dass ich teilgenommen habe. Es ist aber jedoch nicht wahr, dass das Institute for New Economic Thinking (INET) die Veranstaltung mitfinanziert hat. INET steht der Universität nahe und es kommt von Zeit zu Zeit natürlich vor, dass man Ko-Sponsor bei Veranstaltungen von allgemeinem Interesse auftritt. Es ist kein Geld von Seiten INETs geflossen und ich würde dem hinzufügen, dass SYRIZA alle Reisekosten selbst übernommen hat. Die Veranstaltung war Teil ihres USA-Besuchs - ganz ähnlich wie ihr Deutschland-Besuch Anfang Januar, bei dem sie u.a. eine Unterredung mit Bundesfinanzminister Schäuble hatten.

Bei der Paneldiskussion haben die Vertreter SYRIYAs davor gewarnt, dass eine Fortsetzung der Sparpolitik die Gesellschaft zu spalten droht und extremistisch-autoritäre Tendenzen bestärken kann. (...) Ganz ähnlich wie 1931 in Deutschland und ohne Rücksicht auf Verluste führt die Sparpolitik in eine gesellschaftlich unmögliche Lage, die leicht in einer Katastrophe in ganz Südeuropa enden kann.

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