1. Startseite
  2. Politik
  3. Konjunktur
  4. BIP: Deutsche Wirtschaft schrumpft im vierten Quartal 2024

BruttoinlandsproduktDeutsche Wirtschaft schrumpft im vierten Quartal 2024

Auch im vergangenen Quartal ist Deutschlands Wirtschaftsleistung zurückgegangen. Das Jahr 2024 wird damit zum zweiten Rezessionsjahr in Folge. 30.01.2025 - 10:20 Uhr Quelle: Reuters

Deutschlands größten Seehafen in Hamburg passiert ein Großteil unserer Ein- und Ausfuhren.

Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Die deutsche Wirtschaft findet auch zum Jahreswechsel keinen Weg aus ihrer Krise. Im vierten Quartal 2024 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent zum Vorquartal und damit etwas stärker als zunächst angenommen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden nach einer ersten Schätzung mitteilte. Noch vor Kurzem war die Behörde von einem Minus von 0,1 Prozent zum Vorquartal ausgegangen.

Während die Konsumausgaben der privaten Verbraucher stiegen und auch der Staat mehr ausgab, waren die Exporte deutlich niedriger als im Vorquartal, schrieben die Statistiker.

Auch im Gesamtjahr 2024 sank das Bruttoinlandsprodukt, und zwar um 0,2 Prozent zum Vorjahr. Damit ist die deutsche Wirtschaft das zweite Jahr in Folge geschrumpft. Es handelt sich um die längste Rezession seit mehr als 20 Jahren: Zuletzt war die deutsche Wirtschaftsleistung 2002/2003 zwei Jahre in Folge zurückgegangen.

Nach Aschaffenburg

Die neue Asyl-Härte des Friedrich Merz – hat er recht?

Der Bundestagswahlkampf hat gerade nur ein Thema: Asyl und Migration. CDU-Kanzlerkandidat Merz erhöht nun den Druck. Zu Recht? Die wichtigsten Antworten.

von Max Haerder, Daniel Goffart, Sophie Crocoll und weiteren

Euro-Wirtschaft tritt auf der Stelle

Auch in der Euro-Zone gab es im Schlussquartal 2024 kein Wachstum - nicht zuletzt wegen der Schwäche Deutschlands. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verharrte von Oktober bis Dezember 2024 auf dem Niveau des Vorquartals, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag mitteilte. Im Sommerquartal war noch ein Wachstum von 0,4 Prozent herausgesprungen.

Im Gesamtjahr ergab sich damit ein Plus von 0,7 Prozent in der Währungsunion. Die großen Euro-Länder schlugen sich unterschiedlich. Die deutsche Wirtschaft gab im Schlussquartal des vorigen Jahres um 0,2 Prozent nach, die französische schwächelte ebenfalls: Die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone schrumpfte um 0,1 Prozent zum Vorquartal. Italiens Wirtschaft stagnierte, während das spanische BIP um 0,8 Prozent zulegte. Spaniens Nachbar Portugal erzielte das stärkste Wachstum im Euroraum mit einem Plus von 1,5 Prozent.

Deutsche Wirtschaft auch 2025 unter Druck

Ein Aufschwung ist nicht in Sicht. So hat die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für 2025 auf 0,3 Prozent eingedampft, nachdem sie noch im Herbst mit einem Plus von 1,1 Prozent gerechnet hatte. Auch die Bundesbank und der Sachverständigenrat („Wirtschaftsweise“) prognostizieren nur ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent bzw. 0,4 Prozent. Erst für 2026 erwartet die Bundesregierung ein stärkeres Wirtschaftswachstum von dann 1,1 Prozent.

Fed und EZB

Der gefährliche Balanceakt der Notenbanken

Die US-Notenbank entscheidet erstmals seit Donald Trumps Amtsantritt über den Leitzins. Warum der Entscheid brisant ist – und was er für Anleger bedeutet.

von Saskia Littmann

Hoffen auf Politikwechsel, Sorgen wegen Trump

Zwar könnten weiter sinkende Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) der Wirtschaft etwas Schub geben, denn damit werden Kredite für Unternehmen und Privatleute günstiger - etwa für Hausbauer.

Doch die Unsicherheit bleibt groß. Wirtschaftsverbände hoffen auf einen Politikwechsel nach der Wahl am 23. Februar. Wirtschaftliche Impulse einer neuen Bundesregierung würden aber wohl frühestens 2026 voll zum Tragen kommen, schätzt das Kiel Institut für Weltwirtschaft. Zudem drohen unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump Handelskonflikte mit der EU, die die Exportnation Deutschland besonders treffen könnten.

Längste Stagnationsphase der Nachkriegsgeschichte

Die deutsche Wirtschaft wächst schon seit Jahren kaum und hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Nach Angaben des Ifo-Instituts lag das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt 2024 nur wenig höher als 2019 vor der Corona-Pandemie. Deutschland durchlaufe damit „die mit Abstand längste Stagnationsphase der Nachkriegsgeschichte“.

Schneller schlau: Rezession
Der Begriff Rezession bedeutet Rückgang und stammt aus dem Lateinischen. Es handelt sich um eine Rezession, wenn die Wirtschaft nicht wächst, sondern schrumpft – sich also in einem Abschwung beziehungsweise Rückgang befindet. Für die Bemessung der Konjunktur dient das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Offiziell tritt eine sogenannte technische Rezession ein, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen nicht wächst, sondern zurückgeht.Die Rezession ist eine der vier Phasen, die der Konjunkturzyklus einer Volkswirtschaft durchlaufen kann. Sie folgt auf die Phase der Hochkonjunktur und kann im schlimmsten Fall in eine Depression übergehen. Auf eine Depression folgt dann früher oder später ein Aufschwung.
Eine Rezession zeichnet sich durch unterschiedliche Merkmale aus. Dazu gehören unter anderem:Rückgang der Nachfrageüberfüllte LagerAbbau von Überstunden und beginnende KurzarbeitEntlassung von Arbeitskräftenausbleibende Investitionenteilweise Stilllegung von Produktionsanlagenstagnierende oder sinkende Preise, Löhne und Zinsenfallende Börsenkurse
Zu den Ursachen einer Rezession gehören unterschiedliche Punkte, die sich nur schwerlich verallgemeinern lassen. Aktuell wirkt sich etwa der Krieg in der Ukraine erheblich auf die Konjunktur in Europa und den USA aus.
In einer Rezession halten Unternehmen und private Haushalte ihr Geld in der Regel beisammen. Zu den Folgen einer Rezession zählen steigende Arbeitslosenzahlen, außerdem arbeiten mehr Menschen in Kurzarbeit. Beides führt zu geringerer Nachfrage. Denn wenn die Bürger weniger Geld verdienen, konsumieren sie auch weniger. Dies ist wiederum schlecht für Unternehmen, die dadurch weniger verkaufen und auf ihren Lagerbeständen sitzen bleiben. Die fehlenden Einnahmen können zu weiteren Entlassungen führen, sodass die Arbeitslosigkeit weiter steigt.Auch Menschen, die auf der Suche nach einem neuen Job sind, stehen in einer Rezession vor Problemen. Denn wer sich um eine neue Stelle bewirbt, dürfte während einer Rezession Schwierigkeiten haben eine entsprechende Stelle zu finden – denn geht es Unternehmen wirtschaftlich schlechter, stoppen sie Neueinstellungen.
Durch eine steigende Inflation sinkt die Kaufkraft der Menschen. Durch eine sinkende Kaufkraft sinkt wiederum die Konsumbereitschaft der Menschen, da sie ihr Geld beisammen halten, statt es für Waren und Güter auszugeben.

Die Krise kommt zunehmend am Arbeitsmarkt an. Nahezu alle Industriezweige wollten mit weniger Beschäftigten auskommen, schrieb das Ifo-Institut. Vor allem in der Industrie und im Handel neigten Betriebe dazu, Jobs abzubauen.

Im vergangenen Jahr produzierten wichtige Industriebranchen wie Auto- und Maschinenbau weniger, die Exporte schrumpften, die Investitionen in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge sanken kräftig, und das Baugewerbe litt unter der Krise im Wohnungsbau. Die Konsumausgaben der Verbraucher wuchsen nur leicht.

Viele Menschen halten angesichts gestiegener Preise und Sorgen um ihren Job ihr Geld zusammen. Zugleich leidet der Wirtschaftsstandort Deutschland unter hohen Energiepreisen und großer Bürokratie.

Lesen Sie auch: In diesen 14 Feldern kann Deutschland wachsen

rtr
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick