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Denkfabrik Im Konjunkturtief fehlt der EZB das Gegengift

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Planung jetzt beginnen

Die EZB könnte ihr Ankaufprogramm für langfristige Anleihen natürlich wieder ausweiten. Die sogenannte „quantitative Lockerung“ hätte dann aber nicht mehr den gleichen Effekt wie in der Vergangenheit. Es war ein zentrales Ziel der massiven Anleihekäufe, auch die langfristigen Zinsen zu drücken, um auf diese Weise die Investitionen und den Wohnungsbau anzukurbeln. Da aber die langfristigen Zinssätze jetzt ebenfalls nahe null liegen, würden sie sich durch zusätzliche Anleihekäufe kaum weiter senken lassen.

Ein weiteres Ziel der EZB war, durch die Verringerung der Renditen für langfristige Anleihen die Nachfrage nach Aktien anzuregen. Die Idee: Höhere Aktienkurse senken die Kosten für eigenkapitalfinanzierte Unternehmensinvestitionen, mehren das Vermögen der privaten Haushalte und kurbeln Konsum und Konjunktur an.

Auch diese Option fällt angesichts der extrem niedrigen Anleiherenditen weg. Somit ist die EZB nicht mehr in der Lage, durch sinkende Leitzinsen und den Ankauf langfristiger Anleihen auf einen Wirtschaftsabschwung zu reagieren. Und ohne die Möglichkeit, die Zinsen zu senken, kann die EZB zudem nicht gezielt die Nettoexporte ankurbeln, indem sie über ihre Zinspolitik den Wert des Euro verringert.

Während die USA mit fiskalpolitischen Maßnahmen auf eine neue Rezession regieren könnten, lässt sich derzeit schwer erkennen, wie eine europäische Antwort aussehen könnte. Die Euro-Zone hat keine zentrale Finanzbehörde. Natürlich könnte jedes Mitgliedsland die Steuern senken und die Ausgaben erhöhen. Durch steigende Importe würden viele dieser Anreize ihre Wirkung jedoch bei Handelspartnern entfalten. Das Land selbst hätte eine höhere Staatsverschuldung, während die Binnennachfrage nur in relativ geringem Umfang steigen würde.

Was also ist zu tun? Ich glaube, der Euro-Zone hilft in künftigen Krisen nur eine koordinierte fiskalische Expansion. Jedes Land müsste einer Kombination aus sinkenden Steuern und höheren Staatsausgaben zustimmen, angepasst an das Ausmaß des wirtschaftlichen Abschwungs. Und es wäre ein Fehler, mit der Planung einer solchen koordinierten Reaktion zu warten, bis die Rezession tatsächlich einsetzt. Das Thema gehört auf die Agenda – schon jetzt, in Aufschwungzeiten.

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