Geldpolitik EZB will Kampf gegen Ausverkauf von Staatsanleihen beschleunigen

Die EZB will zu große Renditeunterschiede bei den Anleihen verschiedener Euro-Länder verhindern. Die Notenbank betrachtet das als eine ihrer Aufgaben. Quelle: dpa

Die Sondersitzung der Notenbank beruhigt die Märkte. Die EZB will fällige Gelder flexibel reinvestieren und erarbeitet neue Maßnahmen gegen Verzerrungen am Bondmarkt.

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Die EZB will bei der Wiederanlage der Gelder aus auslaufenden Anleihen höher verschuldeten Euro-Ländern künftig besonders unter die Arme greifen. Der EZB-Rat habe beschlossen, bei den anstehenden Reinvestitionen der Gelder aus dem billionenschweren Krisen-Anleihenkaufprogramm PEPP Flexibilität walten zu lassen, kündigte die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch nach einer Sondersitzung des EZB-Rats an.

Darüber hinaus sei beschlossen worden, zuständige Ausschüsse zu beauftragen, ein neues Werkzeug gegen ein Auseinanderlaufen der Renditen von Staatsanleihen in der Euro-Zone schneller fertigzustellen.

Die Renditen für Schuldenpapiere der Euro-Länder waren zuletzt kräftig gestiegen, die der südlichen Länder besonders stark. Ohnehin schon von hohen Schuldenständen geplagte Staaten wie Italien geraten damit noch mehr unter Druck, da ihre Finanzierungskosten steigen. Die Renditeabstände - die sogenannten Spreads - zwischen den Staatsanleihen der südeuropäischen Länder und Deutschlands weiteten sich erheblich aus.

Trotz der Ankündigungen vom Mittwoch bleibe die die Lage für italienische Staatsanleihen bleibe schwierig, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. „Es rächt sich nun, dass sich das Land seit Jahren den notwendigen tiefgreifenden Reformen verschließt.“

Dank der zumindest leichten Beruhigungspille für die aufgewühlten Börsen kehrten Anleger an die europäischen Aktien- und Anleihemärkte zurück. Da der erhoffte große Wurf allerdings ausblieb, schmolzen die zwischenzeitlichen Kursgewinne etwas zusammen.

Dax und EuroStoxx50 lagen am frühen Mittwochnachmittag jeweils 1,2 Prozent im Plus bei 13.466 beziehungsweise 3518 Punkten. Am Bondmarkt hievten Verkäufe italienischer Staatsanleihen die Rendite der zehnjährigen Titel wieder über die Schwelle von vier Prozent. Der italienische Bankenindex halbierte daraufhin seine zwischenzeitlichen Gewinne auf 3,3 Prozent. Die dortigen Geldhäuser halten hohe Bestände von Anleihen ihres stark verschuldeten Landes. Der Euro konnte seine Gewinne ebenfalls nicht halten und kostete zuletzt 1,0430 Dollar.

Die EZB hatte am vergangenen Donnerstag eine Reihe von Zinserhöhungen angekündigt. Seitdem waren die Anleiherenditen stark gestiegen. Der Renditeabstand (Spread) zwischen den Staatsanleihen Deutschlands und denen höher verschuldeter südlicher Euro-Länder, insbesondere Italien, war auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren gestiegen. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, sagte, die Lage für italienische Staatsanleihen bleibe schwierig. „Es rächt sich nun, dass sich das Land seit Jahren den notwendigen tiefgreifenden Reformen verschließt.“


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