Konjunktur: Bundesbank befürchtet Rezession auch wegen der Streiks – Entspannung bei der Inflation
Der deutschen Wirtschaft droht nach Prognose der Bundesbank im laufenden ersten Quartal womöglich auch wegen der sich häufenden Streiks eine Rezession. Es sei „nicht auszuschließen, dass die diversen Streiks, unter anderem im Bereich Schienen- und Luftverkehr, die Produktion beeinträchtigen“, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht für Februar. Noch gebe es Auftragspolster in der Industrie und in der Baubranche. „Sie schwinden aber.“
Im ersten Quartal könnte das Bruttoinlandsprodukt daher erneut etwas nachlassen. „Mit dem zweiten Rückgang der Wirtschaftsleistung in Folge befände sich die deutsche Wirtschaft in einer technischen Rezession.“ Im vierten Quartal 2023 war Europas größte Volkswirtschaft bereits um 0,3 Prozent geschrumpft.
Eine Dauerrezession befürchtet die Bundesbank gleichwohl nicht. „Die seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine andauernde Schwächephase der deutschen Wirtschaft würde sich damit zwar fortsetzen“, schrieb sie. „Eine Rezession im Sinne eines deutlichen, breit angelegten und länger anhaltenden Rückgangs der Wirtschaftsleistung kann aber weiterhin nicht festgestellt werden und ist derzeit auch nicht zu erwarten.“ So sollte sich die Einkommenssituation und damit der Konsum der privaten Haushalte auch vor dem Hintergrund eines stabilen Arbeitsmarktes, kräftig steigender Löhne und einer abnehmenden Inflationsrate perspektivisch weiter verbessern.
Entspannung erwartet die deutsche Notenbank bei der Inflation. „In den nächsten Monaten dürfte die Inflationsrate tendenziell weiter sinken“, erwartet sie. Wegen Sondereffekten müsse allerdings mit teilweise hohen Schwankungen gerechnet werden. Besonders bei Nahrungsmitteln und Industriegütern dürfte die Preisdynamik aber nachlassen. „Dagegen dürfte sich der Preisdruck bei Dienstleistungen – auch wegen des nach wie vor kräftigen Lohnwachstums – in den kommenden Monaten deutlich langsamer abbauen“, hieß im Monatsbericht. Im Januar lag die Inflationsrate bei 2,9 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit rund zweieinhalb Jahren.
Die wirtschaftlichen Folgen der Krise im Roten Meer hingegen halten sich in Grenzen, urteilen die Experten. Zwar seien die weltweiten Spotpreise für die Anmietung von Containern auf Frachtschiffen gestiegen. Maßgeblich dafür seien vor allem die Preisanstiege auf den Routen zwischen Asien und Europa, auf denen sich die Frachtraten um bis zu 350 Prozent erhöht hätten. „Der Transport auf anderen Routen verteuerte sich hingegen weitaus weniger stark“, so die Bundesbank. Auch hätten die Neumieten von Containerschiffen und die Frachtraten für andere Transportformen wie Schüttgut, Öl- und Gastanker oder Luftfracht bislang kaum auf die Krise reagiert.
Die meisten Handelsschiffe hatten zuletzt das Rote Meer sowie den Suezkanal aus Sicherheitsgründen wegen der Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz gemieden. Sie umfahren stattdessen die Südspitze Afrikas, was allerdings längere Fahrtzeiten bedeutet. Bei kleineren Gütern wird zudem häufig auf die teurere Luftfracht ausgewichen.
So urteilt die Bundesbank über den Immobilienmarkt
Im Zuge der Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Preisübertreibungen auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt laut Bundesbank merklich nachgelassen. Die Preise für Wohnungen und Häuser in den deutschen Städten seien aber immer noch überteuert.
Zwar seien die Überbewertungen 2023 bereits beträchtlich zurückgegangen, besonders stark in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Vollständig abgebaut seien die Preisübertreibungen aber noch nicht. „Damit besteht auch weiterhin ein gewisses Risiko von Preiskorrekturen“, so die Bundesbank. Das Rückschlagpotenzial sei nunmehr aber geringer als in den vorangegangenen Jahren.
Insgesamt hätten 2023 in den Städten die Wohnimmobilienpreise noch zwischen 15 und 20 Prozent über dem aus Sicht der Bundesbank gerechtfertigten Niveau gelegen. 2022 waren es 25 bis 40 Prozent gewesen. Die deutsche Notenbank warnt bereits seit Jahren vor Überbewertungen am Immobilienmarkt.
Die erheblich strafferen Finanzierungsbedingungen und die nur allmählich sinkende Inflation dämpften 2023 laut Bundesbank die Nachfrage nach dem Kauf von Wohnraum. Die verfügbaren Einkommen der Haushalte hätten sich im Jahresverlauf aber erholt. Das durch die Zuwanderung gestützte Wachstum der Bevölkerung habe zudem die Nachfragedämpfung etwas gebremst. Die geldpolitisch hervorgerufene Schwächung der Nachfrage habe zwar recht stark zu den Preisrückgängen bei Wohnimmobilien beigetragen. Eine größere Rolle für den Rückgang der Preise habe aber gespielt, dass kreditfinanziertes Wohneigentum nicht mehr so erschwinglich gewesen sei. „Viele potenzielle Käufer waren wohl gezwungen, zumindest vorerst auf den Mietmarkt auszuweichen“, so die Bundesbank.