Konjunktur DIW hebt Wachstumsprognosen an

Deutschland als Exportnation profitiert laut dem DIW von der guten Verfassung der Weltwirtschaft. Quelle: dpa

Deutschland als Exportnation profitiert laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung von der guten Verfassung der Weltwirtschaft. Auch die neue Bundesregierung kurbele die Konjunktur weiter an.

Die neue Bundesregierung kurbelt dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge die Konjunktur an. Es hob seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 2,2 auf 2,4 Prozent und für 2019 von 1,6 auf 1,9 Prozent an. "Die neue Regierung schickt den Aufschwung in die Verlängerung", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher am Mittwoch in Berlin mit Blick auf 2019. "Sie setzt durch eine Reihe von Maßnahmen auf eine bereits sehr erfreuliche Konjunktur noch mal einige Zehntel-Prozentpunkte Wachstum drauf."

Die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung etwa entlaste die Arbeitnehmer im kommenden Jahr um rund sechs Milliarden Euro. Die Erhöhung des Kindergeldes und der Renten dürften die verfügbaren Einkommen um weitere Milliarden erhöhen. "Das wiederum dürfte den privaten Konsum ankurbeln", erklärte das DIW. Dieser soll im laufenden Jahr um 1,2 Prozent und 2019 sogar um 1,8 Prozent steigen. Dazu trägt auch die gute Lage am Arbeitsmarkt bei: In den beiden Jahren sollen zusammen etwa 850.000 neue Jobs entstehen.

Deutschland als Exportnation profitiere von der guten Verfassung der Weltwirtschaft. "Das befeuert die Investitionen", sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Die geplanten US-Zölle auf Stahl und Aluminium bremsten die Konjunktur vorerst kaum. "Ein protektionistischer Wettlauf, wie er sich daraus entwickeln könnte, wäre aber Gift für die deutsche Wirtschaft", warnte Fichtner. "Die neue deutsche Regierung muss sich einbringen, um dies zu vermeiden."

Wegen der guten Konjunktur und niedriger Zinskosten dürfte der deutsche Staat in diesem Jahr einen Rekordüberschuss von 48 Milliarden Euro aufweisen, der 2019 mit gut 41 Milliarden Euro ebenfalls sehr groß bleibe. Der Schuldenstand des Staates dürfte im kommenden Jahr erstmals seit 2003 unter die Marke von 60 Prozent fallen, welche die EU-Verträge als Obergrenze festlegen, sagte Fichtner.

Angesichts gut gefüllter Kassen rät das DIW zu mehr staatlichen Investitionen. "Priorität sollten Zukunftsinvestitionen in Bildung, Innovation und Infrastruktur haben, auch in die digitale", sagte Fratzscher. Das sei notwendig, um den enormen Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz zu drücken. Wegen der Exportstärke dürfte er bei rund acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes verharren. Die EU-Kommission sieht schon Werte ab sechs Prozent als unerwünscht an. Der deutsche Überschuss bleibe "absolut exzessiv", sagte Fratzscher. Dies dürfte für Konflikte sorgen, nicht nur mit den USA, sondern auch mit europäischen Ländern.

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