Luis de Guindos Euro-Finanzminister einigen sich auf neuen EZB-Vize

Quelle: dpa

Bei der EZB werden die Weichen für eine Neuausrichtung gestellt. Eine erste Entscheidung ist gefallen. Die Euro-Finanzminister unterstützen Spaniens Wirtschaftsminister de Guindos als künftigen EZB-Vize.

Die 19 Euro-Finanzminister haben sich auf den Spanier Luis de Guindos als künftigen EZB-Vizepräsidenten verständigt. Die Empfehlung für die Kandidatur des spanischen Wirtschaftsministers solle beim Ministertreffen am Dienstag offiziell bestätigt werden, hieß es am Montag in Brüssel. Die letztendliche Entscheidung treffen die EU-Staats- und Regierungschefs voraussichtlich bei ihrem Treffen Ende der Woche.

Die Personalie ist für Deutschland besonders bedeutsam, da die Nationalität des neuen Vizechefs der Europäischen Zentralbank (EZB) Auswirkungen auf die Nationalität des neuen EZB-Präsidenten haben dürfte. Sollte ein Südländer neuer Vizechef werden, dürfte ein Vertreter aus dem nördlichen Europa die im Herbst 2019 freiwerdende Stelle von EZB-Präsident Mario Draghi erhalten. Als ein möglicher Nachfolger Draghis gilt Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

Das könnte Folgen für die geldpolitische Ausrichtung der EZB haben. Die Zentralbank verfolgt seit geraumer Zeit eine ultralockere Geldpolitik. Sparer bekommen seit Jahren kaum noch Zinsen, zugleich profitieren Schuldner von günstigen Krediten.

Der Posten des EZB-Vizepräsidenten wird frei, weil der aktuelle Vizechef der EZB, der Portugiese Vitor Constancio, Ende Mai planmäßig aus dem Amt scheiden wird. Irland hatte seinen Kandidaten für die Nachfolge, Notenbankchef Philip Lane, kurzfristig zurückgezogen. Man wolle eine Entscheidung im Konsens, begründete der irische Finanzminister Paschal Donohoe die Entscheidung. De Guindos und Lane waren die einzigen Kandidaten.

„Ich glaube, das wäre eine vortreffliche Wahl, wenn sich die Eurogruppe heute oder bei der nächsten Sitzung auf seine Person verständigt“, hatte Bundesfinanzminister Peter Altmaier (CDU) vor dem Treffen der Euro-Finanzminister mit Blick auf die Nominierung Guindos' gesagt. Die Bundesregierung hatte den Spanier bereits vor einigen Jahren bei seiner Kandidatur für den Vorsitz der Eurogruppe unterstützt. Der Posten ging damals allerdings an den Niederländer Jeroen Dijsselbloem.

Die Ressortchefs der 19 Staaten, die den Euro als Gemeinschaftswährung haben, berieten zudem über den Ausbau des Euro-Rettungsschirms ESM zu einem europäischen Währungsfonds. Europa müsse vorbereitet sein, wenn es wieder einmal zu einer Krise komme, sagte der Chef des Europäischen Stabilitätsmechanismus, Klaus Regling, der „Augsburger Allgemeinen“. Grund sei unter anderem, dass sich der Internationale Währungsfonds (IWF) stärker aus Europa zurückziehe.

Der ESM stemmte in der Vergangenheit Rettungsprogramme für Krisenländer in Europa, etwa für Griechenland. Der IWF war daran beteiligt. Zwischen den Europäern und dem IWF gab es allerdings immer wieder Uneinigkeit über die finanzpolitische Ausrichtung.

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