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TauchsiederLeute, lest Karl Marx!

Als Prophet ein Versager, als Soziologe ein Riese - vor 150 Jahren hat Karl Marx den ersten Band von „Das Kapital“ veröffentlicht. Ein Hommage an den Trierer Volksfreund.Dieter Schnaas 09.09.2017 - 06:00 Uhr

Büste von Karl Marx in seiner Geburtsstadt Trier

Foto: WirtschaftsWoche

Wie wichtig ist Karl Marx? Wie eminent seine Bedeutung? Der Stadtrat von Trier hat auf diese Fragen eine denkwürdige Antwort gegeben: Wenn sich am 5. Mai 2018 zum 200. Mal der Geburtstag von Marx jährt, soll ein 6,30 Meter großes Marx-Monument, ein Geschenk der Volksrepublik China, enthüllt werden. Zu viel der Ehre für den bärtigen Gelehrten - für einen Kommunisten, in dessen Namen Lenin, Stalin, Mao, Ulbricht und Honecker ganze Länder in den Ruin führten und Millionen von Andersdenkenden einsperrten, verfolgten, ermordeten? 

Es spricht für den Stadtrat von Trier, dass sich an dieser Frage nicht mal mehr Streit entzündete: Wer heute noch den Rang von Marx als Soziologe, Publizist und Ökonom in Zweifel zieht, ist kein gesinnungsfester Verteidiger der freien Welt, sondern ein Ignorant. Nein, verschiedener Meinung ist man in Trier allein, was den Spender betrifft: Wer ein Geschenk annimmt, ehrt den Schenkenden, also China - kann man das wirklich wollen? Wahrscheinlich hätte nicht mal Marx seine Freude daran. Seine Heimat ist zu geizig, ihm ihre Referenz zu erweisen - und lässt sich ausgerechnet von China dotieren, von einem Land, das den Manchesterkapitalismus des 21. Jahrhunderts repräsentiert?

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Wer Karl Marx vor seiner politischen Vereinnahmung schützen will, ist daher gut beraten, sich an ein anderes Jubiläum zu halten: an den 14. September 1867, an den Tag vor 150 Jahren, an dem der Trierer Volksfreund den ersten Band von „Das Kapital“ veröffentlichte, Untertitel: „Kritik der politischen Ökonomie“. Marx, der unaufhörlich Material sammelte, kompilierte, sich verzettelte, nie ein Ende fand, hat die Herausgabe des Werkes damals persönlich begleitet, war eigens aus London nach Hamburg zu seinem Verleger gereist, um letzte Korrekturen anzufertigen. Und heute? Was bleibt von Marx? Warum muss man ihn lesen? 

Zunächst einmal: Weil nichts mehr dagegen spricht. Der Mauerfall hat Marx ideologisch entlastet und als originellen Denker rehabilitiert. Der 9. November 1989 mag für den Sozialismus eine Art Karfreitag gewesen sein - für den Schöpfer des „Kapitals“ war es, als fielen Wiederauferstehung und Himmelfahrt auf einen Tag. Endlich konnte man Marx in Studentenparlamenten kritisieren, ohne Gefahr zu laufen, sich als "Propagandist des Kapitals" unmöglich zu machen. Endlich konnte man in kleinstädtischen Buchhandlungen das "Kommunistische Manifest" ordern, ohne von tuschelnden Kunden unter Ideologieverdacht gestellt zu werden.

Anders gesagt: Der Fall der Mauer hat Marx vom Marxismus gereinigt. Den überragenden Theoretiker des Industriekapitalismus vom Propheten kollektivistischer Erlösungspläne emanzipiert. Das schwere Kreuz der Ideologie fiel damals von Marx' Schultern, die ganze kommunistische Theologie von der "massenhaften Veränderung der Menschen", die Gräuel des Stalinismus, all die Zynismen der Planwirtschaft, die in seinem Namen stattgefunden hatten. Seither kann man Marx lesen, unverschämt und unverbrämt, ganz so wie Hegel, Nietzsche, Kierkegaard, als Klassiker des 19. Jahrhunderts.

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Karl Marx, der Prophet und Erlöser, war tot, endlich, von seinen Jüngern widerlegt und ins Grab gestoßen - und Karl Marx, der Soziologe, Journalist, Nationalökonom und Geschichtsphilosoph, der schonungslose Kritiker der idealistischen Philosophie und der bürgerlichen Gesellschaft, durfte sein Leben noch einmal von vorn beginnen:

  • Als Revolutionär, der die "versteinerten Verhältnisse" in Deutschland 1844 wie die "offenherzige Vollendung des ancien régime" empfand; der das "verkehrte Weltbewusstsein" einer Gesellschaft enttarnte, die Gott nach ihrem Bilde formte, um sich von ihm beherrschen zu lassen.
  • Als Philosoph der Tat, der das Reich der Vernunft "von der Erde zum Himmel" aufsteigen ließ, um gegen die idealistischen "Gedankenhelden" seiner Zeit "die Wahrheit des Diesseits zu etablieren".
  • Als politischer Unruhestifter, der auf dem Höhepunkt des Manchester-Kapitalismus die "Proletarier aller Länder" aufrief, sich gegen ihr "Zwangsarbeiter"-Dasein zu Diensten kapitalistischer Ausbeuter aufzulehnen.
  • Und natürlich als bärtiger Gelehrter, der in "Das Kapital" die Funktionsweise der modernen Wirtschaft sezierte.

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Marx war mit dem Untergang des Kommunismus als Prophet und Messias erledigt, wie schön - aber nur, um als Chefanalytiker der "Bourgeois-Epoche" in den Olymp der Ideengeschichte aufzusteigen. Und dort gebührt dem Trierer Volksfreund heute ein Ehrenplatz.

Der Ökonom Joseph Schumpeter hat das Betriebsgeheimnis von Marx' zwiespältig-phänomenalem Welterfolg bereits 1942 entschlüsselt. Die drei zentralen Utopien (Verelendung des Proletariats, Untergang des Kapitalismus, Sieg des Sozialismus) verdankten sich vor allem Marx’ wissenschaftlichem Ehrgeiz: Er habe nicht nur zu revolutionären Ergebnissen kommen, sondern die historische Notwendigkeit der Revolution beweisen wollen. Deshalb, so Schumpeter, mobilisierte er das Proletariat als geschlossene Klasse: Denn wenn es stimmte, dass "die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft" die "Geschichte von Klassenkämpfen ist", wie Marx 1848 im Kommunistischen Manifest behauptete, dann brauchte es auch für das letzte Kapitel  "Unterdrücker und Unterdrückte“, zwei unversöhnliche Gegner, die sich feindlich gegenüberstehen - zwei Menschenblöcke, die die soziale Dynamik der Geschichte aufrechterhalten und sich bekriegen, bis endlich das sozialistische Morgenrot aufscheint: Bourgeoisie und Proletariat.

Adam Smith, Karl Marx, John Maynard Keynes und Milton Friedman: Die größten Wirtschafts-Denker der Neuzeit im Überblick.

Foto: WirtschaftsWoche

Gustav Stolper war Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "Der deutsche Volkswirt", dem publizistischen Vorläufer der WirtschaftsWoche. Er schrieb gegen die große Depression, kurzsichtige Wirtschaftspolitik, den Versailler Vertrag, gegen die Unheil bringende Sparpolitik des Reichskanzlers Brüning und die Inflationspolitik des John Maynard Keynes, vor allem aber gegen die Nationalsozialisten.

Foto: Bundesarchiv, Bild 146-2006-0113 / CC-BY-SA

Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises hat in seinen Arbeiten zur Geld- und Konjunkturtheorie bereits in den Zwanzigerjahren gezeigt, wie eine übermäßige Geld- und Kreditexpansion eine mit Fehlinvestitionen verbundene Blase auslöst, deren Platzen in einen Teufelskreislauf führt.

Mises wies nach, dass Änderungen des Geldumlaufs nicht nur – wie die Klassiker behaupteten – die Preise, sondern auch die Umlaufgeschwindigkeit sowie das reale Produktionsvolumen beeinflussen. Zudem reagieren die Preise nicht synchron, sondern in unterschiedlichem Tempo und Ausmaß auf Änderungen der Geldmenge. Das verschiebt die Preisrelationen, beeinträchtigt die Signalfunktion der Preise und führt zu Fehlallokationen.

Foto: Mises Institute, Auburn, Alabama, USA

Gary Becker hat die mikroökonomische Theorie revolutioniert, indem er ihre Grenzen niederriss. In seinen Arbeiten schafft er einen unkonventionellen Brückenschlag zwischen Ökonomie, Psychologie und Soziologie und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Rational-Choice-Theorie“. Entgegen dem aktuellen volkswirtschaftlichen Mainstream, der den Homo oeconomicus für tot erklärt, glaubt Becker unverdrossen an die Rationalität des Menschen.

Seine Grundthese gleicht der von Adam Smith, dem Urvater der Nationalökonomie: Jeder Mensch strebt danach, seinen individuellen Nutzen zu maximieren. Dazu wägt er – oft unbewusst – in jeder Lebens- und Entscheidungssituation ab, welche Alternativen es gibt und welche Nutzen und Kosten diese verursachen. Für Becker gilt dies nicht nur bei wirtschaftlichen Fragen wie einem Jobwechsel oder Hauskauf, sondern gerade auch im zwischenmenschlichen Bereich – Heirat, Scheidung, Ausbildung, Kinderzahl – sowie bei sozialen und gesellschaftlichen Phänomenen wie Diskriminierung, Drogensucht oder Kriminalität.

Foto: dpa

Jeder Student der Volkswirtschaft kommt an Robert Mundell nicht vorbei: Der 79-jährige gehört zu den bedeutendsten Makroökonomen des vergangenen Jahrhunderts. Der Kanadier entwickelte zahlreiche Standardmodelle – unter anderem die Theorie der optimalen Währungsräume -, entwarf für die USA das Wirtschaftsmodell der Reaganomics und gilt als Vordenker der europäischen Währungsunion. 1999 bekam für seine Grundlagenforschung zu Wechselkurssystemen den Nobelpreis. Der exzentrische Ökonom lebt heute in einem abgelegenen Schloss in Italien.

Foto: dpa

Der Ökonom, Historiker und Soziologe Werner Sombart (1863-1941) stand in der Tradition der Historischen Schule (Gustav Schmoller, Karl Bücher) und stellte geschichtliche Erfahrungen, kollektive Bewusstheiten und institutionelle Konstellationen, die den Handlungsspielraum des Menschen bedingen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. In seinen Schriften versuchte er zu erklären, wie das kapitalistische System  entstanden ist. Mit seinen Gedanken eckte er durchaus an: Seine Verehrung und gleichzeitige Verachtung für Marx, seine widersprüchliche Haltung zum Judentum. Eine seiner großen Stärken war seine erzählerische Kraft.

Foto: dpa

Amartya Sen wurde 1933 in der Universitätsstadt Santiniketan, Indien, geboren. Er ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts). Der Ökonom erhielt 1998 den Wirtschaftsnobelpreis für seine Arbeiten zur Wohlfahrtsökonomie und wirtschaftlichen Entwicklung. Er veröffentlichte im Laufe seiner Karriere mehr als Hundert Forschungsschriften und ist Inhaber rund 90 Ehrendoktortiteln, zum Beispiel von der Universität Toronto. Ein zentraler Gedanke in seinem Werk ist die Idee der Freiheit, er betrachtet diese als die Basis des menschlichen Daseins, die jedes seiner Themen, wie Entwicklung, Armut, Hunger, Markt und Moral, durchdringt. Seine Thesen als liberaler, linker Theoretiker sind nicht unumstritten, so wird beispielsweise sein Begriff von Freiheit und Markt weder von Marktdogmatikern noch von deren Gegnern geteilt.

Foto: dpa

In seiner Heimat ist die Arbeit von Friedrich List (1789 - 18 46) fast vergessen. Die letzte Neuauflage von Lists Hauptwerk liegt 80 Jahre zurück. Er ist der gedankliche Vater des Protektionismus. In Deutschland gilt sein Werk als überholt, doch es bietet theoretisches Rüstzeug, wie der Staat die Wirtschaftsentwicklung fördern kann - und wann er besser die Hände davon lassen sollte. In vielen Schwellenländern erfreut sich die Lehre von List daher großer Popularität.

Foto: dpa

Der britische Ökonom David Ricardo (1772 – 1823) machte an der Londoner Börse gute Gewinne und konnte sich Dank seines eigenen Vermögens ganz den ökonomischen Studien widmen. Er machte sich mit dem „Kornmodell“ einen Namen, das auf dem Paper Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock basiert, in dem er die freie Korneinfuhr empfiehlt. Nach ihm wurde auch die Ricardianische Äquivalenz benannt – ein Konzept, das sich mit der Wirkung von Steuersenkungen in der Gegenwart beschäftigt, die mit höheren Steuern in der Zukunft refinanziert werden sollen. Auf ihn geht auch die Theorie der komparativen Kostenvorteile zurück, ein Kernstück der Außenhandelstheorie und wesentliche Erkenntnis über die relativen Kostenvorteile internationaler Arbeitsteilung.

Foto: dpa

Im Jahr 1987 erhielt der US-amerikanische Ökonom Robert Solow (*1924) den Wirtschafts-Nobelpreis für seine Forschungen zur neoklassischen Wachstumstheorie. Solow entwickelte das sogenannte Solow-Modell, das im Gegensatz zu Keynes Auffassung die Nachfrageentwicklung nicht als bestimmende Determinante des Wirtschaftswachstums ansieht. Sein Solow-Modell erklärt das langfristiges Wirtschaftswachstum in einer Volkswirtschaft nur durch technischen Fortschritt. Solow ist Emeritus-Professor am Massachusetts Institute of Technology.

Foto: Julia Zimmermann für Wirtschaftswoche

Als Prophet war Marx (1818 – 1883) ein Versager, als Soziologe ein Riese, als Ökonom vor allem ein gelehrter Mann: Karl Marx, der Theoretiker des Industriekapitalismus, wollte nicht nur zu revolutionären Ergebnissen kommen, sondern die Notwendigkeit der Revolution beweisen. Der Mauerfall hat ihn ideologisch entlastet und als originellen Denker rehabilitiert. Seine Lehren über Produktionsfaktoren und die Verteilung von Produktionsmitteln sowie der von ihm geprägte Begriff des Mehrwerts spielen noch heute eine große Rolle.

Foto: WirtschaftsWoche, AP

Walter Eucken zählt zu den wichtigsten Vordenkern der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Der Mitbegründer des Ordoliberalismus hat analysiert, wie eine marktwirtschaftliche Ordnung konstruiert sein muss, die Wachstum schafft, Macht begrenzt und den Menschen dient. Der religiös geprägte Eucken glaubte an den Markt, aber nicht an dessen Unfehlbarkeit, er sah die Gefahr, dass wirtschaftliche Interessengruppen den Wettbewerb aushebeln können – und wollen. Noch während des zweiten Weltkrieges arbeitete er heimlich am theoretischen Grundgerüst der bis heute gültigen sozialen Marktwirtschaft in Deutschland.

Foto: Pressebild

Friedrich August von Hayek (1899-1992) war ein leidenschaftlicher Weltverbesserer. Sein ganzes Forscherleben hat er daran gearbeitet, Planwirtschaft und Kollektivismus wissenschaftlich zu widerlegen, er war leidenschaftlicher Gegner des Sozialismus und Modernisierer des klassischen Liberalismus. Führ ihn waren Freiheit, Eigentum, Gleichheit vor dem Gesetz, Wettbewerb und Marktwirtschaft Eckpfeiler der Zivilisation. Seine Tiraden gegen den Wohlfahrtsstaat haben jahrzehntelang die intellektuelle Brillanz seiner Theorie komplexer Ordnungen überschattet. Der gebürtige Wiener wurde als erster Ausländer an die renommierte London School of Economics berufen. Im März 1944 veröffentlicht er als seine leidenschaftliche Abrechnung mit Sozialismus und Nationalsozialismus, „Der Weg zur Knechtschaft“.

Foto: WirtschaftsWoche

John Maynard Keynes (1883 – 1946) löste mit seiner Analyse der Unterbeschäftigung in der Weltwirtschaftskrise eine Revolution des ökonomischen Denkens aus. Er forderte, der Staat solle in Krisensituationen die Nachfrage ankurbeln, um Vollbeschäftigung zu gewährleisten. Seine Ideen bedeuteten eine radikale Abkehr von der bisherigen Wirtschaftlehre, die die Angebotsseite ins Zentrum allen wirtschaftlichen Handelns stellte, und beeinflussen bis auf den heutigen Tag Ökonomen, Zentralbanker und Finanzminister.

Foto: WirtschaftsWoche

Joseph Schumpeter hat das Grundgesetz des Kapitalismus erforscht: ewiger Wandel durch „schöpferische Zerstörung“. Keiner sah so klar wie er, dass in seinen Krisen nicht nur der Kapitalismus selbst auf dem Spiel steht, sondern auch die Atmosphäre des Fortschritts. Schumpeter gilt als der größte Ökonom des 20. Jahrhunderts. Er hat in zahlreichen Wirtschaftsdisziplinen deutliche Spuren hinterlassen und Begriffe wie „Wagniskapital“, „Firmenstrategie“ und den vierten Produktionsfaktor „Unternehmertum“ sowie das Kreativitätsprinzip eingeführt. Schumpeters Erkenntnisse machen den modernen Kapitalismus bis heute aktuell.

Foto: WirtschaftsWoche

Der amerikanische Ökonom Milton Friedman hat die Geldtheorie revolutioniert und sein Leben lang für freie Märkte und weniger Staat gekämpft. Als intellektueller Gegenspieler von John Maynard Keynes spaltete er Wissenschaft und Politik gleichermaßen. Zwischenzeitlich galt er als widerlegt. Jetzt zeigt sich: Friedmans Erkenntnis, dass die Geldmenge die Konjunktur und die Inflation bestimmt, ist aktueller denn je. Die Steuerung der Geldmenge durch Staaten und Notenbanken sah er als eine der wenigen Stellgrößen einer Wirtschaft, in der staatliches Eingreifen sinnvoll und gegebenenfalls nötig war. Er entwickelte die Idee der Bildungsgutscheine, das Konzept der negativen Einkommensteuer und lieferte den Regierungen die Blaupause für flexible Wechselkurse.

Foto: AP

Reinhard Selten ist Deutschlands bislang einziger Wirtschafts-Nobelpreisträger und ein Vorreiter volkswirtschaftlicher Laborversuche. Als Pionier der experimentellen Wirtschaftsforschung hat er die Spieltheorie verfeinert und damit etwa die Analyse von Verhandlungssituationen – etwa bei Lohnverhandlungen – deutlich weiterentwickelt. Selten erhielt den Nobelpreis für Wirtschaft 1994. Er begründete ein Labor für experimentelle Wirtschaftsforschung in Bonn, dessen Koordinator er noch heute ist – im Alter von 81 Jahren..

Foto: dpa

Der US-Ökonom Robert Shiller fordert eine neue Volkswirtschaftslehre, die sich der Psychologie von Menschen und Märkten öffnet. Lange war er ein Rufer in der Wüste – in der Finanzkrise ist er zum Massenprediger geworden. Bereits 2005 warnte er vor einer US-Immobilienkrise – die letztlich Auslöser der Finanz- und Schuldenkrise war. Seine Theorien zur Verhaltensökonomie (Behavioral Economics) gelten als Gegenentwurf zur lange propagierten Rationalität der Märkte. In seinen Hauptwerken geht es um Herdentrieb und irrationale Übertreibungen.

Foto: WirtschaftsWoche

Paul Anthony Samuelson (1915-2009) wurde 1970 mit dem Ökonomie-Nobelpreis ausgezeichnet. Er zählte zu den vielseitigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, und prägte die Volkswirtschaftslehre wie kaum ein anderer. Samuelson modernisierte den Keynesianismus, indem er Keynes' sowie neoklassische Theorien zu einer Synthese verband, darüber hinaus forcierte er als erster Ökonom die systematische Mathematisierung seines Fachs. Sein in 19 Sprachen übersetztes Standartwerk "Economics" ist bis heute das meistverkaufte VWL-Lehrbuch aller Zeiten.

Foto: Laif

Der schottische Ökonom Adam Smith (1723-1790) gilt als Urvater der Nationalökonomie. Er untersuchte als Erster systematisch die wohlstandsfördernde Wirkung von Arbeitsteilung und freien Märkten, und entwickelte die Ökonomie zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin, wo sie zuvor nur als wenig beachteter Teil anderer Fachrichtungen galt. Sein Hauptwerk "Der Wohlstand der Nationen" findet sich auch heute noch auf den Literaturlisten von Volkswirtschaftsstudenten wieder, er gilt als Begründer dessen, was heute als die klassische Nationalökonomie bezeichnet wird. Seine Ideen sind noch immer Basis jeder angebotsorientierten Wirtschaftspolitik.

Foto: Pressebild

Doch wie wollte Marx die Zeitgenossen von seiner bipolaren Gesellschaftskonstruktion überzeugen?

Marx hat seinen Verehrern ein Arsenal "weißglühender Phrasen, leidenschaftlicher Anklagen und zorniger Gesten" (Schumpeter) zur Verfügung gestellt, aber das ist es nicht: Sein Erfolg gründet sich auf der kühnen Kombination rationalistischer, deterministischer und eschatologischer Motive.

Anders gesagt: Die Notwendigkeit der Revolution hat bei Marx eine dreifache Dimension. Sie ergibt sich erfahrungsgemäß aus der Analyse sozialer Tatsachen. Sie ist als logische Folge historischer Prozesshaftigkeit konzipiert. Und sie adressiert die (verlorene) Ganzheitshoffnung einer durch maschinelle Beschleunigung, Arbeitsteilung und unpersönliche Geldverhältnisse sich selbst fremd gewordenen Menschheit.

Plurale Ökonomie

Wirtschaftsstudenten wollen denken, nicht rechnen

 

Marx hat die Religion als „illusorisches Glück" entlarvt, aber er hat nicht an den „Seufzern der bedrängten Kreatur" vorbeigehört und die metaphysisch ausgefegte Welt mit einem säkularen Glaubenssurrogat beschenkt: mit der frohen Botschaft vom irdischen Paradies des Sozialismus. Gleichzeitig hat Marx den technischen Machbarkeitseifer eines bürgerlich-progressiven Milieus aufgegriffen, das in seiner neuen Gottlosigkeit noch reichlich verunsichert an der Schwelle zur Moderne stand - und an ein Vorwärts glaubte, ohne vorerst die Richtung zu kennen.

Metamorphose I

In der Frühphase des Kapitalismus werden aus Landarbeitern Handwerker: Webstuhl im 19. Jahrhundert in England.

Foto: imago / united archives international

Metamorphose II

Mit der Industrialisierung werden aus Handwerkern Arbeiter: Produktion bei Krupp in Essen, 1914.

Foto: dpa

Metamorphose III

Im Wissenskapitalismus werden Arbeiter zu Angestellten und Proletarier zu Konsumenten: Produktion von Solarzellen in Sachsen.

Foto: dpa

Ort der Verteilungsgerechtigkeit

Den reibungslosen Tausch und die Abwesenheit von Betrug – das alles musste der Staat am Markt anfangs durchsetzen.

Foto: Gemeinfrei

Ort der Kapitalkonzentration

Der Börsenticker rattert, die Märkte schnurren, solange der Staat ein wachsames Auge auf sie wirft

Foto: Library of Congress/ Thomas J. O'Halloran

Ort der Wachstumsillusion

Wenn Staaten Banken kapitalisieren, sind das Banken, die Staaten kapitalisieren, um Banken zu kapitalisieren...

Foto: AP

Karl Marx

Für ihn war der Unternehmer ein roher Kapitalist, ein Ausbeuter, der Arbeiter ihrer Freiheit beraubt.

Foto: dpa

Milton Friedman

Für ihn war der Geschäftsmann gut, der gute Geschäfte macht.

Foto: AP

Papst Franziskus

Für ihn ist die Ökonomie Tyrannei und Kapitalismus an der Wurzel ungerecht.

Foto: dpa

In dieser historischen Lage hat er nicht nur das Kunststück fertig gebracht, den neustädtischen Arbeitern Parolen und Argumente zu liefern gegen den parasitären Lebensstil vieler Kapitalisten. Er reüssierte auch in bildungsbürgerlichen Kreisen mit der Behauptung, die sozialistische Erlösung von allen Weltübeln sei eine rational beweisbare Gewissheit.

Es ist Marx gelungen, die Sehnsüchte, die die Religion auf ihrem unfreiwilligen Rückzug zurückgelassen hatte, mit dem positivistischen Geist eines Fortschritts zu verknüpfen, der als unausweichlich empfunden wurde - und der keinen Glauben duldete, der nicht wenigstens einen wissenschaftlichen Anstrich hatte: „Einfach das Ziel zu predigen wäre wirkungslos geblieben; eine Analyse des sozialen Prozesses hätte nur ein paar Hundert Spezialisten interessiert", so Schumpeter: "Aber im Kleid des Analytikers zu predigen und mit einem Blick auf die Bedürfnisse des Herzens zu analysieren,…schuf [Marx] eine leidenschaftliche Anhängerschaft.“

Nirgends hat Marx mit mehr Herz studiert und mit mehr Verstand agitiert als im Kommunistischen Manifest. Die kleine Schrift ist von aufrüttelnder Sprachkraft, ein brillanter, mitreißender Text, der ständig zwischen Analyse und Dialektik changiert, munter Wissenschaft und Propaganda verquirlt - und eine schier unauflösbare Spannung aufbaut zwischen der Schilderung geschichtlicher Dynamik und Teleologie, zwischen unaufhörlichem Wandel und utopischem Endziel.

Besonders bemerkenswert ist das Manifest deshalb, weil Marx in ihm die Leistungen des Kapitalismus geradezu hymnisch feiert. Die Bourgeois-Epoche habe "ganz andere Wunderwerke vollbracht als ägyptische Pyramiden, römische Wasserleitungen und gotische Kathedralen", stellt er pathetisch fest, sie habe "kolossalere Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen", "enorme Städte" aufgebaut und einen "bedeutenden Teil der Bevölkerung dem Idiotismus des Landlebens" entrissen: "Dampfschifffahrt, Eisenbahnen, elektrische Telegrafen, Urbarmachung ganzer Weltteile... - welch früheres Jahrhundert ahnte", dass derlei Energien im Schoß der Menschheit schlummerten?

In packenden Passagen schildert Marx, dass die Harmonielehre der vorindustriellen Marktwirtschaft (Adam Smiths „unsichtbare Hand“) vom Grundgesetz des Industriekapitalismus abgelöst wird: „Fortwährende Umwälzung der Produktion, ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, ewige Unsicherheit und Bewegung“. Und mit soziologischem Scharfblick etabliert er sich als erster Theoretiker der Globalisierung: „Die Bourgeoisie reißt... alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation... Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen... Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem Bilde.“

Natürlich macht Marx auf die Nebenkosten der bürgerlichen Revolution aufmerksam. Die Bourgeoisie habe „alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört“ und „kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrig gelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose, ,bare Zahlung’". 

Es ist eine von Marx' griffigen Übertreibungen, die sich unter Kapitalismuskritikern noch heute großer Beliebtheit erfreuen. Marx selbst bediente sich ihrer nicht, um den Kapitalismus gleichsam von außen zu kritisieren, sondern um den Nachweis zu führen, dass seine heraufziehende Existenzkrise sich inneren Widersprüchen verdankt. Seine soziologischen Befunde ließen ihm auch gar keine andere Wahl: Wenn die "Bourgeois-Epoche" ihrem Wesen nach dauerrevolutionär war, dann konnten die Gründe für ihren Untergang nicht in ihrer Erschöpfung, sondern nur in ihrer Dynamik begründet liegen.

 

Vorerst begnügte sich Marx mit dem vagen Hinweis, dass die Bourgeoisie „ihre eigenen Totengräber“ produziert: Das Proletariat, das durch seine Arbeit das Kapital der Kapitalisten vermehrt, ohne sich selbst Eigentum verschaffen zu können, lehnt sich gegen seine „Enteignung“ auf und revolutioniert die Gesellschaft.

Später, im „Kapital“, hat Marx das Paradox von der dynamischen Selbsterschöpfung des Kapitalismus ökonomisch zu fassen versucht: Das „Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate“ postuliert, dass die Ertragsrate der Unternehmer nicht trotz, sondern wegen des technischen Fortschritts fällt. Weil mit der Maschinisierung der Produktion der proportionale Anteil von Verbrauchskapital (Investitionen) wachse, schrumpfe zugleich der Anteil der „lebendigen Arbeit“, die Marx zufolge allein Mehrwert erzeugt. Heute ist das Argument schon deshalb widerlegt, weil der Wissensarbeiter der Moderne nicht nur seine Haut (als Arbeitskraft), sondern vor allem auch sein Hirn (als Investitionsgut) zu Markte trägt.

Das Kommunistische Manifest ist das große Scharnier in Marx' Leben und Werk: Hier bündelt sich seine Religions- und Ideologiekritik - von hier aus überführt er sie in eine wissenschaftliche Kritik an den ökonomischen Produktionsverhältnissen. Marx ist damals gerade mal 29 Jahre alt und hat bereits ein bewegtes Leben hinter sich: Aufgewachsen in Trier, bleibt ihm nach dem Jura-Studium in Bonn und Berlin eine akademische Karriere verwehrt. Die preußischen Behörden kujonieren ihn als aufmüpfigen Linkshegelianer - und so verdingt Marx sich als Journalist bei der "Rheinischen Zeitung" in Köln (1842). Als die Zensur zuschlägt, siedelt er nach Paris, wo er mit Heinrich Heine und Friedrich Engels in Kontakt kommt, von Paris aus treibt ihn der lange Arm der preußischen Justiz nach Brüssel (1845); drei Jahre später wird er dort verhaftet und ausgewiesen, flüchtet über Paris und Köln (nochmalige Ausweisung) als Staatenloser ins Exil nach London (1849).

Und hier verbringt er den Rest seines Lebens, tagsüber im Leseraum des British Museums, wo er praktisch alle Werke der Politischen Ökonomie studiert - und nachts zu Hause, wo er „Das Kapital“ verfasst, in einer erbärmlichen Stube, unzureichend genährt, ärztlich schlecht versorgt, obwohl er von Engels finanziell unterstützt wird und sich als Europa-Korrespondent der „New York Tribune“ ein paar Pfund dazuverdient. Als Politiker beteiligt sich Marx noch federführend an der Gründung der „Ersten Internationale“ (1864) und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (1869) in Deutschland, doch die Armut zehrt an seinen Kräften, seine Frau und fünf seiner sieben Kinder sterben früh. Marx selbst bringt nicht mehr die Kraft auf zur Vollendung seines Mammutwerkes - und stirbt am 14. März 1883.

Man kann dieses Mammutwerk über den Industriekapitalismus nicht verstehen, ohne zu wissen, woher es kommt: aus einer anderen, vorindustriellen Zeit. Marx war ein Teenager, als Hegel (1831) und Goethe (1832) starben. Hegel sah im damaligen Preußen die Einheit von institutioneller Ordnung und individueller Freiheit erreicht - und Goethe immerhin noch die Chance, dass eine handwerkliche Erwerbsbiografie auch unter frühindustriellen Bedingungen möglich sei.

Entsprechend unbestimmt ist zunächst Marx' Kritik; sie richtet sich gegen die Religion, die idealistische Philosophie und den Staat, kurz: gegen „die ganze bisherige Weise des deutschen... Bewusstseins“. Marx will seine Zeit von dem „Nonsens“ befreien, mit dem Pfarrer, Philosophen und Politiker die Welt auskleiden, um sich in ihr zu gefallen. Er versteht Religion und (Hegels) Philosophie als Projektionen des menschlichen Wesens, in denen der Mensch sich selbst - als Gott und Weltgeist entfremdet - widerspiegelt.

Dagegen will Marx auf den Menschen zurückgehen, auf sein Sein und seine Tätigkeit, will „auf dem wirklichen Geschichtsboden stehen..., nicht die Praxis aus der Idee, sondern die Ideenformationen aus der materiellen Praxis“ erklären - und sie verändern.Er bestreitet, dass der Mensch dem Walten der Geschichte ausgeliefert sei, solange er sich dem Walten nicht selbst ausliefere: Die Umstände, so Marx, machen die Menschen so gut wie die Menschen die Umstände.

Von hier aus war es nur noch ein kleiner Schritt zur Erkenntnis, dass er mit der „Aufhebung“ der Philosophie vor allem ihre Verwirklichung meint, eine Philosophie der gesellschaftlichen Praxis. Und dass Gesellschaftskritik daher Wirtschaftskritik ist, eine Kritik der Art und Weise, wie der Mensch sich selbst (re-)produziert: It's the economy, stupid!

Es war vielleicht Marx' größte Leistung, dass er die Wucht der industriellen Revolution frühzeitig erfasste und seine humanistische Anthropologie unbeschadet auf das Feld der Ökonomie zu übertragen wusste, ohne moralisch zu werden. Als Brücke diente ihm der Begriff der „Entfremdung“: So wie der Mensch sich durch seine Schöpfung (Gott) von sich selbst entfremde, so werde der Arbeiter in einer arbeitsteiligen Produktionskette vom Produkt seiner Arbeit entfremdet.

Marx' Kritik setzt mit einer Analyse der Ware ein, die er als Träger eines Gebrauchs- und eines Tauschwerts zur „ökonomischen Zellenform“ des Kapitalismus erklärt. Während die Menschen am Gebrauchswert der Ware zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse interessiert seien, komme es dem Kapitalisten auf die Erzeugung von Tauschwerten an - hier schon, gleich zu Anfang, scheint der unauflösbare Konflikt zwischen den Interessen des Kapitals und des Gemeinwohls auf, auf den es Marx ankommt.

Dabei versteht er Arbeit - ganz so wie Adam Smith - als wertschaffende Tätigkeit. Weil aber die Arbeitskraft im Kapitalismus zu einer Ware werde, deren Wert sich, wie der Wert aller Waren, durch die zu ihrer Reproduktion notwendigen Arbeitsmenge definiert, seien die Proletarier als Verkäufer ihrer Arbeitskraft dazu verdammt, ein (Über-)Leben auf Subsistenzniveau zu fristen. Im Gegensatz dazu eigne sich das Kapital die Ware Arbeitskraft an, um mit ihr einen Wert zu schaffen, der größer ist als der Tauschwert der Arbeitskraft. Kurzum: Kapitalismus besteht in der Aneignung von unbezahlter Mehrarbeit.

Entscheidend ist, dass Marx seine Analyse mit einer radikalen Kritik an der ökonomischen Zunft verbindet, die Kapital und Boden als gegebene Produktionsfaktoren einführt, ohne sie auf das in ihnen Enthaltene, die Arbeit, zurückzuführen. Marx zufolge entlarve sich die Nationalökonomie damit als ein applaudierender Teil desselben Reproduktionsprozesses, über den sie kritisch wachen soll.

Und damit, am Ende des ersten Bandes von „Das Kapital“, schließt er den Kreis zu seiner früheren Ideologiekritik: Im Kapitalismus, so Marx, ist die Reproduktion des Kapitals mit der Reproduktion der Klassenverhältnisse kapitalistischer Gesellschaften verbunden. Der Kapitalist erhält sein Kapital (plus Mehrwert) - der Arbeiter erhält sich selbst und sein Elend.

Wie schön, dass sich Marx so gründlich geirrt hat. Dass ausgerechnet er, der das „Bewegungsgesetz“ des Kapitalismus ergründen wollte, das Proletariat als statisches Kollektiv formierte, ist beinah schon grotesk: Natürlich wollen alle Arbeiter kleine Bourgeois sein - und die meisten sind es, Kapitalismus sei Dank, als „abhängig Beschäftigte“ geworden.

Marx' Gedanken zum Wert der Arbeit hingegen sind heute wieder aktuell. Und seine Ideologiekritik, gelesen als Kritik an der „Alternativlosigkeit politischer Handlungen“ und an der „herrschenden Meinung“, hätte heute nicht nur in der notorisch selbstgewissen Ökonomenzunft, sondern etwa auch im Kanzleramt deutlich mehr demütige Beachtung verdient.

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