Verbraucherpreise: Inflation in Deutschland steigt im Dezember überraschend deutlich
Die Inflationsrate ist im Dezember gestiegen.
Foto: Monika Skolimowska/dpaDie deutsche Inflation ist im Dezember den dritten Monat in Folge gestiegen. Die Verbraucherpreise erhöhten überraschend deutlich um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte und damit seine erste Schätzung bestätigte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit 2,4 Prozent gerechnet. Im November hatte die Teuerungsrate noch bei 2,2 Prozent gelegen, im Oktober bei 2,0 Prozent und im September bei 1,6 Prozent.
Dennoch hat sich die Inflation im vergangenen Jahr beruhigt. Im Jahresschnitt verteuerten sich Waren und Dienstleistungen um 2,2 Prozent. Zum Vergleich: 2023 lag die Teuerungsrate bei 5,9 Prozent, nachdem 2022 mit 6,9 Prozent noch ein historischer Höchststand erreicht wurde, weil nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine die Energiepreise nach oben schossen.
Ökonomen halten die Inflationsgefahr noch nicht für gebannt. So wollen die hiesigen Unternehmen ihre Preise vermehrt anheben: Das Barometer für deren Preiserwartungen stieg im Dezember auf 19,7 Punkte und damit auf den höchsten Wert seit April 2023, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage mitteilte. Zu diesem Anstieg haben alle Wirtschaftsbereiche beigetragen. „In den kommenden Monaten dürfte sich die Inflationsrate bei etwa 2,5 Prozent und damit über dem Ziel der Europäischen Zentralbank einpendeln“, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Die EZB strebt einen Wert von zwei Prozent an. Im
Deutschlandticket treibt die Inflation
Dezember verbilligte sich Energie zwar erneut. Allerdings fiel der Rückgang mit 1,6 Prozent zum Vorjahresmonat nicht mehr so stark aus wie im November mit 3,7 Prozent. Erdgas verteuerte sich dabei um 3,9 Prozent, Fernwärme sogar um 30,7 Prozent. Nahrungsmittel kosteten 2,0 Prozent mehr. Dienstleistungen verteuerten sich mit 4,1 Prozent noch deutlicher. Die Preisaufschläge fielen hier vor allem bei Versicherungen (plus 16,6 Prozent), Flugtickets (plus 9,3 Prozent), Gaststätten (plus 6,6 Prozent) oder die Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (plus 5,7 Prozent) überdurchschnittlich aus.
Wegen mehrerer Sondereffekte ist auch im Januar noch keine Entspannung bei der Teuerung in Sicht. Allein die Preiserhöhung für das Deutschland-Ticket um 18 Prozent auf 58 Euro im Monat dürfte die Inflationsrate um 0,1 Prozentpunkte steigen lassen, sagt Ökonom Sebastian Becker von Deutsche Bank Research voraus.
Energie wird wieder teurer
Hinzu kommt noch eine höhere CO2-Bepreisung, die mit Jahresbeginn von 45 auf 55 Euro pro ausgestoßener Tonne gestiegen ist. „Das wird die Preise für Kraftstoffe, Heizöl und Gas moderat erhöhen“, betonte Ökonom Becker. Auch Kfz-Versicherungen dürften wegen teurer gewordener Reparaturleistungen und Ersatzteile erneut spürbar mehr kosten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im vergangenen Jahr wegen des nachlassenden Inflationsdrucks ihren Leitzins viermal gesenkt – auf aktuell 3,00 Prozent.
Ökonomen gehen davon aus, dass er angesichts nachlassender Inflationsrisiken 2025 schrittweise auf 2,0 Prozent gedrückt wird. Die EZB strebt eine Teuerungsrate von zwei Prozent an.
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