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Währungsunion Die Lebenslügen des Euro

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Lebenslüge 4: Statistik lügt nicht

ILLUSTRATION - Eine Quelle: dpa

Heute sind alle schlauer. Griechenland hätte nie in den Euro gedurft, sagen rückblickend Altkanzler Helmut Kohl ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sieben Mal in Folge, von 1997 bis 2003, meldeten die Griechen falsche Defizitzahlen nach Brüssel. In den Jahren 1998 und 1999, die als Referenzwert für den Euro-Beitritt galten, lag das Defizit in Wirklichkeit deutlich über den maximal erlaubten 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Als der griechische Schwindel 2004 schließlich aufflog, war die Aufregung in Brüssel und den Einzelstaaten groß. Von Sanktionen war die Rede, etwa der Sperrung von Fördergeldern. Doch passiert ist nie etwas, mangels juristischer Handhabe. Mit so dreister Schummelei hatten die Gründerväter des Euro nicht gerechnet, obwohl auch andere – und sogar die Deutschen – in kreativer Buchführung Zuflucht suchten, um die Hürde zu nehmen.

Griechische Mauscheleien

Mittlerweile ist allerdings auch klar, dass die griechischen Mauscheleien in den EU-Hauptstädten schon sehr viel länger bekannt waren. Den Beamten der EU-Kommission fiel regelmäßig auf, dass die Zahlen nicht zusammenpassten. Bei den Sitzungen der europäischen Finanzminister kam das Thema auch immer wieder hoch. "Richtig auseinandersetzen wollte sich damit niemand", erinnert sich einer, der dabei war. "Das Thema wurde abgetan nach dem Motto, die Griechen sind halt Schlawiner." Insgeheim hofften alle, dass ein so kleines Land keine Auswirkungen für die gesamte Währungszone hat. Eine Fehleinschätzung, wie sich gezeigt hat. Hinzu kam politischer Druck von ganz oben.

Die Währungsunion, so die politische Vorgabe, sollte möglichst viele Staaten umfassen. Helmut Kohl machte deutlich, dass er wenig hielt von einer Debatte über die Euro-Tauglichkeit von Staaten wie Belgien und Italien, deren Staatsdefizite schon damals die Marke von 100 Prozent überschritten, obwohl nur 60 Prozent zulässig waren (und sind). "Es ist das deutsche Interesse, dass möglichst viele Länder die Kriterien erreichen", betonte Kohl im Herbst 1995. Dass die Euro-Geldscheine von Anfang an mit der griechischen Bezeichnung Evro konzipiert wurden, obwohl Griechenland noch gar nicht Mitglied in der Euro-Zone war, spricht für sich.

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