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  4. Dollar-Wechselkurs: Warum der US-Dollar schwächelt

WechselkurseDarum dürfte der Dollarkurs weiter fallen

Steigende Zinsen, Inflation und geopolitische Krisen haben den US-Dollar im vergangenen Jahr nach oben getrieben. Jetzt geht es für den Greenback in die andere Richtung, schreibt der Analyst Gene Frieda in einem Gastbeitrag.Gene Frieda 14.02.2023 - 10:09 Uhr

Warum der Dollar schwächer wird.

Foto: Getty Images, WirtschaftsWoche

Anleger betrachten den Wechselkurs des US-Dollar in der Regel aus einer auf die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve fokussierten Perspektive. Und Fakt ist: Der offensive Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank im vergangenen Jahr hat zur Aufwertung des Greenback beigetragen. Dass der Dollarkurs jedoch unverhältnismäßig stark um 25 Prozent stieg, war in erster Linie der Inflation und den geopolitischen Schocks geschuldet.

Nun hat die Angst vor Inflation und unkontrollierten militärischen Konflikten nachgelassen. Das schwächt den Dollar, bringt den Schwellenländern eine dringend benötigte finanzielle Entlastung und reduziert den Straffungsdruck auf andere Notenbanken.

Blicken wir zurück: Über weite Teile des Jahres 2022 suchten die Anleger Schutz vor einem seltenen Zusammentreffen unterschiedlicher Schocks, die das Wirtschaftswachstum bremsten und die Inflation in die Höhe trieben. An den Renten-, Devisen- und Aktienmärkten stieg gleichermaßen die Volatilität, und der Dollar – die wichtigste Reservewährung der Welt – setzte sich einmal mehr als sicherer Hafen durch.

Zur Person
Der Ökonom Gene Frieda ist Global Strategist der Vermögensverwaltungsgesellschaft PIMCO und Senior Visiting Fellow an der London School of Economics.

Zudem spielte die Fed zwar die Hauptrolle bei der Festlegung des Zeitpunkts und des Ausmaßes der Zinserhöhungen, doch von den globalen Krisen ökonomisch betroffen waren vor allem Asien und Europa. Dank ihrer Energieunabhängigkeit und der geografischen Distanz blieb die US-Wirtschaft weniger beeinträchtigt als die Volkswirtschaften der meisten anderen Länder.

Europa stand vor der existenziellen Bedrohung, den Zugang zu seiner wichtigsten Energiequelle zu verlieren. In Umfragen fielen die Vertrauensindikatoren weitaus stärker als die fundamentalen Wirtschaftsindikatoren, was zusätzliche Risikoaufschläge auf europäische Vermögenswerte provozierte. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine löste auch einen Schock hinsichtlich der Handelsbedingungen im Energiebereich aus, der zu einer Neugewichtung der Nachfrage führte. Asiatische und europäische Importeure fossiler Brennstoffe – auch in den USA – begaben sich auf die Suche nach neuen Lieferanten.

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Auch die Politik in zwei Schlüsselländern der Weltwirtschaft trieben den Dollar-Kurs nach oben. Bis Dezember 2022 hielt China an seiner Null-Covid-Politik fest, die einen negativen Nachfrageschock sowohl innerhalb seiner Grenzen als auch in der gesamten Region verursachte. Zu nennen ist aber auch Großbritannien, das mit seinem Haushaltsdebakel im September/Oktober vergangenen Jahres (in dessen Rahmen Liz Truss zur Premierministerin mit der kürzesten Amtszeit wurde) seinen speziellen Beitrag zu einer Rekordnachfrage nach Dollar leistete.

Was ist für den Dollar als Nächstes zu erwarten? In dem Maße, wie die Inflation zurückgeht, werden sich die Wachstumserwartungen tendenziell verbessern, die Unsicherheit abnehmen – und der Dollarkurs fallen. Da die Fed nun eine Pause einlegt oder sogar ein Ende der geldpolitischen Straffung ins Visier nimmt, werden auch alle anderen Zentralbanken auf die Bremse steigen oder eine Pause einlegen. Das lockt Anleger aus ihren sicheren Dollar-Häfen zurück in risikoreichere Anlagen.

Fazit: Solange keinen neuen und unerwarteten Schocks auftreten, dürfte Dollar weiter abwerten, da die Unsicherheit in Bezug auf Inflation und geldpolitische Volatilität abnimmt. Für den Rest der Welt ist diese Abwertung die billigste Form der Konjunkturbelebung überhaupt. Der schwächere Dollar ist eine gute Nachricht für das globale Wachstum.

Copyright: Project Syndicate

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