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Ada-Gründer Nathrath „Wir geben Millionen Menschen medizinischen Rat“

Ada-Co-Gründer Daniel Nathrath Quelle: Ada

Die App des Berliner Start-ups Ada hilft Menschen herauszufinden, welche Krankheit sie haben. Nun starten die Berliner eine Version für Afrikaner – zusammen mit der Bill & Melinda Gates Stiftung. Ada-Co-Gründer Daniel Nathrath über sein Ziel, per App den Ärmsten ärztlichen Rat zu geben.

Herr Nathrath, wenn ich Kopfschmerzen oder Hautausschlag habe, hilft mir Ihre App, die mögliche Ursache zu finden. Nun planen Sie eine Version auf Suaheli. Warum?
Weltweit mangelt es an medizinischem Fachpersonal: Schätzungen zufolge fehlen sieben Millionen Ärzte, um allen Menschen eine medizinische Behandlung zu bieten, 2030 werden es schon 18 Millionen sein. Milliarden Menschen erhalten darum nicht einmal eine grundlegende Gesundheitsversorgung. Das wollen wir ändern.

Wie das?
Wir entwickeln seit acht Jahren eine Handy-App stetig weiter, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Menschen hilft, die möglichen Ursachen ihrer Symptome zu finden. So haben wir weltweit schon mehr als sieben Millionen Mal Menschen medizinisch beraten, auch in Entwicklungsländern. In Indien haben wir schon eine Million Nutzer. Nun entwickeln wir eine Version auf Suaheli, um hundert Millionen Menschen in Afrika, die die Sprache sprechen, Zugang zu einer besseren Diagnose oder überhaupt erstmals eine medizinische Beratung zu bieten.

Eine Handy-App anstelle eines ausgebildeten Arztes – ist das seriös?
Ada basiert auf validiertem medizinischen Wissen. Dahinter stecken acht Jahren Arbeit mit einem Team von inzwischen mehr als hundert hoch ausgebildeten Medizinern, Programmieren und Experten für künstliche Intelligenz. Wir führen immer wieder Tests durch, um die App mit sehr gut ausgebildeten westlichen Ärzten zu vergleichen. Und man kann sagen, dass Ada da nicht schlechter abschneidet.

Wie wollen Sie die App nun nach Afrika bringen?
Wir übersetzen zusammen mit der Schweizer Botnar-Stiftung Ada in Suaheli und erweitern unsere KI um tropenspezifische Krankheiten, angepasst auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung. Zukünftig wollen wir auch Health Worker in Tansania mit der App ausstatten, also Helfer, die bisher nur eine rudimentäre medizinische Ausbildung haben. Mit Hilfe von Ada können sie bald viel bessere Diagnosen erstellen und dann etwa die passenden Medikamente verabreichen.

Auch die Bill & Melinda-Gates-Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates und der Ex-Microsoft-Managerin Melinda Gates fördert Ihre Afrika-Initiative. Wie haben Sie die Milliarden Dollar schwere Stiftung überzeugt?
Ada war und ist in 140 Ländern die Nummer eins unter den Gesundheits-Apps. Gerade wurden wir vom Massachusetts Institute of Technology als eine der besten Initiativen ausgewählt, um die Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern zu verbessern. Das alles hat uns weltweit Aufmerksamkeit verschafft. Vor einer Weile sind wir mit der Gates-Stiftung ins Gespräch gekommen. Deren erste Frage war: Könnt Ihr einer Milliarde Menschen gleichzeitig helfen? Und genau das ist unser Ziel.

Das klingt sehr ambitioniert.
Unser Vorteil ist, dass wir kein teures medizinisches Gerät brauchen. Ada ist leicht skalierbar, denn wer den Dienst nutzen will, muss nur unsere App aufs Handy laden, die auf jedem billigen Smartphone läuft. Afrikaner, die bisher keinen Zugang zur medizinischen Versorgung haben, erhalten mit Ada plötzlich eine so gute Diagnose wie ein Banker in Manhattan oder London.

Sofern die Menschen ein Smartphone haben – und obendrein nicht lieber ihrem Dorfschamanen vertrauen.
Die Zahl der Smartphones in Subsahara-Afrika geht steil nach oben die mobile Vernetzung heute ist himmelweit entfernt von der vor sechs, sieben Jahren. Und die Menschen werden vergleichen: Geht es mir besser, wenn ein Schamane mir die Hand aufgelegt hat oder wenn ich Ada benutzt habe. Das bessere Argument wird sich durchsetzen.

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