BSI geht in die USA: Was Deutschlands IT-Sicherheitsbehörde im Silicon Valley sucht
Die Feier steigt in der Residenz des deutschen Generalkonsuls in San Francisco: Am Freitag, 8. September, gibt Claudia Plattner, die neue Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), den Startschuss für eine verstärkte Präsenz der deutschen IT-Sicherheitsbehörde im Silicon Valley. Gut einen Monat nach ihrem formellen Amtsantritt setzt Plattner damit erste öffentliche Schwerpunkte ihrer Arbeit.
Künftig wird das BSI, gemeinsam mit der Cyberagentur des Bundes (CA), im Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus San Francisco (DWIH) Projektarbeit betreiben. Entsprechende Informationen der WirtschaftsWoche bestätigten Behördenkreise auf Anfrage. Ein Ziel der neuen Präsenz in San Francisco ist es, frühzeitig Trends in der Start-up-Szene und deren mögliche Folgen für die Cybersicherheit aufzuspüren. Basierend auf einer Art Start-up-Atlas sollen die beiden Projektpartner BSI und Cyberagentur zudem der Bundesregierung Entscheidungsgrundlagen für die Forschungsförderung zur Cybersicherheit in Deutschland liefern. Insidern zufolge hatte Plattners Vorgänger, Arne Schönbohm, bereits seit Jahren auf eine feste Repräsentanz im Valley gedrängt, war aber auf anhaltenden Widerstand beim Bundesinnenministerium gestoßen.
Plattner, studierte Mathematikerin und zeitweilig selbst als Softwareentwicklerin tätig, ist derzeit im neuen Amt auf Antrittstour in den USA. Sie trifft dort unter anderem mit den Spitzen mehrerer Techkonzerne und Start-ups zusammen. Die neue BSI-Chefin, die vor dem Wechsel an die Bonner Behördenspitze Generaldirektorin für IT-Systeme bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt war, übernahm die Behördenleitung nach monatelanger Vakanz.
Claudia Plattner, die neue Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
Foto: WirtschaftsWocheEnde 2023 hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser den langjährigen BSI-Chef Schönbohm unter fragwürdigen Umständen aus dem Amt entfernt und zur Bundesakademie für öffentliche Verwaltung versetzt, nachdem der Komiker Jan Böhmermann Schönbohm in einer ZDF-Satiresendung eine gefährliche Nähe zu russischen Geheimdienstkreisen unterstellt hatte. Inzwischen hat das Innenministerium nach monatelangen Ermittlungen eingeräumt, dass alle Vorwürfe haltlos waren. Vor wenigen Tagen hat Schönbohm Klage sowohl gegen das ZDF als auch gegen das Innenministerium eingereicht.
Lesen Sie auch: Eigentlich wollte die Regierung ihre Cyberabwehr unabhängiger aufstellen. Stattdessen hat Innenministerin Faeser das Beamtengesetz ändern lassen, um die neue BSI-Präsidentin jederzeit in den Ruhestand versetzen zu können.