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Digitale OptimistenHype oder Hit? Wie BeReal die Nummer 1 App wurde und genau daran scheitern kann

Anti-Instagram. So bezeichnet sich die neue Social Media App BeReal und schießt damit nach ganz oben in den App Charts. Drei Dinge, die alle Gründer von BeReals Erfolgsrezept lernen können.Alexander Mrozek 23.10.2022 - 09:00 Uhr
Foto: imago images

Was ist die meistgeladene App in der Kategorie Social Media in Apples App Store? Nein, es ist nicht TikTok, auch nicht Instagram oder Twitter. Es ist erst recht nicht Facebook, Clubhouse oder Snapchat. Es ist eine kleine App aus Frankreich namens BeReal.

Was ist BeReal?

Das Prinzip ist ziemlich einfach: Nutzer von BeReal erhalten einmal am Tag die Aufforderung, innerhalb von zwei Minuten ein Foto zu machen. BeReal aktiviert für dieses Foto die Front- und Rückkamera gleichzeitig, so dass nicht nur die Umgebung des Nutzers, sondern auch der Nutzer selbst im Bild ist. Durch diesen Zeitdruck steigt der Realness-Faktor: Das perfekt drapierte Bild mit dem perfekten Make-up, auf dem garantiert alle die Augen geöffnet haben und lächeln, ist schlicht nicht möglich. Das heißt auch: Fotos von Kinder- und Jugendzimmer, Haustieren oder einfach nur User mit Chips auf der Couch. Klingt banal – für viele Nutzer ist das aber gerade der Reiz. Likes gibt es auch nicht und nach 24 Stunden sind die Bilder gelöscht. Die Bilder von Freunden sehen auch nur diejenigen, die in der Zeit selbst ein Bild geschossen haben.

Das charmante Konzept wird aus meiner Sicht aber erst durch eine spezielle Positionierung besonders, denn BeReal beschreibt sich selbst als das Anti-Instagram: „Wenn du ein Influencer werden willst, dann bleib bei TikTok oder Instagram“. Und: „BeReal wird dich nicht berühmt machen“. Wenn man bedenkt, dass viele Start-ups heute ohne die Aufmerksamkeit von Instagram und TikTok schlicht nicht mehr auskommen, wird klar, warum diese Positionierung so außerordentlich ist.

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Kann BeReal dauerhaft erfolgreich sein?

Wenn BeReal das Anti-Instagram ist, fehlt der App dann auch das immense Monetarisierungspotenzial ihrer großen Wettbewerber?

„Wichtiger als die Monetarisierung ist zunächst, dass Nutzer regelmäßig in die App zurückkommen“, sagt Christian Leybold, Partner des Venture Capital Funds Headline im Podcast zu dieser Kolumne. „BeReal verknappt Interaktionen künstlich, so dass User quasi aufhören müssen, wenn es am schönsten ist. Dadurch freuen sie sich schon aufs nächste Mal“. Leybold investiert seit über 20 Jahren in Start-ups und ist überzeugt: „Wenn sich das Konzept als nachhaltig entpuppt und nicht nur aufgrund des Novelty-Effekts fünf, zehn oder 20 Tage für User spannend bleibt, finden sich auch Mittel und Wege, das Format zu monetarisieren. Facebook war am Anfang auch weit weg vom geldverdienen.“

Anders als damals bei Facebook ist heute aber, wie schnell die anderen Social-Media-Player erfolgreiche Konzepte identifizieren und in ihren Apps nachbauen. Instagram kopierte jüngst unter großem User-Aufschrei den Algorithmus von TikTok, Instagram kopierte auch die Stories-Funktion von Snapchat, Twitter launcht mit Spaces einen Clubhouse-Klon und YouTube kopiert mit Shorts ebenfalls das TikTok Format. Genau so ergeht es jetzt dem kleinen Start-up aus Frankreich: Mit TikTok Now bringt der chinesische Social-Media-Gigant ein Copycat-Format an den Start.

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3 Dinge, die Gründer von BeReals Erfolg lernen können

Auch wenn BeReal jetzt gegen die ganz großen Plattformen antritt und der langfristige Erfolg mehr als unsicher ist: Smarte Gründer können vom unkonventionellen Vorgehen viel lernen. Hier sind 3 Learnings.

  1. Nicht vor Anti-Mainstream Botschaften zurückschrecken
    54 Prozent aller US-Teens möchten gerne Social-Media-Influencer werden. Das ist eine gewaltige Zahl und vermutlich nicht verwunderlich, da viele junge Menschen zahllose Stunden auf diesen Plattformen verbringen. Trends entstehen aber häufig nicht im Mainstream, sondern am Rand der Gesellschaft. Mit ihrer radikalen Positionierung als Anti-Instagram erreicht BeReal eine Zielgruppe, die sich nach Authentizität sehnt und schlicht ermüdet ist von perfekten Bildern.
  2. Starke Anreize zur täglichen Nutzung
    Genau wie BeReal setzen auch andere Apps auf künstliche Verknappung und tägliche Reize. Das Scrabble-artige Online-Puzzle Wordle, das vor kurzem von der New York Times aufgekauft wurde, bietet nur ein einziges Puzzle am Tag. Wenn Nutzer mehr wollen, dann müssen sie auf den nächsten Tag warten. Wie würden klassische Handy-Games aussehen, in denen pro Tag nur ein Level spielbar ist? Möglicherweise würden diese Apps ihre Nutzer auch viel länger binden können.
  3. Vor negativen Konsequenzen nicht zurückschrecken
    BeReal bestraft seine User, wenn sie nicht das tägliche Bild knipsen. Das ist ungewöhnlich und deshalb vermutlich so erfolgreich: YouTube will beispielsweise immer mehr watch time aus seinen Usern herausbekommen, weshalb es ständig den Algorithmus verbessert, um relevante Videos vorzuschlagen. BeReal macht das Gegenteil und macht seine App quasi unbrauchbar, wenn man selbst an diesem Tag kein Foto hochgeladen hat. Mit diesem Konzept könnte man genauso eine authentische Dating-App entwickeln, die den Chat mit potenziellen Matches sperrt, wenn man selbst an diesem Tag nichts hochgeladen hat.

Natürlich ist es noch zu früh, um BeReal zum one-hit-wonder oder zum next-big-thing zu stempeln. Kluge Ableitungen, was diese App so besonders macht, lohnen aber dennoch.

Mehr smarte Geschäftsideen, und wie man sie erfolgreich macht, lesen Sie im Blog des Kolumnisten.

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