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Weitere KI-Suche startet in DeutschlandWas taugen die Alternativen zu ChatGPT?

Während Microsoft ChatGPT in seine Suche integriert, bringt nach Google nun auch das Start-up Neeva seine KI-Suche nach Deutschland. Und der Vergleich zeigt: Das Rennen um die KI-Krone ist offen.Michael Kroker 13.02.2023 - 12:00 Uhr

NeevaAI startet in Deutschland

Foto: imago images

Microsoft und Bing, Google und Bard – aktuell vergeht kaum ein Tag ohne Ankündigung rund um die Internet-Suche und generative Künstliche Intelligenz (KI). Mit der werbe- und trackingfreien Suchmaschine Neeva startet am Montag ein weiterer Google-Rivale seine KI-basierte Websuche namens NeevaAI in Deutschland. Seit Dezember 2022 war der Dienst in einer Beta-Phase nutzbar, allerdings nur in den USA.

Mit generativer KI sind spezielle Chat-Algorithmen gemeint, die in Dialogform Fragen beantworten und eigene Texte anhand von Vorgaben der Nutzer formulieren – respektive generieren, also erzeugen – können. Zudem sind sie erstmals in der Lage, auch den Kontext einer Frage einordnen, dadurch können Nutzer etwa Nachfragen an den intelligenten Bot stellen. All dies zeigte erstmals der Sprachbot ChatGPT, der Anfang Dezember 2022 startete und weltweit für Aufsehen sorgte.

Derzeit integriert Microsoft ChatGPT in seine Bing-Suche, Google hat mit seinem Dienst Bard ähnliches vor. Und so fragen sich viele Nutzer: Wo liegen die Unterschiede zwischen den Technologien? Und welcher Bot ist denn nun eigentlich der beste?

Konkurrenz durch ChatGPT

Wer braucht da noch Google?

Seit mehr als einer Dekade dominiert die Alphabet-Tochter die Suche im Internet. Nun aber könnten KI-basierte Sprachbots wie ChatGPT revolutionieren, wie wir Informationen im Netz finden – und den Monopolisten stürzen.

von Michael Kroker, Thomas Kuhn und Andreas Menn

Differenzen zwischen den Diensten gibt es einige. Im Gegensatz zu ChatGPT ermöglicht etwa NeevaAI nicht nur die Abfrage von Informationen per dialogorientiertem Chat-Bot. Der Dienst liefert neben der ausformulierten Antwort auch die dazugehörigen Quellen, die von den relevantesten Webseiten für eine Anfrage zusammengetragen wurden. Das soll Nutzern helfen, die Authentizität und Zuverlässigkeit der zitierten Stellen zu bewerten. Weiterer Unterschied: Während ChatGPT nur auf Daten bis Ende 2021 beruht, durchsuchen die Algorithmen von Neeva täglich Hunderte von Millionen Seiten. Dadurch bietet die alternative Suchmaschine Informationen quasi in Echtzeit an.

Wie das aussieht, zeigt eine Probeabfrage: Die Suche nach „Was sind die beliebtesten Netflix-Serien?“ liefert einen achtzeiligen deutschen Text über „The Witcher“, „Haus des Geldes“, „Stranger Things“ und weitere Beispiele, gefolgt von dem Satz: „Diese Serien bieten eine Mischung aus Drama, Comedy, Coming-of-Age, Thriller, Krimi, Science-Fiction, Fantasy, Superhelden, Horror und historischen Inhalten.“ An zwei Stellen verweisen Zahlen auf Fußnoten, in denen die Quellen des Textes aufgeführt werden, im Beispiel sind es die Webseite der Programmzeitschrift tvspielfilm.de, das Audioportal hifi.de sowie die Musikzeitschrift rollingstone.de.

Vergleich der Rivalen Neeva und You.com

Spannend ist hier der Vergleich mit You.com, dem anderen Newcomer, der seinen KI-Algorithmus YouChat bereits freigeschaltet hat. Das von dem deutschen Informatiker Richard Socher gegründete Unternehmen ist bereits seit vergangenem Jahr am Start. YouChat liefert auf die Frage nach den besten Netflix-Serien eine kurze Auflistung, die mit „Breaking Bad“, „Stranger Things“ und „The Walking Dead“ beginnt. Darunter gibt der Dienst ebenfalls drei Quellen an: Wie der Rivale Neeva die Programmzeitschrift tvspielfilm.de, dazu das Filmportal kino.de sowie die deutsche Ausgabe des Männermagazins GQ.

Suchmaschine

Neeva: Googeln ohne Spitzelei

von Thomas Kuhn

ChatGPT wiederum antwortet auf dieselbe Frage zunächst zurückhaltender, bemerkt erst einmal, dass dies subjektiv sei und von den persönlichen Vorlieben abhänge. Danach präsentiert der Bot aber zehn von Nutzern am häufigsten empfohlene Serien, allen voran „Stranger Things“, „The Crown“ und „The Witcher“ – im Gegensatz zu Neeva und YouChat allerdings ohne Quellen.

Wie die Integration solcher Antworten in die Bing-Suche aussehen soll, lässt sich bereits erahnen. Der Dienst ist in Deutschland noch nicht freigeschaltet, Bing-Nutzer können jedoch schon zwölf Beispielfragen anklicken – und der KI beim Ausformulieren der Antwort zuschauen. Auf die Frage „Zeige mir Bastelideen für ein Kleinkind, die nur Pappkarton, Papier und Schnur benutzen“ zeigt Bing links die herkömmlichen Ergebnisse, also eine Auflistung der vermeintlich besten Links zum Thema. Rechts daneben antwortet der Algorithmus: „Hallo, das ist Bing. Ich kann Ihnen einige Bastelideen für ein Kleinkind zeigen, die nur Pappkarton, Papier und Schnur benutzen“ und führt danach einige ausformulierte Anleitungen für einen Mini-Kicker oder einen Karton-Fernseher aus. Am Ende folgen unter „learn more“ sechs Links als Quellen.

Generative Software statt generative KI

Darüber, wie solche Dienste die Suche im Netz verändern werden, gehen die Meinungen noch weit auseinander. Doch viele Experten glauben: Der neu entfachte Wettbewerb in der Internetsuche könnte für einen Innovationsschub sorgen, wie ihn das Netz seit Beginn der Smartphone-Revolution mit dem Start des iPhones im Jahr 2007 nicht mehr erlebt hat – das jedenfalls erwartet Mark Rolston, Gründer und Chefkreativer von Argodesign, einem Beratungsunternehmen für Produktdesign aus Texas. „In zehn Jahren gibt es keine statischen Apps heutiger Art mehr auf unseren Smartphones“, prophezeit er.

Stattdessen kommuniziere man mit Chatbots beispielsweise über die Gestaltung einer Reise. „Für die einzelnen Schritte wie Flug-, Mietwagen- oder Restaurantbuchung benötigt man heute noch diverse Apps“, führt Rolston aus. „In Zukunft bindet ChatGPT diese zusammen und generiert gewissermaßen eine App in Echtzeit – nur für diesen einen Zweck.“ Das Konzept einer Internet-Suchmaschine werde sich durch solche KI-gestützten Abfragen dramatisch verändern, ist Rolston überzeugt. Im Grunde bedeute dies sogar noch mehr: Generative Software statt nur generative KI – also Software, die jedes Mal neu per Algorithmus erzeugt werde.

Lesen Sie auch: Warum Google mit Bard vorpreschen muss

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