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Nachhaltiger Konsum Sieben Innovationen für ein nachhaltiges 2022

Das Berliner Start-up Made of Air filtert Kohlendioxid. Quelle: Getty Images

Weniger Müll, weniger CO2-Ausstoß: Viele Verbraucher wollen umweltfreundlicher leben. Diese sieben Technologien können dabei helfen.

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Mehr als 500 Milliarden Plastikflaschen werden pro Jahr weltweit verkauft, so Schätzungen der Marktforscher von Euromonitor. Und ein Großteil davon landet auf Müllhalden oder in den Ozeanen. Nur 14 Prozent allen Plastiks wird heute nach Angaben der Vereinten Nationen recycelt. Ein wichtiger Grund: Der Kunststoff PET, aus dem Plastikflaschen hergestellt werden, lässt sich bisher nicht so gut recyceln, dass wieder durchsichtige, lebensmitteltaugliche neue Flaschen daraus hergestellt werden können. 

Das soll sich nun aber ändern: Das französische Unternehmen Carbios hat erstmals Flaschen vorgestellt, die mit einem biotechnologischen Verfahren komplett aus recyceltem PET hergestellt wurden. Die Franzosen nutzen dazu Enzyme, Moleküle also, die in der Natur chemische Reaktionen beschleunigen. Wie winzige Abbruchwerkzeuge helfen sie, PET in seine Grundbestandteile zu zerlegen, also in Ethylenglykol und Terephthalsäure. 

In nur 16 Stunden sind 97 Prozent des Materials auseinandergenommen. Angeblich ist das 10.000 Mal schneller als bei anderen biologischen Recycling-Prozessen, die bisher in Laboren erforscht wurden. Im September hat Carbios eine Demonstrationsanlage eröffnet, die innerhalb eines Tages das Material von 100.000 Flaschen in frisches PET verwandelt. Mit Konzernen wie Nestlé, PepsiCo und L’Oréal hat Carbios Partner, die die Recycling-Flaschen weltweit in Umlauf bringen können.

Dank des Unternehmens Carbios sind solche PET-Flaschen bald wohl besser recyclebar. Quelle: Getty Images

Colorifix

Früher war Kleidung größtenteils grau, schwarz und braun – heute enthält schon ein durchschnittlich gut sortierter Kleiderschrank alle Farben des Regenbogens. Was die Welt bunter macht, macht sie allerdings auch schmutziger: Die Färbemittel, die die Kleidungsindustrie verwendet, sind teilweise giftig und schaden der Umwelt. Laut der Umweltorganisation Ellen MacArthur Foundation gehen weltweit 20 Prozent der Wasserverschmutzung auf die Textilindustrie zurück. 

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    Das britische Unternehmen Colorifix will es besser machen: Das Start-up nutzt Mikroorganismen, um auf biologischem Weg Pigmente für die Textilfärbung herzustellen. Der Prozess soll nicht nur umweltverträglich sein, sondern auch 49 Prozent weniger Wasser und 35 Prozent weniger Strom verbrauchen als chemische Färbeverfahren. Auch der CO2-Ausstoß soll um 31 Prozent zurückgehen. 

    Das Materialforschungsunternehmen Pangaia hat nun erste Kleidungsstücke mit den Colorifix-Farben hergestellt. Darunter etwa ein rosa Kapuzenpullover. Der ist mit 165 Euro zwar noch ziemlich teuer, doch Colorifix verspricht: Sobald die Biofarben in die Massenfertigung gehen, sollen sie auch preiswerter werden.

    Schlecht für Gewässer: Die Textilindustrie sorgt weltweit schätzungsweise für 20 Prozent der Wasserverschmutzung. Quelle: Getty Images

    Lanzatech

    Industrieabgase sind für das Klima ein Problem – für das US-Unternehmen Lanzatech werden sie zum Rohstoff. Die Amerikaner füttern mit den CO2-haltigen Abgasen Bakterien, die in haushohen Tanks schwimmen und sich von dem Kohlendioxid ernähren. Während sie sich vermehren, erzeugen die Einzeller in ihrem Inneren nützliche Stoffe – etwa bestimmte Säuren oder Ethanol, aus denen sich Chemikalien für die Industrie herstellen lassen. 

    Lanzatech hat damit schon Fischfutter entwickelt, Kerosin für Flugzeuge und auch Textilfasern. Nun kann man das recycelte CO2 sogar am Leibe tragen: Zusammen mit der Modekette Zara hat Lanzatech eine Kollektion von Kleidern herausgebracht, die zumindest zum Teil aus den Abgasen eines Stahlwerks hergestellt werden. Die schwarzen Partykleider binden also CO2, das andernfalls in die Atmosphäre entwichen wären. Wird die Mode später recycelt, wandert der Kohlenstoff immer weiter im Kreis, ohne dem Klima zu schaden.       

    Das Unternehmen Lanzatech macht aus Industrieabgasen Kleidung. Quelle: PR

    Made of Air

    Auch das Berliner Start-up Made of Air hat sich die Frage gestellt, wie sich das Kohlendioxid in der Luft wieder herausfiltern und nutzen lässt. Herausgekommen ist ein Prozess, bei dem die Berliner Holzabfälle zunächst in eine Art Holzkohle verwandeln. Aus der wiederum stellen sie Kunststoffe für die Industrie her. Das Kohlendioxid, das die Bäume aus der Luft gesogen haben, wird also im Kunststoff gebunden. 

    Der Autohersteller Audi hat aus dem Material eine CO2-neutrale Fassade für ein Autohaus in München gebaut. Der Modehersteller H&M wiederum hat Sonnenbrillen aus dem Bio-Kunststoff kreiert. Nun will Made of Air seine Produktion ausbauen und weitere nachhaltige Produkte möglich machen.

    Das Berliner Start-up Made of Air filtert Kohlendioxid. Quelle: Getty Images

    Notpla

    Das Start-up Notpla aus London bietet eine weitere Lösung gegen die weltweite Plastikschwemme: Eine Verpackung, die biologisch abbaubar und sogar essbar ist. Das Ausgangsmaterial dafür: braunes Seegras. Die Pflanzen wachsen um bis zu einem Meter pro Tag, brauchen weder Bewässerung noch Dünger und nehmen der Landwirtschaft keine Flächen weg. 

    Notpla hat ein Verfahren entwickelt, um aus ihnen Verpackungsmaterial herzustellen, das sich innerhalb von vier bis sechs Wochen nach dem Wegwerfen zersetzt. Der britische Essenslieferdienst Just Eat hat dieses Jahr begonnen, Mahlzeiten in grauen Seegras-Boxen von Notpla auszuliefern. 

    Notpla stellt aus den Meerespflanzen auch transparente kleine Blasen her, in denen sich etwa Tomatenketchup portioniert aufbewahren lässt. Mit den 12 Millionen Euro, die sie bei ihrer letzten Finanzierungsrunde eingesammelt haben, wollen die Briten nun die Produktion ihrer umweltfreundlichen Verpackung ausbauen.

    Seegras avanciert zum nützlichen Verpackungsmaterial. Quelle: Getty Images

    Sufresca

    Pro Jahr wirft der Durchschnittseuropäer mehr als 35 Kilogramm Obst und Gemüse in den Müll, rechnen Forscher in einer Studie im Magazin Waste Management vor. Das israelische Start-up Sufresca will der Verschwendung nun etwas entgegensetzen. 

    Die Gründer haben eine essbare, biologisch abbaubare Beschichtung entwickelt, mit der sich Früchte und Gemüse überziehen lassen. Wie eine künstliche Barriere beeinflusst die Schicht den Gasaustausch und sorgt so dafür, dass die Lebensmittel langsamer reifen und verderben. 

    Laut den Israelis können die Produkte dank des Schutzfilms teilweise mehrere Wochen länger im Regal bleiben. Auch Plastikverpackungen, wie sie etwa oft bei Gurken verwendet werden, soll der Biofilm ersetzen können. Erst kürzlich hat die französische Regierung solche Verpackungen bei Obst und Gemüse verboten.

    Mit einer neuartigen essbaren Beschichtung bleiben Tomaten auch ohne Plastik länger haltbar. Quelle: Imago

    Tiffin Loop

    Die Coronakrise hat dazu geführt, dass immer mehr Menschen Essen nach Hause bestellen oder abholen, anstatt selbst ins Restaurant zu gehen. Doch mit der wachsenden Bestellfreude steigt auch die Müllmenge. Die Gründer von Tiffin Loop aus Berlin haben nun ein Mehrwegsystem entwickelt, das die Sache nachhaltiger angehen soll. Tiffin Loop verleiht wiederverwendbare Edelstahlbehälter an Restaurants, in denen diese ihre Gerichte verpacken können. 

    Bei der Übergabe des Essens im Restaurant zeigt der Kunde mit einer App von Tiffin Loop seinen persönlichen QR-Code vor. So haben die Gastronomen immer im Blick, wo sich ihre Edelstahlbehälter gerade befinden. Die Kunden haben zwei Wochen Zeit, die Boxen wieder an die Restaurants zurückzugeben, wo sie gereinigt und wieder benutzt werden.

    Die Edelstahlbehälter von Tiffin Loop sollen Essenslieferungen nachhaltiger machen. Quelle: PR


    Mehr zum Thema: Energie wird immer teurer, das verteuert Heizen und die Mobilität. Doch es gibt auch Lichtblicke. Auf welche Innovationen im Bereich klimaneutrale Wirtschaft wir 2022 hoffen dürfen.

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