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Industrie 4.0 Gebt den Maschinen das Kommando

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Die intelligente Fabrik

Die

Kaum einer weiß so gut wie Bauer, vor welcher Herkulesaufgabe die deutsche IT-Branche, Elektrotechniker und den Maschinenbauern stehen. Sie müssen so eng wie nie zuvor zusammenarbeiten, soll Industrie 4.0 Realität werden. Im Zentrum der Idee der Industrie 4.0 steht das Konzept der "Smart Factory" - der intelligente Fabrik.

Was bedeutet Smart Factory?

"Intelligente" Maschinen - das klingt nach Robotern wie in Science-Fiction-Streifen iRobot oder Terminator. Nach Maschinen, die die Fähigkeit erlangt haben, Entscheidungen selbständig zu treffen. Doch das, was im menschlichen Gehirn in Millisekunden abläuft und sich aufgrund von Wissen, jahrelanger Erfahrung oder auch Intuition zu einem Gedanken und einer Entscheidung formt, ist im Reich der Maschinen das Ergebnis einer unfassbar großen Rechenaufgabe. Das vorerst größte Problem sind daher die unglaublichen Datenmengen, die die Maschinen verarbeiten müssen, damit sie entscheiden können, was zu tun ist.

Was heißt schon "große Datenmenge"?

Tausende Sensoren und Chips nehmen Messwerte auf, für tausende unterschiedlicher Teile. Denn auch das ist eine Vision von Industrie 4.0: Kleinserien oder sogar Einzelstücke werden in die Produktion eingebracht wie Massenware. Jedes Bauteil trägt einen Chip, der sagt, was aus ihm werden soll und zu welcher Maschine es dafür zuerst muss. All diese Informationen müssen in Echtzeit verarbeitet und bewertet werden, nur dann funktioniert das Konzert der Maschinen reibungslos. Stefan Heng, Autor der Studie "Industrie 4.0" von Deutsche Bank Research ist skeptisch: "Das stellt eine erhebliche Anforderung an die IT-Systeme dar." Das gesamte Konzept der Industrie 4.0 stehe und falle damit, ob man der Datenauswertung (Big Data) Herr werde. Bauer ist zuversichtlich. Die Frage müsse schließlich heißen: Was ist groß? "Vor zwanzig Jahren war ein Megabit riesig – heute passen zig Gigabyte auf ein Smartphone. Ich glaube, dass das, was wir heute als ‚große Datenmengen‘ bezeichnen, in wenigen Jahren Kinderkram ist.“

Eine Weltsprache für Maschinen

Das zweite große Problem: Alle Maschinen müssen dieselbe "Sprache" sprechen. Bosch-Rexroth arbeitet an einer solchen gemeinsamen Sprache für Maschinen. Gelingt es nicht, sich Industrie-weit auf eine oder zumindest wenige Standards zu einigen, könnte die komplette Vision der intelligenten Produktion in einem Turm-Bau-zu-Babel-Szenario verpuffen.

Rexroth liefert mit dem Softwareportfolio Open Core Engineering und dessen Schnittstellentechnologie Open Core Interface (OCI) einen ersten Ansatz um verschiedene Programmiersprachen zusammenzubringen. Ein Beispiel: Als Software für Messe- und Prüfmaschinen, die dafür sorgen, dass Bauteile auch genau den geforderten Belastungen standhalten, hat sich weltweit das Programm LabView durchgesetzt. Der einzige Nachteil bislang: Die Maschinenhersteller mussten zusätzlich zu LabView auch immer die Maschinensteuerung programmieren und die beiden Programme miteinander koordinieren. Dafür gibt es keine Standardschnittstellen. LabView- und SPS-Spezialisten mussten sich abstimmen, dann ihre jeweiligen Programme schreiben und sie abschließend darauf testen, ob sie auch wirklich Hand in Hand funktionieren.

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