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ACC, ESP und Co Was Fahrassistenten heute schon können – und was nicht

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Notbremsassistent und Abstandsregler

Notbremsassistent: Der Unverzichtbare

Das kann es: Notbremsassistenten gibt es in zwei Ausprägungen. Die technisch einfachere Variante wird in der Regel als „City-Notbremsassistent“ oder unter ähnlichen Bezeichnungen angeboten. Das System erkennt Fahrzeuge sowie zum Teil Fußgänger und das bis zu Geschwindigkeiten von 30 bis 60 km/h. Hierzu reichen eine einfache Kamera und Umfeldsensoren aus. Richtige Notbremsassistenten funktionieren sogar bei höheren Geschwindigkeiten – benötigen aber zur genauen Bestimmung des Abstands mindestens eine Stereo-Kamera oder ein Radarsystem.

Mit welchen Assistenzsystemen haben Sie bereits Erfahrungen gemacht?

„Erkennt ein Notbremsassistent eine bevorstehende Kollision, leitet er je nach Auslegung des Autobauers eine Teil- oder Vollbremsung ein“, sagt Heiko Wolframm. „Selbst wenn der Unfall dann nicht mehr verhindert werden kann, ist das Beste, was sie tun können, Energie – sprich Geschwindigkeit – abzubauen.“

Wichtig: Bremsassistenten und Notbremsassistenten sind zwei unterschiedliche Systeme. Bremsassistenten, die seit 2011 in Neuwagen vorgeschrieben sind, erkennen anhand der Geschwindigkeit, mit der der Fahrer auf das Bremspedal tritt, dass es sich um eine Notbremsung handelt und bremst dann mit dem maximal möglichen Bremsdruck – egal wie stark der Fahrer das Pedal tritt. Auf Kameras achtet der Bremsassistent aber nicht.

Das kann es nicht: Einige (ältere) Systeme können nur große Hindernisse wie etwa Autos und Lkws erkennen – nicht aber Fahrräder, Motorräder oder Fußgänger. Knifflig ist zudem die Lage an Kreuzungen: Übersieht der Fahrer beim Linksabbiegen ein entgegenkommendes Auto, können moderne Assistenten den Wagen rechtzeitig anhalten – aber nur, wenn sich der Computer sicher ist, dass der Wagen auf der eigenen Fahrspur zum Stehen kommt. Nicht aber auf der Gegenspur – aus rechtlichen Gründen.

Noch viele Hürden für selbstfahrende Autos

Zudem haben sowohl Kamera- als auch Radarsysteme jeweils Vor- und Nachteile – nicht nur bei den Notbrems-, sondern bei allen weiteren Assistenten. Radarsensoren messen den Abstand zentimetergenau, während bei den Kameras erst der Computer die passenden Daten aus dem Bild errechnen muss. Doch das Radar braucht ein gutes Echo, wie es glatte Oberflächen an Autos liefern – nicht aber Menschen oder Tiere. Das können Kameras, doch auch die funktionieren nicht immer zuverlässig. „Die potenziellen Grenzen eines kamerabasierten Systems kann ich mir als Fahrer selbst vor Augen führen: Wenn es dunkel ist, die Scheibe verdreckt, eine Fliege vor der Linse klebt oder ich von der tiefstehenden Sonne geblendet werde, auch ein kamerabasiertes System nicht zuverlässig funktionieren“, sagt Wolframm.

Der Fahrer sollte sich genau informieren, welche Systeme ein Auto an Bord hat und in welchem Umfang diese funktionieren. Doch das ist zum Teil gar nicht so einfach. „Die Systeme sind heute so komplex, dass ein Verweis auf die Betriebsanleitung nicht mehr reicht“, sagt DVR-Experte Stankowitz. „Dort sind alle verfügbaren Fahrassistenten beschrieben und nicht nur diejenigen, die in dem jeweiligen Fahrzeug verbaut sind. Hier sind die Autobauer und Händler gefordert.“ Laut ADAC-Experte Wolframm kann jeder Autokäufer eine hinreichende Einweisung durch den Händler erwarten und sollte diese auch einfordern – egal ob es sich um einen Neu- oder Gebrauchtwagen handelt.

Das sind die innovativsten Premium-Autobauer
Platz 10: PorscheIn Zeiten des technologischen Umbruchs spielen Innovationen für die Automobilhersteller eine immer stärkere Rolle. Das zeigt das Allzeithoch von über 1.516 Innovationen, die die Autobauer im vergangenen Jahr hervorgebracht haben – 2014 waren es noch 1.254 Innovationen. 606 der Neuheiten entfallen auf 19 Premiumhersteller, die das Center of Automotive Management jetzt ausgewertet und in der Studie Automotive Innovations zusammengefasst hat. Mit 19 Indexpunkten eröffnet Porsche die Top Ten. Eine wichtige Innovation des Sportwagenbauers war der neue Basismotor des 911 – das Drei-Liter-Turbo-Triebwerk verbraucht trotz 20 PS mehr Leistung 13 Prozent weniger Benzin. Quelle: dpa
Platz 9: LincolnJede einzelne Innovation, definiert als Verbesserung des Kundennutzens, wurde vom CAM anhand ihres Innovations- und Reifegrads nach gleichem Muster gewichtet. Dazu hat Institutsleiter Stefan Bratzel den MOBIL-Ansatz entwickelt – Maturity (Reifegrad), Originality (Originalität), Benefit (Kundennutzen) und Innovation Level (Innovationsgrad). Aus der Summe der gewichteten Einzelinnovationen wird das Ranking der Marken errechnet. Bei der zu Ford gehörenden Premiummarke Lincoln ergibt das 20 Indexpunkte und Rang 9. Eine der Innovationen von Ford-Chef Allan Mullaly: Der Abstandsregeltempomat des Continental verfügt nun über eine Stop & Go Funktion, das heißt das Fahrzeug kann dem Vordermann bis zum kompletten Stillstand folgen, und anschließend von alleine wieder die Fahrt aufnehmen. Quelle: dpa
Platz 8: CadillacMit 22 Indexpunkten kann sich Cadillac knapp vor Lincoln und Porsche behaupten. Bis zu Platz 7 ist der Abstand aber groß. Ein Beispiel für eine Cadillac-Innovation: Die Limousine CT6 verfügt über einen Parklenk-Assistenten mit Bremsfunktion. Quelle: AP
Platz 7: Land RoverAuf die Dreiergruppe mit jeweils rund 20 Punkten folgt ein Trio mit je rund 40 Indexzählern. Den Anfang mach Land Rover mit 38 Punkten. Eine Innovation im Land Rover Discovery Sport ist die All Terrain Progress Control (ATPC). Dieses System hält – ganz ähnlich zu einem Tempomat – die Geschwindigkeit zwischen zwei und 30 Stundenkilometern auf jedem Untergrund konstant und hilft so unerfahrenen Fahrern, den Discovery Sport sicher durch das Gelände bewegen zu können. Quelle: dpa
Platz 6: VolvoVolvo kann die starke Performance des letzten Jahres (Rang 4) nicht wiederholen und büßt mehr als ein Drittel der Innovationspunkte ein – 2015 kommen die Schweden noch auf 38 Punkte. Im S60 T6 Twin Engine kombiniert Volvo einen 2-Liter-Benziner mit 238 PS und einen 68 PS starken Elektromotor. Die Innovationsstärke liegt weniger im Normverbrauch von zwei Litern – dieser ist bei Plug-in-Hybriden meist unrealistisch niedrig. Interessanter ist, dass sich der Akku (elektrische Reichweite: 53 Kilometer) relativ schnell an einer Haushaltssteckdose wieder aufladen lässt. Quelle: REUTERS
Platz 5: JaguarMit 42 Indexpunkten belegt Jaguar den fünften Rang. Die Top-Innovation der Briten ist die Verkehrszeichenerkennung in der Limousine XF – der Jaguar erkennt nicht nur die maximal erlaubte Geschwindigkeit und zeigt sie an, sondern kann auch das Fahrzeugtempo selbst darauf anpassen. Es macht übrigens keinen Unterschied, ob Jaguar und Land Rover getrennt oder zusammen aufgeführt werden – selbst mit den aufsummierten 80 Indexpunkten bleibt es bei Rang fünf. Quelle: REUTERS
Platz 4: TeslaMit 81 Indexpunkten kann sich Tesla knapp vor einem gemeinsam aufgeführten Jaguar Land Rover halten. Die Falcon-Wing-Türen des Model X sehen nicht nur extravagant aus, sondern haben auch zahlreiche Innovationen in sich – etwa spezielle Ultraschall-Sensoren, die beim Öffnen und Schließen Kollisionen mit Hindernissen verhindern sollen – bei niedrigen Decken öffnen sich die Türen etwa mit einer anderen Bewegung als in schmalen Parklücken. Quelle: dpa

Das kostet es: Bei immer mehr Neuwagen gehören die Notbremsassistenten zum Serienumfang. Wenn nicht, sind sie in den einfachen Assistenz-Paketen für wenige hundert Euro enthalten. Also nicht am falschen Ende sparen. In einigen Ländern gibt es sogar Bestrebungen, den Notbremsassistenten bis 2020 verpflichtend vorzuschreiben.

Abstandsregler: Der Komfortable

Das kann es: Der Name ist Programm: Das System hält den eingestellten Abstand zum vorausfahrenden Auto und bremst oder beschleunigt den Wagen entsprechend. Der Abstandsregler ist quasi eine Erweiterung zum Tempomat: Anstatt nur eine Geschwindigkeit zu halten, passt sich das Auto dem fließenden Verkehr an. Der Abstand wird meist über ein Radarsystem gemessen, das genauer als eine Frontkamera ist. Teilweise arbeiten aber auch beide Systeme zusammen – wenn eben vorhanden.

Das kann es nicht: Das volle Potenzial können Abstandsregler nur mit einem Automatikgetriebe erreichen. Für moderne Systeme ist es kein Problem, das Fahrzeug bis zum Stillstand abzubremsen – nur wenn es davor im sechsten Gang einer Handschaltung fährt, ist das nicht möglich. Zudem erfasst das Radar nur den Vordermann und kann so die Aufmerksamkeit des Fahrers nicht vollständig ersetzen. Dieser kann zum Beispiel an dem vorausfahrenden Auto vorbei bereits das Stauende sehen und rechtzeitig selbst bremsen.

Das kostet es: Vor wenigen Jahren waren Abstandsregler noch sehr teuer und nur in Oberklasse-Autos zu finden. In der Mercedes E-Klasse kostet das „Distronic“-System noch über 1000 Euro, im VW Golf gibt es die ACC (Adaptive Cruise Control) für 575 Euro, beim Skoda Superb sogar für nur 320 Euro (bis 160 km/h, Variante bis 210 km/h kostet 820 Euro).

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