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Wirtschaft von oben #108 – Suezkanal Nach über 100 Tagen darf die „Ever Given“ weiterfahren

18.05.2021: Der Verkehr im Suezkanal fließt wieder, nur die im Bild rot eingekreiste „Ever Given“ darf nicht weiterfahren. Quelle: LiveEO/Sentinel

Die „Ever Given“ ist wieder frei. Nachdem Kanalbehörde und Schiffseigner sich in ihrem Streit um die Kosten für die Blockade geeinigt haben, darf das Containerschiff am Mittwoch seine Fahrt endlich fortsetzen. Über 100 Tage lag der Frachter im Suezkanal, wie exklusive Satellitenbilder zeigen. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.

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Die Crew der „Ever Given“ hatte in den vergangenen Wochen nicht viele dringende Aufgaben. Sicherheitsübungen, Probealarme und Wartungsarbeiten bestimmten den Alltag der 25-köpfigen Besatzung an Bord, sagt eine Sprecherin des Schiffsbetreibers BSM. Größere Fahrmanöver konnten sie über Wochen nur in der Theorie üben. Denn die „Ever Given“ steckt noch immer fest. Seit Ende März liegt sie im Great Bitter Lake, auf deutsch „Großer Bittersee“, nur wenige Kilometer entfernt von der Stelle, an der das Containerschiff vor drei Monaten den Suezkanal blockiert hatte.

Die Suezkanal-Behörde hatte das Schiff offiziell beschlagnahmt, nachdem es sich im Kanal quergestellt, die Kanalwände schwer beschädigt und für Tage den Verkehr durch eine der wichtigsten Seestraßen der Welt blockiert hatte. Rund 30.000 Kubikmeter Land mussten die Bergungsteams wegbaggern, um das 400 Meter lange und 224.000 Tonnen schwere Containerschiff freizubekommen.

Die Kosten dafür verlangte die Behörde vom Schiffseigner zurück. Inklusive entgangener Gewinne und Imageschaden forderte die staatliche Behörde zunächst mehr als 916 Millionen Dollar vom japanischen Schiffseigner Shoei Kisen Kaisha. Dann senkte die Kanalbehörde ihre Forderung auf 550 Millionen Dollar.

Nun haben sich die beiden Parteien endlich geeinigt. Auf welche Summe, ist nicht bekannt. Zuletzt hatte der japanische Schiffseigner rund 150 Millionen Dollar geboten.

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    Für die „Ever Given“ heißt das: Sie darf ihre Fahrt endlich fortsetzen. Am Mittwoch will die Suezkanalbehörde in einer offiziellen Zeremonie die dazu nötigen Papiere unterschreiben, sagte der Chef der Kanalbehörde im ägyptischen Fernsehen. Danach darf der Frachter seine Anker lichten und den Suezkanal verlassen.


    Für Ägypten ist die Wasserstraße ein stattlicher Geldbringer. Etwa 250.000 Euro kostet eine Durchfahrt, die Suezkanal-Behörde machte im vergangenen Jahr 5,61 Milliarden Dollar Umsatz. Der Kanal gehört damit zu den wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Aber immerhin ersparen sich die Schiffe so 6500 Kilometer Seeweg um Afrika herum und damit Geld und Zeit. Pro Tag durchqueren etwa 50 Schiffe den Suezkanal. Entsprechend schnell stauten sich im März Hunderte Schiffe vor den Einfahrten des Suezkanals, wie die Satellitenbilder zeigen.


    Der Stau sorgte noch für Wochen für Verspätungen in der globalen Schifffahrt. Auch an den nordeuropäischen Häfen führte die Suezkanal-Blockade zu Problemen. Die Häfen kämpften mit dem hohen Containeraufkommen, nachdem zunächst keine und dann alle Schiffe auf einmal ankamen.


    Immerhin: die Kunden der aufgestauten Schiffe konnten ihre Container mittlerweile entgegennehmen. Für diejenigen, die Waren auf der „Ever Given“ geladen haben, sieht das anders aus. Das Schiff hat eine Kapazität von über 20.000 Standardcontainern und soll Produkte im Wert von einer Milliarde Dollar geladen haben.


    Wegen des Unfalls hat der Schiffseigner Shoei Kisen Kaisha hat eine sogenannte „Havarie grosse“ angemeldet. Per Definition liegt so ein Fall vor, wenn der Kapitän eines Schiffes aufgrund einer Gefahrensituation außergewöhnliche Aufwendungen zum Beispiel zur Bergung oder Aufopferungen wie die Flutung von Laderäumen bei Feuer veranlassen musste. Die dabei entstehenden Schäden und Kosten werden auf den Schiffseigner und die Ladungseigentümer aufgeteilt.

    Das heißt: Selbst wenn die „Ever Given“ jetzt ihre Fahrt fortsetzen und in einigen Tagen in ihren Zielhäfen Rotterdam und Hamburg einlaufen kann, bekommen die Kunden nicht automatisch ihre Container. Wegen der „Havarie grosse“ müssen sie Sicherheitsleistungen hinterlegen. Normalerweise übernehmen Versicherer diese Kosten. Doch vor allem kleinere Händler verfügen nicht zwingend über die nötigen Versicherungsverträge. Sie müssen sich nun überlegen, ob sie es sich überhaupt leisten können, ihre Container von der „Ever Given“ anzunehmen.

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    Ägypten zieht immerhin bereits Konsequenzen aus der tagelangen Blockade: Die Suezkanal-Behörde will den südlichen Teil der Wasserstraße, der bisher nur einspurig befahrbar ist, vertiefen und erweitern.

    Die Rubrik entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Start-up LiveEO – dieses ist eine Beteiligung der DvH Ventures, einer Schwestergesellschaft der Holding DvH Medien, ihrerseits alleiniger Anteilseigner der Handelsblatt Media Group, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

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