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AbgasskandalWeitere Klage gegen VW setzt auf neue Masche

Bislang haben sich Kläger in Deutschland im VW-Abgasskandal vor allem auf Sachmängel oder arglistige Täuschung berufen. Eine neue Klage setzt bei der erforderlichen Typgenehmigung an – mit offenem Ausgang. 03.01.2017 - 11:39 Uhr

Der Dieselskandal ist für VW noch lange nicht ausgestanden.

Foto: dpa

Volkswagen bekommt es bei Schadensersatzforderungen in der Abgasaffäre mit einer neuen Argumentation von Klägern zu tun. Der Rechtsdienstleister MyRight reichte am Dienstag beim Landgericht Braunschweig die erste Musterklage gegen den Wolfsburger Konzern ein.

Darin argumentieren die Vertreter der auf Verbraucherschutzklagen spezialisierten US-Kanzlei Hausfeld damit, dass die Betriebserlaubnis für einen Wagen vom Typ VW Eos durch den Einbau einer verbotenen Abschalteinrichtung erloschen sei und der Wagen nie hätte in Verkehr gebracht werden dürfen. Der Kläger verlangt von Volkswagen die Rücknahme seines Fahrzeugs und will den vollen Preis erstattet haben.

Weitere Musterklagen sollen in den nächsten Tagen bei Gerichten in Berlin und München eingereicht werden. Nach Ansicht der Anwälte sind die für die betroffenen Fahrzeuge ausgestellten technischen EG-Übereinstimmungsbescheinigungen wegen der Abgasmanipulation falsch und damit ungültig. Mit diesen Bescheinigungen werden Fahrzeuge EU-weit zugelassen. Zudem sei Volkswagen beim Verkauf der Wagen nicht im Besitz der erforderlichen Typengenehmigungen gewesen, da diese durch den Einbau verbotener Abschalteinrichtungen erloschen seien. Die Typengenehmigung werde auch durch die Reparatur der Fahrzeuge nicht wieder gültig.

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Damit nutzt die Kanzlei einen anderen Hebel als etwa Anwälte, die VW oder Autohändlern in Deutschland Sachmängel oder arglistige Täuschung vorwerfen.

Sollten die Braunschweiger Richter der Argumentation von MyRight folgen, könnten sich weitere Kläger anschließen. Auf diesem Weg könnte VW zur Entschädigung einer größeren Zahl von Kunden gezwungen werden. Damit wäre eine Art Sammelklage erreicht, die es in Verbraucherschutzfragen nach deutschem Recht bisher nicht gibt.

Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck der US-Umweltbehörden zugegeben, die Stickoxidwerte von Dieselautos durch eine spezielle Software manipuliert zu haben. Weltweit sind davon rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen, allein in Europa sind es rund 8,5 Millionen. Während die Kunden in den USA von VW entschädigt werden, sollen die Käufer in Europa leer ausgehen. Hier argumentiert VW, die in den Fahrzeugen mit dem betroffenen Motor vom Typ EA 189 enthaltene Software stelle keine unzulässige Abschalteinrichtung nach europäischem Recht dar.

Es ist heiß, sehr heiß. Eben hat das Thermometer 35 Grad Celsius gezeigt, dann 38 und beim Mittagsstopp in einer namenlosen Restauration im Nordwesten von Südafrika sind es beim Einstieg in den Probanden 42 Grad Celsius. Der 4,86 Meter lang Prototyp sieht trotz der wilden Klebefolien sportlich und elegant aus. Gerade seine flache Front mit den serienmäßigen LED-Augen gefallen. Wem kommt da nicht der Audi A7 oder der neue Opel Insignia in den Sinn?

Foto: Volkswagen

So will Volkswagen, in 2016 durch Dieselgate und Personalkapriolen arg gebeutelt, effektvoll zurück auf die Bildfläche. Da das überalterte Luxusmodell Phaeton keinen Nachfolger bekommt, soll es zumindest in Europa ein edler Bruder des Passat richten. Die technische Plattform von Passat und Arteon ist zwar identisch, „doch wir haben vieles grundlegend verändert“, erklärt Baureihenleiter Elmar Licharz, „Radstand und Spur sind völlig anders. Die Coupélimousine Arteon hat serienmäßig 18-Zöller. Wer will, bekommt sogar 19 und 20 Zoll.“ Nicht nur Dienstwagenfahrer sollen Lust bekommen auf den Passat-Bruder, der sich weit mehr als sein Vorgänger VW CC vom Passat-Einerlei abheben soll.

Foto: Volkswagen

„Wir könnten uns im Arteon durchaus auch einen Sechszylinder vorstellen“, macht Licharz aus seinem Wunsch keinen Hehl, als er bei sengender Hitze einen tiefen Schluck aus der Wasserflasche nimmt, „wir müssen jedoch genug Kunden finden und einen Businesscase hinbekommen.“ Das ist bekanntermaßen nicht leicht, denn das Premiumtriumvirat aus Audi, BMW und Mercedes liegt bei den Einkaufslisten der Kunden zumeist in weiter Ferne.

Foto: Volkswagen

. VW-Entwicklungsvorstand Dr. Frank Welsch will ebenfalls ein entsprechendes Topmodell: „Hier in Südafrika haben wir bei den Erprobungen auch ein Fahrzeug mit einem V6-Motor dabei. Passen würde der bestens in den Arteon; doch es muss sich für uns rechnen.“ Das erwartete Topmodell wird dann von einem 2,5 Liter großen Sechszylinder-Turbomotor angetrieben, der seine rund 350 PS über ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe mit rund 500 Nm maximalem Drehmoment an alle vier Räder überträgt.

Foto: Volkswagen

Höchstgeschwindigkeit bei ersten Testfahrten in der Hitze: imposante 301 km/h. der 2,5 Liter große V6-Turbobenziner lässt sich mit überschaubarem Aufwand sogar zu einem noch stärkeren Dreiliter-V6 machen. Das Volkswagen-Team hätte sich für den Arteon, der wie Golf, Tiguan, Passat und kommender Polo auf dem variablen Querbaukasten beruht, sogar den Fünfzylinder-Turbo aus dem Hause Audi vorstellen können. Doch die Konzernschwester aus Ingolstadt wollte mehrere Millionen Euro als Nutzungsgebühr.

Foto: Volkswagen

Das Gros des Motorenspektrums wird sich in Europa jedoch bei den Vierzylinder-Dieseln abspielen, die 150, 190 und 240 PS leisten. Ergänzend gibt es die Vierzylinderbenziner, die man aus Konzernmodellen wie VW Passat oder Audi A4 kennt. So hält beim Arteon auch der im Realverbrauch besonders sparsame Zweiliter-B-Zyklus-Motor aus dem A4 Einzug, der mit seinen 190 PS gerade einmal fünf Liter Super verbrauchen soll.

Foto: Volkswagen

Die Benziner unterhalb des erhofften V6-Triebwerks haben 1,5 bis 2,0 Liter Hubraum und ein Leistungsspektrum von 150 bis 280 PS. Wirkt der 190 PS starke Vierzylinderbenziner auf den rauhen Straßen von Südafrika zwar solide motorisiert, aber etwas blass, kann der 280 PS starke Vierzylinderturbo, den die Amerikaner alternativlos bekommen, deutlich mehr gefallen.

Foto: Volkswagen

Doch so kommod der Arteon auch abrollt und per Kombination aus Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe seine Motorleistung effektvoll auf die Fahrbahn bekommen kann – etwas mehr Klang dürfte der Arteon durchaus haben. „Hier müssen wir noch ran“, räumt Dr. Elmar Licharz ein, „aber das ist die US-Version und der kommt erst in 2018. Wir haben da noch genügend Zeit. Bei den europäischen Modellen sind wir weiter.“

Foto: Volkswagen

Im Sommer 2017 soll es zu Preisen ab 35.000 Euro losgehen. Hinter vorgehaltener Hand erscheint ein zweites Arteon-Modell in Form eines Shooting Brake allemal denkbar.

Foto: Volkswagen

Ein Blick unter die schwarzen Stoffmatten, die das Cockpit und Bedienelemente des Erlkönigs gegen neugierige Blicke schützen sollen. Das meisten kennt man aus dem Passat, wobei der 9,2 Zoll große Multifunktionsbildschirm wie bei allen zukünftigen VW-Modellen schick hinter einer schwarzen Hochglanzscheibe verbaut ist. „Beim Platzangebot sind wir best in class“, ergänzt Elmar Licharz, der keinen Hehl daraus macht, dass auch eine Plug-In-Hybridvariante in Vorbereitung ist. Vorne könnte man durchaus noch etwas tiefer sitzen. Das Platzangebot im Fond ist Dank 2,84 Meter langem Radstand beinahe auf Niveau des klassenhöheren Audi A7, denn der quer verbaute Motor lässt den Innenraum der in Emden produzierten Coupé-Limousine weiter nach vorne rücken. Auch bis 1,90 Meter lässt es sich hinten noch entspannt reisen – getrennt klimatisiert und wohlig von unten gewärmt.

Foto: Volkswagen

Die fünf Zentimeter mehr Radstand im Vergleich zum VW Passat machen sich nicht nur für die Fondpassgiere angenehm bemerkbar. Auch der Federungskomfort gewinnt deutlich und das Geräuschniveau hält sich selbst auf den schlechten Testrouten hier im Nordwesten Südafrikas zurück. Die größeren Modelle sind obligatorisch an Allradantrieb und siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt; für die Einsteiger dürfte es nur Handschalter und Frontantrieb geben. Weit in der Entwicklung scheinen die elektronisch verstellbaren Dämpfer, die sich auf dem Touchscreen ansteuern lassen. Auf Knopfdruck verhärtet sich die Abstimmung, die Motor dreht höher und die Gänge des serienmäßigen Doppelkupplungsgetriebes werden länger gehalten. Einzig die Lenkung scheint sich trotz Sportprogramm kaum zu verändern. Doch viel gibt es beim Arteon für die Entwickler nicht mehr zu tun. Fröhliche Weihnachten nach einem harten Jahr.

Foto: Volkswagen

MyRight vertritt nach eigenen Angaben bereits mehr als 100.000 VW-Kunden, diese Zahl hatte MyRight allerdings auch schon im Juni 2016 genannt. Die Kläger treten ihre Forderung an den Dienstleister ab, der gegen VW klagt. Im Erfolgsfall streicht MyRight 35 Prozent Provision ein.

Hinter MyRight steht die Financialright GmbH mit Sitz in Hamburg. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen ein registrierter Inkassodienstleister.

rtr, ses
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