Daimler Jahreszahlen: Wann endet die Erfolgswelle von Dieter Zetsche?
Dieter Zetsche ist der Mann hinter Daimlers Erfolg.
Foto: REUTERSUnterschiedlicher könnte die Stimmung kaum sein: Noch 2012 brodelte es gewaltig in der Daimler-Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim. Bei wichtigen Modellen hatte Mercedes den Anschluss verpasst. Audi und BMW hatten die Stuttgarter abgehängt – gerade in dem zu jener Zeit gehypten Wachstums-Mekka China. Zudem bekam Vorstandschef Dieter Zetsche die schrumpfenden Gewinne in der für Daimler so wichtigen Autosparte nicht in den Griff. Die Probleme dort lähmten den ganzen Konzern – was wiederum Kritik an Zetsches Führungsstil provozierte.
Die Folge: Der Vertrag des Vorstandsvorsitzenden wurde nicht wie vorgesehen um fünf, sondern nur um drei Jahre verlängert. Eine öffentliche Ohrfeige. Später sickerte durch, dass sogar die drei Jahre ein mühsamer Kompromiss waren – die Arbeitnehmer wollten Zetsche ganz loswerden, Aufsichtsratschef Manfred Bischoff konnte sie aber noch überzeugen. So oder so: Der Chef mit dem charakteristischen Walross-Bart war angezählt, intern wie extern.
Wenn Zetsche jedoch am morgigen Donnerstag in der Stuttgarter Carl-Benz-Arena auf die Bühne tritt, um die Geschäftszahlen für 2015 zu verkünden, wird von den Unruhen des Jahres 2012 nichts mehr zu sehen sein. Mit der neuen S- und C-Klasse hat Mercedes den Nerv der Kernkundschaft getroffen, mit der neuen A- und CLA-Klasse wurde die Marke auch für jüngere Autofahrer attraktiv. Die komplett neuen oder überarbeiteten SUV verkaufen sich ebenfalls blendend.
Autosparte: Vom Sorgenkind zum Wachstumstreiber
1,99 Millionen Autos der Marken Mercedes-Benz und Smart haben die Stuttgarter im vergangenen Jahr abgesetzt – 14,4 Prozent mehr als 2014. Im Dreikampf um die Premium-Spitze hat Daimler die Konkurrenz aus Ingolstadt wieder überholt. 2016 dürfte der Schwung anhalten: Im April rollt die neue Generation der E-Klasse zu den Mercedes-Händlern.
Diese Erfolgssträhne wird sich auch in den Kennzahlen der Jahresbilanz wiederfinden. Von Reuters befragte Analysten rechnen mit einem Umsatz von 147,6 Milliarden Euro (plus 13,7 Prozent). Das Ebit legt sogar um 27,3 Prozent auf 13,7 Milliarden Euro zu – der optimistischste Analyst rechnet gar mit 14,3 Milliarden Euro. In den Prognosen liegt die Umsatzrendite bei 9,4 Prozent, die einst kränkelnde Autosparte steht mit 10,17 Prozent noch besser da – auch im Vergleich zum Wettbewerb.
Keine Hiobsbotschaft in der Autobranche konnte Daimler zuletzt etwas anhaben. Nach dem VW-Skandal sind die Verkäufe von Mercedes-Modellen mit Dieselmotor nicht zurückgegangen, beteuert der Konzern bis heute. Auch das stark abkühlende Wachstum in China hat sich nicht auf die Bilanz durchgeschlagen. Im Gegenteil: Die Marke Mercedes legte dort um stolze 32,6 Prozent zu und verkaufte rund 373.000 Wagen.
Für Mercedes ist die zehnte Generation der E-Klasse ein großer Schritt in die Zukunft: Was die Stuttgarter mit der 2013 eingeführten S-Klasse angefangen haben, setzt die neue E-Klasse eine Nummer kleiner konsequent fort. Sparsame Motoren, ein komfortabler Innenraum mit riesigem Bildschirm und nicht zuletzt unzählige Fahrassistenzsysteme bis hin zum teilautonomen Fahren sollen aus der E-Klasse nicht die beste – dieser Titel bleibt im Daimler-Jargon der S-Klasse vorbehalten –, aber zumindest die intelligenteste Business-Limousine sein. Auf der Automesse in Detroit feierte das neue Modell jetzt seine Weltpremiere.
Foto: DaimlerUm das endgültige Design hat Mercedes ein großes Geheimnis gemacht. Zwar wurden PR-wirksam nach und nach mehr Details preisgegeben – etwa zu den Assistenten oder später zum Innenraum. Vom Exterieur gab es aber bis zuletzt keine richtige Aufnahmen. Anlässlich der letzten Probefahrten in der Wüste wurden lediglich einige Fotos stark getarnter Prototypen veröffentlicht. Jetzt zeigt sich: Erwartungsgemäß setzt die E-Klasse das von S- und C-Klasse begonnene Design-Konzept fort. An die lang gestreckte Motorhaube schließt sich eine flache, fast coupé-artige Windschutzscheibe an. Der hintere Dachbogen ist hingegen stärker ausgeformt – der Kopffreiheit in der zweiten Sitzreihe wegen.
Foto: DaimlerIn der Länge hat das intern W213 genannte Modell um 4,3 Zentimeter zugelegt und misst jetzt 4,92 Meter. Noch etwas stärker ist der Radstand gewachsen, nämlich um 65 Millimeter. Der lange Radstand ermöglicht so kürzere Überhänge vorne und hinten, was aus Sicht der Mercedes-Designer nicht nur besser aussieht, sondern ganz praktisch auch mehr Platz im Innenraum bietet. Noch etwas anderes ist im Vergleich zum Vorgänger kräftig gewachsen: der Kühlergrill. Laut Mercedes-PR macht die "kraftvolle Front" den "Statusanspruch der Business-Limousine deutlich". Je nach Ausstattung sieht der Kühlergrill anders aus. In der Basisvariante und der Line Exclusive prangt der Mercedes-Stern klassisch auf der Motorhaube. Bei den Avantgarde-Modellen und der AMG-Line...
Foto: Daimler...sitzt der Stern nicht auf der Haube, sondern im Grill selbst. So will Mercedes unterschiedliche Kunden ansprechen: Der eine mag es klassisch und komfortabel mit den typischen Tugenden einer Daimler-Limousine. Der andere mag es dynamischer und auch im Auftritt selbstbewusst. Die Unterschiede zwischen Avantgarde und Exclusive hören aber nicht am Kühlergrill auf. Mal geht es im Innenraum technologisch-edel mit viel Alu zu, mal gediegen mit Holzelementen und viel Leder.
Foto: DaimlerIn der E-Klasse feiert auch eine komplett neue Motorengeneration ihre Premiere. Zum Marktstart stehen der E 200 als Vierzylinder-Benziner und der E 220 d mit einem völlig neu entwickelten Vierzylinder-Diesel zur Verfügung. Der Plug-In-Hybrid im E 350 e (im Bild) und weitere Sechszylinder-Modelle kommt später hinzu. Weitere Details zum Antrieb lesen Sie in unserem Interview mit dem Chefingenieur der E-Klasse, Michael Kelz.
Foto: DaimlerDer Hybrid im E 350 e bringt es mit seinem Vierzylinder-Benziner und Elektromotor auf eine Systemleistung von 279 PS und eine rein elektrische Reichweite von 30 Kilometern. Der Verbrauch soll in der Norm-Messung bei 2,1 Litern liegen. Der 184 PS starke Benziner im E 200 ist mit 5,9 Litern angegeben, der für Dienstwagen besonders interessante E 220 d mit 195 PS soll auf dem Prüfstand nur 3,9 Liter verbrauchen. Später folgen ein Sechszylinder-Benziner im E 400 mit 333 PS sowie ein Drei-Liter-Diesel im E 350 d mit 258 PS. Auch nach unten soll das Angebot erweitern werden, etwa mit einem 150-PS-Diesel.
Foto: DaimlerDie sportliche AMG-Line (hier im Bild als E 400) markiert mit diesem Motor das vorläufige Top-Modell. Später wird auch eine echte AMG-Version folgen, die von dem 4,0 Liter großen V8-Biturbo aus dem AMG GT angetrieben wird. Diese Variante wird dann über 500 PS auf die Straße bringen. Der Großteil der Verkäufe wird aber auf die neue Generation des Zwei-Liter-Diesels entfallen, besonders in Europa. Der intern OM654 genannte Motor erfüllt laut Mercedes nicht nur die Euro-6-Norm, sondern ist auch auf die zukünftigen Grenzwerte nach RDE-Gesetzgebung – sprich Straßentests statt der Prüfstandsläufe – ausgelegt.
Foto: DaimlerAuf der Rückbank geht es noch recht klassisch zu: Bequeme Ledersitze, hochwertige Verarbeitung und wegen des längeren Radstands etwas mehr Beinfreiheit. Die größeren Änderungen sind jedoch vorne zu sehen.
Foto: DaimlerStatt Rundinstrumenten (die gibt es nur noch in der Basis-Version) werden Geschwindigkeit und Drehzahl jetzt auf einem riesigen Display angezeigt. Optisch bilden die beiden Monitore für den Fahrer und das Infotainmentsystem eine Einheit, sind aber dennoch technisch getrennt. Das sind die offensichtlichsten Änderungen, der Rest ähnelt bekannten Mercedes-Modellen. Auf den zweiten Blick offenbaren sich jedoch neue Details – am Lenkrad wurden etwa die Pfeiltasten durch berührungssensitive Sensoren ersetzt, mit denen jetzt durch das Menü gewischt werden kann.
Foto: DaimlerDie Bedieneinheiten für die Assistenten und den teilautonomen "Drive Pilot" haben die Ingenieure unauffällig integriert. Mit den ganzen Systemen dürfte sich der Preis der E-Klasse genauso in die Höhe treiben lassen wie etwa mit dem Schichtholz-Furnier und den Burmester-Lautsprechern.
Foto: DaimlerGünstig wird das Vergnügen in der Business-Klasse von Mercedes aber nicht: Bereits für das Einstiegsmodell, den E 200 mit dem 184-PS-Benziner, werden mindestens 45.303 Euro fällig. Der günstigste Diesel steht mit 47.124 Euro in der Preisliste – dafür gibt es den E 220 d mit 195 PS. In diesem Modell arbeitet der neu entwickelte OM654-Motor. Für den V6-Dieselim E 350 d verlangt Mercedes mindestens 55.603 Euro. Letzterer kommt im Juni in den Handel, die beiden Vierzylinder bereits im April Was der E 400 mit V6-Benziner (im Bild) kosten wird, ist noch nicht bekannt.
Foto: Daimler
Zwar muss zur Ehrenrettung der Konkurrenz gesagt werden, dass die Stuttgarter den chinesischen Markt erst spät erschlossen haben und immer noch von dem daraus resultierenden Nachholbedarf – etwa beim wachsenden Händlernetz – profitieren. Dieses Potenzial nutzen Zetsche und seine Mannen aber voll aus.
Dennoch: Die Punkte, die 2012 gegen Zetsche ins Feld geführt wurden, zählen heute für ihn. Er hat innerhalb kürzester Zeit Daimler von einem trägen Konzern in ein gut positioniertes Unternehmen mit attraktiven Modellen gewandelt. Sein einziges Problem: Das Rekordjahr 2015 ist vorbei. Und über 2016 stehen einige Fragezeichen.
Toyota – 1. Halbjahr 2016
Der japanische Branchenprimus, zu dem auch der Kleinwagenbauer Daihatsu Motor und der Nutzwagenhersteller Hino Motors gehören, verkaufte zwischen Januar und Juni global 4,99 Millionen Autos. Das ist ein Rückgang zum Vorjahreszeitraum von 0,6 Prozent. Die ganze Halbjahres-Bilanz auch mit Umsatz- und Gewinnkennzahlen legt der japanische Konkurrent am 4. August vor.
Foto: APVolkswagen (Konzern) – 1. Halbjahr 2016
Krise? Welche Krise? Die Abgas-Affäre scheint die Auslieferungen bei Volkswagen nicht zu bremsen. Pünktlich zum Halbjahr setzt sogar die schwächelnde Kernmarke zur Wende an. Mit 2,925 Millionen verkauften Volkswagen blieb die Marke zwar knapp unter dem Vorjahresergebnis, die Tendenz im Juni zeigte aber um fast fünf Prozent nach oben.
Mit dem starken Juni stehen nach sechs Monaten die Zeichen bei den Verkäufen klarer als zuvor auf Zuwachs: 5,12 Millionen Fahrzeuge – vom VW-Up bis zum schweren Scania-Lkw – sind 1,5 Prozent Verbesserung im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015. Trotz Diesel-Krise steuert der Konzern damit 2016 bisher auf ein Auslieferungsplus zu. Nach fünf Monaten Ende Mai hatte der Zuwachs lediglich bei 0,8 Prozent gelegen. Zumindest als Momentaufnahme scheint der Autobauer damit zehn Monate nach dem Ausbruch der Diesel-Krise eine Durststrecke zu verlassen.
Foto: dpaBMW – 1. Halbjahr 2016
Zwischen Januar und Juni diesen Jahres wurden weltweit 986.557 BMW verkauft. Damit konnten die Münchner im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent zulegen. Allein im Juni stieg der Absatz um 9,7 Prozent auf 189.097 – mit den Marken Mini und Rolls-Royce kommt der Konzern sogar auf 227.849 Autos (+9,1 Prozent). Für das Plus sorgte demnach vor allem die hohe Nachfrage in Europa und Asien. In den USA dagegen schrumpfte der Absatz. Mit den knapp 190.000 Fahrzeugen im Juli lag BMW vor den beiden Dauer-Konkurrenten Audi (169.000 Autos) und Mercedes (188.444 Fahrzeuge). Doch wie sieht es im gesamten ersten Halbjahr aus?
Foto: dpaAudi – 1. Halbjahr 2016
Zumindest Audi konnte BMW hinter sich lassen. Die Ingolstädter konnten zwar zulegen, mit 5,6 Prozent fiel das Wachstum aber geringer aus als bei der Konkurrenz aus München – genauso die absolute Zahl an Auslieferungen von 953.200 Fahrzeugen. Dennoch ist die Bilanz für Audi positiv. Man habe den Absatz in allen Weltregionen steigern können, sagte Vertriebsvorstadn Dietmar Voggenreiter. Spaß-Modelle wie das TT Cabrio im Bild tragen traditionell wenig zum Volumen bei. Zu den größten Treibern gehörten die Baureihen A4 mit einem Plus von 12,3 Prozent und das Oberklasse-SUV Q7, das es nach dem Modellwechsel im Vorjahr auf ein Plus von satten 73,6 Prozent bringt. Auch für das zweite Halbjahr ist Voggenreiter optimistisch: Dann stehen die Premieren des überarbeiteten A3 und der komplett neuen Baureihen A5 und Q2 an.
Foto: obsDaimler – 1. Halbjahr 2016
BMW und Audi waren gut, Mercedes war besser. So lässt sich das erste Halbjahr zusammenfassen – sowohl beim Wachstum als auch beim Absatz konnte die Marke mit dem Stern die Konkurrenten abhängen. In den ersten sechs Monaten gingen 1.006.619 Mercedes-Benz an die Kunden – das entspricht eine Zuwachs von 12,1 Prozent. Ganz nebenbei der 40. Rekordmonat in Folge für die Marke. Dabei profitiert Mercedes vor allem von den SUV-Modellen, die inzwischen ein Drittel des weltweiten Absatzes ausmachen. „Das zeigt, dass sich unsere Produktoffensive auszahlt und unser rundum erneuertes SUV-Portfolio hervorragend bei den Kunden ankommt“, sagt Vorstandsmitglied Ola Källenius. Zusammen mit den 73.510 verkauften Smart kommt die Pkw-Sparte des Daimler-Konzerns so auf 1,08 Millionen Fahrzeuge.
Foto: dpaPorsche – 1. Halbjahr 2016
Drei Prozent Wachstum auf 117.963 Fahrzeuge. Das sind die Eckdaten des ersten Halbjahres bei Porsche. Der Sportwagenbauer zeigt sich damit zufrieden und spricht von einer „Stabilisierung auf hohem Niveau“. Viele Modelle wie die Baureihen Cayman, Boxster, Macan und der 911er konnten zwar zweistellig wachsen, bei der Limousine Panamera hielten sich die Kunden wegen des anstehenden Modellwechsels aber spürbar zurück. „Die durchweg positive Resonanz auf die Weltpremiere des neuen Panamera Ende Juni stimmt uns sehr optimistisch. Wir erwarten uns davon einen deutlichen Schub“, sagt Marketing- und Vertriebsvorstand Detlev von Platen. Der neue Panamera kann seit dem 28. Juni bestellt werden und steht in Europa ab November beim Händler. In den USA und im chinesischen Markt ist das Auto ab Januar 2017 verfügbar.
Foto: dpaToyota – Gesamtjahr 2015
Der japanische Autokonzern Toyota hat seine Stellung als weltgrößter Fahrzeughersteller im vierten Jahr nacheinander behauptet und den durch den Abgasskandal gebeutelten Konkurrenten VW auf Distanz gehalten. 2015 verkaufte das Unternehmen 10,15 Millionen Autos, wie Toyota am Mittwoch mitteilte. VW kam im vergangenen Jahr auf 9,93 Millionen verkaufte Autos, General Motors auf 9,8 Millionen. 2016 rechnet Toyota mit einem Absatz von 10,11 Autos. Im vergangenen Jahr lag die Prognose bei 10,1 Millionen Fahrzeugen für 2015 und wurde durch die Realität übertroffen. VW hatte Toyota bei den Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2015 überholt, war dann aber infolge des Abgasskandals wieder zurückgefallen.
Die Autoverkäufe auf den großen Märkten in den USA und Japan haben sich verlangsamt. Darüber hinaus hat sich auch das in den vergangenen Jahren stetige Wachstum auf aufstrebenden Märkten abgeschwächt. Das schlägt sich auch in den Toyota-Zahlen nieder: 2014 hatten die Japaner noch 10,23 Millionen Autos verkauft.
Foto: dpaVolkswagen (Konzern) – Gesamtjahr 2015
Der Autoriese muss 2015 im Jahr des Abgas-Skandals einen Rückgang bei den Autoverkäufen verkraften. Die Verkäufe von Europas größtem Autobauer sanken um zwei Prozent auf 9,93 Millionen Fahrzeuge. Allein im Monat Dezember musste der Konzern noch einmal ein Absatzminus von 5,2 Prozent hinnehmen. Damit fallen die Verkaufszahlen wieder unter die Marke von zehn Millionen. Gleichzeitig schrammte der Konzern an seinem Ziel vorbei, 2015 so viele Autos zu verkaufen wie im Jahr zuvor, als die VW-Marken zusammen noch knapp 10,14 Millionen Fahrzeuge losschlagen konnten.
Foto: dpaVolkswagen (Marke) – Gesamtjahr 2015
Die Delle geht vor allem auf das Konto der Kernmarke VW. Der Absatz sackte im Dezember um 7,9 Prozent ab. Unterm Strich ist VW im vergangenen Jahr mit 5,82 Millionen Einheiten 4,8 Prozent weniger Autos losgeworden als ein Jahr zuvor.
Vor allem in China, dem wichtigsten Absatzmarkt des VW-Konzerns, mussten die Wolfsburger ein schmerzhaftes Minus beim Verkauf einstecken: Auf Jahressicht ging es bei den Verkaufszahlen im Konzern um 3,4 Prozent abwärts. In Europa und Nordamerika, wo VW in den vergangenen Monaten die Auswirkungen des Diesel-Skandals am heftigsten zu spüren bekam, stieg der Absatz dagegen auf Jahressicht. In Deutschland konnte Volkswagen zumindest verteidigen: Der Golf bleibt das mit Abstand beliebteste Auto, auch auf den Rängen zwei und drei liegen VW-Modelle.
Skoda – Gesamtjahr 2015
Besser lief es bei der tschechischen Tochter Skoda. Trotz des VW-Abgasskandals konnte Skoda im vorigen Jahr die neue Rekordzahl von 1,06 Millionen Fahrzeugen ausliefern. Das sind 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. In Deutschland stieg der Absatz demnach um 6,2 Prozent auf 158.700 Autos. Auf dem Heimatmarkt Tschechien fiel der Anstieg mit plus 21,1 Prozent auf 85.000 Fahrzeuge besonders stark aus. In China blieb der Absatz stabil. Skoda profitiert unter anderem von dem 2015 eingeführten Flaggschiff Superb (im Bild), dessen dritte Generation sich sehr gut verkauft. Derzeit arbeitet die VW-Tochter an einem eigenen SUV.
Foto: APPorsche – Gesamtjahr 2015
Gute Zahlen hatte auch der neue Porsche-Chef Oliver Blume bei seinem ersten Messe-Auftritt in Detroit im Gepäck. Der Sportwagenbauer hat im vergangenen Jahr mit 225.121 ausgelieferten Fahrzeugen und einem Plus von 19 Prozent einen neuen Rekord aufgestellt. Auf das gesamte Jahr gesehen war China stärkster Einzelmarkt für den Sportwagenbauer. Dort kletterten die Auslieferungen um 24 Prozent. Auf dem China-Erfolg sollte sich Blume aber nicht ausruhen, denn die Flaute auf dem chinesischen Automarkt hat sich zum Jahresende in den Auslieferungen von Porsche bemerkbar gemacht. Im Dezember ging die Zahl der an Kunden übergebenen Fahrzeuge in dem Land gegenüber dem Vorjahr um 42 Prozent auf 3707 zurück.
Der Absatz als Erfolgsmaßstab sei für Porsche allerdings zweitrangig, sagte Blume. „Viel wichtiger sind für uns Kundenbegeisterung, Rendite und sichere Beschäftigung.“
Foto: dpaAudi – Gesamtjahr 2015
Audi hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal mehr als 1,8 Millionen Autos verkauft. Die deutlich höhere Nachfrage in Europa und den USA machte den geringeren Absatz in China mehr als wett. Dennoch konnte Audi nicht die Delle ausgleichen, welche die Marke Volkswagen in der Konzernbilanz hinterlassen hat. „2015 hat gezeigt, dass Audi wetterfest aufgestellt ist“, sagte Audi-Chef Rupert Stadler. Mit dem Verkaufsstart des neuen Modells des meistverkauften Audi A4 und des großen Q7-Geländewagens hofft Audi jetzt auf einen stärkeren Wachstumsschub.
Im vergangenen Jahr legte der Audi-Absatz um 3,6 Prozent auf 1,803 Millionen Autos zu. In Europa stieg der Verkauf um 4,8 Prozent auf rund 800.000 Autos. Nach dem Start des neuen A4 in Europa schnellte der Absatz hier im Dezember um 17,5 Prozent hoch. In den USA, wo Audi im Vergleich zu BMW und Mercedes noch eher schwach unterwegs ist, legten die Auslieferungen im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 202.000 Auto zu. Im größten Automarkt China dagegen, wo Audi Marktführer in seinem Segment ist, sank die Nachfrage um 1,4 Prozent auf rund 571.000 Fahrzeuge.
Foto: dpaDaimler – Gesamtjahr 2015
Deutlich selbstbewusster kann sich Daimler-Chef Dieter Zetsche zeigen. Mit 1,99 Millionen verkauften Autos stellte der Stuttgarter Konzern 2015 einen neuen Verkaufsrekord auf – ein Plus von 14,4 Prozent. Wichtig für den Vergleich mit den anderen beiden deutschen Premium-Autobauern sind jedoch nicht die Absatzzahlen des Konzerns (mit Smart und Mercedes-Benz Vans), sondern die der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars. Hier kommen die Stuttgarter auf 1.871.511 ausgelieferte Fahrzeuge – und schiebt sich damit wieder an Audi vorbei.
China hatte die USA im Laufe des vergangenen Jahres als größter Einzelmarkt mit 373.459 verkauften Autos der Marke Mercedes-Benz abgelöst. Daimler verbuchte dort ein Plus von 32,6 Prozent und wuchs damit weitaus stärker als der schwächelnde chinesische Automarkt. Daimler war allerdings deutlich später auf den wichtigsten Automarkt der Welt gekommen und reicht beim Absatz in dem Land noch nicht an die Rivalen Audi und BMW heran.
Daimlers Verkaufsschlager war die kompakte C-Klasse mit 443.909 verkauften Autos – ein Plus von 40,1 Prozent. Den Absatz seiner sportlichen Geländewagen (SUV) steigerte Daimler um 26,6 Prozent auf 525.866 Fahrzeuge. Die neue E-Klasse, ein besonders wichtiges Modell für Mercedes, soll den Absatz auch 2016 hoch halten.
Foto: REUTERSBMW – Gesamtjahr 2015
Dank guter Geschäfte in Europa hat BMW 2015 einen weiteren Rekordabsatz eingefahren und den Spitzenplatz im Dauer-Dreikampf mit Mercedes und Audi verteidigt. Die Verkäufe der drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce stiegen um sechs Prozent auf insgesamt knapp 2,25 Millionen Fahrzeuge. Die Kernmarke BMW legte um fünf Prozent auf knapp 1,91 Millionen Fahrzeuge zu. Mit einem Vorsprung von rund 33.700 Fahrzeugen hielten sich die Münchner auf Platz 1 im Oberklasse-Segment, wo sie seit 2005 führend sind. Eigentlich wollte Audi schon längst ansetzen, BMW als größten Oberklasse-Hersteller zu überholen, doch stattdessen fiel die Marke mit den vier Ringen hinter Mercedes zurück. Audi hatte sich 2011 an den Stuttgartern vorbei auf Platz 2 geschoben und in den vergangenen Jahren kräftig vom Marktwachstum in China profitiert. Daimlers Oberklasse-Marke holte dort 2015 deutlich auf – die Volksrepublik ist jetzt für alle drei Premium-Hersteller der größte Einzelmarkt.
Die BMW-Kleinwagenmarke Mini steigerte den Absatz im vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf rund 338.500 Fahrzeuge. Bei der Superluxusmarke Rolls-Royce sackten die Verkaufszahlen dagegen um fast sieben Prozent auf 3785 Wagen ab, vor allem weil die Kunden in China sich zurückhielten.
Foto: dpaOpel – Gesamtjahr 2015
Opel hat trotz des Rückzugs aus dem russischen Markt im abgelaufenen Jahr europaweit so viele Autos verkauft wie seit vier Jahren nicht mehr. 2015 seien mehr als 1,1 Millionen Fahrzeuge vom Band zu den Kunden gerollt, 3,3 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Damit sind Opel und die britische Schwester Vauxhall etwas stärker gewachsen als der europäische Gesamtmarkt, der Marktanteil liegt bei 5,8 Prozent. Dieser habe in zehn Ländern zugelegt. Besonders gut verkauften sich der Mokka und der Corsa. Auch der Nutzfahrzeugverkauf legte zu, um 24 Prozent auf mehr als 100.000 Stück.
2011 hatte Opel nach jahrelanger Krise die Wende eingeleitet. Die Rüsselsheimer legten mit einem Sparprogramm die Grundlage für massive Investitionen der US-Mutter in neue Modelle der Europa-Tochter. Die Modelloffensive habe sich ausgezahlt, resümierte Opel-Vertriebschef Peter Christian Küspert. Die Rüsselsheimer seien zuversichtlich, den Erfolg 2016 fortschreiben zu können. "Ein Grund für unseren Optimismus ist der neue Opel Astra." Obwohl das Modell in den meisten europäischen Märkten erst seit November verkauft werde, gebe es bereits mehr als 80.000 Bestellungen.
Foto: APRenault – Gesamtjahr 2015
2015 hat Renault dank neuer Fahrzeugmodelle 2,8 Millionen Autos und Transporter ausgeliefert – so viel wie niemals zuvor. Damit wuchs der französische Autobauer mehr als doppelt so stark wie der weltweite Automarkt, der ein Plus von 1,6 Prozent verzeichnete. Die Franzosen bauten ihren Marktanteil in Europa aus und verteidigten ihre Position in den Schwellenländern. In Deutschland konnte Renault über 110.000 Autos verkaufen. Nach dem Rekordjahr setzen sich die Franzosen auch neue Ziele: "Unser Wachstum wird sich 2016 beschleunigen und wir werden unsere Position in all unseren Regionen verbessern", so Vertriebschef Thierry Koskas.
Gleichzeitig sieht sich Renault aber auch mit einem Problem noch unbekannten Ausmaßes konfrontiert. In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass es bei Renault im Zusammenhang mit dem Abgasskandal bei Volkswagen zu Durchsuchungen kam. Die Aktien verloren zeitweise knapp 23 Prozent an Wert. Welche Folgen – etwa Rückrufe, Schadenersatz- oder Strafzahlungen – daraus resultieren, ist noch unklar.
Foto: REUTERS
Zum einen die Autokonjunktur selbst: Noch ist unklar, ob die Lage so positiv wie zuletzt bleibt. Zwar ist zumindest der deutsche Automarkt auch im Januar erneut um drei Prozent gewachsen, doch die skeptischen Stimmen mehren sich. Der Zulieferer Bosch hatte vergangene Woche kein einfaches Jahr für die Autobranche prognostiziert. „Die Folgen des VW-Skandals sind final nicht abzuschätzen“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner.
Hinzu kommt die Unsicherheit in China. Daimler habe zuletzt Geschick bewiesen, sagte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass die Wachstumsraten so hoch wie zuletzt ausfielen. Statt dem überproportionalen Zuwachs von 32,6 Prozent dürfte sich auch der Daimler-Boom in Fernost abkühlen – für den chinesischen Markt erwarten Experten ein Plus von rund fünf Prozent.
Auch die Lage im Lkw-Geschäft dürfte sich angesichts der Konjunkturprobleme in wichtigen Märkten wie Brasilien nicht entspannen. Die Truck-Sparte ist mit einem prognostizierten Umsatz von 37 Milliarden Euro das zweite Standbein des Konzerns nach Mercedes-Benz Cars (82,8 Milliarden Euro). Die Analysten gehen jedoch davon aus, dass die Trucks das Ebit von 2015 in den kommenden beiden Jahren nicht erreichen können.
Kosten für E-Klasse-Premiere drücken Quartalsgewinn
Bei den Autos dürfte die Bilanz zumindest im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres eine kleine Delle bekommen. Der Gewinn des Pkw-Geschäfts dürfte nach Einschätzung von Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, durch die Einführung der neuen E-Klasse geschmälert werden.
Teure Werbeanzeigen und Vertriebsaktionen werden notwendig. Solange es keine Probleme und Verzögerungen bei dem Produktionsanlauf des neuen Modells gibt, sind die Analysten für das Gesamtjahr optimistisch: Konzern-Umsatz (plus 5,7 Milliarden Euro) und -Ebit (760 Millionen Euro) werden zulegen – beides getrieben durch die Auto-Sparte.
Über allen Prognosen über das Geschäftsjahr 2015 hinaus schwebt jedoch die Unsicherheit der Abgas-Diskussion, die der VW-Skandal losgetreten hat. Neue Testverfahren, Grenzwerte und Zulassungsvorschriften könnten die Entwicklungs-Etats und Absatzpläne der Autobauer stark belasten.
"Bei uns wird nicht betrogen"
Daimler haben die offiziellen Nachmessungen bislang kalt gelassen. „Bei uns wird nicht betrogen, bei uns wurden keine Abgaswerte manipuliert“, sagte Zetsche jüngst. „Die Vertreter des Kraftfahrt-Bundesamtes waren zwei Tage bei uns und es wurden Autos getestet. Dabei sind nach meiner Kenntnis keine auffälligen Abgaswerte gemessen worden.“
Ganz dem Generalverdacht entziehen, kann sich aber auch Zetsche nicht: Im Januar musste Daimler den französischen Behörden wegen hoher Abgaswerte bei Straßentests Rede und Antwort stehen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderte diese Woche sogar den Entzug der Zulassungsgenehmigung für ein beliebtes Mercedes-Modell – bei Tests in einem niederländischen Institut sollen die Stickoxid-Grenzwerte bei niedrigen Prüftemperaturen dramatisch überschritten worden sein. Am Mittwoch gab die DUH weitere Details bekannt: Demnach räumte Daimler im firmeninternen Intranet ein, dass "Anpassungen an die jeweiligen Betriebsbedingungen" stattfänden, "die den Wirkungsgrad beeinflussen". Damit gebe Daimler zu, eine Abschalteinrichtung zu verwenden, prangert die DUH an.
Trotz der vielen Fragezeichen bei Abgaswerten, China und Konjunktur kann sich der Daimler-Chef einer Sache sicher sein: Sein Vertrag dürfte bald um weitere drei Jahre verlängert werden. Und die drei Jahre sind dieses Mal keine Abmahnung. Bei Daimler gilt das 62. Lebensjahr für Vorstandsmitglieder „als Orientierung“ für den Abschied. Genau dieses Alter hat der Daimler-Boss jetzt erreicht.
In den drei Jahren nach seiner letzten Vertragsverlängerung kommt auf Zetsche und den Aufsichtsrat eine weitere, sehr wichtige Aufgabe zu: Einen geeigneten Nachfolger für den charismatischen und branchenweit geschätzten Vorstandschef zu finden.
Eine Herausforderung, die der Konkurrenz zuletzt nicht gut gelungen ist. Nicht nur deshalb dürften die Chefetagen aus München, Ingolstadt und Wolfsburg ganz genau nach Stuttgart schauen. Der Stern glänzt wieder. Die Frage ist nur wie lange.