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E-AutobauerBericht: Tesla will sich in Grünheide von 300 Mitarbeitern trennen

Tesla will Berichten zufolge weltweit mehr als jeden zehnten Arbeitsplatz streichen. Auch der deutsche Standort Grünheide soll schrumpfen. Von dem Jobabbau sind demnach zunächst Leiharbeiter betroffen. 18.04.2024 - 08:08 Uhr

Das Tesla-Werk in Grünheide ist auch von dem Stellenabbau betroffen.

Foto: AP

Der US-Elektroautobauer Tesla streicht angesichts einer schwächeren Nachfrage nach seinen Fahrzeugen weltweit mehr als jeden zehnten Arbeitsplatz. Tesla-Chef Elon Musk kündigte den Stellenabbau in einer internen Mitteilung an, die Reuters am Montag vorlag. „Das wird uns schlank, innovativ und hungrig für die nächste Wachstumsphase machen“, schrieb Musk. Er hasse den Schritt, aber er sei nötig. Auf seiner Kurznachrichtenplattform X fügte er an, sein Unternehmen müsse ungefähr alle fünf Jahre sich neu aufstellen, um sich für die nächste Wachstumsphase zu rüsten.

Laut einem Medienbericht sollen 300 Mitarbeiter am deutschen Standort Grünheide gehen. Von dem Jobabbau seien zunächst Leiharbeiter betroffen, berichtete das digitale Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen am Mittwoch. Deren Zugänge zum Werksgelände sollen mit Auslaufen der Arbeitsverträge gesperrt werden.

Zum Stellenabbau hieß es: „Diese Maßnahme prüfen wir und werden sie für die Gigafactory Berlin-Brandenburg vor dem Hintergrund aller arbeitsrechtlichen und mitbestimmungspflichtigen Erfordernisse unter Einbeziehung des Betriebsrates verfolgen.“

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Dirk Schulze, Bezirksleiter der IG Metall in Brandenburg sagte, der neu gewählte Betriebsrat sei nicht über den Stellenabbau informiert worden. Er verwies darauf, dass es in Deutschland rechtlich vorgeschrieben sei, mit der Arbeitnehmervertretung darüber zu sprechen, wie die Arbeitsplätze gesichert werden könnten. Andere Akteure vor Ort geben sich weniger überrascht, so wie Sebastian Walter, Fraktionsvorsitzender der Linken in Brandenburg. Für den ehemaligen Regionsgeschäftsführer des DGB in Ostbrandenburg ist die Ankündigung an sich keine Überraschung, er wirft Tesla und insbesondere Firmenchef Musk vor, von Anfang an Planvorgaben gemacht zu haben, die mit der Realität nichts zu tun hätten. Einerseits würden große Ziele verkündet, wie die Steigerung der Produktion in Grünheide auf eine Million Fahrzeuge pro Jahr, andererseits habe das Unternehmen schon jetzt Probleme, Stellen zu besetzen.

Wenn Tesla in Grünheide Mitarbeiter auf die Straße setzen wolle, sei das am einfachsten bei den Leiharbeitern. Zwar gebe es keine offiziellen Zahlen, aber nach seinen Informationen schätze er die Zahl der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter am Standort auf 1000 bis 2000. Walter sieht in der Ankündigung des Stellenabbaus aber vorerst nur ein Signal. Zum einen an die Börse, um den Anlegern zu zeigen, dass das Unternehmen angesichts schlechter Zahlen handelt, zum anderen aber auch als Machtdemonstration gegenüber den Regionen, die auf die Wirtschaftskraft der Werke angewiesen sind. „Der Wirtschaftsstandort Brandenburg ist abhängig von Tesla“, sagt Walter gegenüber der WirtschaftsWoche, daher erwartet er, dass die Landesregierung Musk auch in der jetzigen Situation weiter „den roten Teppich“ ausrollen wird. Aus seiner Sicht hat die Politik sich erpressbar gemacht.



Während hierzulande noch keine direkten Auswirkungen absehbar sind, sieht es in den USA anders aus: Einer mit dem Vorgang vertrauten Person zufolge wurden die ersten Tesla-Mitarbeiter in den Werken in Kalifornien und Texas bereits informiert. Zumindest einige der Kündigungen erfolgten mit sofortiger Wirkung. Auch Spitzenmanager verlassen das Unternehmen. Die beiden Vize-Präsidenten Drew Balingo, für die Batterieentwicklung zuständig und Teil des engsten Kreises um Elon Musk, und Rohan Patel kündigten beide ihren Abgang über Twitter an. Ihr Ausscheiden sei ein „negatives Signal“, dass Tesla Wachstumsprobleme habe, sagte Michael Ashley Schulman, Chefinvestor beim Finanzdienstleister Running Point Capital Advisors.

Tesla-Aktien haben seit Jahresbeginn ein knappes Drittel an Wert verloren

An der Börse gaben die Tesla-Papiere nach. Seit Jahresbeginn haben sie ein knappes Drittel an Wert verloren – anders als die Aktien etablierter Autohersteller wie GM oder Toyota, die deutlich zugelegt haben. „Tesla wird als Unternehmen erwachsen und ist nicht mehr die Wachstumsgeschichte, die es lange war“, sagte Craig Irwin, Analyst beim Finanzdienstleister Roth Capital. „Entlassungen lassen darauf schließen, dass das Management davon ausgeht, dass die Nachfrage noch länger schwach bleiben wird.“ Über die Entlassungen hatten zuvor das „Handelsblatt“ und die Technologie-Publikation „Electrek“ berichtet.

Derzeit schwächelt weltweit der Markt für Elektroautos. Tesla war mit einem deutlichen Absatzrückgang in das Jahr gestartet. Es war das erste Mal seit fast vier Jahren, dass das Unternehmen weniger Fahrzeuge verkauft hat als vor Jahresfrist. Der Elektroautopionier ist zwar weiterhin der größte Hersteller von reinen Elektroautos - allerdings ist ihm der chinesische Anbieter BYD auf den Fersen. Dazu kommt die härtere Konkurrenz durch Branchenneulinge wie den Smartphone-Hersteller Xiaomi in China und das wachsende Angebot an Elektroautos etablierter Hersteller wie VW. Die Wirkung von Preissenkungen und Rabatten schwindet mittlerweile, da die Amerikaner ihre in die Jahre gekommene Modellpalette nur langsam auffrischen und erst im kommenden Jahr mit wichtigen Neuheiten aufwarten.

Insidern zufolge hat Tesla sein Vorhaben begraben, ein preisgünstiges Elektroauto für den Massenmarkt zu bauen. Musk wies diese Darstellung zwar zurück, ließ jedoch offen, was genau falsch war.

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rtr, ssc
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