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Elektroautos Tesla bringt 35.000-Dollar-Model 3 – und verlagert Verkauf ins Internet

Ein Tesla Model 3. Zumindest in den USA soll nun endlich die von Elon Musk lang versprochene günstigere Variante kommen. Quelle: REUTERS

Tesla bringt in den USA die lange versprochene 35.000-Dollar-Variante des Model 3 auf den Markt. Gleichzeitig stellt der E-Auto-Bauer sein Verkaufsmodell völlig um und setzt künftig fast nur noch auf Online-Vertrieb.

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Typisch Elon Musk – seit Dienstag hatte der Tesla-Chef via Twitter damit gelockt, am Donnerstagnachmittag kalifornischer Zeit eine bedeutende Nachricht bekanntzugeben und damit Spekulationen ins Kraut schießen lassen.

Die Auflösung ist simpel. Knapp drei Jahre nach Präsentation des Tesla 3 lässt Musk nun endlich die von vielen Kunden erwartete 35.000-Dollar-Variante auf den Markt bringen. Bislang mussten diese mindestens 42.000 Dollar plus Steuern fürs Model 3 berappen. In zwei bis vier Wochen sollen die ersten Besteller in den USA beliefert werden. Zunächst jene, die vor drei Jahren beim Debüt tausend Dollar anzahlten, seitdem ausharrten und so langsam die Geduld verloren.

Für europäische Interessenten sind das jedoch eher schlechte Nachrichten. Denn dort, sowie in China, hat die Auslieferung der Premiumvarianten des Model 3 gerade begonnen. Derzeit läuft die gesamte Tesla-Produktion im Stammwerk in Kalifornien. In China wird derzeit ein weiteres Werk errichtet, das noch in diesem Jahr in Betrieb gehen soll. In Europa wird noch nach einem Standort für ein weiteres Werk gesucht, Deutschland ist in der engeren Wahl.

Das Stammwerk, das momentan bis zu 5000 Tesla Model 3 pro Woche fertigt, könnte so schnell an seine Grenzen kommen, wenn die Nachfrage nun anziehen sollte. Das bedeutet, dass ausländische Kunden auf ihr Model 3 eventuell länger warten müssen. Denn US-Kunden können nun bis Sommer mittels staatlicher Förderung einen Tesla schon für unter 30.000 Dollar erwerben, beispielsweise in Kalifornien für 28.750 Dollar plus Steuern. Für Tesla ergibt es wegen der Transportkosten nach Übersee zudem Sinn, lieber zunächst die Kunden in den USA zu beliefern, von denen viele ihre Autos direkt im Stammwerk abholen.

Noch ist es Spekulation, ob europäische Model-3-Kunden sich nun tatsächlich länger gedulden müssen. Tatsache ist jedoch, dass das Einstiegsmodell zunächst nur für US-Käufer erhältlich ist. Was sinnvoll ist, um den Steuerrabatt auszuschöpfen. In Europa soll die Einstiegsvariante laut Musk „in den nächsten drei bis sechs Monaten“ ausgeliefert werden. Sie unterscheidet sich neben manuellen Sitzen vor allem in der Reichweite. Diese beträgt 220 Meilen (352 Kilometer). Die allergünstigste Version gibt es nur in Schwarz. Andere Farben sowie Fahrassistenzsystem müssen extra bezahlt werden.

Tesla schließt die meisten Showrooms

Die Besitzer der ersten Model-3-Variante, die ab November 2017 ausgeliefert wurde, bekommen via Software-Update zudem kostenlos 15 Meilen mehr Reichweite, was diese auf 325 Meilen (520 Kilometer) erhöht.

Um Kosten zu sparen, baut Tesla zusätzlich sein Vertriebsnetz völlig um. Von den Tesla-Schauräumen und Servicestationen sollen nur einige wenige erhalten bleiben. Teslas sollen künftig online oder via Callcenter geordert werden. Der Käufer hat dann sieben Tage oder 1000 Meilen Fahrleistung Zeit, den Wagen zu testen. Der Service, so kündigt Musk an, soll künftig vorrangig mobil sein, also die Techniker für Reparaturen oder Tests beim Kunden zu Hause vorbeikommen.

Damit betritt Tesla wieder einmal Neuland. Noch vor zwei Jahren hatte Musk angekündigt, die Zahl der Läden, die nach der Blaupause der Apple Stores entworfen worden, signifikant auszubauen. Was sich revolutionär anhört, ist für Tesla-Mitarbeiter ernüchternd und der Not geschuldet, die Ausgaben zu verringern. Nachdem es zu Jahresbeginn bereits unternehmensweit Entlassungen gab, um die Kosten zu verringern, soll nun zusätzlich in der Verkaufssparte gespart werden.

Mit der Einstiegsvariante zündet Musk die nächste Nachfrage-Stufe. Was vor allem im Heimatland USA nötig ist. Weil Tesla dort bereits über 200.000 Elektroautos zugelassen hat, wurde der US-weite Steuerrabatt zu Beginn des Jahres von 7500 Dollar auf 3750 Dollar halbiert und soll Ende des Jahres völlig wegfallen. Dann wird es nur noch Zuschüsse in Bundesstaaten geben, die Elektroautos fördern möchten.

Musk selbst hatte die Basisvariante des Model 3 Ende Januar während der Bekanntgabe der Quartalszahlen für Mitte des Jahres in Aussicht gestellt. Zuvor hatte er eingeräumt, dass die Kosten noch zu hoch seien, um die 35.000 Dollar Einstiegsvariante zu offerieren. Der frühere Zeitpunkt überrascht, weil er für die Kunden im Ausland in die Zwickmühle bringt. Denn die müssen nun entscheiden, ob sie zu den Premiumvarianten greifen und so zu ersten Model-3-Besitzern gehören oder lieber auf das Einstiegsmodell warten und etwas Geld dabei sparen.

Tesla macht keinen Profit im laufenden Quartal

In deutschen Tesla-Foren forderten bereits Kunden, die ihr Modell demnächst abholen wollten, ihre Bestellung wieder ändern zu können.

Dass Musk zum jetzigen Zeitpunkt vorprescht, könnte ein Zeichen sein, dass die Nachfrage im Kernmarkt USA nach der Kürzung der Steuergutschrift stärker zurückgegangen ist als erwartet. Denn das würde die Aktie weit stärker belasten, als steigende Verkaufszahlen in Europa wettmachen könnten. Es könnte allerdings auch sein, dass auch der Nachfrageschub aus dem Ausland geringer ausgefallen ist als erwartet.

Zudem musste der Tesla-Chef am Donnerstag ankündigen, dass man im laufenden Quartal wieder mit einem Verlust rechne, nachdem das Unternehmen in den vergangenen beiden Quartalen Gewinne verbuchen konnte. Im zweiten Quartal, so erwartet Musk, soll die Gewinnzone wieder erreicht werden. Hatte die Aktie am Donnerstag vor der Ankündigung fünf Prozent zugelegt, drehte sie im nachbörslichen Handel ins Minus und gab zwischenzeitlich bis zu vier Prozent nach.

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