Involvement-Index Volvo – Sieger der Herzen

Exklusiv

Keiner anderen Marke fühlen sich Autofahrer so stark verbunden wie dem schwedischen Premiumhersteller Volvo. Das belegt der Involvement-Index der Ruhr-Universität Bochum, der der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.

Die Nachfrage bei dem XC90 ist größer als von Volvo erwartet. Quelle: Volvo

Volvo ist in Deutschland mit einem Marktanteil von aktuell knapp 1,2 Prozent ein Winzling im Vergleich zu den stolzen deutschen Premiumhersteller BMW, Audi und Mercedes. Doch im Involvement-Index des Projektteam Testentwicklung der psychologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum (RUB), rangieren die Schweden seit drei Jahren unangefochten auf Platz eins – vor Audi, BMW und Mercedes.

Über keine andere Marke debattieren die Besitzer im Verhältnis zur Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge in Deutschland so häufig und intensiv. Psychologie-Professor Rüdiger Hossiep und sein Team werten dazu seit 2007 die geposteten Beiträge im größten deutschen Autoforum Motortalk aus.

Die Top Ten des Involvement-Index 2015

„Volvo-Fahrer schätzt die legendäre Haltbarkeit, das sozialverträgliche Image und die hohe Praktikabilität der Modelle", sagt Hossiep. Wichtig sei ihnen auch, sich abzugrenzen ohne dabei zu protzen. „Ein Selbständiger etwa sagt damit aus: „Ich bin keiner Dienstwagenvorschrift verpflichtet, ich suche mir mein Auto selbst aus." Das Maß der Leidenschaftlichkeit, mit der die Autofahrer den Diskurs führen, lässt weitere Rückschlüsse zu. „Der Index kann als Frühindikator für die Absatzentwicklung herangezogen werden“, beobachtet Hossiep anhand der Entwicklung der Vorjahre.

Jaguar gehört zu den größten Gewinnern

Für Volvo trifft dies  voll zu. Die Modelle aus Göteborg kommen von Jahr zu Jahr besser an. Besonders der neue Geländewagen XC 90 findet reißenden Absatz. Aktuell müssen Käufer in Deutschland gut drei Monate bis zur Auslieferung warten – der Ansturm hat den Hersteller regelrecht überrollt. Den Verläufen im Involvement-Index nach dürfen sich auch Jaguar, Seat und Skoda in Zukunft über eine wachsende Fangemeinde freuen.

Jaguar verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr gleich um acht Rangplätze. Jaguar und Volvo stoßen in das Vakuum, dass Alfa Romeo, Saab und die großen Franzosen in der oberen Mittelklasse hinterlassen haben, so Hossiep. „Im Gegensatz zum Volvo, braucht es für einen Jaguar allerdings Courage", erklärt der Psychologe, "denn der Fahrer betreibt damit kein Understatement, sondern setzt ein Statement.“ Hossiep und sein Team setzten sich intensiv mit der Typisierung von Autofahrern auseinander.

Den größten Sprung  im Ranking machte allerdings die VW-Tochter Seat: 15 Plätze ging es für die Spanier nach oben. Damit katapultiert sich die Marke, die vor allem für die Neuauflage des Leon viel Lob, vom vorletzten Platz im vergangenen Jahr nun ins hintere Mittelfeld auf Platz 20. "Die Marke bietet viel PS, zum günstigen Preis und dynamisch verpackt. Das spricht vor allem junge Männer an", beobachtet der Psychologe.

Auch Skoda – im vergangenen Jahr noch auf dem letzten Platz – hat sich deutlich verbessert und steht nun statt auf 36 auf Platz 27. „Die Skoda-Kundschaft ist in erster Linie preis-, aber eben auch qualitätsbewusst. Dass unter der Skoda-Haube VW-Technologie steckt, hat sich herumgesprochen." Den Sprung vom Schluss des Rankings ans untere Drittel hat Skoda den viel beachteten neuen Modellen Superb und Octavia zu verdanken.

Neuzulassungen in Deutschland 2014

Den relativ größten Verlust hat Porsche erfahren. Der Rückgang erklärt sich zum Teil durch die stark gestiegenen Zulassungszahlen, die mit der Zahl der Blog-Posts ins Verhältnis gesetzt werden. Die Marke konnte zwar den 7. Rang halten, doch der Vorsprung zum achtplatzierten VW schmilzt. Dass es die Luxusmarke Porsche "nur" auf Platz sieben schafft, verwundert auf den ersten Blick. „Porsche bietet voll alltagstaugliche Sportwagen, für die man kein Technik-Freak sein muss. Oft werden die Fahrzeuge nur wenig bewegt und dienen dem Halter eher als Selbstergänzung der eigenen Persönlichkeit“, erklärt Hossiep. Die Halter müssen und wollen sich also meist gar nicht mit den technischen Spezifikationen ihrer Wagen auseinandersetzen. Ähnlich hohe Involvement-Verluste wie Porsche muss auch Lancia hinnehmen. Die Marke stürzt dadurch 10 Plätze ab. Das italienische Fabrikat aus dem Hause Fiat-Chrysler hat damit die schlechteste Position seit 2007 eingefahren.

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