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Stickoxidwerte bei Dieseln Zwölf Fahrzeuge fallen im Test durch

Die deutschen Autobauer verteidigen den Diesel. Schließlich könnten die auch sauber verbrennen. Das klappt aber längst nicht immer, zeigen Daten des Umweltbundesamtes. Bei zwölf Modellen ist es besonders schlimm.

Diese Diesel haben besonders schlecht abgeschnitten
Fiat Doblò 1.6 Multijet Quelle: Fiat
Kia Optima 1.7 CRDi ISG Quelle: Kia
Mercedes-Benz C-220 CDI T-Modell Quelle: Daimler
VW Passat 2.0 TDI BlueMotion Technology Quelle: Volkswagen
Skoda Ocatvia 1.6 TDI Greenline Combi Quelle: Skoda
BMW 118d Quelle: BMW
Renault Grand Scénic 1.6 dCi130 Quelle: Renault

Der Abgasskandal macht sich in der Zulassungsstatistik bemerkbar: Seit Monaten sinkt der Marktanteil der Diesel bei Neuwagen. Im April 2017 lag der Anteil laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) noch bei 41,3 Prozent. Das sind 5,7 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Immer neue Berichte über mögliche Abgas-Manipulationen, Differenzen zwischen Abgaswerten auf dem Prüfstand und im realen Verkehr sowie die Debatte über Fahrverbote für ältere Diesel-Modelle haben für Verunsicherung gesorgt.

Im Zentrum der Kritik am Dieselmotor steht der Ausstoß von gesundheitsschädigendem Stickoxid (NOx). Stickoxide können unter anderem den Atemwegen und dem Herz-Kreislauf-System schaden.

Autobauer halten am Dieselmotor fest

Für Aufsehen sorgte zuletzt Ende April das Umweltbundesamt: Neue Daten zeigten, dass auch moderne Diesel-Autos den EU-Grenzwert auf der Straße um ein Vielfaches überschreiten. Trotzdem: Die Autobauer hängen am Diesel. „Aus unserer Sicht ist der moderne Diesel Teil der Lösung, nicht des Problems“, sagte VW-Chef Matthias Müller der „Automobilwoche“. Auch BMW-Chef Harald Krüger warnte kürzlich vor einer Verteufelung des Dieselmotors. Ohne Dieselautos seien die Klimaziele der EU nicht erreichbar. Und weiter: „Eine vernünftige Debatte lässt sich nur auf der Basis von Fakten führen.“

Doch einige Fakten sprechen gegen Krüger. Ende April zeigten Untersuchungen des Umweltbundesamtes, dass es gar nicht mal die alten Modelle trifft. Auch neue Dieselfahrzeuge sind Stinker.

Normzyklen in der Übersicht

Demnach lagen die 24 getesteten Euro-5-Diesel um ein Vielfaches über den Grenzwerten für die Emission von Stickoxidausstoß pro Kilometer. 180 Milligramm durften es sein, im Mittel waren es 907 Milligramm. Auch die neueren Euro-6-Diesel lagen mit mehr als 500 Milligramm weit über den vorgeschriebenen Grenzwerten von 80 Milligramm je Kilometer.

Jetzt hat die Behörde die Abgaswerte nach Fahrzeugmodellen aufgeschlüsselt und die Informationen veröffentlicht. Zwölf Typen waren im Test besonders auffällig, darunter Fabrikate von Mercedes, Fiat Chrysler, Renault und Peugeot. Alle zwölf Dreckschleudern finden Sie hier.

Jeweils nur ein Wagen eines Typs getestet

Allerdings, so heißt es beim Umweltbundesamt, habe man jeweils nur einen Wagen eines Typs getestet: einmal auf dem Prüfstand und einmal auf der Straße. "Wir haben jeweils nur ein Einzelfahrzeug getestet. Das reicht uns, um einen Durchschnitt für die Flotte zu bilden", sagt Behördensprecher Martin Ittershagen auf Anfrage von WirtschaftsWoche Online. "Die Messung ist aber nicht darauf ausgelegt, repräsentative Aussagen zu diesem, einem Modell zu machen. Es kann natürlich sein, dass wir ein Montags-Auto erwischt haben und der Fahrzeugtyp sonst sauberer ist."

Welche Schadstoffe im Abgas stecken

Grundsätzlich ist man im Bundesumweltamt und anderen Behörden überzeugt, dass Diesel keine umweltschädlichen Abgasschleudern sein müssen. Die Technik sei ja vorhanden - und werde auch genutzt. "Die Werte zeigen auch, dass gerade bei den Euro-6-Fahrzeugen sehr saubere Fahrzeuge dabei sind, die schon heute die künftigen RDE-Grenzwerte einhalten", so Ittershagen. Nur gelte das eben nicht für alle Modelle - und auch nicht für alle Modelle eines Herstellers. "Es gibt Licht und Schatten: Einzelne Hersteller hatten sowohl Modelle im Test, die richtig sauber waren, andere ihrer Fahrzeuge zeigten in unserem Test zu hohe Werte."

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam zuvor schon die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in einem Test: Selbst bei niedrigen Temperaturen, bei denen der NOx-Ausstoß tendenziell höher ist, unterschritten ein auf der Straße getesteter Audi A5 und eine Mercedes E-Klasse mit moderner Abgasnachbehandlung die Grenzwerte.

Mit Material von dpa

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