Stickoxidwerte bei Dieseln: Zwölf Fahrzeuge fallen im Test durch
Modell: Fiat Doblò 1.6 Multijet
Baujahr: 2010
Euro-Norm: 5
NOx-Grenzwert: 180 Milligramm pro Kilometer
Durchschnittlicher NOx-Ausstoß im UBA-Test: 1483 Milligramm pro Kilometer
Die Hintergründe zum Test des Umweltbundesamtes finden Sie hier.
Modell: Kia Optima 1.7 CRDi ISG
Baujahr: 2012
Euro-Norm: 5
NOx-Grenzwert: 180 Milligramm pro Kilometer
Durchschnittlicher NOx-Ausstoß im UBA-Test: 1383 Milligramm pro Kilometer
Modell: Mercedes-Benz C-220 CDI T-Modell
Baujahr: 2010
Euro-Norm: 5
NOx-Grenzwert: 180 Milligramm pro Kilometer
Durchschnittlicher NOx-Ausstoß im UBA-Test: 990 Milligramm pro Kilometer
Modell: VW Passat 2.0 TDI BlueMotion Technology
Baujahr: 2009
Euro-Norm: 5
NOx-Grenzwert: 180 Milligramm pro Kilometer
Durchschnittlicher NOx-Ausstoß im UBA-Test: 965 Milligramm pro Kilometer
Modell: Skoda Ocatvia 1.6 TDI Greenline Combi
Baujahr: 2009
Euro-Norm: 5
NOx-Grenzwert: 180 Milligramm pro Kilometer
Durchschnittlicher NOx-Ausstoß im UBA-Test: 913 Milligramm pro Kilometer
Modell: BMW 118d
Baujahr: 2009
Euro-Norm: 5
NOx-Grenzwert: 180 Milligramm pro Kilometer
Durchschnittlicher NOx-Ausstoß im UBA-Test: 908 Milligramm pro Kilometer
Modell: Renault Grand Scénic 1.6 dCi130
Baujahr: 2013
Euro-Norm: 6
NOx-Grenzwert: 80 Milligramm pro Kilometer
Durchschnittlicher NOx-Ausstoß im UBA-Test: 937 Milligramm pro Kilometer
Modell: Mazda CX-5 D LP 4WD
Baujahr: 2012
Euro-Norm: 6
NOx-Grenzwert: 80 Milligramm pro Kilometer
Durchschnittlicher NOx-Ausstoß im UBA-Test: 498 Milligramm pro Kilometer
Modell: Porsche Macan S diesel
Baujahr: 2015
Euro-Norm: 6
NOx-Grenzwert: 80 Milligramm pro Kilometer
Durchschnittlicher NOx-Ausstoß im UBA-Test: 482 Milligramm pro Kilometer
Modell: Peugeot 508 SW BlueHDi 120 FAP
Baujahr: 2016
Euro-Norm: 6
NOx-Grenzwert: 80 Milligramm pro Kilometer
Durchschnittlicher NOx-Ausstoß im UBA-Test: 469 Milligramm pro Kilometer
Modell: Mercedes-Benz A 220 CDI
Baujahr: 2014
Euro-Norm: 6
NOx-Grenzwert: 80 Milligramm pro Kilometer
Durchschnittlicher NOx-Ausstoß im UBA-Test: 441 Milligramm pro Kilometer
Modell: BMW X3 xDrive 20d
Baujahr: 2014
Euro-Norm: 6
NOx-Grenzwert: 80 Milligramm pro Kilometer
Durchschnittlicher NOx-Ausstoß im UBA-Test: 383 Milligramm pro Kilometer
Der Abgasskandal macht sich in der Zulassungsstatistik bemerkbar: Seit Monaten sinkt der Marktanteil der Diesel bei Neuwagen. Im April 2017 lag der Anteil laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) noch bei 41,3 Prozent. Das sind 5,7 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Immer neue Berichte über mögliche Abgas-Manipulationen, Differenzen zwischen Abgaswerten auf dem Prüfstand und im realen Verkehr sowie die Debatte über Fahrverbote für ältere Diesel-Modelle haben für Verunsicherung gesorgt.
Im Zentrum der Kritik am Dieselmotor steht der Ausstoß von gesundheitsschädigendem Stickoxid (NOx). Stickoxide können unter anderem den Atemwegen und dem Herz-Kreislauf-System schaden.
Autobauer halten am Dieselmotor fest
Für Aufsehen sorgte zuletzt Ende April das Umweltbundesamt: Neue Daten zeigten, dass auch moderne Diesel-Autos den EU-Grenzwert auf der Straße um ein Vielfaches überschreiten. Trotzdem: Die Autobauer hängen am Diesel. „Aus unserer Sicht ist der moderne Diesel Teil der Lösung, nicht des Problems“, sagte VW-Chef Matthias Müller der „Automobilwoche“. Auch BMW-Chef Harald Krüger warnte kürzlich vor einer Verteufelung des Dieselmotors. Ohne Dieselautos seien die Klimaziele der EU nicht erreichbar. Und weiter: „Eine vernünftige Debatte lässt sich nur auf der Basis von Fakten führen.“
Doch einige Fakten sprechen gegen Krüger. Ende April zeigten Untersuchungen des Umweltbundesamtes, dass es gar nicht mal die alten Modelle trifft. Auch neue Dieselfahrzeuge sind Stinker.
Demnach lagen die 24 getesteten Euro-5-Diesel um ein Vielfaches über den Grenzwerten für die Emission von Stickoxidausstoß pro Kilometer. 180 Milligramm durften es sein, im Mittel waren es 907 Milligramm. Auch die neueren Euro-6-Diesel lagen mit mehr als 500 Milligramm weit über den vorgeschriebenen Grenzwerten von 80 Milligramm je Kilometer.
Jetzt hat die Behörde die Abgaswerte nach Fahrzeugmodellen aufgeschlüsselt und die Informationen veröffentlicht. Zwölf Typen waren im Test besonders auffällig, darunter Fabrikate von Mercedes, Fiat Chrysler, Renault und Peugeot. Alle zwölf Dreckschleudern finden Sie hier.
Jeweils nur ein Wagen eines Typs getestet
Allerdings, so heißt es beim Umweltbundesamt, habe man jeweils nur einen Wagen eines Typs getestet: einmal auf dem Prüfstand und einmal auf der Straße. "Wir haben jeweils nur ein Einzelfahrzeug getestet. Das reicht uns, um einen Durchschnitt für die Flotte zu bilden", sagt Behördensprecher Martin Ittershagen auf Anfrage von WirtschaftsWoche Online. "Die Messung ist aber nicht darauf ausgelegt, repräsentative Aussagen zu diesem, einem Modell zu machen. Es kann natürlich sein, dass wir ein Montags-Auto erwischt haben und der Fahrzeugtyp sonst sauberer ist."
Grundsätzlich ist man im Bundesumweltamt und anderen Behörden überzeugt, dass Diesel keine umweltschädlichen Abgasschleudern sein müssen. Die Technik sei ja vorhanden - und werde auch genutzt. "Die Werte zeigen auch, dass gerade bei den Euro-6-Fahrzeugen sehr saubere Fahrzeuge dabei sind, die schon heute die künftigen RDE-Grenzwerte einhalten", so Ittershagen. Nur gelte das eben nicht für alle Modelle - und auch nicht für alle Modelle eines Herstellers. "Es gibt Licht und Schatten: Einzelne Hersteller hatten sowohl Modelle im Test, die richtig sauber waren, andere ihrer Fahrzeuge zeigten in unserem Test zu hohe Werte."
Zu einem ähnlichen Ergebnis kam zuvor schon die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in einem Test: Selbst bei niedrigen Temperaturen, bei denen der NOx-Ausstoß tendenziell höher ist, unterschritten ein auf der Straße getesteter Audi A5 und eine Mercedes E-Klasse mit moderner Abgasnachbehandlung die Grenzwerte.
Mit Material von dpa