Volkswagen Die wichtigsten Fragen der VW-Aktionäre

Der Abgasskandal kostet Volkswagen Milliarden, gegen den Ex-Chef wird ermittelt und der ganze Konzern braucht einen neuen Anstrich: Es gab schon harmonischere Hauptversammlungen. Was die Anleger von VW wissen wollen.

Ein Auspuff eines Volkswagens ist vor dem Verwaltungshochhaus vom VW-Werk in Wolfsburg zu sehen. Quelle: dpa

Es gibt ihn, den viel zitierten denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Am Montag war wieder so einer für Volkswagen. Zwei Tage vor der Hauptversammlung gab die Staatsanwaltschaft Braunschweig bekannt: Sie ermittelt gegen den Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und den aktuellen VW-Markenvorstand Herbert Diess wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

Eine Anzeige der BaFin hat die Ermittlungen ausgelöst, sie sieht ihre Verdachtsmomente inzwischen erhärtet. Die aufflackernde Unsicherheit über die Verwicklung des Top-Managements in Dieselgate liefert Anlegern, Anwälten und Aktionärsschützern neue Argumente für ihre Klagen.

Erstmals nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals müssen Volkswagen-Aufsichtsrat und -Vorstand den Anteilseignern Rede und Antwort stehen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es im Konzern, die Führungsriege müsse sich einen Tag lang anschreien lassen.

Zwar hatte sich VW vergangene Woche bereits in seiner neuen Strategie zu Elektroautos und Digitalisierung bekannt – die Kritiker dürfte dies aber nicht zum Schweigen bringen. Im Konzern rechnet man damit, dass die Hauptversammlung am Mittwoch bis in die Nacht andauern könnte.

Wie VW im ersten Quartal abgeschnitten hat


Das Unternehmen mit seinen weltweit rund 600.000 Mitarbeitern steckt seit dem Auffliegen der Diesel-Affäre im vergangenen Herbst in der größten Krise seiner etwa 80-jährigen Geschichte. Allein mit Blick auf die Gegenanträge droht ein Scherbengericht.

Die wichtigsten Fragen für die Anleger im Überblick:

Kommt eine Sonderprüfung?

Aktionäre wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), der britische Pensionsfonds-Vertreter Hermes oder der Hedgefonds TCI wollen VW wegen der angeblich zu späten Information an die Finanzwelt zu einer unabhängigen Sonderprüfung zwingen. Außerdem schmeckt es vielen Investoren gar nicht, Vorstand und Aufsichtsrat zu entlasten – so wie es die Tagesordnung vorsieht. Sie fordern das Gegenteil angesichts der Krise und des bisherigen Umgangs mit ihr.

Es ist aber höchst unwahrscheinlich, dass einer Sonderprüfung zugestimmt wird – denn die Mehrheitsverhältnisse bei VW sind eindeutig. Mehr als die Hälfte der Aktien werden von der Großfamilie Porsche/Piëch kontrolliert.

Wichtig ist also vor allem, wie sich die Familie positioniert. Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch haben sich zuletzt in einem Interview der „Bild“-Zeitung jedenfalls demonstrativ hinter die VW-Chefetage gestellt.

Wie teuer wird Dieselgate?

Eigentlich wollte der Konzern seinen Aktionären auf der Hauptversammlung eine Einigung mit den US-Behörden präsentieren. Doch der in den USA zuständige Richter Charles Breyer gab Volkswagen und den Klägern mehr Zeit für einen Kompromissvorschlag. Er verschob die Frist für Details zu einem Vergleich auf den 28. Juni – eine Woche nach der Hauptversammlung. Nun müssen die Verantwortlichen die Aktionäre am Mittwoch vertrösten.

Es geht in den USA um gigantische Summen. Bisher hat der VW-Konzern gut 16 Milliarden Euro als Vorsorge für Rückrufe und Rückkäufe, mögliche Zahlungen an betroffene Kunden und Rechtsrisiken zurückgestellt. Doch ob das reicht? Die Weichenstellungen bei Richter Breyer sind maßgeblich, denn der dickste Batzen droht VW in den USA.

In der bisher veranschlagten Summe sehen Analysten eher eine Untergrenze. „Wir gehen nach wie vor weltweit von Gesamtkosten infolge des Diesel-Skandals in Höhe von 20 bis 30 Milliarden Euro aus“, sagt etwa Frank Schwope von der NordLB. Diese Spanne dürfte eher über- als unterschritten werden. Und: Die gesamten Kosten des Skandals dürften „frühestens in zehn Jahren feststehen“.

VW-Chef Müller bezeichnete die Rückstellungen in einem Interview als „nach unseren derzeit seriös abschätzbaren Berechnungen ausreichend“.

Ist der Konzern bedroht?

Wie eine Umfrage der WirtschaftsWoche unter betroffenen VW-Fahrern in Deutschland zeigt, erwarten die Kunden eine angemessene Wiedergutmachung – etwa in Form einer Entschädigung, ähnlich der in den USA. Solchen Wünschen hat Müller jedoch bereits im Vorfeld der Hauptversammlung widersprochen. „Wir haben in den USA völlig andere rechtlich und technische Voraussetzungen und Gesetzgebungen“, sagte Müller im „Handelsblatt“. „Das lässt sich mit Deutschland nicht vergleichen.“

Auf die Frage, ob VW bei ähnlichen Maßstäben in den USA und Europa pleite wäre, musste er aber einräumen: „Es würde auf jeden Fall eng werden.“

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