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Insider Commerzbank wappnet sich gegen Übernahme

Die Commerzbank wappnet sich Insidern zufolge mit Hilfe von zwei Investmentbanken für eine mögliche Übernahmeschlacht.

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Commerzbank-Logo Quelle: REUTERS

Goldman Sachs und Rothschild sollen die Commerzbank bei Abwehrmaßnahmen beraten und alternative Möglichkeiten prüfen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Institute wollten sich dazu nicht äußern.

In den vergangenen Wochen hatten mehrere ausländische Konkurrenten Interesse an dem Frankfurter Geldhaus gezeigt - etwa die italienische Großbank Unicredit sowie die französischen Großbanken BNP Paribas und Credit Agricole. Dazu haben die Fusionsfantasien durch eine mögliche Beteiligung der FDP an der künftigen Bundesregierung neuen Schwung bekommen. Der Bund ist mit 15,6 Prozent größter Aktionär der Commerzbank.

Im Sommer hatte der Einstieg des US-Finanzinvestors Cerberus für Aufsehen gesorgt, der mit einem Anteil von gut fünf Prozent zum zweitgrößten Commerzbank-Aktionär aufstieg.

Höheres Tempo beim Filialsterben
Die Gründe für die Schließung der FilialenIn den letzten beiden Jahren wurden in Deutschland etwa 2.200 Bankfilialen geschlossen. Ein Hauptgrund dafür ist die zunehmende Digitalisierung. Diese bringt zum Beispiel neue Technologien mit sich. Dadurch ändern sich auch die Kundenanforderungen, auf welche die Banken dann reagieren müssen. Neben diesen Gründen wollen die Banken selbstredend ihre Effizienz steigern. Außerdem spielt auch der demographische Wandel eine nicht unbedeutende Rolle. (Quelle: KfW Research) Quelle: dpa
Die ZahlenVon 2001 bis 2015 nahm die Anzahl der Bankfilialen in Deutschland durchgehend ab. Durchschnittlich wurden pro Jahr etwa zwei Prozent der Standorte geschlossen. 2002 wurden mit 5,6 Prozent prozentual die meisten Filialen aufgegeben. Zwischen 2006 und 2012 schwankten die Zahlen zwischen 0,5 Prozent und 1,7 Prozent. Seit 2013 steigen die Zahlen wieder, sodass 2015 vier Prozent der Standorte wegfielen. Quelle: dpa
Alle Kreditinstitutstypen sind betroffenDass ein Kreditinstitutstyp besonders von dem Abbau betroffen ist, lässt sich nicht feststellen. Beispielsweise im Jahr 2015 wurden bei den Genossenschaftsbanken 3,9 Prozent der Filialen geschlossen, bei den Kreditbanken waren es 3,8 Prozent und bei den Sparkassen 4,2 Prozent. Auch in den vorherigen Jahren sind die Unterschiede nicht gravierender. Quelle: REUTERS
Fast alle Regionen betroffenDer innerdeutsche Vergleich zeigt, dass die meisten Regionen in Deutschland von den Schließung der Filialen betroffen sind. Es besteht allerdings ein Unterschied zwischen ländlichen Regionen – seit 2000 wurden hier durchschnittlich 27 Prozent der Bankfilialen geschlossen – und Städten – hier waren es „nur“ 23 Prozent. Entgegen des allgemeinen Trends konnten auch einige Regionen einen Anstieg verzeichnen. Der Spitzenreiter dieser Regionen ist Frankfurt am Main (Bild) mit einem Anstieg von 59 Prozent. Quelle: dpa
Europäischer DurchschnittIm Vergleich zu den anderen europäischen Staaten liegt Deutschland bei der Filialdichte angeht – mit 3,5 Filialen pro 10.000 Einwohner – im Mittelfeld. Spitzenreiter ist Spanien mit 6,7 Standorten und Schlusslicht sind die Niederlande mit einer Filiale, hier wurden zwischen 2000 und 2015 66 Prozent der Zweigstellen geschlossen. In Ländern wie Frankreich und Portugal wurde das Filialnetz entgegen des Trends sogar deutlich ausgebaut. Quelle: dpa
Immer weniger StandorteSetzt sich der Trend weiter fort und das Tempo, in welchem die Banken geschlossen werden, bleibt weiterhin so hoch, werden im Jahr 2035 etwa 52 Prozent der Filialen geschlossen sein, die noch im Jahr 2000 existierten. Nebenbei müssen die Kreditinstitute die fortschreitende Digitalisierung bewältigen und versuchen, dass trotz des Rückbaus der Filialnetzes die Qualität und Quantität der Versorgung der Kunden nicht leidet. Quelle: dpa

Cerberus ist auch Mehrheitseigentümer der österreichischen Bank Bawag, die kurz vor dem größten Börsengang in der Geschichte der Wiener Börse steht. Cerberus kann daraus mit einem Milliardenerlös rechnen. Die Bawag hatte vor wenigen Monaten die kleine Stuttgarter Südwestbank übernommen und ist auf der Suche nach weiteren Gelegenheiten in Deutschland. Der Einstieg von Cerberus sei der Auslöser für den Commerzbank-Vorstand gewesen, die Berater an Bord zu holen, sagte einer der Insider.

Übernahmefantasien haben die Commerzbank-Aktie in den vergangenen Monaten immer wieder angetrieben. Am Dienstag kletterte sie um bis zu vier Prozent auf 11,92 Euro, seit Jahresbeginn kommt sie auf ein Plus von 60 Prozent. Doch damit ist die Commerzbank-Aktie immer noch weit von der Summe entfernt, die der Bund erlösen müsste, um sich von seiner Beteiligung an dem Geldhaus ohne Verlust trennen zu können. In der Finanzkrise 2008/09 hatte der Staat der Großbank mit gut 18 Milliarden Euro geholfen - über eine "stille Einlage" und mit einer Aktienbeteiligung von zunächst 25 Prozent.

Der Bund müsste für seine Aktien jeweils rund 26 Euro erhalten, um sie nicht unter dem Preis zu verkaufen, den er einst bezahlt hat. Nach anderen Kalkulationen könnten auch 18 Euro reichen, damit er unter dem Strich ohne Verlust aus seinem Engagement herauskommt. Schließlich hat er von der Commerzbank Zinsen und Gebühren kassiert: Bei der Rückzahlung der stillen Einlage zahlte die Bank etwa eine Vorfälligkeitsentschädigung von einer Milliarde Euro.

Das Finanzministerium wird nicht müde zu betonen, man wolle "für den Steuerzahler perspektivisch ein gutes wirtschaftliches Ergebnis erzielen. Wir stehen nicht unter Zeitdruck." Auch FDP-Chef Christian Lindner sieht keinen Grund zur Eile. Doch es gibt auch andere Meinungen in Berlin: "Man wird irgendwann einen Verlust realisieren müssen", sagte ein Politiker, der in einer neuen Koalitionsregierung eine wichtige Rolle spielen könnte. Er sehe niemanden, der die Beteiligung langfristig behalten wolle.

Unicredit hat bereits gegenüber der Bundesregierung Interesse an dem Frankfurter Geldhaus signalisiert, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen Reuters sagten. Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier kommt bei der Sanierung der HypoVereinsbank-Mutter voran und schaut sich laut Insidern nach möglichen Partnern um, um nach dem Ende des Umbaus in zwei Jahren schnell handeln zu können.

Das sind die Brexit-Pläne der Banken
Banken in London Quelle: REUTERS
Die britische Großbank HSBC Quelle: dpa
BarclaysBarclays-Chef Jes Staley spielt die Brexit-Auswirkungen für seine Bank herunter. Der geplante EU-Austritt sei eine „vollkommen machbare Herausforderung“, sagte Staley dem „Guardian“ zufolge. Erwartet wird, dass die Bank ihren Standort in der irischen Hauptstadt Dublin ausbaut. Das bedeute aber nicht, dass in London Arbeitsplätze wegfielen, betonte Staley. „Ich glaube, wir werden einige neue Jobs an Standorten in der EU schaffen, aber es wäre ein Fehler zu glauben, dass dafür jemand entlassen werden muss“, sagte er bereits Ende April der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Quelle: REUTERS
Goldman Sachs Quelle: REUTERS
Deutsche Bank Quelle: dpa
Commerzbank Quelle: dpa
Entscheidung für Frankfurt Quelle: REUTERS

Credit Agricole will sich nach den Worten von Vorstandschef Philippe Brassac mit einem Einstieg bei der Commerzbank beschäftigen, wenn das Geldhaus auf den Markt kommt. BNP Paribas hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren auch ohne Zukäufe stark in Deutschland zu wachsen.
Die Hindernisse für eine grenzüberschreitende Fusion sind trotz der europäischen Bankenunion erheblich. Unklar ist, ob der Bund überhaupt bereit wäre, den größten Finanzier des deutschen Mittelstands in ausländische Händen zu geben. Für einige Beobachter hätte daher auch eine Fusion der Deutschen Bank und der Commerzbank ihren Charme.

Im Sommer 2016 loteten die Spitzen der beiden Banken ein Zusammengehen aus. Der "Sommerflirt" wurde aber rasch wieder beendet. Beide Geldhäuser waren sich einig, dass sie erst einmal aufräumen müssen, bevor sie über weitergehende Schritte nachdenken können.

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