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InsiderCommerzbank wappnet sich gegen Übernahme

Die Commerzbank wappnet sich Insidern zufolge mit Hilfe von zwei Investmentbanken für eine mögliche Übernahmeschlacht. 24.10.2017 - 13:12 Uhr

Unicredit hat Interesse an der Commerzbank geäußert.

Foto: REUTERS

Goldman Sachs und Rothschild sollen die Commerzbank bei Abwehrmaßnahmen beraten und alternative Möglichkeiten prüfen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Institute wollten sich dazu nicht äußern.

In den vergangenen Wochen hatten mehrere ausländische Konkurrenten Interesse an dem Frankfurter Geldhaus gezeigt - etwa die italienische Großbank Unicredit sowie die französischen Großbanken BNP Paribas und Credit Agricole. Dazu haben die Fusionsfantasien durch eine mögliche Beteiligung der FDP an der künftigen Bundesregierung neuen Schwung bekommen. Der Bund ist mit 15,6 Prozent größter Aktionär der Commerzbank.

Im Sommer hatte der Einstieg des US-Finanzinvestors Cerberus für Aufsehen gesorgt, der mit einem Anteil von gut fünf Prozent zum zweitgrößten Commerzbank-Aktionär aufstieg.

Die Gründe für die Schließung der Filialen

In den letzten beiden Jahren wurden in Deutschland etwa 2.200 Bankfilialen geschlossen. Ein Hauptgrund dafür ist die zunehmende Digitalisierung. Diese bringt zum Beispiel neue Technologien mit sich. Dadurch ändern sich auch die Kundenanforderungen, auf welche die Banken dann reagieren müssen. Neben diesen Gründen wollen die Banken selbstredend ihre Effizienz steigern. Außerdem spielt auch der demographische Wandel eine nicht unbedeutende Rolle.

(Quelle: KfW Research)

Foto: dpa

Die Zahlen

Von 2001 bis 2015 nahm die Anzahl der Bankfilialen in Deutschland durchgehend ab. Durchschnittlich wurden pro Jahr etwa zwei Prozent der Standorte geschlossen. 2002 wurden mit 5,6 Prozent prozentual die meisten Filialen aufgegeben. Zwischen 2006 und 2012 schwankten die Zahlen zwischen 0,5 Prozent und 1,7 Prozent. Seit 2013 steigen die Zahlen wieder, sodass 2015 vier Prozent der Standorte wegfielen.

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Alle Kreditinstitutstypen sind betroffen

Dass ein Kreditinstitutstyp besonders von dem Abbau betroffen ist, lässt sich nicht feststellen. Beispielsweise im Jahr 2015 wurden bei den Genossenschaftsbanken 3,9 Prozent der Filialen geschlossen, bei den Kreditbanken waren es 3,8 Prozent und bei den Sparkassen 4,2 Prozent. Auch in den vorherigen Jahren sind die Unterschiede nicht gravierender.

Foto: REUTERS

Fast alle Regionen betroffen

Der innerdeutsche Vergleich zeigt, dass die meisten Regionen in Deutschland von den Schließung der Filialen betroffen sind. Es besteht allerdings ein Unterschied zwischen ländlichen Regionen – seit 2000 wurden hier durchschnittlich 27 Prozent der Bankfilialen geschlossen – und Städten – hier waren es „nur“ 23 Prozent. Entgegen des allgemeinen Trends konnten auch einige Regionen einen Anstieg verzeichnen. Der Spitzenreiter dieser Regionen ist Frankfurt am Main (Bild) mit einem Anstieg von 59 Prozent.

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Europäischer Durchschnitt

Im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten liegt Deutschland bei der Filialdichte angeht – mit 3,5 Filialen pro 10.000 Einwohner – im Mittelfeld. Spitzenreiter ist Spanien mit 6,7 Standorten und Schlusslicht sind die Niederlande mit einer Filiale, hier wurden zwischen 2000 und 2015 66 Prozent der Zweigstellen geschlossen. In Ländern wie Frankreich und Portugal wurde das Filialnetz entgegen des Trends sogar deutlich ausgebaut.

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Immer weniger Standorte

Setzt sich der Trend weiter fort und das Tempo, in welchem die Banken geschlossen werden, bleibt weiterhin so hoch, werden im Jahr 2035 etwa 52 Prozent der Filialen geschlossen sein, die noch im Jahr 2000 existierten. Nebenbei müssen die Kreditinstitute die fortschreitende Digitalisierung bewältigen und versuchen, dass trotz des Rückbaus der Filialnetzes die Qualität und Quantität der Versorgung der Kunden nicht leidet.

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Cerberus ist auch Mehrheitseigentümer der österreichischen Bank Bawag, die kurz vor dem größten Börsengang in der Geschichte der Wiener Börse steht. Cerberus kann daraus mit einem Milliardenerlös rechnen. Die Bawag hatte vor wenigen Monaten die kleine Stuttgarter Südwestbank übernommen und ist auf der Suche nach weiteren Gelegenheiten in Deutschland. Der Einstieg von Cerberus sei der Auslöser für den Commerzbank-Vorstand gewesen, die Berater an Bord zu holen, sagte einer der Insider.

Übernahmefantasien haben die Commerzbank-Aktie in den vergangenen Monaten immer wieder angetrieben. Am Dienstag kletterte sie um bis zu vier Prozent auf 11,92 Euro, seit Jahresbeginn kommt sie auf ein Plus von 60 Prozent. Doch damit ist die Commerzbank-Aktie immer noch weit von der Summe entfernt, die der Bund erlösen müsste, um sich von seiner Beteiligung an dem Geldhaus ohne Verlust trennen zu können. In der Finanzkrise 2008/09 hatte der Staat der Großbank mit gut 18 Milliarden Euro geholfen - über eine "stille Einlage" und mit einer Aktienbeteiligung von zunächst 25 Prozent.

Commerzbank

Fusion für die Bankenunion?

von Saskia Littmann und Cornelius Welp

Der Bund müsste für seine Aktien jeweils rund 26 Euro erhalten, um sie nicht unter dem Preis zu verkaufen, den er einst bezahlt hat. Nach anderen Kalkulationen könnten auch 18 Euro reichen, damit er unter dem Strich ohne Verlust aus seinem Engagement herauskommt. Schließlich hat er von der Commerzbank Zinsen und Gebühren kassiert: Bei der Rückzahlung der stillen Einlage zahlte die Bank etwa eine Vorfälligkeitsentschädigung von einer Milliarde Euro.

Das Finanzministerium wird nicht müde zu betonen, man wolle "für den Steuerzahler perspektivisch ein gutes wirtschaftliches Ergebnis erzielen. Wir stehen nicht unter Zeitdruck." Auch FDP-Chef Christian Lindner sieht keinen Grund zur Eile. Doch es gibt auch andere Meinungen in Berlin: "Man wird irgendwann einen Verlust realisieren müssen", sagte ein Politiker, der in einer neuen Koalitionsregierung eine wichtige Rolle spielen könnte. Er sehe niemanden, der die Beteiligung langfristig behalten wolle.

Unicredit hat bereits gegenüber der Bundesregierung Interesse an dem Frankfurter Geldhaus signalisiert, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen Reuters sagten. Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier kommt bei der Sanierung der HypoVereinsbank-Mutter voran und schaut sich laut Insidern nach möglichen Partnern um, um nach dem Ende des Umbaus in zwei Jahren schnell handeln zu können.

Banken in London

Gut ein Jahr nach dem Brexit-Votum müssen die Banken am wichtigen Finanzstandort London auf das Abstimmungsergebnis reagieren. Mehrere Großbanken haben bereits angekündigt, Mitarbeiter wegen des geplanten EU-Austritts Großbritanniens in ein anderes Mitgliedsland umzuziehen. Denn in London angesiedelte Banken benötigen für Dienstleistungen wie Einlagen- und Kreditgeschäfte in der Europäischen Union rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat. Bis zum 14. Juli müssen die Geldinstitute in Großbritannien der Bank of England ihre Brexit-Pläne offenbaren - die Notenbank will die Ergebnisse aber erst am 3. August veröffentlichen.

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HSBC

Die britische Großbank HSBC hat bereits angekündigt, etwa 1000 Jobs nach Paris zu verlegen. „Es gibt rund 1000 Mitarbeiter von insgesamt 43.000 in Großbritannien, die im Falle eines harten Brexits unsere Geschäfte nicht mehr legal aus Großbritannien machen könnten“, sagte HSBC-Chef Stuart Gulliver einem Bericht der „Financial Times“ zufolge.

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Barclays

Barclays-Chef Jes Staley spielt die Brexit-Auswirkungen für seine Bank herunter. Der geplante EU-Austritt sei eine „vollkommen machbare Herausforderung“, sagte Staley dem „Guardian“ zufolge.

Erwartet wird, dass die Bank ihren Standort in der irischen Hauptstadt Dublin ausbaut. Das bedeute aber nicht, dass in London Arbeitsplätze wegfielen, betonte Staley. „Ich glaube, wir werden einige neue Jobs an Standorten in der EU schaffen, aber es wäre ein Fehler zu glauben, dass dafür jemand entlassen werden muss“, sagte er bereits Ende April der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

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Goldman Sachs

Noch keine endgültige Entscheidung getroffen hat die führende US-Investmentbank Goldman Sachs. „Wir sind seit dem Brexit-Referendum im aktiven Dialog mit den Regulierungsbehörden“, heißt es dort. Allerdings hatte Europa-Chef Richard Gnodde dem US-Sender CNBC bereits im März gesagt, dass man mit dem Abzug Hunderter Jobs aus London beginnen werde. Insgesamt beschäftigt Goldman Sachs etwa 6000 Mitarbeiter in der britischen Hauptstadt.

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Deutsche Bank

Die Deutsche Bank, die in London rund 9000 Mitarbeiter beschäftigt, erwägt eine Verlagerung ihres Geschäfts mit europäischen Firmenkunden von London nach Frankfurt. Zeitrahmen: 18 Monate. Regulierungsvorstand Sylvie Matherat hatte bereits im April gesagt, Deutschlands größtes Geldhaus müsse sich wegen des Brexits mit dem Umzug von Geschäften mit EU-Kunden beschäftigen. 2000 Mitarbeiter könnten betroffen sein, hieß es. Auch sei unklar, ob die Bank künftig Millionen von Transaktionen mit kontinentaleuropäischen Kunden in der EU verbuchen müsse. Dann müssten auch Risikomanager umziehen, was weitere 2000 Mitarbeiter betreffen würde. Konkret äußern zum Stand ihrer Brexit-Planungen wollte sich die Deutsche Bank nicht.

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Commerzbank

Für die Commerzbank bietet London ebenfalls einen wichtigen Zugang zum internationalen Kapitalmarkt. Allerdings hat das teilverstaatlichte Institut in den vergangenen Jahren etliche Mitarbeiter von dort in die Zentrale nach Frankfurt geholt. Momentan sind noch etwa 1000 Commerzbanker in London. Wie genau diese sich auf den Brexit vorbereiten, verrät die Commerzbank auch auf Anfrage nicht. Ein kompletter Rückzug aus der britischen Hauptstadt kommt für das Institut nicht infrage - zu wichtig ist das Finanzzentrum London mit seinen Zehntausenden gut ausgebildeten und vernetzten Bankern.

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Entscheidung für Frankfurt

Mehrere Auslandsbanken haben sich inzwischen wegen des britischen EU-Austritts für Frankfurt als Standort entschieden, etwa die drei japanischen Häuser Daiwa Securities, Nomura und Sumitomo Mitsui.

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Standard Chartered

Die britische Großbank Standard Chartered stellte ebenfalls die Weichen zur Stärkung ihres Frankfurter Standorts. Der Verband der Auslandsbanken in Deutschland geht davon aus, dass wegen des Brexits in den nächsten zwei Jahren 3000 bis 5000 neue Arbeitsplätze in Frankfurt entstehen werden.

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Credit Agricole will sich nach den Worten von Vorstandschef Philippe Brassac mit einem Einstieg bei der Commerzbank beschäftigen, wenn das Geldhaus auf den Markt kommt. BNP Paribas hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren auch ohne Zukäufe stark in Deutschland zu wachsen.
Die Hindernisse für eine grenzüberschreitende Fusion sind trotz der europäischen Bankenunion erheblich. Unklar ist, ob der Bund überhaupt bereit wäre, den größten Finanzier des deutschen Mittelstands in ausländische Händen zu geben. Für einige Beobachter hätte daher auch eine Fusion der Deutschen Bank und der Commerzbank ihren Charme.

Im Sommer 2016 loteten die Spitzen der beiden Banken ein Zusammengehen aus. Der "Sommerflirt" wurde aber rasch wieder beendet. Beide Geldhäuser waren sich einig, dass sie erst einmal aufräumen müssen, bevor sie über weitergehende Schritte nachdenken können.

rtr
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